Welcher Schuh ist für welche geplante Bergaktivitäten geeignet? Reicht der Trekkingstiefel mit der weichen Sohle für die geplante Bergtour mit kurzem Gletscherkontakt? Hält das Kipphebel-Steigeisen am kurzfristig organisierten Leih-Bergstiefel? Diese und weitere Fragen werden im Artikel beantwortet.

Bevor man sich beim Thema steigeisenfeste Bergschuhe an die konkrete Auswahl eines Modells wagt, sollte man sich folgende Frage stellen: in welchem Gelände werde ich primär unterwegs sein? Sind Gletscherbegehungen geplant oder die Ausnahme? Geht es ins schroffe Hochgebirge oder bin ich nur ausnahmsweise auf dem Eis unterwegs? Plane ich sogar, zum Eisklettern zu gehen?

Steigeisenfeste Bergschuhe: Kategorisierung

Der bayerische Schuhhersteller Meindl hat in den 1970er-Jahren eine Bergschuh-Kategorierung eingeführt, die von einigen – aber nicht allen – Herstellern übernommen wurde. Wer sich noch nie eingehender mit Bergschuhen beschäftigt hat, findet in ihr eine wertvolle Beratung beim Kauf von Bergschuhen.

Meindl hat die folgenden Bergschuh-Typen eingeführt und Buchstaben zugeordnet: Lightwalker (A), Wanderstiefel (AB), Trekking-„Klassiker“ (B), Trekkingstiefel (BC), bedingt steigeisenfester Hochgebirgssschuh (C) und voll steigeisenfester Hochgebirgsschuh (D).

Steigeisenfeste Bergschuhe: Eine Kaufberatung | Foto: Franz Mösbauer
Welcher Schuh für welchen Zweck? Bei der Auswahl von steigeisenfesten Schuhen sollte man sich beraten lassen. | Foto: Walter Hölzler

Welche Schuhe sind steigeisenfest?

Der Übergang ist fließend. Los geht es bei Schuhen der Kategorie BC. Allerdings sind Trekkingstiefel dieser Kategorie im Regelfall nur mit Riemen-Leichtsteigeisen verwendbar. C-Schuhe sind bedingt steigeisenfest und verfügen über eine Kipphebelaufnahme an der Ferse. Meindl unterscheidet zudem zwischen warmen C-Schuhen für längere Gletschertouren sowie dünn isolierten C-Leichtbergstiefeln, sie z.B. für Klettersteige mit kurzen Hartschnee/Gletscherpassagen geeignet sind. D-Schuhe verfügen hinten und vorne über eine Steigeisenaufnahme und eignen sich auch zum Eisklettern.

Die Meindl-Klassifikation im Detail

  • A = Freizeit, Alltag, Reisen, Walking nicht zwangsläufig knöchelhoch, unterstützen Gehbewegung ausreichend, Sohle ist nicht komplett steif – geeignet für gute Wege, Parkanlagen, Alltag
  • AB = Leichte Wanderungen im Flachland, Mittelgebirge oder den Voralpen – geeignet für gute und weniger gute Wege sowie Hüttenwege
  • B = Anspruchsvolle Wanderungen im Mittelgebirge, leichte Trekkingtouren, ein knöchelhoher Schaft sorgt für Stabilität, bedingt steigeisenfest, Sohle zunehmend torsionsreif, ermöglicht noch ergonomisches Abrollen – auch geeignet auf schlechten Wegen sowie Steigen
  • BC = Anspruchsvolles Trekking, harte Wanderungen, bis Hochgebirge – auch geeignet auf schlechten Pfaden und Trails, Geröll, Klettersteige
  • C = Touren im Hochgebirge, auf Gletschern, härteste Trekkingtouren, bedingt steigeisenfest, Schaft reicht über den Knöchel, steife Sohle und fester Sohlenrand zur Befestigung eines Steigeisens, reichen für die meisten alpinen Unternehmen im Freizeitbereich – geeignet für Gletscher, schlechteste Wege oder auch weglos, Geröll, Klettersteige
  • D =Absolut steigeisenfeste Schuhe mit Sohlenrand vorn und hinten, haben eine steife Sohle und genügen allen Anforderungen, in Einzelfällen auch als Hartschalenschuhe mit herausnehmbarem Innenschuh konzipiert – geeignet für weglose Touren, Gletscher, extreme Eistouren, Eisklettern

Mehr erfahren in unserem Beitrag Schuh-Kategorien

Steigeisenfeste Bergschuhe: Merkmale

Die Meindl-Kategorisierung unterliegt keinen verbindlichen Standards und wurde auch nicht von allen Herstellern übernommen. Woran erkenne ich also als Laie, ob die bei mir im Keller stehenden Bergschuhe steigeisenfest sind? Und woran erkenne ich im Laden, ob die vom Verkäufer angepriesenen Attribute auch auf den Schuh zutreffen?

