Lohnt sich die Oakley Meta Vanguard? Oder ist die Sportbrille mit Kamera, Lautsprechern und KI-Assistent eine kostspielige Spielerei für Technikfans? Bergzeit Testerin Katharina hat die Oakley Meta Vanguard im Bergzeit Test auf die Probe gestellt.
😎 Sportsonnenbrille der Kategorie 3 (Starke Sonneneinstrahlung), Halbrahmen
📸 integrierte 12-MP-Ultraweitwinkelkamera für Fotos und Videos
🔊 2 Open-Ear-Lautsprecher und 5 Mikrofone
🤖 Sprachsteuerung und KI-Assistent
🫴 Gewicht: Brille 59 Gramm, Ladecase 258 Gramm
Der erste Eindruck der Oakley Meta Vanguard
Als ich die Verpackung in den Händen halte, ist mein erster Eindruck: Da will jemand Eindruck schinden! Schon das Auspacken ist ein Erlebnis.. Ein Verpackungsdesign, das für Unboxing-Videos gemacht ist. Einfach schick.
Katharina Spirkl
Im Vergleich zum Fahrradhelm zeigt sich: Das Ladecase ist nimmt Raum ein.
Kurz stutze ich: Das Case ist groß. Das ist aber dem Fakt geschuldet, dass es gleichzeitig als Ladecase dient, wie man es zum Beispiel von kabellosen Kopfhörern kennt. Die smarte Brille lädt somit von Staub und Co. geschützt ihren Akku, wenn sie nicht in Benutzung ist. Allerdings ist es eben auch kein schlankes Etui, das ich mir bei Fahrradtouren in die Trikottasche oder in eine kleine Oberrohrtasche stecken kann.
Dank des Ladecase brauche ich keine Powerbank oder Kabel für die Brille mitnehmen.
Zum Star der Vorstellung: Die Brille. Ich finde, sie sieht verdammt cool aus. Die Vanguard kommt in einem 80er Jahr Racer-Style daher – stylische, schnelle Brille. Ich habe mich für die Farbe black-prizm-road entschieden und liebe es. Wer aber Wert auf einen dezenten Auftritt legt, sollte vielleicht eine andere Glasfarbe wählen. Man fällt damit schon auf.
📸 Hinter dem Glas, über der Nase befindet sich die Kameralinse. Wenn man es nicht weiß, muss man aber schon genau hingucken, um sie zu sehen. Ansonsten sieht die Brille wie eine ganz normale, Sportbrille mit etwas voluminöseren Bügeln.
Das Mehrgewicht, das die Brille durch die verbaute Technik mitbringt, macht sich definitiv bemerkt, als ich sie aus dem Case heraushole. Allerdings nicht so sehr, wie ich dachte.Vor allem merke ich es eher, wenn ich die Brille in der Hand halte. Auf der Nase fällt das gar nicht so auf.
- Ladecase
- zwei zusätzliche Wechsel-Nastenstege in verschiedenen Größen
- Stoffbeutel für die Brille
🔌Ein Ladekabel ist nicht enthalten. Das Case hat aber einen USB-C-Anschluss. Das hat man ohnehin mehrfach zu Hause.
Passform und Sitz der smarten Oakley Brille
Erster Eindruck: Das Ding sitzt. Ich habe einen eher schmalen Kopf und bin es gewohnt, dass viele Brillen ein bisschen herum schlackern. Aber auch beim ersten Auf- und Abhüpfen sitzt sie stabil auf der Nase. Ich denke, dass das Mehrgewicht der Technik auch für Stabilität sorgt.
Der Sitz der Oakley Meta Vanguard ist trotz Mehrgewicht absolut sporttauglich.
Katharina Spirkl
Oakley-typisch gute Passform: Die Brille stößt nicht am Helm ab und schützt trotzdem ausgezeichnet vor Fahrtwind und Fliegen.
Ich kann sie auch problemlos mit einem Fahrradhelm tragen, ohne dass die Brille anstößt. Sowohl bei wackeligen Gravelpassagen auf dem Rad, als auch bei schnellen Lauftrainings oder Lauf-ABC tanzt sie mir nicht auf der Nase herum. Bei meiner ersten Radausfahrt war die Brille etwas “pfeiffig” an den unteren Brillenrändern. Ich habe dann aber einen kleineren Nasensteg ausprobiert und damit schließt die Brille sauber ab und schützt die Augen vor Fahrtwind.
