Speziell für Bergsteiger ist umfassender Sonnenschutz eine wichtige Sache. Der Mediziner und Bergzeit Magazin-Autor Basti Fiedler erklärt, worauf zu achten ist und was Sonnenstrahlen mit dem Körper anstellen können.

Warum ist Sonnenschutz in den Bergen so wichtig? Die Frage könnte man in einem Satz beantworten: Weil die Sonne unserem Körper neben positiven Effekten auch schwere Schäden zufügen kann – und diese gilt es zu verhindern.

Den Artikel bereits nach gut 30 Wörtern zu beenden, ist nicht der Sinn der Sache. Für den interessierten Leser folgen daher in diesem Text die etwas genaueren Gründe, warum Sonnenschutz so wichtig ist – erst recht in den Bergen.

Die Sonne ist für den menschlichen Körper ein Segen - kann jedoch auch zum Fluch werden, wenn man in den Bergen zuviel davon abbekommt. | Foto: Pixabay
Die Sonne ist für den menschlichen Körper ein Segen – kann jedoch auch zum Fluch werden, wenn man in den Bergen zuviel davon abbekommt. | Foto: Pixabay

Sonnenschutz im Winter und auf Hochtour

Eine besonders wichtige Rolle spielt der Sonnenschutz im Winter beim Skifahren oder im Sommer auf Hochtouren bzw. alpinen Bergtouren im Schnee. Das liegt daran, dass durch die Höhe und die Reflexionen durch den Schnee eine besonders hohe Strahlendosis erreicht wird (siehe hierzu auch unten stehender Abschnitt).

Man ist daher als Bergsteiger bzw. Wintersportler im Sommer genauso wie im Winter besonderen Gefahren durch die Sonne ausgesetzt und sollte entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen.

Ein ausreichender Sonnenschutz für Körper und Augen ist daher unumgänglich, um Folgeschäden zu verhindern. In weiteren Artikeln werden wir noch ausführlich auf das Thema Sonnenschutz eingehen, daher sind hier nur die zentralen Punkte zusammengefasst:

  1. Sonnencreme beim Skifahren/Bergsteigen: Mit mindestens LSF 30; bei schweißtreibenden Aktivitäten unbedingt an Erneuerung denken; den Lippenstift mit entsprechend hohem LSF nicht vergessen > Sonnencreme und Lippenschutz für Skifahren & Berge
  2. Sportsonnenbrille/Gletscherbrille: Mit speziellen Gläsern und ggf. abschirmenden Schutzblenden; auf Gläserkategorie 4 achten – ggf. auch bei Skibrillen! > Mehr erfahren über Gläser bei  Ski- und Sportsonnenbrillen
  3. Kleidungswahl: Gerade bei Ski- oder Hochtouren ist man wegen der Anstrengung häufig leichter bekleidet und geht im T-Shirt oder mit hochgekrempelten Ärmeln. Wegen der Umgebungskälte wird dabei oftmals nicht wahrgenommen, wie intensiv die Sonnenstrahlung ist. Dies kann zu verheerenden Sonnenbränden führen. Daher unbedingt auf entsprechende Kleidung (z.B. mit LSF) achten und die nicht bekleideten Stellen gut eincremen.

Hält man sich beim Skitouren/Skifahren oder beim Bergsteigen auf dem Gletscher und im Schnee an diese Grundregeln, ist man in jedem Fall auf der sicheren Seite.

Exkurs: Strahlenschäden in den Bergen

In den Bergen steigt das Risiko für einen Sonnenbrand - pro 300 Höhenmeter um etwa 4 Prozent. | Foto: Pixabay
In den Bergen steigt das Risiko für einen Sonnenbrand – pro 300 Höhenmeter um etwa 4 Prozent. | Foto: Pixabay

In den Bergen gelten die gleichen Regeln zum Sonnenschutz wie im Tal. Doch herrschen hier wie oben bereits angedeutet andere Umgebungsbedingungen, die das Risiko nochmals erhöhen. Zum einen führt die etwas kältere Temperatur in der Höhe dazu, dass man die Sonnenstrahlung weniger intensiv wahrnimmt und daher unbewusst ein höheres Risiko eingeht. Jedoch nimmt die Strahlung in zunehmender Höhe nicht ab, sondern zu (ca. 4% Zunahme pro 300 Höhenmeter).