Merkmale für nicht-steigeisenfeste Schuhe (Meindl-Klassen A und AB)

Weiche Sohle, weicher Schaft, kein fester Sohlenrand zur Fixierung von Kipphebel und/oder Zehenlasche. In diese Kategorie gehören auch Halbschuhe.

Merkmale für bedingt steigeisenfeste Schuhe (Meindl-Klassen B, BC und C)

Härtere Zwischensohle. stabiler, hochgezogener Schaft, griffige, feste Profilsohle. Bei einzelnen Modellen ist ein Fersenrand für Kipphebelsteigeisen vorhanden.

Merkmale für absolut steigeisenfeste Schuhe (Meindl-Klassen C und D)

Komplett steife, harte Zwischensohle und steifer Schaft. Sohlenrand aus Hartplastik an der Ferse. Modelle wie der La Sportiva Nepal oder der Hanwag Omega verfügen auch vorne über eine Leiste, um Step In-Steigeisen sicher zu fixieren.

Steigeisenfeste Bergschuhe: Fragen und Antworten

Das Wasserfalleisklettern ist eine der bergsportlichen Königsdisziplinen. | Foto: Franz Mösbauer
Das Wasserfalleisklettern ist eine der bergsportlichen Königsdisziplinen. | Foto: Franz Mösbauer

Ich bin Einsteiger und will meine erste Gletschertour gehen. Ich bin mir (noch) nicht sicher, ob Eistouren zu meinem Standardrepertoire gehören werden. Was nun?

Hier ist bereits ein Schuh der BC-Kategorie ratsam. Diese Kategorie umfasst Bergschuhe, die einen hohen Schaft haben und damit ausreichend Standfestigkeit bieten, außerdem eignet sich die Sohlenkonstruktion auch für Gletscherbegehungen. Man sollte darauf achten, ob der Schuh über eine Fersenkante verfügt, die die Befestigung eines Steigeisens ermöglicht.

Ich bin ein echter Fan von Gletschertouren, werde aber sicher nicht zum extremen Eiskletterer oder Höhenbergsteiger. Zu welchen Schuhen soll ich greifen?

In diesem Fall sind Schuhe der Kategorien BC oder C die richtige Wahl. Nicht zu schwer und nicht zu steif lautet die Devise. Wer sich zum Beispiel sofort für einen schweren Bergstiefel wie den La Sportiva Nepal oder den Hanwag Omega (s.o.) entscheidet, schießt mit Kanonen auf Spatzen. Besser sind mittelschwere Modell wie der Scarpa Charmoz oder der Meindl Jorasse, die etwas mehr Flexibilität bieten.

Ich verstehe den ganzen Terz um steigeisenfeste Bergschuhe nicht. Ist das nicht einfach nur ein Marketing-Gag der Outdoorindustrie?

Hier reicht ein Blick auf Profi-Eiskletterer wie Ines Papert oder Robert Jasper. Ohne absolut steigeisenfeste Schuhe der D-Kategorie könnten Profis ihren Sport nicht ausüben. Doch auch Hobby-Eiskletterer und -Alpinisten wären mit weichen Trekkingstiefeln völlig chancenlos, wenn sie sich auf die feste Fixierung des Steigeisens am Schuh verlassen müssen. Soll bedeuten: sinnvolle Entwicklungen aus dem Profisport sickern mit der Zeit auch in den Hobbysport ein. Am Ende sind es also auch Hobbybergsteiger, die von den Innovationen im Profisport profitieren.

Fazit zu steigeisenfesten Schuhen

Bergsteiger haben – zum Glück – die Qual der Wahl. Bergschuh-Hersteller wie Salewa, Lowa, La Sportiva oder Scarpa haben inzwischen ein breites Angebot an Bergschuhen. Es gibt Modelle, die sich für das Wandern genauso eignen wie für Hochtouren. Einen Vorteil hat die Vielfalt in jedem Fall – jeder findet mit ein wenig Beratung das für ihn passende Modell.

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