Ich habe die Brille während des Testzeitraums auch immer wieder anderen Leuten auf die Nase gesetzt, um verschiedene Eindrücke zu sammeln. An sehr schmalen Gesichtern sieht sie schon “heavy” aus. Einige sagen, sie drückt hinter den Ohren. Auch ich merke, dass sich die Brille gut “festhält”. Das trägt bei mir aber eher zu einem Sicherheitsgefühl bei: Ich habe keine Angst, sie zu verlieren.
Einfaches Einrichten der Meta-Brille im Test
Einfach aufsetzen und loslaufen ist bei der Oakley Meta Vanguard keine Option. Zumindest nicht, wenn man von der Technik profitieren will. Ich muss die Brille zunächst einrichten, aber das wird mir leicht gemacht. Auf der Verpackung der Vanguard ist ein QR-Code aufgedruckt, den ich mit dem Handy scannen kann. Ich muss die Meta AI App installieren und diese führt mich Schritt für Schritt durch den Prozess.
Updates herunterladen, Zustimmungen geben, Apps verknüpfen. Etwa 20 Minuten brauche ich für die Einrichtung der Oakley Meta Vanguard. Ich verknüpfe mein Garmin-Konto und Spotify. Es funktionieren aber auch weitere Musik-Apps und Strava, Apple Health und Co. Auch Messenger wie Whatsapp oder ein E-Mail-Programm kann ich verknüpfen.
Dank Tutorial lerne ich schnell und intuitiv, wie ich die Brille bediene.
Katharina Spirkl
Die Technik ist im Brillenrahmen verbaut. Außen am Bügel befindet sich ein Touchpad, unten Buttons, falls man die Vanguarde nicht per Sprachbefehl bedienen will.
Mir gefällt besonders, dass es dabei auch ein kleines Praxis-Tutorial gibt. Ich soll zum Beispiel mit den Knöpfen an den Brillenbügeln ein Foto knipsen, ein Video starten oder die Lautstärke am Touchpad hoch- und runterdrehen. Auch ein Prompting-Beispiel für den Sprachassistenten in Kombination mit der Kamera ist dabei. Ich sage, “Hey Meta, was sehe ich” und die Brille beschreibt das Zimmer, in dem ich mich befinde.
Die Oakley Meta Vanguard im Praxis-Test
Ich habe die Brille beim Laufen, Gravel-Biken und beim Wandern getestet. Überzeugt hat sie mich vor allem auf dem Fahrrad, denn dort spielt sie ihre Stärken aus. Aber auch abseits des Fahrrads ist sie ein nützlicher Begleiter in meinem Sport-Alltag.
Die Oakley Meta Vanguard als Fahrradbrille
Die für mich eindeutig überzeugendste Funktion: Per Sprachbefehl kann ich beim Radfahren Fotos und Videos machen, ohne die Hände vom Lenker zu nehmen. Ich sage einfach “Hey Meta, starte ein Video/mach ein Foto” und die Kamera der Brille wird aktiviert: Ob Schnappschuss von Freunden im Group-Ride oder POV-Video von schnellen Abfahrten – das freihändige Bedienen der Kamera ist auf dem Fahrrad ein echtes Plus. Ich kann spontan in Situationen filmen, in denen definitiv beide Hände an den Fahrradlenker gehören.
Der Sprachassistent braucht allerdings ein paar Sekunden, um zu reagieren. Wer sehr schnell einen Moment einfangen will, kann die Kamera auch mit einem kurzes Tippen auf einen der Buttons starten.
Katharina Spirkl
POV-Perspektive: Für Selfies mit der Oakley Meta Vanguard muss man zum Beispiel an einer spiegelnden Glasfassade vorbeiradeln.
Die Bilder und Videos werden von der Oakley Meta Vanguard direkt in die Mediathek meines Smartphones importiert. Und die Videos sind wirklich gut! Selbst auf holprigen Schotterpisten mit hohem Tempo liefert die integrierte 12MP-Ultraweitsinkelkamera stabile, absolut wackelfreie Bilder in 3K. Auf Wunsch macht die Brille sogar Aufnahmen in Zeitlupe oder Zeitraffer. Allerdings filmt und knipst die Vanguard nur im Hochformat. Zoomen oder Selfies machen, kann ich damit ebenfalls nicht.
Dank der Open-Ear-Lautsprecher kann ich auf dem Fahrrad außerdem Musik hören und trotzdem noch Umgebungsgeräusche wahrnehmen – im Verkehr ein echter Vorteil gegenüber In-Ear-Kopfhörern. Selbst das Telefonieren bei Fahrtwind funktioniert mit den eingebauten Mikros und den Lautsprechern extrem gut – wenn man das denn möchte. Für den Test der Oakley Meta Vanguard habe ich es ausprobiert, aber normalerweise kann ich auf dem Fahrrad aufs Telefonieren verzichten.
