• Seit 1999 online
  • Powered by 350 Bergsportler
  • Am Puls der Berge
Plastikfrei waschen

10 Tipps zur Vermeidung von Mikroplastik beim Waschen

6 Minuten Lesezeit
Mit jedem Waschgang blasen wir winzig kleine Plastikpartikel, sogenannten Mikroplastik, in die Abwässer. Wir zeigen Dir, wie Du Mikroplastik vermeiden kannst und was der Guppyfriend damit zu tun hat.

Im Auftrag des World Wildlife Fund for Nature (WWF) hat die australische University of Newcastle herausgefunden, dass der Mensch im globalen Durchschnitt pro Woche bis zu fünf Gramm Plastik aufnimmt. Eine Ursache davon ist das sogenannte Mikroplastik. Das sind feste, wasserunlösliche Kunststoffpartikel, die bis zu fünf Millimeter klein sind und durch das Abwasser in die Umwelt gelangen. Satte 35 Prozent der prognostizierten 1,5 Millionen Tonnen Mikroplastik, die sich in den Weltmeeren befinden, stammen von Textilien aus synthetischen Fasern wie Polyester, Polyamid, Elasthan oder Acryl. Damit stehen sie zumindest in Deutschland hinter den Hauptverursachern der rund jährlich anfallenden 330.000 Tonnen Mikroplastik: Reifenabrieb, Freisetzung bei der Abfallentsorgung, Abrieb von Asphalt, Pelletverluste, Sport- und Spielplätze (Quelle: Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen). In einer anderen Erhebung der IUCN (Union for Conservation of Nature), die das Mikroplastik-Thema weltweit beleuchtet, gelten dagegen synthetische Fasern gemeinsam mit Reifenabrieb als Hauptverursacher Nr. 1 für die Mikroplastik-Vermüllung.

Wellen brechen sich am Strand und bringen häufig Mikroplastik mit
35 Prozent der prognostizierten 1,5 Millionen Tonnen Mikroplastik, die sich in den Weltmeeren befinden, stammen von Textilien aus synthetischen Fasern. | Foto: Lisa Amenda

Laut einer Studie der britischen Plymouth Universität können bei einer durchschnittlichen Wäsche mit synthetischen Textilien bei 30 bzw. 40°C rund 138.000 Fasern aus Polyester-Baumwoll-Mischgeweben ans Wasser abgegeben werden. Bei einer Wäsche mit Textilien aus reinem Polyester können es schon rund 496.000 Fasern sein und beim Waschen von Acryl-Geweben lösen sich sogar bis zu 730.000 Fasern. Bei der Zugabe von Weichspülern kommt es tendenziell zu mehr gelösten Fasern. Von den 300 Tonnen Mikroplastik, die 2018 alleine durch Wäsche/Reinigung im Abwasser gelandet sind, gelangen etwa 4,5 Tonnen nach Abwasserbehandlung in der Umwelt. Bisher wird davon ausgegangen, dass über 95 Prozent des Mikroplastiks in Deutschland in den Kläranlagen im Klärschlamm gebunden und der Klärschlamm anschließend zu circa 70 Prozent verbrannt wird. Der Rest des Klärschlamms wird landwirtschaftlich genutzt oder anderweitig verwertet. (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Aber was können wir jetzt als Verbraucher selbst tun?

10 Tipps für weniger Mikroplastik

1. Weniger und dafür bewusster kaufen

Was braucht man wirklich? Etiketten checken und synthetische Textilien vermeiden, nach Alternativen fragen, Recyclingprodukte nutzen und gezielt auf Naturfasern wie Baumwolle, Wolle, Hanf, Algen, Kokos, Tencel usw. setzen.

2. Weniger waschen ist mehr

Was nicht verschmutzt ist, nicht waschen, sondern lüften und Flecken lieber einzeln auswaschen. So kannst Du unnötigen Faserabrieb vermeiden. Synthetikfaser-Outfits, die du bereits besitzt, solltest Du möglichst selten waschen. Wenn, dann lade die Waschmaschine voll und wasche mit dem Eco-Programm.

Grafik zeigt wie Mikroplastik in Abwässer und Meer gelangt
Laut einer Studie der britischen Plymouth Universität werden bei einer durchschnittlichen Wäsche mit synthetischen Textilien bei 30 bzw. 40°C rund 138.000 Fasern ans Wasser abgegeben. | Grafik: IUCN/Guppyfriend

3. Trenne Textilien mit harter und weicher Oberfläche

Damit verhinderst Du unnötige Reibung und schonst die Umwelt. Alle harten Gegenstände, die Du mit deiner Kleidung wäschst, führen zu signifikant höherem Faseraustrag. So führen etwa harte Textilien wie Jeans, feste Outdoorjacken, Laufschuhe, Schienbeinschoner etc., aber auch Waschbälle oder Waschnüsse  – wenn auch mit guter Absicht genutzt – zusammen mit z.B. Fleece zu erhöhter Reibung und setzen so Mikroplastik frei.

