Rund um die Drei Zinnen, dem Wahrzeichen der Sextener Dolomiten, findet sich ein breites Angebot an Klettersteigen. Besonders im Frühsommer punktet die Gegend mit schneefreien Pfaden und T-Shirt-Wetter.
Die Drei Zinnen sind das Wahrzeichen der Sextener Domlomiten. Rundherum gibt es zahlreiche Klettersteige zu entdecken. | Foto: Südtirol Marketing/Helmuth Rier
Die Drei Zinnen sind das Wahrzeichen der Sextener Dolomiten. Rundherum gibt es zahlreiche Klettersteige zu entdecken. | Foto: Südtirol Marketing/Helmuth Rier

Welches Klettersteiggebiet eignet sich für Ende Juni am besten? Ganz klar: Ab nach Italien! Zumal die Klettersteige in den Dolomiten nicht nur die Klassiker unter den „eisernen Wegen“ darstellen, sondern um diese Jahreszeit oft auch schon schneefrei sind. T-Shirt-Wetterlage sollte in Südtirol ebenso herrschen. So zumindest die Theorie und die Hoffnung. Doch wohin? Brenta-Dolomiten? So früh im Jahr sind die Gipfel oft in Nebel gehüllt. Rosengarten? Tofane? Die Drei Zinnen sollen es sein.

Die Recherche ergibt, dass zwar die Drei-Zinnen-Hütte noch geschlossen ist, dafür aber schon viele andere der zahlreichen Hütten in den Sextener Dolomiten ihre Pforten geöffnet haben. Also: Klettersteigset, Klettergurt, Helm und Wanderausrüstung gepackt – nicht zu vergessen die Stirnlampe für einen Steig im dunklen Inneren des Paternkofel – und auf geht’s für uns drei Mädels nach Sexten. Hier parken wir unser Auto und fahren mit dem Bus über Toblach zum Misurinasee.

Aufstieg zur Fonda-Savio-Hütte

Foto: Monika Huber
Die Sonne scheint im Frühsommer in den Dolomiten bereits kräftig. Das schafft Laune, wenn man am Klettersteig mal zupacken muss. | Foto: Monika Huber

Wir gönnen uns den bequemen Aufstieg zur Fonda-Savio-Hütte direkt unter der Materialseilbahn. Eine schöne Alternative wäre die Fahrt mit der Seilbahn am anderen Ende des Sees hinauf zum Einstieg in den ersten Teil der Bonacossa-Klettersteige über die felsigen Zacken des Monte Cadini. Wir wandern in zwei Stunden hinauf zur Hütte. Die Route auf dem Sentiero Bonacossa (Weg Nr. 117), benannt nach dem Kletterer und Bergsteiger Alberto Bonacossa, nimmt knapp drei Stunden in Anspruch und bietet zwischendrin bereits schöne Ausblicke auf die Tre Cime, die Drei Zinnen. Im Fels links neben dem Rifugio Fonda Savio, das von der Italienerin Marianna betrieben wird und den wahrscheinlich weltbesten Spaghetti-Carbonara-Koch Lucky beheimatet, trotzen einige ambitionierte Sportkletterer dem eisigen Wind. Wir schlafen auf dem urigen Dachboden und brechen früh auf, um uns auf den langen Weg über erste felsige Klettersteige zur Büllelejochhütte zu machen.

Sandalentouristen an der Auronzo-Hütte

Das helle Dolomitgestein fasziniert uns am zweiten Teil des Bonacossasteiges. | Foto: Monika Huber
Das helle Dolomitgestein fasziniert uns am zweiten Teil des Bonacossasteiges. | Foto: Monika Huber

Hinter der Fonda-Savio-Hütte eröffnet sich der Blick in die spektaktulären weißen Dolomitenfelsen. Wir steigen zu einem Firnfeld hinunter und liefern uns erst einmal eine kleine Schneeballschlacht, bevor es weiter auf den zweiten Teil des Sentiero Bonacossa geht. Immer öfter haben wir freien Blick auf die Drei Zinnen, das Wahrzeichen der Sextener Dolomiten.

