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Allgemein
3. Juni 2016
Knickerbockers Erben

Kaufberatung Wanderhose: So finden Sie die Richtige

Funktionell, komfortabel und bis in kleinste Detail durchdacht - moderne Wanderhosen sind perfekt auf die Ansprüche von Outdoorsportlern abgestimmt. Unsere Kaufberatung verrät, auf welche Ausstattung und Materialien Sie achten sollten.

Wie so oft bei Outdoor-Ausrüstung stellt sich auch vor dem Kauf einer Wanderhose die Frage nach dem geplanten Einsatzgebiet. Führen die Touren ins hochalpine Gelände, geht’s zum Trekking nach Skandinavien oder sind eher Wanderungen im Mittelgebirge geplant? Anhand dieser Fragen lassen sich schnell einige Ansprüche an Material, Schnittdetails und Funktionalität einer Wanderhose festmachen. Aber der Reihe nach …

Am Anfang war die Knickerbocker

Wanderhosen aus Synthetik-Materialien wie die Hiking Pants von Mammut sind windabweisend, schnell trocknend und sorgen für einen optimalen Feuchtigkeitstransfer. | Foto: Robert Boesch/Mammut Archiv

Wanderhosen aus Synthetik-Materialien wie die Hiking Pants von Mammut sind windabweisend, schnell trocknend und sorgen für einen optimalen Feuchtigkeitstransfer. | Foto: Robert Boesch/Mammut Archiv

Lange war die wadenlange Kniebundhose, oft auch Knickerbocker genannt, der Inbegriff einer Wanderhose. Gefertigt aus robustem Cord, Moleskin oder Leder und kombiniert mit langen Kniestrümpfen, war sie über Jahrzehnte das klassische Beinkleid der Wandersleute. Im Vergleich zu Jeans oder Alltagshosen boten die strapazierfähigen Kniebundhosen ein ordentliches Maß an Bewegungsfreiheit und durch die kurze Beinlänge konnten die Hosenbeine weder flattern, hängenbleiben oder unnötig Schmutz aufsammeln. In den letzten Jahren hat die Kniebundhose aber mächtig Konkurrenz bekommen – nicht nur aus modischen Gründen, sondern auch hinsichtlich der Funktionalität.

Das Material ist entscheidend

Moderne Wanderhosen punkten zunächst durch den Einsatz von Funktionsmaterialien. Kunstfasergewebe oder -mischungen bieten im Vergleich zu reinen Bauwollstoffen einen deutlich besseren Wind- und Wetterschutz. Während zum Beispiel eine Baumwoll-Jeans bei Nieselregen sofort Wasser aufnimmt, schwer wird und anschließend nur langsam trocknet, nehmen Kunstfasergewebe aus Polyester oder Polyamid grundsätzlich weniger Feuchtigkeit auf und transportieren diese rasch nach außen ab.

Wird aus dem Schauer ein heftiger Regen und die Wanderhose richtig nass, sind Kunstfasergewebe in kurzer Zeit wieder trocken. Eine Jeans oder eine Hose aus Baumwoll-Cord hat hier schlechte Karten. Zusätzlich sorgen die funktionellen Kunstfasermischungen für ein angenehmes Trageklima auf der Haut, indem die vom Körper abgegebene Feuchtigkeit rasch nach außen abgegeben wird, ohne dass die Hose zu “kleben” beginnt. Eine anti-mikrobielle Ausrüstung hemmt auch bei Wanderhosen unangenehme Geruchsbildung.

Auswahlkriterium Einsatzzweck

Abhängig vom Einsatzzweck bestimmt zunächst das Material die Auswahl im Hosensortiment. Wer in den Alpen oder Mittelgebirgen primär Tagestouren unternimmt, schätzt bei seiner Wanderhose besonders leichte und schnell trocknende Kunstfasermaterialien, die hoch atmungsaktiv und gleichzeitig windabweisend sind. Meist handelt es sich dabei um feine Polyamid- oder Polyestergewebe, die zudem Schutz vor UV-Strahlung und Mückenstichen bieten.

Einen besonderen Komfort bieten bi-elastische Stoffe, wie sie bei der “Terminal” von Salewa zum Einsatz kommen. Der stapazierfähige Mix aus Polyamid und Elasthan ist sowohl längs als auch quer dehnbar, was für eine einmalige Bewegungsfreiheit sorgt. Hier kneift nichts, hier zwickt nichts, die Wanderhose sitzt perfekt.

Wanderhosen aus Softshell-Material

Die "Courmayeur Advanced" ist ein echtes Erfolgsprodukt. Die Softshell-Wanderhose ist fürs Trekking genauso gemacht wie für Hochtouren und Mehrseillängen-Klettereien.