Laufen mit der Oakley Meta Vanguard
Im Gegensatz zu Kopfhörern hört bei der Oakley Meta Vanguard allerdings auch die Umgebung mit. Beim Laufen in der Stadt oder im Park hatte ich zunächst Hemmungen. Ich wollte wissen, wie unangenehm ich damit auffalle und habe die Brille beim gemeinsamen Laufen einem Freund aufgesetzt. Es kam zwar Schall bei mir an, aber ich konnte weder erkennen, welche Musik er hört, noch was genau in einem Podcast gesagt wird.
Es ist nicht so, als würde jemand mit Boom-Box neben mir herlaufen. Für das Lauftraining draußen ist es also vollkommen ok. In der Bahn oder im Supermarkt würde ich die Brille aber nicht als Kopfhörerersatz tragen.
Die Oakley Meta Vanguard als Trainingspartner
Das Zusammenspiel mit meinen Trainingsdaten aus der Garmin-App bzw. Uhr klappt beim Laufen passabel. Die Vanguard sagt mir zuverlässig über die Speaker das vorher in der App eingerichtete Intervalltraining an. Hin und wieder muss ich über das “denglisch”, das dabei rauskommt, schmunzeln. So spricht die Brille das Wort “Pace” zum Beispiel konsequent “Patze” aus.
Über den Sprachassistenten kann ich auch Trainingsdaten abfragen. Die Frage nach meiner Herzfrequenz oder der verstrichenen Trainingszeit beantwortet sie zuverlässig. Mit den zurückgelegten Kilometern tut sie sich dagegen schwer. Ich muss meine Frage mehrmals umformulieren, um von Meta AI eine Antwort zu erhalten. Hier muss die KI wohl noch etwas lernen.
Wie gut mich die Brille versteht, selbst wenn ich beim Laufen außer Atem bin, überrascht mich.
Äußerst positiv fällt mir dagegen auf, wie gut mich der Sprachassistent der Oakley Meta Vanguard versteht, wenn ich bei Tempoläufen außer Puste bin. Selbst diktierte Whatsapp-Textnachrichten kommen einigermaßen fehlerfrei beim Empfänger an.
Hey Meta, erinnere mich in zwei Stunden, dass ich noch Waschmittel kaufen muss.
Praktisch für alle, die wie ich beim Laufen oder beim Sport Geistesblitze haben – ich kann mir Notizen oder Erinnerungen für später schicken lassen. Auch die Notizen für diesen Testbericht schreiben sich quasi von selbst.
Berge: Test der Oakley Meta Vanguard beim Wandern
Als Sportsonnenbrille funktioniert die Oakley Meta Vanguard auch beim Wandern wunderbar. Unterschiedliche Lichtverhältnisse auf einer Tour mit Wald, sonnigen Abschnitten und einer schattigen Klamm sind kein Problem: Sie schützt meine Augen vor grellem Licht, im Schatten kann ich trotzdem alle Details gut erkennen. Die Prizm-Gläser sind allerdings nicht selbsttönend, sodass ich die Brille in sehr dunklen Klamm-Abschnitten absetzen muss.
In kraxeligen oder ausgesetzten Passagen finde ich es praktisch, dass ich Fotos machen kann, ohne das Smartphone in die Hand nehmen zu müssen. Wer mit Wanderstöcken unterwegs ist, profitiert sicher auch von der sprachgesteuerten Kamera. Ich war selbst aber ohne Stöcke unterwegs.
Katharina Spirkl
Ungewollter POV-Effekt: Wer mit Kappe sportelt, sollte sie für die Bilder kurz lüpfen.
Katharina Spirkl
Ohne Kappe schießt die Kamera aber tolle Bilder wie hier vom Eibsee.
Ungewollter Effekt: Ich habe beim Wandern eine Cap getragen. Der Schirm der Kappe war im Sichtfeld der Brillenkamera und damit auch auf den Fotos und Videos zu sehen. Das verstärkt zwar den POV-Effekt und sorgt für eine coole, authentische Ego-Perspektive. Wer diesen Foto-Effekt aber vermeiden möchte, sollte die Kopfbedeckung für Aufnahmen abnehmen.
Unterwegs habe ich die Brille etwas auf die Probe gestellt und gefragt, ob sie mir die Namen verschiedener Berggipfel nennen kann, die ich sehe. Ich dachte, mit der Kombination aus Kamera und meinen GPS-Daten könnte das möglich sein. Sie hat zwar jedes Mal ein Foto aufgenommen und es versucht, Meta AI konnte aber bis auf die Zugspitze aber leider keinen Gipfel identifizieren.
