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Spanier auf dem Vormarsch

Tenaya Tarifa: Kletterschuh im Test

6 Minuten Lesezeit
Dass neue und moderne Kletterschuhe nicht immer knallig bunt und mit überflüssigen Extras kommen müssen, beweist der neue Tarifa der spanischen Marke Tenaya. Ein Schuh, der nicht nur funktioniert, sondern auch überzeugt - ohne Kompromisse!

Tenaya ist ein spanisches Familienunternehmen, das 1997 von José Luis García Gallego gegründet wurde. José García war einer von vier Brüdern, die alle schon in frühen Jahren mit dem Klettern begannen. Dem Klettersport total verfallen, hat er schon mit zwölf seine ersten Routen erschlossen. Mit siebzehn hat er das Big Wall-Klettern für sich entdeckt und in den kommenden Jahren viele namhafte Routen in den spanischen Pyrenäen und später auch im Yosemite Valley und am Fitz Roy erstbegangen. Die Idee eine Kletter- und Outdoorschuh-Firma zu gründen kam ihm während einer Erstbegehung am Mount Watkins, im Tenaya Valley im Yosemite. Von Anfang an baute Tenaya auf Prinzipien, wie zum Beispiel die Produktion im eigenen Land zu belassen, die bis heute sehr ernst genommen werden. Die Spanier entwickeln all ihre Produkte in enger Zusammenarbeit mit Kletterern, immer darauf fokusiert, deren Bedürfnisse zu erfüllen. So findet Tenaya für die Bedürfnisse von Alex Megos, Ramon Julian oder Mariona Marti Antworten in Schuhform.

Der Aufbau des Tenaya Tarifa ist schlicht und eher dem Prinzip
Der Aufbau des Tenaya Tarifa ist schlicht und eher dem Prinzip „weniger ist mehr” nachempfunden. Die Passform und auch die Performance sind erste Klasse| Foto: T. Zehetmeier

Als ich den Tenaya Tarifa Kletterschuh zum Testen bekam, wusste ich das alles nicht. Aber beim ersten Anprobieren merkte ich sofort – da hat sich jemand Gedanken gemacht! Kein Wunder also, dass die Kletterelite mit Tenaya am Fuß klettert. Hier könnte eine lange Freundschaft entstehen. Aber erstmal muss sich der gute Tenaya Tarifa aus der Reihe der vielversprechend aussehenden Tenaya Kletterschuhe im Praxistest bewähren:

Tenaya Tarifa: Komfort und Aggressivität 

„Festigkeit, Präzision und Balance – der Tarifa wurde entwickelt, um auf die unendlich unterschiedlichen Felsformen sowie alle möglichen Situationen am bzw. im Fels entsprechend reagieren zu können!“ Das verspricht Tenaya mit seiner neuesten Kreation und hat damit kein bisschen übertrieben. Der Kletterschuh wurde von mir beim Routenklettern sowie beim Bouldern in allen Facetten ausprobiert und hat mich auf ganzer Linie überzeugt. Der Aufbau des Tenaya Tarifa ist schlicht und eher dem Prinzip „weniger ist mehr“ nachempfunden. Zwei wirklich große Laschen im Fersenbereich erleichtern den Einstieg, ein Schnürsystem, das dich alle fummeligen Systeme vorheriger Lace-Schuhe vergessen lässt, und ein Komfort, den du sonst nur von deinen Mehrseillängen-Tretern kennst, führen dazu, dass sich schon beim ersten Reinschlüpfen ein Wow-Gefühl einstellt.

Passform und Konstruktion des Kletterschuhs

Die Passform des Tenaya Tarifa ist phänomenal. Eine schlanke Ferse, ausreichend Platz in der Zehenbox und eine angenehm weiche Neoprenzunge, die den Einstieg erleichtert, überzeugen sofort. Mit dem Schnürsystem lässt sich dann auch noch der letzte Faltenschlag festziehen, so dass man das Gefühl hat, man ist eins mit dem Schuh. Die Zwischensohle des Tarifa ist angenehm weich, was mir das Gefühl gibt, trotz Vorspannung und Asymmetrie jede auch noch so kleine Leiste am Fels spüren zu können.

