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Der Hulk unter den Trailrunningschuhen

Im Test: Der inov-8 Trailfly Ultra G 300 Max Laufschuh

7 Minuten Lesezeit
Die Revolution des Trailrunning-Schuhmarkts? Inov-8 hat mit seinem neusten Schuh, dem Trailfly Ultra G 300 Max, Großes vor. Mit dem Material Graphene, das nicht nur nobelpreisverdächtig ist, sondern den Entdeckern tatsächlich diese Auszeichnung beschert hat, ist nicht nur die Außensohle, sondern erstmals auch der Schaum der Zwischensohle ausgestattet. Das soll nicht nur für längere Haltbarkeit, sondern sogar für eine Steigerung der eigenen Leistung sorgen. Bergzeit Mitarbeiter Flo hat den Trailfly Ultra G 300 Max von Inov-8 getestet, dank des Aprilwetters unter allen Bedingungen.

Betrachtet man meine bisherigen Erfahrungen mit Inov-8, fällt es mir schwer meine Vorfreude auf den Trailfly Ultra G 300 Max, wie er mit vollem Namen heißt, auf ein rationales Maß zu dämpfen. Im vergangenen Jahr hat mich bereits der Terraultra G 270 komplett begeistert. Mit keinem Schuh bin ich so viele Kilometer gelaufen, er hat mich super durch meinen ersten Ultralauf gebracht und mich nie im Stich gelassen.

Der Trailfly Ultra verspricht Großes

Mit dem TrailFly legt der britische Trailrunningspezialist nun nochmal nach und wirft einen Schuh auf den Markt, der mit großem Hype herantrabt. Inov-8 treibt die Entwicklung seiner Graphene Technologie noch weiter voran, um uns einen Trailschuh zu liefern, an dessen Graphene-Sohle alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen soll.

Der neue Inov-8 Trailfly oder wie ich ihn nenne: der Hulk.

Florian Wolf

Der neue Inov-8 Trailfly oder wie ich ihn nenne: der Hulk.


Wie gut komme ich mit dem Schuh im Schnee(matsch) und Schlamm zurecht?

Florian Wolf

Wie gut komme ich mit dem Schuh im Schnee(matsch) und Schlamm zurecht?


Erster Eindruck

Der TrailFly sieht mächtig aus! Bereits als ich ihn aus der Schuhschachtel hole, habe ich ihm seinen Spitznamen gegeben: Der Hulk. Das liegt natürlich an dem herrlichen Giftgrün, das Inov-8 den neuen Modellen seiner G-Series gibt. Aber am meisten beeindruckt mich die fette Sohle, die wirkt, als würde sie alles plattwalzen, was unter sie gerät. Optisch erinnert er mich an den Terraultra und auch wieder nicht. Der TrailFly wirkt nochmal eine Spur aggressiver, noch ein Spur brutaler – wenn sich das auf den Trail überträgt, bin ich mehr als glücklich.

Die Sohle ist nicht nur aus Graphene, sondern auch mit Adapter-Flex und einem Stollenprofil mit 4 mm Tiefe ausgestattet.

Florian Wolf

Die Sohle ist nicht nur aus Graphene, sondern auch mit Adapter-Flex und einem Stollenprofil mit 4 mm Tiefe ausgestattet.


Das Herzstück: Die Graphene-Sohle

Schieben wir erstmal den Elefanten aus dem Raum, denn was den TrailFly aus der Masse an Laufschuhen heraushebt, ist die Sohle. Inov-8 verarbeitet Graphene seit 2018 in seinen Trailschuhen der G-Series. Graphene ist das dünnste Material auf dem Planeten, dabei aber 200mal stärker als Stahl und dazu auch noch extrem flexibel – seine Entdecker gewannen dafür 2010 den Nobelpreis für Physik. Bisher kam das Material ausschließlich im Gummi der Außensohle zum Einsatz, um dort für den „Worlds toughest Grip“ zu sorgen, wie es Inov-8 selbstbewusst anpreist.

Beim TrailFly steckt nun erstmals Graphene auch im Schaum der Zwischensohle. Die Idee dahinter ist klar: Dadurch soll diese nicht nur länger halten, ohne irgendwann einzusinken, sie soll vor allem die Leistung verbessern. Wie will sie das machen? Laut Inov-8 gibt die Sohle Deine Energie um bis zu 25% besser zurück. Durch diesen besseren Bounce fühlst Du Dich über eine längere Strecke schneller und frischer. Dazu bietet die maximale Dämpfung viel Komfort auf der Ultra-Distanz. Ich laufe gerne lange Strecken, Tempo ist mir dabei gar nicht so wichtig, aber die Idee, weniger schnell zu ermüden, finde ich schon sehr interessant.

