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Aussichtskanzel im Vorkarwendel

Skitour auf den Schafreuter

5 Minuten Lesezeit
Der Schafreuter ist eine der beliebtesten Skitouren in den Münchner Hausbergen - und das nicht ohne Grund. Gebiets- und Karwendelkenner Arnold Zimprich beschreibt die Tour auf seinen Lieblingsberg und erklärt, warum ein früher Aufbruch für noch mehr Glücksgefühle sorgt.

Wie kaum ein anderer Berg in den Bayerischen Voralpen rund um Kochel- und Walchensee zieht der 2.101 Meter hohe Schafreuter die Blicke auf sich. Sein wie mit dem Lineal gezogener Nordrücken sieht – speziell vor der Kulisse der höheren Karwendelberge – einfach spektakulär aus. Dabei ist der Schafreuter einer der beliebtesten Skitourengipfel im Karwendel überhaupt – die Abfahrt über die langgezogene Nordwestflanke sucht in der Umgebung ihresgleichen. Um sie allerdings unverspurt und für sich allein zu haben, muss man früh aufbrechen.

Im Frühjahr kann es schon mal vorkommen, dass man auf dem unteren Abschnitt des Ziehwegs recht "trockene" Verhältnisse vorfindet. | Foto: Arnold Zimprich
Im Frühjahr kann es schon mal vorkommen, dass man auf dem unteren Abschnitt des Ziehwegs recht „trockene“ Verhältnisse vorfindet. | Foto: Arnold Zimprich

Aufstieg aus dem Rißtal

Ausgangspunkt der Tour ist ein kleiner Parkplatz auf der linken Seite der Rißtalstraße hinter der sogenannten „Oswaldhütte“ (etwa 850 Meter). Zunächst folgt man den Kehren des Fahrwegs Richtung Moosenalm und gewinnt rasch an Höhe, ehe der Weg an einem markanten Aussichtspunkt (Sitzbank mit Aussicht!) in das schwach ausgeprägte Hochtal des Kälbergrabens einschwenkt. Über zwei weitere Kehren erreicht man schließlich die Abzweigung des Fahrwegs zur Mooslahneralm (1.398 Meter), dem man bis zu den freien Almflächen folgt. Knapp die Hälfte der Höhenmeter hat man nun bereits hinter sich.

Hinweis: An schönen Winterwochenenden kann am Schafreuter ganz ordentlich Betrieb und damit Parkplatznot herrschen. Ein früher Aufbruch (vor 7:30 Uhr) ist daher durchaus anzuraten!

Steil am Kälbereck vorbei

Je nach Spuranlage hat man nun den „entspannten“ Teil der Tour hinter sich. Denn im Kar unterhalb des sogenannten „Kälberecks“ zeigen Skitourengeher, die das Glück haben hier die erste Spur legen zu dürfen, gerne was sie in Sachen Spuranlage so drauf haben. In Zeiten moderner Steighilfen sind steile Spuren hier keine Seltenheit …

Je nach Eifer der Vorgänger geht es nun in mehr oder weniger vielen Kehren bis auf ca. 1.750 Meter hinauf. Hier führt meist eine längere Querung – in etwa auf Höhe des Sommerweges – in die etwas flachere Westflanke des Schafreuter. Die Latschen verstecken sich bei guter Schneelange fast komplett im pulvrigen (oder nassen) Weiß. In schneeintensiven Wintern gibt es schon hier traumhaftes Skigelände, in schneeärmeren kann man sich auf einen sportlichen Latschen-Slalom bei der Abfahrt gefasst machen.

Mit steigender Höhe tauchen immer mehr Karwendelberge auf, auch einige der höchsten Berge des Gebirgszugs, darunter die Birkkarspitze und die Ödkarspitzen, geben sich ein Stelldichein. Schritt für Schritt kommt man näher an den Nordwest-Gratrücken des Schafreuters heran, dem man bis zum Skidepot, das sich etwa 40 Höhenmeter unter dem Hauptgipfel befindet, folgt. Meist findet sich auch hier eine ausgeprägte Spur.