Die “Courmayeur Advanced” ist ein echtes Erfolgsprodukt. Die Softshell-Wanderhose ist fürs Trekking genauso gemacht wie für Hochtouren und Mehrseillängen-Klettereien.

Auch das mittlerweile bewährte Softshell-Material wird bei Wanderhosen immer beliebter – vor allem wenn es in gemäßigte Breiten oder ins Hochgebirge geht. Softshell ist mit oder ohne Membrane erhältlich und stellt quasi ein Mittelmaß aus Fleece und Hardshell dar. Die Stoffe zeichnen sich durch weichen Griff, eine besonders dichte Faserbindung, Elastizität und eine relativ glatte Oberfläche aus, die wasser-, wind- und schmutzabweisend ist. Eine ideale Kombination, die in Form einer Wanderhose viel Komfort verpricht.

Wer eine winddichte Softshellhose sucht, sollte auf ein Dreilagenlaminat mit Membran (Gore-Tex Windstopper oder Polartec Powershield) zurückgreifen oder nach einen membranlosen Modell aus Schöller “dryskin” oder “dynamic” Ausschau halten. Als Referenzprodukt ist hier die “Courmayeur Advanced” von Mammut zu nennen, die bereits seit Jahren unverändert am Markt erhältlich ist und als moderner Klassiker unter den Wanderhosen gilt. Softshells ohne Membran sind grundsätzlich als atmungsaktiver einzustufen.

Softshell kennt viele Formen

Softshellhosen sind in den unterschiedlichsten Materialstärken erhältlich, so dass sich der Einsatz nicht explizit auf alpine Bergtouren und Wanderungen festmachen lässt. Wer auch an Regentagen oder bei kühleren Temperaturen unterwegs ist, wird auch im Mittelgebirge mit einer Wanderhose aus einem dünnen oder mitteldicken Softshellmaterial seine Freude haben. Ebenso sind Softshellhosen bei stürmischen Künstenwanderungen ein echter Segen.

Wasserabweisender Baumwoll-Polyester-Mix

Wer Wert auf einen natürlichen Griff, Strapazierfähigkeit und maximale Atmungsaktivität seiner Trekkinghose legt, wird bei nordischen Herstellern wie Lundhags und Fjällräven fündig. Die Wanderhosen der Schweden sind aus Polycotton-Gewebe bzw. Fällrävens legendärem G-1000 gefertigt. Letzteres ist eine dicht gewebte, robuste und schnell trocknende Polyester-Baumwoll-Mischung, die mittels einer Grönlandwachs-Beschichtung wasserabweisend gemacht werden kann. Einmal beschichtet hält das Material leichten Regenschauern stand, die Wachsschicht kann nachträglich ausgewaschen, verstärkt oder nachgerüstet werden. Durch die dichte Webart hält G-1000 neben schädlichen Sonnenstrahlen auch die gierigen Rüssel von Stechmücken fern. Nicht zuletzt deshalb sind die skandinavischen Wanderhosen bei Nordland-Trekkern besonders beliebt. Das Pendant von Lundhags heißt LPC und wird mit einer Nikwax-Ausrüstung wasserabweisend gemacht.

Die Funktionalität liegt im Detail

Die "Lundhags Authentic Pant" aus dem Polyester-Mix LPC bietet dank Einsetzen aus Schöller Dynamic optimale Bewegungsfreiheit. Zahlreiche durchdachte Details machen sie zu einer ausgesprochen vielseitigen Wanderhose.

Die “Lundhags Authentic Pant” aus dem Polyester-Mix LPC bietet dank Einsetzen aus Schöller Dynamic optimale Bewegungsfreiheit. Zahlreiche durchdachte Details machen sie zu einer ausgesprochen vielseitigen Wanderhose.

Auch durchdachte, funktionelle Details zeichnen die Hosen der Skandinavier als optimales Beinkleid für Reisen, Wandern und Bergtouren aus. Wanderhosen wie die “Authentic Pant” von Lundhags, dem legitimen Nachfolger der beliebten “Traverse Pants”, sind mit Cordura-verstärkten Beinabschlüssen ausgestattet, die selbst dem verirrten Zacken eines Steigeisens trotzen. Ein praktisches Feature ist ein Boot-Loc-Haken, mit dem die Hose an den Schuhen fixiert werden kann. Ein weitenverstellbarer Beinabschluss kann möglichst eng an den Schuh angepasst werden, so dass das Eindringen von Schnee oder Schotter auch ohne integrierte Gamaschen verhindert wird. Seitliche und mit Mesh hinterlegte Ventilationsöffnungen erlauben gerade bei anstrengenden Anstiegen ordentlich Luftzirkulation. Die Schlitze sind leicht und weit zu öffnen, schießen aber auch dicht ab, um allen Wetterlagen gewachsen zu sein. Derartige Hosen eignen sich somit nicht nur zum (Nordland)-Trekking, sondern auch für Ski- und Hochtouren.