4. Waschbeutel benützen

Im Guppyfriend Waschbeutel waschen und Mikroplastik vermeiden
Guppyfriends schützen Kleidung und Umwelt. | Foto: Guppyfriend

Guppybags schützen die Kleidung, vermeiden Pilling und reduzieren Faserverlust bis zu 86 Prozent (laut Test des Fraunhofer Instituts) im Vergleich zum Waschen ohne. Gut aufgehoben sind im Beutel Kleidungsstücke aus Polyester, Nylon, rPET, Polyamid, Acryl und alle Hybrid-Materialien. Kunststofffasern verstecken sich auch dort, wo angeblich zu 100 Prozent natürliche Materialien enthalten sind.

5. Nicht zu heiß waschen!

Vergiss den alten Glaubenssatz „Buntwäsche bei 40°C, Bettwäsche bei 60°C“. Hohe Waschtemperatur kann dazu führen, dass Mikrofasern schneller abbrechen. In den meisten Fällen sind 30°C völlig ausreichend, vor allem für Kleidung aus Kunststofffasern.

6. Schonwaschgang meiden!

Eine neue Studie (Universität Plymouth ‚Environmental Science and Technology, 2019) zeigt: Im Schonwaschgang löst sich etwa aus Polyesterbekleidung deutlich mehr Mikroplastik, im Schnitt bis zu 800.000 zusätzliche Mikrofasern pro Wäsche. Der Grund: Die bei diesem Waschgang übliche, wesentlich größere Wassermenge spült mehr Fasern aus dem Material heraus. Schon das große Wasservolumen allein, macht diesen Waschgang zu einem Programm, das die Umwelt unnötig belastet. Laut Forschern ist es sehr wahrscheinlich, dass sich auch andere synthetische Textilien ähnlich verhalten.

7. Weichspüler weglassen

Weichspüler kann laut Plymouth-Studie ebenfalls „tendenziell“ mehr Fasern lösen.

8. Benutze weniger, dafür bessere Waschmittel

Pulver enthalten oft Schleifpartikel und Bleichmittel und sorgen damit für mehr Faser- und Plastikabbruch. Generell beeinträchtigen Bleiche und ph-Wert in Pulver und Flüssigwaschmitteln den Mikrofaseraustrag. Achte auf die richtige Dosierung! Bevorzuge auch Waschmittel ohne umstrittene unlösliche Kunststoffverbindungen wie synthetische Polymere.

9. Reduziere beim Schleudern die Anzahl der Umdrehungen

Während des Schleudergangs kommt es zu erheblicher Reibung. Synthetische Textilien trocknen ohnehin sehr schnell von selbst – auch ganz ohne schleudern.

10. Benutze keinen Wäschetrockner

Er lässt noch mehr Fasern von der Kleidung abbrechen. Die meisten Trocknermodelle entziehen der Wäsche die Feuchtigkeit im Kondensationsverfahren und sammeln das Wasser in einem Behälter. Wird er ausgeleert, gelangen Synthetikfasern ins Abwasser.

Was ist der Guppyfriend?

Guppyfriend Waschbeutel zur Vermeidung von Mikroplastik
Das ist der Guppyfriend: Wäsche rein, waschen, aufgefangene Fasern per Hand entfernen und in den Restmüll werfen. | Foto: Guppyfriend

Kurz gesagt ist der Guppyfreind ein Waschbeutel für die Maschinenwäsche. Durch ihn wird weniger Abrieb und Faserbruch beim Waschen von Kunstfaserbekleidung generiert und seine feinmaschige Konstruktion fängt die winzigen Mikroplastikpartikel auf, so dass sie beim Waschen nicht ins Abwasser geraten. Dazu packst Du einfach Deine Wäsche in den Beutel, schließt den Reißverschluss und gibst ihn in die Waschmaschine. Die Wäsche einfach so wie immer waschen und nach dem Waschen die Wäsche entnehmen. In den Ecken und im Saum des Guppyfriends lagern sich die feinen Fasern ab (Achtung, sie sind nicht immer zu sehen) und Du kannst sie einfach mit einer Bürste entfernen. Allerdings ist der Guppyfriend leider auch nicht das Allheilmittel gegen Mikroplastik, wie seine Erfinder Alexander Nolte und Oliver Spies bestätigen: „Der Guppyfriend Waschbeutel ist der erste Schritt für eine ganzheitliche Lösung des Mikrofaser-Problems. Nicht mehr und nicht weniger. Unser Überkonsum muss sich radikal ändern. Neue Materialien, neue Herstellungsprozesse, sauberere Waschmaschinen und effektivere Kläranlagen müssen entwickelt werden. Bis dahin ist der Guppyfriend Waschbeutel eine praktische und effektive Möglichkeit Plastikverschmutzung in Flüssen und Meeren zu reduzieren und auf die Problematik hinzuweisen.“

Weitere Beiträge zum Thema Nachhaltigkeit

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Unsere Top Outdoor Kategorien


Bergzeit Magazin - Dein Blog für Bergsport & Outdoor

Willkommen im Bergzeit Magazin! Hier findest Du Produkttests, Tourentipps, Pflegeanleitungen und Tipps aus der Outdoor-Szene. Von A wie Alpspitze bis Z wie Zwischensicherung. Das Redaktionsteam des Bergzeit Magazins liefert zusammen mit vielen externen Autoren und Bergsport-Experten kompetente Beiträge zu allen wichtigen Berg- und Outdoorthemen sowie aktuelles Branchen- und Hintergrundwissen.