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Abseits liegt das Glück

Expertentipps für Freeride-Anfänger

7 Minuten Lesezeit
Du willst mit dem Freeriden anfangen und Dein Glück abseits der präparierten Pisten suchen? Unsere Bergzeit Autorin Anna Widmesser hat die gängigsten Fragen von Freeride-Anfängern beantwortet und gibt Tipps für den ersten Ausflug in unberührte Tiefschneehänge.

Freeriden. Das ist reines, ursprüngliches Skifahren. Fast so wie damals alles angefangen hat – mit den Brettern, die die Welt bedeuten. Doch auch wenn wir uns immer wieder durch Hochglanz-Videos und großen Werbekampagnen vom Freeriden verzaubern lassen und mit dem „Ich will das auch“-Gedanken zurückbleiben, so gibt es beim Start in den Tiefschnee doch einiges zu beachten. Denn was bei Profis so leicht und unbeschwert aussieht, erfordert jahrelanges Training und intensive Vorbereitung. Um den Einstieg für Anfänger zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst.

Freerider in Abfahrt
Freeriden zählt zu den wohl ursprünglichsten Formen des Skifahrens und fasziniert immer mehr Menschen. | Foto: Bergzeit

Freeride – erste Schritte für Anfänger

Was ist überhaupt Freeriden?

Freeriden ist eine vergleichsweise neue, leicht abgeänderte Version des altbekannten „Abseitsfahrens“ oder schlichtweg Skifahrens. Schon vor Expansion der Skigebiete und bevor plattgewalzte Pisten die Berghänge „verzierten“, bestiegen Menschen Berge – nur um anschließend auf ihren Skiern wieder hinunterzupflügen. Über die Jahre wurden die Skifahrer immer mutiger und trauten sich, auch steilere und schwierigere Hänge zu befahren. Was früher ausschließlich Extremskifahrer wagten, wird heutzutage aufgrund der verbesserten Technologie und des für jedermann erlernbaren Fachwissens auch für Gelegenheitsskifahrer möglich. Und so entwickelte sich mit den Jahren ein weltweiter Trend.

Was erwarte ich vom Freeriden?

Auf diese Frage kann man keine allgemeingültige Antwort geben. Einsteiger müssen für sich selbst entscheiden, ob es Spaß macht, beim Skifahren mit einem gewissen Risiko kalkulieren zu müssen. Spaß, Nervenkitzel und tolle Erlebnisse in der Natur sind jedoch die Belohnung für all die Anstrengung und Vorbereitung.

Die Spielarten des Freeridens

Freeriden – Skilifte nutzen oder komplett unabhängig?

  • Vorteil Skigebiet: bequemer und schneller Zugang zu vielen verschiedenen Hängen, meist nur kurze Zustiege mit den Ski am Rücken, um die perfekte Abfahrt zu bekommen. Da Du kaum selbst Höhenmeter bewältigst, hast Du genug Energie, um mehrere anspruchsvollere Fahrten an einem Tag zu machen. Die Zubringerwege sind gut gewalzt und Du erreichst schnell andere Hänge.
  • Nachteil Skigebiet: Liftkarten sind meist sehr teuer und die Skigebiete oft überlaufen (selbst abseits der Pisten ist immer mehr los), für unberührten Schnee musst Du einer der Ersten an der Bahn sein. Trotzdem musst Du Dich in schneearmen Zeiten zum Freeriden weit von den Liften entfernen. Des weiteren sind die zugänglichen Hänge vom Skigebiet vorgegeben.
  • Vorteil Skitour: relativ uneingeschränkte Auswahl an Bergen, Touren, Hängen (immer abhängig von Schneemenge, Ausrichtung, Wetterlage, Schutzgebieten, Lawinengefahr und Zugänglichkeit). Abhängig von der Tour ist deutlich weniger los als in den Skigebieten. Du kannst zudem die Ruhe und Abgeschiedenheit genießen. Die Kosten sind niedriger und Du trainierst Deine Ausdauer sowie den ganzen Körper.
  • Nachteil Skitour: Vor allem für Anfänger ist es sehr anstrengend, die ersten Skitouren zu bestreiten – schließlich muss man sich jeden Höhenmeter hart verdienen. Anfangs wird man maximal ein bis zwei Aufstiege pro Tag schaffen und damit auch nur ein bis zwei Abfahrten. Oft ist man so erschöpft vom Aufstieg, dass die Abfahrt kein echter Genuss mehr ist. Aber Übung macht den Meister!

Ist meine Fahrtechnik gut genug, um mich abseits zu bewegen?

Unpräparierte Hänge benötigen um einiges mehr Fahrkönnen als plattgewalzte Pisten. Die Hänge und auch der Schnee sind uneben, technisch schwerer zu fahren und oftmals auch schwer einschätzbar. Sprich: Es können jederzeit kleine Hügel, Felsspitzen, Absätze und Mulden im Hang oder unter dem Schnee verborgen sein, auf die man sehr schnell reagieren muss. Und vor allem benötigt es im Tiefschnee eine andere Fahrweise als auf der Piste.

Je umfangreicher das Fachwissen, desto besser

Welches Wissen benötigen Anfänger für das Freeriden?

Vor jeder Tour in ungesichertem Gelände solltest Du unbedingt wissen, wie es mit der aktuellen Lawinensituation aussieht. Schließlich kannst Du bei einer falschen Einschätzung Dich selbst und auch andere gefährden. Zu diesem Thema gibt es im Bergzeit Magazin einen eigenen Artikel: Lawinensicherheit – Im Ernstfall besser vorbereitet.

