Japan, das Land der vielen lachenden Menschen, ist nicht nur kulturell eine Reise wert, sondern auch freeridetechnisch. Bergzeit-Rider Lukas Ebenbichler hat die Skigebiete Niseko und Kiroro auf der Insel Hokkaido abseits der Pisten erkundet.

Der Winter hat in unseren Gefilden ja bekanntlich lange auf sich warten lassen. Hier in Österreich war es trocken und zu warm. Japan dagegen ist bekannt für seine tagelangen Schneefälle und kalten Temperaturen. Genau diese Gedanken kamen uns bei einem abendlichen Bier mit Kameramann Michael Bernshausen und dem deutschen Freeridestar Felix Wiemers in den Sinn. Und so entschlossen wir uns quasi über Nacht, unsere Freeride-Sachen zu packen und schon am nächsten Tag ins Land der aufgehenden Sonne zu fliegen!

Freeriden im Ski-Resort Niseko auf Hokkaido 

Japow - im japanischen Powder-Paradies auf Hokkaido kommen Freerider voll auf ihre Kosten. | Foto: Midiafilm
Japow – im japanischen Powder-Paradies auf Hokkaido kommen Freerider voll auf ihre Kosten. | Foto: Midiafilm

Unser erster Anlaufpunkt in Japan ist Niseko. Niseko ist das Ski-Mekka auf der Insel Hokkaido schlechthin. Große Hotelketten zieren das Ortsbild, aber die meidet man besser. Zur Auswahl stehen nämlich darüber hinaus zahlreiche Lodges. Alternativ mietet man sich ein eigenes Haus mit privaten Onsen (heißen Quellen) und Sauna. Doch uns geht es hier nicht um Luxus, sondern darum, den legendären „Japow“ zu fahren – und glaubt mir, der ist wirklich legendär.

Bei unserer Ankunft im Skigebiet lernen wir gleich eine der wichtigsten Regeln kennen: Ja nicht unter den Absperrungen durchkriechen, denn das kann Dich Deine Karte kosten oder gar eine Nacht im Gefängnis bedeuten. Solange man durch die gekennzeichneten Exit Gates rausfährt, kann man im Backcountry machen, was man will – das ist der Ski Patrol dann egal. Hauptsache man hat das Exit Gate verwendet!

Außerhalb der Absperrungen sind wir allein und können diesen unglaublichen japanischen Schnee genießen. Wir sehen zu, wie er stündlich mehr wird, denn es schneit gut 90 Prozent des Tages durch. Die gefrorenen Eschenbäume und Bambussträucher sind sehr eindrucksvoll und es macht Spaß, durch sie durch zu fetzen oder die typischen Japan Pillows zu springen.

Nächster Freeride-Stopp: Kiroro

Nach einigen Tagen in Niseko geht es nach Otaru ins Hotel und dann weiter nach Kiroro. Das Ski-Resort Kiroro bietet noch mehr Schnee als Niseko, da es näher am Meer liegt und dadurch das erste Hindernis auf der Insel ist, an dem sich die Wolken komplett entladen. Allerdings ist dafür immer auch ein bisschen Wind mit im Spiel und es ist extrem kalt. Aber das macht den Schnee richtig trocken und fluffy. Da es in den japanischen Skigebieten im Vergleich zu den Alpen nicht sehr steil ist, ist ein fetter Ski bei der Menge an Powder-Schnee auf alle Fälle von Vorteil. So kann man über den Schnee gleiten und bleibt vor allem nach den Drops nicht stecken.

Freeriden funktioniert in Niseko und Kiroro ein bisschen anders - ob obligatorischer Ausrüstungscheck, Lifte bis Mitternacht oder Sushi vom Automaten im Skigebiet... | Foto: Midiafilm
Freeriden funktioniert in Niseko und Kiroro ein bisschen anders – ob obligatorischer Ausrüstungscheck, Lifte bis Mitternacht oder Sushi vom Automaten im Skigebiet… | Foto: Midiafilm

In Kiroro werden wir im „Mountain Center“ registriert und unsere Ausrüstung wird kontrolliert. Nur wenn man Pieps, Sonde, Schaufel, Erste-Hilfe-Set und die Notfallnummern mit dabei hat, bekommt man ein Bändchen wie von einem Bierfest und kann ins Backcountry cruisen. Hier in Kiroro gilt dasselbe Prinzip: bloß nicht unter dem Absperrseil durchkriechen, sonst ist Dein Powdertag gleich vorbei!

Kiroro ist etwas steiler als Niseko und man hat mehr Möglichkeiten – auch zum Hiken, allerdings ist man nicht immer auf Felle angewiesen. Man kann auch Schneemobile nehmen und in bestimmte Gebiete fahren. Das ist einfacher und macht extrem viel Spaß! Welche Gebiete gut sind, muss am besten jeder vor Ort selbst herausfinden. Sie hier aufzuschreiben würde den Rahmen sprengen….