Schnitttechnisch sorgen vorgeformte Knie, elastische Materialien oder clevere Detailllösungen mit elastischen, atmungsaktiven Einsätzen und Zwickel bei Wanderhosen für uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, vor allem wenn Kraxeleien zu meistern sind. Verstärkungen an Knien und Gesäß sind vor allem sinnvoll, wenn mit häufigem Felskontakt zu rechnen ist. Auch hier ist elastisches Material ein klarer Vorteil.

Grundausstattung einer Wanderhose

Zur Grundausstattung einer bequemen Wanderhose gehört ein weicher, elastischer Bund mit integriertem Gürtel oder ordentlichen Gürtelschlaufen. So bleibt die Hose auch nach einer langen Tour – und schrumpfendem Bauch – an Ort und Stelle. Zusätzliche Flexibilität bieten integrierte Befestigungsschlaufen für optionale bzw. abnehmbare Hosenträger. Diese sind vor allem dann praktisch, wenn der Gürtel unter dem Hüftgurt des Rucksacks drückt oder scheuert.

Die Taschen einer Wanderhose schlucken Kompass und Kartenmaterial. Unterwegs dürfen sie nicht kratzen oder scheuern. | Foto: Fjällräven

Geräumige Beintaschen schlucken Kompass und Kartenmaterial. Unterwegs dürfen sie nicht kratzen oder scheuern. | Foto: Fjällräven

Beim Thema Taschen kommt es vor allem auf den persönlichen Geschmack des Trägers und den Einsatzzweck an. Wer seine Wanderhose auch als bequeme Reisehose trägt, kann ein verstecktes Geheimfach im Hosenbein zu schätzen wissen. Wer gerne viel “am Mann” verstaut, für den gibt es stattdessen geräumige, dreidimensionale Beintaschen für Karten, Handy und Navi oder viele kleinere Spezialfächer für Multitool & Co. Im Gegensatz zum Taschenwunder “Lundhags Authentic” kommt die “Terminal” von Salewa mit “nur” drei schlichten Zip-Taschen aus, die nicht auftragen, aber auch nur das Nötigste schlucken. Wichtig ist, dass Funktionalität und Bewegungsfreiheit durch die beladenen Taschen nicht eingeschränkt werden. Bei Lundhags sind zum Beispiel die Beintaschen so platziert, dass sie auch bei hohen Stufen oder beim Klettern nicht stören oder gar scheuern.

Eine echte Glaubensfrage unter Wanderern sind Zip-Off-Hosen. Während die einen auf abnehmbare Hosenbeine schwören – vor allem wenn unterwegs mit großen Temperaturschwankungen zu rechnen ist – bemängeln die anderen durch die umlaufenden Reißverschlüsse eine Einschränkung des Tragekomforts. Hier hilft nur probieren und selbst entscheiden, ob man sich durch die Trennungen in seiner Bewegungsfreiheit gestört fühlt. Alternativ bieten viele Hersteller Modelle mit integrierten Laschen, die zur Befestigung hochgekrempelter Hosenbeine dienen. So “schrumpft” die lange Trekkinghose im Handumdrehen zur 3/4-Pant.

Zu guter Letzt gilt es trotz aller funktionellen Details die perfekte Passform zu finden. Schließlich muss die perfekte Wanderhose vor allem eines: Sitzen! Hersteller wie Lundhags und Mammut legen bei ihrer Schnittgestaltung ein hohes Augenmerk auf das Thema Passgenauigkeit und Sitz, Sunway und Schöffel bieten ihre Modelle als kurze, normale oder lange Variante an. So ergibt sich ein sehr breit aufgestellter Größenverlauf. Bei Sunway sind viele Hosen auf Wunsch auch als Bauchgrößen bestellbar. Für weitere Fragen zu Sonderbestellungen, Funktion, Größen oder Passform steht Ihnen unser Bergzeit Service-Team via Live-Chat, Email oder Telefon gerne zur Verfügung.

Judith Hackinger

... ist im Sommer am liebsten mit dem Kajak unterwegs. Im Winter hat die gebürtige Pinzgauerin das Skitourengehen für sich entdeckt. Ihre Outdoor-Begeisterung hat sie als Redakteurin bei Bergzeit zu ihrem Beruf gemacht. Alle Artikel von Judith Hackinger