Infos und aktuelle Lawinenlageberichte findest Du unter folgenden Links:

Die Jugend des Deutschen Alpenvereins (JDAV) betreibt zudem mit Check Your Risk (CYR) eine Kampagne, die Neulingen das richtige Verhalten im Schnee nahebringt.

Freerider auf Gipfelgrat vor Bergpanorama
Beim Freeriden kannst Du Dich entscheiden, ob kurzer Hike von der Bergstation oder doch die einsame Skitour abseits der Skigebiete. | Foto: Bergzeit

Wettercheck – für Anfänger beim Freeriden unerlässlich

Vor allem bei Skitouren ist neben dem Prüfen der Lawinenlage ein sorgfältiger Wettercheck nötig, da man unter Umständen über längere Zeit abseits der Zivilisation unterwegs ist. Ein unerwarteter Wetterumschwung kann schlimme Folgen haben und einen harmlos startenden, strahlend schönen Skitag in ein unkalkulierbares Risiko verwandeln. Wir empfehlen Dir, Dich vor dem Start in den Schnee bei zuverlässigen Quellen zu informieren.

Verlässliche Wetterinfos gibt es unter den folgenden Links:

Richtiges Verhalten, oder: Der Freeride-Knigge

Gibt es abseits der Piste andere Verhaltensregeln als auf der Piste?

Generell gilt es überall, weder sich noch andere zu gefährden. Du solltest Dich den Gegebenheiten anpassen und stets mit einem Sicherheitspuffer unterwegs sein. Abseits sind (abgesehen von den Modetouren und -hängen) weniger Skifahrer unterwegs. Somit gilt für jeden die unausgesprochene Pflicht, im Notfall einander zu helfen, denn die Rettung ist nicht so schnell vor Ort wie im Skigebiet.

Pisten sind präpariert und mit Schildern ausgewiesen. Dass es abseits keine Markierungen gibt, bedeutet nicht automatisch, dass Du überall „querbeet“ fahren darfst. In vielen Bergregionen gibt es Richtlinien für umweltfreundliches Freeriden und Skitourengehen, die unbedingt eingehalten werden sollten, damit auch noch viele weitere Generationen die Natur genießen können. Ein gutes Beispiel ist das Konzept Natürlich auf Tour des Deutschen Alpenvereins (DAV). Also Vorsicht walten lassen und sich vorab schon über die Besonderheiten und Schutzzonen informieren!

Reicht es, als Anfänger anderen Freeridern herzufahren? Oder einfach nur ihre Spur zu benutzen?

Klares Nein! Erstens weißt Du als Anfänger nie, wie genau andere Fahrer über die aktuellen Begebenheiten informiert sind. Zweitens ist jeder für seine eigene Sicherheit verantwortlich – und nicht jede Spur führt ins Glück.

Freerider in Kurve vor Bergpanorama
Die wichtigsten Faktoren beim Freeriden? Das passende Material und vor allem Lawinenkunde! | Foto: Maloja

Die Qual der Wahl – das Material

Welches neue Material benötige ich fürs Freeriden?

Die wichtigsten Neuanschaffungen sind LVS-Gerät, Lawinenschaufel und -sonde. Mehr Infos zu Lawinenverschüttetensuchgeräten (LVS-Geräten) gibt es in unserer Marktübersicht LVS-Geräte. Mit dem LVS-Gerät kannst Du selbst im Falle einer Lawinenverschüttung schnell gefunden werden – Du kannst aber auch anderen in Notsituationen helfen. Mittlerweile ist auch ein Lawinenrucksack, der im Falle einer Lawinenauslösung den Auftrieb des Fahrers deutlich erhöht und ihn somit an der Oberfläche einer Lawine hält, nicht mehr wegzudenken.

Um den Tiefschnee optimal ausnutzen zu können, brauchst Du zusätzlich noch die passenden Ski. Freerideski zeichnen sich durch ihre breite Bauweise aus. Je breiter der Ski, desto besser schwimmst Du auf dem Schnee und pflügst umso leichter durch noch so hohen Powder. Für das Freetouring – also die Kombination aus Freeriden und Skitourengehen – gilt im Endeffekt genau das Gleiche. Nur müssen hierbei die Tourenski und -skischuhe auch über einen Aufstiegsmodus verfügen.

Ist es als Anfänger sinnvoll, vorab einen Freeridekurs zu besuchen?

In jedem Fall! Zwar bringt es schon einmal viel, zusammen mit geübten Freunden die ersten Schritte ins Abseits zu wagen – viel besser ist es jedoch, sich selbst im Rahmen eines Kurses auf die Gefahren und Herausforderungen im Gelände vorzubereiten. Im Kurs trainierst und übst Du unter professioneller Anleitung den korrekten Umgang mit der eigenen Notfallausrüstung (LVS, Schaufel, Pieps,…). Du  erlernst zudem die Planung einer Tiefschnee-Tour. Die Kursinhalte erstrecken sich von der Interpretation eines Lawinenlageberichts über die taktische Spuranlage, dem Erkennen von Gefahrenstellen im Gelände bis zu souveränem Verhalten am Berg. Gerade für Einsteiger ist ein Kurs die optimale Möglichkeit, alles Wichtige über das Freeriden zu erfahren und – ein nicht unwichtiger Punkt – neue Skifreunde kennenzulernen.

Abschließend wünschen wir allen Anfängern bei ihren ersten Freeride-Ausflügen viel Spaß und eine unfallfreie Saison!

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