Mit Ski bis zum Gipfel des Schafreuter?

Ski-Experten steigen dem 2.101 Meter hohen Gipfel mit den Ski bis aufs Haupt, alle anderen sollten die letzten Höhenmeter ab dem geschwungenen, oft überwechteten Vorgipfel besser zu Fuß zurücklegen. Ein Ausrutscher könnte hier oben fatale Folgen haben, der Gipfelgrat bricht in beide Richtungen steil ab. Am Gipfel des Schafreuter angekommen, muss man sich bei schönem Wetter eine halbe Stunde Zeit für den Rundblick nehmen – durch seine etwas exponierte Lage nördlich der drei Karwendel-Hauptkämme schweift der fantastische Blick nicht nur über zahllose Karwendel-Zweitausender, sondern reicht auch bis zu entfernten Dreitausendern wie dem Großvenediger.

Die höchsten Karwendelberge - Kaltwasserkarspitze, Birkkarspitze und Ödkarspitzen (v.l.n.r.) - sind vom Schafreuter gleich vis-a-vis. | Foto: Arnold Zimprich
Die höchsten Karwendelberge – Kaltwasserkarspitze, Birkkarspitze und Ödkarspitzen (v.l.n.r.) – sind vom Schafreuter gleich vis-a-vis. | Foto: Arnold Zimprich

Fazit zur Skitour auf den Schafreuter

Der markante Gipfelaufbau des Schafreuter. Ski-Profis steigen bei guter Schneelage hinauf bis zum Kreuz, Gelegenheits-Skitourengeher machen schon am Vorgipfel Skidepot. | Foto: Arnold Zimprich
Der markante Gipfelaufbau des Schafreuter. Ski-Profis steigen bei guter Schneelage hinauf bis zum Kreuz, Gelegenheits-Skitourengeher machen schon am Vorgipfel Skidepot. | Foto: Arnold Zimprich

Der Schafreuter ist schon seit geraumer Zeit kein Geheimtipp mehr. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man eine der höhenmeterreichsten Tourenskiabfahrten in den Münchner Hausbergen vor sich hat. Bei einem einigermaßen geschickten Timing lassen sich auch die Hundertschaften umgehen, die dem Berg bisweilen an schönen Wintertagen auf den Pelz rücken. Kritiker mögen anführen, dass fast die Hälfte des Anstiegs auf Ziehwegen zurückgelegt wird – die erste Hälfte der Abfahrt über die aussichtsreiche und hindernislose Nordwestflanke des Berges sucht jedoch ihresgleichen, und auch das Hinunterflitzen auf dem kehrenreichen Ziehweg macht bei entsprechendem Schnee durchaus Spaß!

Alle Angaben zur Skitour auf den Schafreuter

  • Anfahrt von Bayern: von München über die A8 bis zur Ausfahrt Holzkirchen, weiter über Bad Tölz und das Isartal zum Sylvensteinspeicher. Von dort über Fall und Vorderriss ins Rißtal und zur Oswaldhütte kurz vor der Landesgrenze.
  • Anfahrt von Österreich/Tirol: Von Innsbruck über den Zirler Berg und Mittenwald nach Wallgau, weiter über die Mautstraße nach Vorderriss. Vom Achensee über Maurach und die Kaiserwacht zum Sylvensteinspeicher. Weiter wie oben beschrieben.
  • Höhenmeter: 1.250
  • Dauer (Aufstieg): 2,5 bis 3 Stunden
  • Gipfelhöhe: 2.101 Meter
  • Ausgangspunkt: Parkplatz etwa 250 Meter hinter der Oswaldhütte (855 Meter)
  • Schwierigkeiten: bis auf etwas Trittsicherheit am Gipfelaufbau keine
  • Einkehrmöglichkeiten: keine
  • Karte: AV-Karte 12 Karwendelgebirge Nord

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