Bei all dem Hype um Graphene übersieht man schnell eine weitere Funktion der Sohle. Dank Adapter-Flex und einem Stollenprofil mit 4 mm Tiefe findet sich der TrailFly im Gelände besonders gut zurecht, da sich der Schuh optimal auf den Untergrund anpasst und auf ihn reagiert.

Dank der Graphene-Sohle läuft es sich auch im Matsch mit absolut sicherem Gefühl.

Florian Wolf

Dank der Graphene-Sohle läuft es sich auch im Matsch mit absolut sicherem Gefühl.


Passform des Trailfly Ultra G 300 Max

Nach dem ersten Hereinschlüpfen fühle ich mich wie zuhause. Im Terraultra bin ich weit über 1.200 km gelaufen und die Passform war für mich ein großes Plus. Deshalb bin ich dankbar, dass sie für den TrailFly übernommen wurde. Ich habe einen tendenziell etwas breiteren Fuß, dennoch finden meine Zehen in der Zehenbox ausreichend viel Platz. Dennoch ist der Schuh nicht zu weit geschnitten, um darin zu schwimmen, zumal er sich über die Schnürung präzise an den Fuß ziehen lässt.

Bei Trailschuhen trage ich für gewöhnlich Größe UK10/US11 und die passt mir auch beim TrailFly perfekt.

Die knallige Farbe sticht heraus, der Sitz der Schuhe ist perfekt.

Florian Wolf

Die knallige Farbe sticht heraus, der Sitz der Schuhe ist perfekt.


Laufgefühl

Aber nu Butter bei die Fische (wie der Bayer sagt), wie läuft sich der TrailFly? Ist das ganze Graphene-Sohlen-Gerede reines Marketing-Blabla oder hält der Schuh seinem eigenen Hype stand?

Ich bin per se kein schneller Läufer und lieber auf Trails und in langen Distanzen zuhause, wo es nicht zu sehr aufs Tempo ankommt. Ob mich der TrailFly wirklich schneller macht, kann und möchte ich an dieser Stelle nicht behaupten. Was ich aber sagen kann: Der angepriesene Bounce ist nicht nur bloßes Gerede. Die Sohle ist kein Energievampir, sie schluckt nicht meine Aufprallenergie. Im Gegenteil, selbst nach langen Trainingsrunden mit vielen Höhenmetern in wechselhaftem Gelände fühlen sich meine Beine noch leicht und locker an.

Den Terraultra bezeichne ich gerne als Allrounder, der sich in jedem Gelände ordentlich schlägt und daher ein großartiger Schuh ist, in den Du massig Trainingskilometer stecken kannst. Allerdings hat mir bei ihm etwas der Biss in technischem Gelände und bei nassen Bedingungen gefehlt. Die bringt der TrailFly dagegen reichlich mit. Das stärker ausgeprägte Stollenprofil mit der versprochenen Anpassung aufs Terrain funktioniert für mich ausgesprochen gut. Was uns zum nächsten Punkt führt – der Trailkompetenz.

Der Trailfly bringt mit, was mir beim Vorgängermodell gefehlt hat: Biss in technischem Gelände und bei nassen Bedingungen.

Florian Wolf

Der Trailfly bringt mit, was mir beim Vorgängermodell gefehlt hat: Biss in technischem Gelände und bei nassen Bedingungen.


Sogar nach langen Trainingsrunden mit vielen Höhenmetern im Schnee fühlen sich meine Beine leicht und locker an - den Bounce der Sohle bemerke ich deutlich.

Florian Wolf

Sogar nach langen Trainingsrunden mit vielen Höhenmetern im Schnee fühlen sich meine Beine leicht und locker an – den Bounce der Sohle bemerke ich deutlich.


Trailkompetenz

Inov-8 positioniert den TrailFly für Hard and Rocky Paths, Trails and Road, empfiehlt ihn aber nur eingeschränkt für soft und schlammig bzw. Schnee und Eis. Dem kann ich nur bedingt zustimmen. Dank eines Aprils, der uns nochmal viel Schnee in die Berge geworfen hat, bin ich den TrailFly nämlich besonders häufig auf Schlamm, im Matsch bzw. auf Schnee und im Schneematsch gelaufen, dabei kam ich gerade unter diesen Bedingungen besonders gut mit dem Schuh zurecht und er gab mir ein absolut sicheres Gefühl.