Info: Die Tageskarten in Niseko und Kiroro haben ungefähr europäische Preise, 45 Euro muss man bezahlen. Dafür ist hier das Bier billiger und überall im Skigebiet gibt es Getränke und Sushi-Automaten für den Hunger zwischendurch.

Hinkommen: Zum Freeriden nach Japan

Unser Flug ging mit Finnair von München über Helsinki, wo wir im Laufschritt zum Gate noch unsere Unterkunft in Niseko buchten, nach Nagoya und dann weiter nach Sapporo. Normalerweise hat man 23 Kilogramm Gepäck frei und kann ohne Probleme Ski und Board mitnehmen. Wenn man jedoch so kurzfristig bucht wie wir, muss man damit rechnen, dass man in München auf dem Flughafen von Terminal D zu Terminal A laufen und sein Sperrgepäck gegen 40 Euro Gebühr anmelden muss. Reine Flugzeit ohne Umsteigen sind ca. 17 Stunden.

Fette Ski sind im japanischen Powder klar im Vorteil. | Foto: Midiafilm
Fette Ski sind im japanischen Powder klar im Vorteil. | Foto: Midiafilm

Bevor man auf Japans zweitgrößter Insel Hokkaido landet, muss man durch den Zoll auf der Hauptinsel in Nagoya. Die Einreise ist kein Problem. Die Japaner sind zwar ziemlich korrekt und befolgen die Vorschriften, aber wenn sie eine Gruppe mit Skisäcken und Riesen-Taschen sehen, geht alles sehr schnell vonstatten. Die Skier kommen in den Scan und werden für den letzten Flug versiegelt, die Taschen werden nicht mehr gewogen und die Rucksäcke ebenfalls gescannt, und dann heißt es laufen. Denn die Anschlussflüge sind sehr kurz bemessen und man kann nicht damit rechnen, dass ein ganzer Flieger auf einen wartet!

Rumkommen: Unterwegs auf Hokkaido

Am Zielflughafen „New Chitose“ auf Hokkaido reiht sich eine Car-Rental-Station an die andere. Man sollte auf jeden Fall einen gültigen internationalen Führerschein dabei haben, denn ohne darf man in Japan kein Auto leihen und vor allem nicht fahren. Alternativ gibt es Shuttlebusse, die jedes Ski-Resort anfahren, aber damit ist man weniger mobil. Ich persönlich würde die Busse nicht mehr nutzen. Noch ein guter Tipp an die Autofahrer: Niemals in eine Militärkolonne fahren! Die Blicke der Soldaten hinter den Maschinengewehren überlebt normal kein Europäer….

Beste Reisezeit und weitere Tipps für Ski- und Freeride-Abenteuer in Japan

  • Freeriden in Japan ist kulturell und freeridetechnisch ein Erlebnis. | Foto: Lukas Ebenbichler
    Freeriden in Japan ist kulturell und freeridetechnisch ein Erlebnis. | Foto: Lukas Ebenbichler

    Die beste Zeit zum Freeriden und Skifahren auf Hokkaido ist sicher zwischen Januar und Ende Februar. Dann kommen die meisten Schneewolken vom Meer Richtung Hügelland.

  • Auf alle Fälle ein Auto ausleihen, denn man ist einfach viel mobiler und kann auch mal vom Straßenrand aus witzige Sachen hiken.
  • Immer höflich sein mit den Japanern, denn sie haben sehr viel Respekt vor Europäern und sind die „Größe“ nicht gewöhnt! ;-)
  • Sushi essen: Wenn man schon mal in Japan ist, sollte man unbedingt in eine Sushibar gehen und sich dort kulinarisch verwöhnen lassen.
  • Nie zu einem Foto „Nein!“ sagen, denn den Japanern macht es Spaß, alles und jeden zu fotografieren.
  • Zu guter Letzt nicht vergessen: „Go out and shred „Japow“ till midnight“ – denn die Lifte haben den ganzen Tag auf und man kann auch um 22 Uhr nach dem ersten Bier noch ein paar Turns in den Powder ziehen!
  • Du benötigst noch eine neue Freerideausrüstung?

Arigatou gozaimasu fürs Lesen und viel Spaß in Japan!

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Kommentare

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Vreni

Sicker Artikel, Lukas!

Nils

Sehr cooler Text. War selbst erst im Dezember in Niseko und beim Lesen wurden schöne Erinnerungen wach! Geiler Pow, geiles Land und super nette Menschen! Allerdings ist im Text zwei Mal von Südinsel die Rede; Hokkaido ist aber Japans nördlichste große Insel.

Hallo Nils,
vielen Dank für den Hinweis, die Redaktion hat’s ausgebessert!
Franziska vom Bergzeit Magazinteam

Lukas

Hy Nils,

da hab ich mich wohl vertan! Sorry! Danke für den Hinweis.

:)

Stefan

Servas.
Habt Ihr GPS-Daten vom Ski-Tourenlaufen / Off-Pist-Fahren?
Werde Ende Jan 18 nach Japan fliegen.
Danke.

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