Unser erster Klettersteig ist leicht und nur an wenigen Stellen seilversichert. Wie viele Klettersteige in den Dolomiten verläuft er meist auf einem horizontal in den Fels gesprengtem Band. Nach drei Stunden erreichen wir die Auronzohütte und finden uns nach angenehmer Einsamkeit umzingelt von „Sandalentouristen“. Busseweise werden sie zur Hütte gekarrt. In Scharen spazieren sie auf dem etwa ein Kilometer langen breiten Weg zur Lavaredohütte. Danach wird es wieder erfreulich ruhig. Ein Wanderweg führt bergauf, bergab und am Schluss einige Serpentinen hinauf zur kuschlig-kleinen, von Wirtin Gerti privat geführten Büllelejochhütte, dem Rifugio Pian die Cengia auf 2.528 Meter. Über eine Leiter klettern wir hinauf in den komplett neu gestalteten Schlafraum mit 14 Stockbetten – im Frühsommer 2012 wurde fleißig an einer Erweiterung gezimmert.

Die meisten Klettersteige rund um die Drei Zinnen verlaufen oft fast waagrecht auf in den Stein gesprengten Felsbändern. | Foto: Monika Huber
Die meisten Klettersteige rund um die Drei Zinnen verlaufen oft fast waagrecht auf in den Stein gesprengten Felsbändern. | Foto: Monika Huber

Den dritten Tag widmen wir den Drei Zinnen und wandern auf dem rechten unteren Weg hinunter zur Drei-Zinnen-Hütte. Wir erfrischen uns im eiskalten See unterhalb der Hütte und „flüchten“ schnell vor den Sandalentouristen, die von der Auronzohütte herüberstapfen, auf den Innerkoflersteig. Besser: in den Innerkoflersteig, dem finstersten der Sextener Klettersteige. Das erste Stück des Steigs, der im ersten Weltkrieg an der so genannten Dolomitenfront entstanden ist, verläuft in einem stockdunklen Stollen.

Schwindelfreiheit ist beim Aufstieg über die Klettersteige auf den Paternkofel gefragt. Vor allem das letzte Stück rechts hinauf hat es in sich. Unsere Helme sind dringend nötig. Die Belohnung: Auf dem Gipfel sieht man sich direkt den Drei Zinnen gegenüber.

Über den Friedenssteig zur Büllelejochhütte

Die Sextener Rotwand sparen wir uns für den nächsten Klettersteig-Urlaub in Südtirol auf. | Foto: Monika Huber
Die Sextener Rotwand sparen wir uns für den nächsten Klettersteig-Urlaub in Südtirol auf. | Foto: Monika Huber

Über den wunderschönen Friedenssteig klettern wir zurück zu unserer zweiten Nacht auf der Büllelejochhütte und genießen Gertis herrliches Hirschgulasch mit Polenta. Es folgt ein Ruhetag. In nur 40 Minuten wandern wir gemütlich zur Szigmondyhütte und legen uns zum Sonnen in die blühende Wiese. Am Nachmittag machen wir einen kurzen Verdauungsspaziergang hinüber zur Carduccihütte, stets im Schatten des Zwölferkofels, und werfen einen Blick auf weitere spektakuläre Klettersteige in den östlichen Sextener Dolomiten, unter anderem die fordernden Klettersteige Zandonella und Gabriella.

Alpinisteig: Schneefeld in der Elferscharte

Eigentlich hatten wir uns den berühmten Alpinisteig für den Abstieg vorgenommen, die Elferscharte ist aber verschneit und noch nicht begehbar. Da wir keine Steigeisen dabeihaben, entscheiden wir uns für den Abstieg über den Normalweg nach Sexten zu unserem Auto und nehmen uns den Alpinisteig, die Rotwand und die östlichen Sextener Dolomitensteige für das nächste Mal vor. In jedem Fall: Für den frühen Sommer sind die Steige rund um die Drei Zinnen wärmstens zu empfehlen. Abgesehen von den Wegen rund um die Auronzohütte ist noch nicht viel los und die Sonne scheint schon kräftig genug für meist schneefreie Steige und viel gute Laune.

 

Mehr zum Thema Klettersteig im Bergzeit Magazin:

Kommentare

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Matthias

Schöner Beitrag!

Julian

Die drei Zinnen sind unglaublich

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