Entsprechend hatte der TrailFly auf trockenen Trails mit Steinen und Wuzeln leichtes Spiel und ließ mich entspannt durch die Berge surfen. Auf der Straße hat der Schuh für mich dagegen nichts zu suchen. Die wenigen Passagen auf Asphalt, die ich mit ihm laufen musste, fühlten sich irgendwie falsch an und ich bin lieber auf der Wiese neben der Straße gelaufen.

Komfort des Trailrunningschuhs von inov-8

Das Mesh im Obermaterial ist angenehm weich, wodurch der Schuh auch in den üblichen Knickfalten keine Druckstellen erzeugt. Dank des sprichwörtlichen Aprilwetters bin ich den Schuh bei 20° C und wenige Tage später in überknöchelhohem Schnee gelaufen. Weder hatte ich an dem einen Tag schwitzige noch am anderen nasse Füße. Das hat mich tatsächlich verwundert, denn die Kombination trifft man eher selten. Die bequeme Passform mit der angenehm breiten, aber nicht zu breiten Zehenbox habe ich bereits erwähnt.

Die Sohle ist etwas härter als beim Terraultra, was mein Fuß nach kurzer Eingewöhnungszeit sehr gut aufgenommen hat. Etwas mehr Gewöhnungszeit brauchte ich für die 6 mm Sprengung. Ich bin es gewohnt, mit ganz wenig bis gar keiner Sprengung zu laufen, aber das ist mein ganz eigenes Ding. Für die meisten Läufer sollten die 6 mm genau den Sweetspot treffen und bei langen Läufen werden sie dankbar für die kleine Unterstützung im Fersenbereich sein.

Mit dem Trailfly ist man immer trockenen Fußes unterwegs, egal ob es draußen warm oder nass ist. Von oben kann natürlich trotzdem Schnee oder Wasser eindringen.

Florian Wolf

Mit dem Trailfly ist man immer trockenen Fußes unterwegs, egal ob es draußen warm oder nass ist. Von oben kann natürlich trotzdem Schnee oder Wasser eindringen.


Haltbarkeit

Da der TerraFly dem Terraultra vom Material her stark ähnelt, gehe ich davon aus, dass auch er problemlos an die 1.500 km (vielleicht sogar mehr) durchhalten wird. Der komplette Schuh wirkt einfach super solide und hochwertig verarbeitet. Da der TerraFly das Graphene nicht nur auf, sondern sogar in der Sohle trägt, würde es mich nicht wundern, wenn sich aus ihm noch mehr herausholen lässt.

Alles Regenbögen und Einhörner?

Ich nehme es gleich vorneweg, der TrailFly macht mir richtig viel Spaß, aber drei Kleinigkeiten sind mir aufgefallen.

  1. Sprengung. Wie gesagt, das ist eine individuelle Vorliebe von mir und wird kaum jemanden wirklich stören (selbst mich stört sie nach ein paar Läufen mit dem Schuh nicht mehr wirklich).
  2. Gewicht. Das robuste Design, die mächtige Sohle – da lässt sich kein Fliegengewicht erwarten. Mit fast 800 g (pro Paar in Größe UK10/US11) ist der TrailFly vergleichsweise schwer. Durch den Bounce der Sohle macht er einiges davon wieder wett. Aber ein leichtgewichtiger Rennschuh ist er dennoch nicht.
  3. Preis. Mit 194,95 Euro ist der TrailFly kein Schnäppchen. Dafür bekommst Du allerdings State-of-the-Art Materialtechnologie, sehr viel Laufspaß und einen Schuh, der locker im Stande ist 1.200 und mehr Kilometer mit Dir zu gehen.
Mit knapp 200 euro ist der inov-8 Trailfly zwar kein Schnäppchen, man bekommt dafür aber einen äußerst robusten Laufschuh, an dem man lange Spaß hat.

Florian Wolf

Mit knapp 200 euro ist der inov-8 Trailfly zwar kein Schnäppchen, man bekommt dafür aber einen äußerst robusten Laufschuh, an dem man lange Spaß hat.