Akku- und Ladezeiten der Oakley Meta Vanguard
Wie lange der Akku der Oakley Meta Vanguard hält, hängt extrem vom Nutzungsverhalten ab. Der Hersteller sagt:
- 6 Stunden Musikstreaming bzw.
- 9 Stunden aktive Nutzung schafft sie ohne Zwischenladen.
- Mit dem Ladeetui soll man 36 Stunden lang ohne Steckdose auskommen.
Ich habe die Brille unter normalen Bedingungen nicht leer bekommen. Nach zwei Stunden auf dem Rad mit Musikhören, Fotos, Videos und sehr viel Interaktion mit Meta-AI war der Akkustand immernoch bei 72 Prozent. Auf längeren Touren bin ich eigentlich nicht alleine, höre dann keine Musik und plaudere lieber mit meiner Begleitung als mit Meta.
Wer nicht permanent filmt oder Musik hört, kommt absolut problemlos mit der Vanguard durch einen Tagestrip ohne Zwischenladen im Case.
Den Akkustand der Oakley Meta Vanguard erfährst Du immer beim Aufsetzen oder auf Nachfrage beim Sprachassistenten. Der genaue Ladestand des Etuis lässt sich leider nicht herausfinden – lediglich ein Lämpchen zeigt an, ob es ganz voll ist (grün), noch ausreichend Kapazität hat (orange) oder der Akkustand niedrig ist (blinkend orange). Trotz viel herumexperimentieren mit der Vanguard, musste ich erst nach zwei Wochen das Case nachladen.
Fazit: Wem würde ich die Oakley Meta Vanguard empfehlen?
Ich hatte richtig Spaß, die Brille zu testen. Wer ebenfalls Spaß daran hat, mit Technik zu experimentieren, wird auf jeden Fall seine Freude mit dem Oakley Meta Vanguard haben. Empfehlen kann ich Dir die Brille vor allem, wenn Du:
- Actionreiche Videos und Fotos beim Fahrradfahren machen willst: Du musst keine Actioncam mitnehmen und die Hände bleiben dank Sprachassistent am Lenker.
- Beim Sport bzw. unterwegs gerne nebenbei was “erledigen” willst: E-Mails beantworten beim Rad-Pendeln, beim Long-Run die beste Freundin anrufen oder während der Feierarbendrunde auf dem Rennrad Grillrezepte suchen und direkt die passende Einkaufsliste an den Partner schicken …
- Spontan Momente festhalten möchtest, ohne zum Smartphone zu greifen: Ob auf einer Wanderung, in der Laufgruppe oder auf dem Klettersteig – solange Du die Brille trägst, musst Du nicht das Handy in der Hand halten, um schnell zwischendurch ein Foto zu schießen.
Weniger empfehlen würde ich die Brille für:
- Actionreicher Wassersport: Die Oakley Meta Vanguard hat Schutzklasse IP67. Das heißt, sie hält Schweiß, Regen oder Spritzwasser Stand und auch ein kurzes Untertauchen bis zu einem Meter soll sie wegstecken. Ich würde sie aus Angst um die Technik beim SUP-en oder Rafting eher zu Hause lassen.
- Menschen, die selbst gerne auf den Bildern sind: Die Brille macht Aufnahmen aus der Ego-Perspektive. Selfies funktionieren lediglich vor dem Spiegel. Wenn Du in der Gruppe unterwegs bist, kannst Du die Vanguard aber natürlich auch einem Freund aufsetzen.
- Leute, die ohne Smartphone oder abseits vom Handynetz unterwegs sind: Fotos und Videos zu machen, funktioniert immer. Ohne Smartphone kann ich beim Laufen allerdings keine Musik hören – trotz Offline-Playlist auf der Garmin-Uhr. Wenn ich in den Bergen kein Handynetz habe, funktioniert die KI natürlich auch nicht.
Bergzeit
In den Bergen ohne Handynetz ist die Brille immernoch eine sehr gute Sportsonnenbrille, die Bilder schießen kann. Testerin Katharina braucht dort aber auch keinen Sprachassistenten.
Ich freue mich darauf, weitere Spielwiesen der Brille zu entdecken. Zum Beispiel beim Reisen. Das testweise übersetzen einer Speisekarte auf chinesisch hat schon gut funktioniert. Und ich frage mich, ob sie wohl als Tourguide taugt und mir der Sprachassistent Infos zu Monumenten und Co. ins Ohr flüstern könnte, wenn ich durch ein fremdes Land laufe.