Bewegt man sich zusätzlich auf einem Gletscher (oder im Winter auf einer Schneeunterlage), so kann durch die Reflexion der Strahlung eine Verstärkung um bis zu 100% bewirkt werden. Das Risiko, Schäden davonzutragen, wird also um ein Vielfaches erhöht – und das Thema Sonnenschutz rückt umso mehr in den Fokus.

Hier geht zu allen Produkten rund um das Thema Sonnenschutz bei Bergzeit:

Was die Sonne mit unserem Körper Positives anstellt…

Das Sonnenlicht besteht aus einem breiten Strahlungsspektrum mit unterschiedlichen Wellenlängen. Je nach Wellenlänge verhält sich das Licht dabei unterschiedlich, wird unterschiedlich absorbiert und bewirkt im menschlichen Körper verschiedene Reaktionen. Dabei ist nur ein kleiner Teil für das menschliche Auge sichtbar.

Neben einer Vielzahl weiterer Effekte gibt es einige grundlegende positive Effekte, ohne die der menschliche Körper nicht auskommen würde:

  • Das Licht steuert den Tag-Nacht Rhythmus und ist damit grundlegend am Hormonhaushalt und dessen Gleichgewicht beteiligt. Zu wenig Licht kann diesen stark durcheinander bringen. So z.B. bei von der Jahreszeit abhängigen Depressionen, die u.a. durch einen Mangel an Sonnenlicht begünstigt werden. Andersherum kennt man es selbst – bei schönem Wetter (sprich viel Sonne) ist man einfach besser gelaunt!
  • Die Herstellung von Vitamin D, dessen Produktionsweg in der Haut beginnt, ist ebenfalls stark abhängig vom Sonnenlicht. Vitamin D ist wichtig für unseren Körper und wird u.a. für die Knochenstabilität oder das Immunsystem benötigt.
  • Sonnenlicht wirkt zudem unterstützend bei der Heilung bestimmter Hauterkrankungen (z.B. Schuppenflechte oder Neurodermitis) und wird in der Medizin auch therapeutisch eingesetzt.

Dies sind nur einige wenige Effekte – der menschliche Körper ist deutlich komplexer und reagiert auf den unterschiedlichsten Ebenen auf das Sonnenlicht. Leider auch mit negativen Effekten, um die es in der Folge ausführlicher gehen soll.

… und was Sonne Negatives anstellen kann

Sonnenbrand wird von UV-B-Strahlung verursacht. | Foto: Pixabay
Sonnenbrand wird von UV-B-Strahlung verursacht. | Foto: Pixabay

Die negativen Effekte werden v.a. durch das sog. UV-A und UV-B Licht ausgelöst. Diese unterscheiden sich in der Wellenlänge und der Wirkung auf den Körper, wobei es starke Überschneidungen gibt:

  • UV-A (320-400 nm): Diese gelangen bis in die tieferen Hautschichten und sind v.a. für die Hautalterung verantwortlich.
  • UV-B (290-320 nm): Dies sind die besonders biowirksamen Strahlen, da sie zu Sonnenbrand und schweren Schädigungen der Haut führen können. Jedoch werden sie von den oberen Hautschichten absorbiert. Sie sind auch für die Produktion von Vitamin D zuständig.

Doch ob nun tatsächlich Schaden angerichtet wird, hängt v.a. von der Dosis (sprich der Dauer und der Intensität der Sonnenstrahlen) und den eigenen Voraussetzungen ab (Stichwort Hauttyp). Auch die Höhenlage, in der man sich in den Bergen aufhält, spielt eine Rolle (dazu später mehr). Folgende Reaktionen können prinzipiell auftreten:

  • Hautalterung durch Sonnenlicht: Die lichtbedingte Hautalterung unterscheidet sich von der natürlichen Hautalterung – auch wenn es große Überschneidungen gibt. Dies lässt sich am einfachsten darstellen, wenn man die exponierte Haut (z.B. Gesicht/Arme) mit der nicht-exponierten Haut (z.B. Rumpf) vergleicht. Die Haut wird schlaff, faltig und bildet eine gröbere Felderung aus – dazu kommen Farbveränderungen und z.B. Altersflecken.
  • Sommersprossen: Sommersprossen sind an sich harmlos – und trotzdem ein Signal, dass der Sonnenschutz nicht gut funktioniert hat. Sie treten v.a. bei hellhäutigen Kindern und Jugendlichen nach Sonnenbränden auf und sind durch die Vermehrung von Melanin (Farbstoff der Haut, der auch für die Bräunung zuständig ist) bedingt.