Mein Testfazit

Revolutioniert der TrailFly also den Schuhmarkt? Nein, denn er pickt sich bereits gut funktionierende Aspekte heraus, um diese nochmals zu verbessern und stellt somit vielmehr eine Evolution dar. Laufspaß, Komfort und Haltbarkeit des Schuhs habe ich bereits ausführlich besungen. Für mich ist der TrailFly die ideale Ergänzung zum Terraultra G 270. Ein richtig bissiges Trailbiest mit einer mächtigen, gedämpften Sohle, die gerade bei den ganz langen Läufen über Stock und Stein sein volles Potenzial auslebt. Wenn Dein natürliches Habitat Berge und Trails sind, Du dabei am liebsten den ganzen Tag unterwegs bist und Du deinem Schuhwerk voll vertrauen willst, dann ist der TrailFly die Anschaffung allemal wert!

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Richard
1 Jahr

Mich würde interessieren wie trocken der Schuh im inneren bleibt, wenn man durch nassen Matsch und Schnee läuft. Wie waren da Ihre Erfahrungen?

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Webmaster
1 Jahr
Reply to  Richard

Lieber Richard, wir haben Deine Frage direkt an den Tester Flo weitergegeben und melden uns, sobald wir eine Antwort haben.
Liebe Grüße
Caro vom Bergzeit Magazin

Webmaster
1 Jahr
Reply to  Richard

Hi Richard!
Hier die Antwort von Tester Flo: „Der TrailFly hat keine Membran, ist also per se kein wasserdichter Schuh. Im Schnee hat er mich dennoch verhältnismäßig lange vor nassen Füßen bewahrt, im Matsch hatte ich gar keine Probleme. Alles in allem findet er eine gute Balance aus: „Er läuft nicht sofort voll“ und „Luftig genug, um keine Schweißfüße zu bekommen.““
Ich hoffe, das hilft Dir weiter!
Liebe Grüße
Caro

Daniel Widmer
10 Monate

Toller Artikel, super objektive Testobjektbeurteilung, Florian versteht etwas von Trailschuhen …und von Trailrunning! Habe den Artikel vor einem Monat gelesen, vor einer Woche den Schuh (bei euch!) bestellt, vor einem Tag erhalten – er passt! – und bin nun als eigentlich eingefleischter HOKA Fan, neu Besitzer eines traumhaft schönen inov-8 TrailFly Ultra, alias „Hulk“ Danke Flo!

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Webmaster
10 Monate
Reply to  Daniel Widmer

Hi Daniel,

danke, das freut uns sehr, dass dir der Artikel weitergeholfen hat.

Viele Grüße
Lisa vom Bergzeit Magazin

Dom
9 Monate

Kurze Frage bezüglich Größen:
G 300 im Vergleich zum Terraultra G 270. Würdest du dieselbe Größe wählen oder den G 300 eher eine Nummer kleiner ( weil er meinem Gefühl nach etwas größer ausfällt )

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Florian Wolf
9 Monate

@Dom Ich habe beim Trailfly G300 exakt die gleich Größe wie beim TrailUltra G270. Ich würde ihn auch definitiv nicht kleiner kaufen. Fit, Größe und Passform sind sich sehr ähnlich, der G300 wirkt vielleicht aufgrund der mächtigen Sohle, als würde er größer ausfallen, tut er aber nicht.
Viele Grüße vom Flo

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Marcel
8 Monate

Bin bisschen enttäuscht von den Schuhen… Zumindest was die Haltbarkeit angeht.
Nach 4 Läufen (max. 100km) über Trails löste sich die Sohle vorne an der Spitze und im Mittelbereich. Also bei 1200 Km hat der keine Sohle mehr ;-)
Klar, kulante Reklamation. Aber Lust auf monatlichen Tausch habe ich ehrlich gesagt nicht.
Ansonsten sind die Schuhe abseits der Straße sehr gut, griffig auf fast jedem Untergrund (nasser Schieferstein mit Moss bedeckt war mal ein Problem).
Im Gegensatz zu anderen Inov-8 Schlappen finde ich die Breite am Vorderfuß insgesamt schmaler.

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Webmaster
8 Monate
Reply to  Marcel

Hi Marcel,
danke für Deinen Input. Tut uns leid, dass bei Dir die Sohle so schnell ab war.
Wir hoffen, dass es mit dem Ersatzpaar besser läuft!
Liebe Grüße
Caro vom Bergzeit Magazin


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