Das Obermaterial des Kletterschuhs ist aus Kunstleder bzw. Lycra, welches sich nicht sehr nachdehnt. Auf dem oberen Spann befindet sich ein Gummizug, der die Flexibilität und den Komfort des Schuhs aufrecht erhält. Im Fersenbereich zieht ein Gurtband ins Gewölbe des Schuhs, welches Spannung aufbaut, ohne dabei an der Achillessehne einzuschnüren. Dieses System wird von Tenaya SXR Dynamic genannt; ein sich mitbewegendes Spannsystem, das verschiedene Elemente in der Sohle mit der Struktur des Schuhs vereint. Bei der Sohle baut Tenaya, wie bei allen anderen Modellen, auf die Vibram XS Grip-Sohle – einen weichen, extrem reibungsstarken Gummi. Das Schnürsystem geht weit nach vorne in Richtung Zehenbox, so dass sich dort auch ordentlich Druck aufbauen lässt. Das System ist in einem Schritt auf- und zugezogen. 

Auch der Innenbereich des Tenaya Tarifa ist durchdacht: Keine überflüssigen Nähte, ein Baumwoll-Inlay und die bereits erwähnte Neoprenzunge, sorgen für einen angenehm weichen Tragekomfort, ohne den Schuh an Direktheit einbüßen zu lassen.

Der Tenaya Tarifa in Aktion: Kleinste Tritte, Präzision und Felsgefühl

Der Tarifa wurde von mir in verschiedenen Gebieten und Situationen getestet. Die anfängliche Zurückhaltung, die man kennt, wenn man einen neuen Kletterschuh an den Füßen hat, weicht sehr schnell dem Gefühl, sich auf den Tenaya Tarifa verlassen zu können. Durch den präzisen Aufbau des Schuhs lassen sich noch so kleine Leisten antreten, was gerade im steilen Gelände bei frontalen Kletterpositionen sehr wichtig ist. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass ich in eine unnatürliche Fußstellung gepresst werde; im Gegenteil, es kommt einem vor, als passt sich der Kletterschuh den Füßen an. Mal etwas anderes im Erfahrungfundus eines Kletterers, der eher das Gegenteil kennengelernt hat.

Tenaya Tarifa Test | Foto: T. Zehetmeier
Tenaya Tarifa im Test: Egal ob im Klettergarten, in der Boulderhalle oder im Aufwärmgelände: Der Tenaya Tarifa rückt der Konkurrenz ganz schön auf die Pelle, vor allem im Bereich der bequemen Alleskönner. | Foto: T. Zehetmeier

Die Ferse sitzt perfekt, ist hoch geschnitten und hält auch bei den wackeligsten Hooks, ohne dabei an Halt bzw. Grip zu verlieren. Herausrutschen ist bei der Konstruktion auch nicht möglich, aber wahrscheinlich ist das auch von der individuellen Anatomie abhängig. Nun lässt das Ganze ja vermuten, dass so ein Kletterschuh auf keinen Fall auf einer Reibungsplatte funktioniert. Zugegebenermaßen waren meine ersten Versuche auch etwas zaghaft. Durch den weichen Gummi in Kombination mit einer sensiblen Mittelsohle passt sich der Tenaya Tarifa aber auch hier jeder Felsformation an und erreicht somit super Reibungswerte.

Tenaya Tarifa Test-Fazit und Details

Tenaya hat mit dem Tarifa einen Kletterschuh herausgebracht, der eine hohe Performance mit wahnsinniger Sensibilität vereint. Das ermöglicht ein sehr breites Einsatzspektrum, egal ob beim Bouldern oder in langen überhängenden Routen – der Tarifa fühlt sich überall daheim. Der Kletterschuh schränkt einen nicht ein und lässt jede Bewegung zu, was gerade beim Bouldern sehr wichtig ist. Nur der schwerere Kletterer wird sich bei langen Routen eine härtere Zwischensohle wünschen. Für mich allerdings, der ich mit 60 Kilo eher zur Leichgewichtsklasse gehöre und auf die Sensibilität meines Kletterschuhs angewiesen bin, hat der Tenaya Tarifa all meine Ansprüche erfüllt und mich auf ganzer Linie überzeugt.

  • Gewicht: 680 Gramm pro Paar in der Größe UK 8.5
  • Sohle: Vibram® XS Grip, 3,5 Millimeter
  • Obermaterial: Lycra®
  • Zwischensohle: Polyamid
  • Obermaterial: Polyurethan, Polyamid
  • Futter: Baumwolle
  • Vorspannung: Performance Fit
  • Asymmetrie: medium
  • Farbe: white-yellow

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