Sonnenbrand durch mangelnden Sonnenschutz in den Bergen

Der Sonnenbrand ist die „akute Form“ des UV-Schadens. Im Endeffekt ist ein Sonnenbrand wie eine Verbrennung zu betrachten. Die typische Hautrötung (auch Erythem genannt) tritt wenige Stunden nach Exposition auf und erreicht das Maximum nach 12-24 Stunden. Ein Abklingen tritt meist nach 48-72 Stunden ein. Bis ein Sonnenbrand komplett abgeheilt ist, können aber auch 1-2 Wochen vergehen. Typisch sind eine scharf begrenzte Rötung und eine leichte Schwellung, bei stärkeren Sonnenbränden tritt aber auch Blasenbildung und in der Folge der Verlust der obersten Hautschicht ein.

Ganz schwere Verläufe können auch mit Fieber einhergehen und sind dann oft mit einem „Sonnenstich“ kombiniert, der durch eine Reizung der Hirnhäute durch Strahlen und Überhitzung ausgelöst wird.

Liegt auf einem Großteil der Haut ein massiver Sonnenbrand mit Blasenbildung vor, so kann dies auch zu lebensbedrohlichen Zuständen führen, die eine stationäre Behandlung unumgänglich machen. Dies gilt es auf jeden Fall einen Sonnenbrand durch entsprechenden Sonnenschutz zu vermeiden.

Sonnenallergie

Der Vergleich von exponierter zu nicht exponierter Haut zeigt die Hautrötung bei einem Sonnenbrand deutlich. | Foto: Pixabay
Der Vergleich von exponierter zu nicht exponierter Haut zeigt die Hautrötung bei einem Sonnenbrand deutlich. | Foto: Pixabay

Unter diesem Begriff werden verschiedene Phänomene zusammengefasst:

  • Fototoxische Reaktion: Ausgelöst durch das Zusammenwirken eines obligat-fototoxischen Stoffes und Sonnenstrahlen. Die entsprechenden Stoffe werden z.B. durch die Nahrung aufgenommen oder durch Berührung mit z.B. Gräsern auf die Haut übertragen und bewirken in Zusammenspiel mit Sonnenstrahlen obligat (also theoretisch immer) eine Reaktion unterschiedlicher Ausprägung.
  • Fotoallergische Reaktion: Dies wird ebenfalls durch Stoffe ausgelöst, die durch die Nahrung oder Berührung übertragen werden können. Jedoch muss vorher eine Sensibilisierung stattgefunden haben – sprich eine entsprechende Reaktion des Immunsystems. Außerdem ist diese Reaktion nicht obligat und tritt daher nicht automatisch auf – sondern nur bei entsprechender Prädisposition des Immunsystems.
  • Sonnenallergie: Im Volksmund versteht man unter einer Sonnenallergie eine chronische Lichtunverträglichkeitsreaktion der Haut, die sich v.a. im Frühjahr oder nach längerer Karenz zeigt und sich in Juckreiz, Rötung und Bläschen äußert. Im Gegensatz zu den oben genannten wird kein zusätzlicher Stoff im Körper oder auf der Haut benötigt. Die Allergie wird nur durch eine Überreaktion des Immunsystems auf das Licht (v.a. UVA) ausgelöst.

Hautkrebs durch fehlenden Sonnenschutz

Dass fehlender Sonnenschutz das Hautkrebsrisiko erhöht, ist allgemein bekannt. Doch gibt es viele verschiedene Arten von Hautkrebs, die unterschiedlich entstehen. In den Anfangsstadien sehen diese oft sehr ähnlich aus – nehmen dann jedoch unterschiedliche Verläufe.

Daher sind bei Personen mit entsprechendem Risikoprofil regelmäßige Kontrollen sinnvoll, um frühzeitig auf verdächtige Hautveränderungen reagieren zu können!

Hierzu lassen sich ganze Lehrbücher füllen. Der folgende Abschnitt ist daher nur eine grobe Auflistung ohne Gewähr für Vollständigkeit:

  • „Nävuszellnävus“: Heißt tatsächlich so, ist aber erst einmal halb so wild. Hierunter verbergen sich unterschiedliche, gutartige Hautveränderungen. Sie entstehen meist im Kindesalter durch Sonnenstrahlen. Umgangssprachlich werden diese oft unter „Leberflecken“ oder „Muttermale“ zusammengefasst. Riskant ist aber, dass diese je nach Subtyp mehr oder weniger häufig entarten können.
  • Malignes Melanom: Maligne Melanome können aus den unterschiedlichen Arten der Nävuszellnävus entstehen und anschließend weiter bösartig entarten. Besonders gefährlich an diesem Hautkrebstyp ist, dass er oft lange unentdeckt bleibt, jedoch schon im Körper streuen kann („metastasiert“). Diese Metastasen können dann je nach Ausprägung lebenslimitierend sein. Daher wird empfohlen, regelmäßig beim Hautarzt Kontrollen der bestehenden „Leberflecken“ auf Entartung hin durchzuführen. Je früher man eine Entartung feststellt und behandelt, umso geringer ist das Risiko einer Bedrohung für den restlichen Körper. Melanome können jedoch auch aus gesunder Haut entstehen. Wichtig ist, dass das Risiko, ein Melanom zu entwickeln, statistisch betrachtet mit der Zahl schwerer Sonnenbrände (auch im Kindes- und Jugendalter) steigt.

    In großer Höhe muss besonders auf einen umfassenden Sonnenschutz geachtet werden. | Foto: Arnold Zimprich
    In großer Höhe muss besonders auf einen umfassenden Sonnenschutz geachtet werden. | Foto: Arnold Zimprich

  • Basalzellkarzinom: Hierunter versteht man Tumoren einer bestimmten Hautschicht, die von einer speziellen Zellart ausgehen. Im Gegensatz zum malignen Melanom metastasiert es selten. Jedoch wächst es am eigenen Platz direkt in das umgebende Gewebe und „frisst“ dieses auf. Betroffen sind vorwiegend Personen mit hellem Hauttyp. Gefährlich ist hier weniger die Anzahl an Sonnenbränden, sondern die lebenslange, chronische UV-Schädigung der Haut. Daher tritt dieser Hautkrebs-Typ auch oft im Gesicht auf, da hier ein Leben lang Sonne einwirken kann. Das Basalzellkarzinom ist der häufigste bösartige Tumor der Haut.
  • Plattenepithelkarzinom: Dies ist der zweithäufigste bösartige Tumor der Haut. Ähnlich wie beim Basalzellkarzinom treten Plattenepithelkarzinome vorwiegend bei Personen mit hellerem Hauttyp auf. Sowohl an sonnenexponierter Haut als auch am Übergang von Haut zu Schleimhaut ist das Risiko besonders hoch. Hauptrisikofaktor sind chronische UV-B Schäden, die über Jahre entstehen. Dieser Tumortyp kann aber auch z.B. in der Lunge entstehen. Dort ist dann aber häufig eine Schädigung durch Rauchen ursächlich.

Folgen für die Augen

Da die Augen besonders unter der Sonneneinstrahlung leiden können und wir als Bergsportler auf ihre Funktion angewiesen sind, ist uns dieses Thema so wichtig, dass wir ihm einen eigenen Artikel zum Thema „Schneeblindheit“ gewidmet haben. Soviel sei an dieser Stelle schon mal gesagt: Eine gute Sonnenbrille gehört für Bergsteiger zur Standardausrüstung.

Zusammenfassung

Dass Sonnenbrand unangenehm sein kann, hat vermutlich jeder im Selbsttest schon erfahren dürfen. Dass auch weitere Folgeschäden entstehen können ist den meisten zwar bewusst, dennoch wird das Thema Sonnenschutz allzu häufig auf die leichte Schulter genommen. Zwar wird nicht jedes Fehlverhalten sofort bestraft. Doch gerade für uns Bergsportler, die sich durch ihr Hobby bedingt häufig draussen und in der Höhe im Schnee bewegen, ist das Lebenszeitrisiko für Folgeschäden nicht zu vernachlässigen.

Umso wichtiger ist es, sich mit den Prinzipien des Sonnenschutzes auseinander zu setzen. Wie man sich korrekt vor Sonne schützt, wie man eventuelle Schäden behandelt und was das Ganze mit Schneeblindheit zu tun hat werden wir in weiteren Artikeln diskutieren, die demnächst erscheinen.

Quellen:

  • Handbuch der Trekking- und Höhenmedizin, 8. Auflage, F. Bergold et al.
  • Dermatologie, Urban & Fischer, 2. Auflage, Dorothea Terhorst et al.

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