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Die Nässe muss raus

Wäsche trocknen – aber richtig

8 Minuten Lesezeit
Mit Balkon oder Garten geht Trocknen mit links – beachtest Du ein paar Tipps geht es genauso gut ohne Keller, Dachboden oder Trockner. Doch was solltest du beim Wäschetrocknen eigentlich beachten und wie machst du es am schonendsten für Kleidung, Haus und Umwelt? Wir verraten es dir.

Trocknen im Freien ist nach wie vor nicht nur kostenlos – eine Trocknerladung verbraucht doppelt so viel Energie wie eine Waschladung – sondern auch schonender für die Wäsche. Um Gesundheit und Raumklima nicht zu schaden, sollte vor allem der beliebteste Fehler vermieden werden: Fenster zu, Heizung auf. Immerhin stecken in einem Korb nasser Wäsche etwa zwei Liter Wasser. Ist das Fenster geschlossen, bleibt die Nässe in der Wohnung. Die Luftfeuchtigkeit steigt so um ca. 30 Prozent an und die Nässe wandert in die Wände. Um den perfekten Nährboden für Schimmel zu vermeiden, ist daher richtiges Trocknen angesagt.

Übrigens: Wie hart oder weich Deine Wäsche wird, liegt daran wie sie getrocknet wurde. Textilien, die in hoher Luftbewegung (z.B. Wind oder auch im Wäschetrockner) getrocknet wurden, sind weich, trocknen sie ohne Luftbewegung wie etwa im Heizungskeller, fühlt sie sich eher hart an.

Der Klassiker: Trocknen im Zimmer

Wäsche in der Wohnung trocknen? Sollte immer zweite Wahl sein! Wer allerdings weder Trockenraum, noch Speicher, Kellerraum, Garten, Balkon hat, muss sich einen Raum in der Wohnung suchen. Im Sommer kannst Du Deine Wäsche auf dem Ständer auch ans offene Fenster stellen. Wichtig ist, sie aufgrund der entstehenden Feuchtigkeit nicht in feuchten, ungelüfteten, dauerhaft kalten Räumen aufzuhängen. Täglich mindestens ein-, besser mehrere Mal gründlich Stoß- oder Querlüften für einen kompletten Luftaustausch in der Wohnung. Dazu die Heizkörper ab- anschließend wieder auf die gewünschte Stufe hochdrehen. Damit schaffst Du gute Voraussetzungen, auch für dauerhaft unbeheizte Räume. Kühlt der Raum zu sehr aus, z.B. bei ständig gekipptem Fenster, schlägt sich auf kalten Wänden die Feuchtigkeit und dann auch bald Schimmel nieder.

Denn: 4,5 kg tropfnasse Wäsche kann bis zu 3,5 l Wasser an die Raumluft abgeben. Selbst in geschleudertem Zustand sind es noch bis zu 1,5 l. Die Raumluft kann jedoch nur eine bestimmte Menge an Wasser aufnehmen: Je wärmer die Raumtemperatur ist, desto mehr Wasser kann sie aufnehmen. Bei 20°C sind dies etwa 15 g pro Kubikmeter, bei 0°C nur etwa 4 g. Wird die Feuchtigkeit nicht durch entsprechendes Lüften entfernt, kann es zu oben genanntem Schimmel kommen.

Wäscheleine mit Wäscheklammern
Ganz klassisch: Mit Wäscheklammern die nasse Wäsche auf der Leine fixieren. | Foto: Caspar Camille Rubin

Das solltest Du beachten:

  • Mindestens 17°C: Deine Räume sollten fürs Wäschetrocknen mindestens 17°C haben, ansonsten dauert der Trockenprozess zu lange, Müffelgefahr droht.
  • Luftfeuchte messen: Neugierig wie hoch die Luftfeuchte in Deiner Wohnung ist? Messen geht per Hygrometer, optimal sind Werte zwischen 40 und 60 %.
  • Möglichst hohe Schleuderzahl: Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bereits beim Waschen eine möglichst hohe Schleuderzahl gewählt werden – sofern die Wäsche es zulässt: 1.400 Umdrehungen/Min. sollen gegenüber 1.000 Umdrehungen 40 Prozent Stromersparnis während des Trockengangs ergeben. Beim Lufttrocknen gibt die geschleuderte Wäsche zudem weniger Feuchtigkeit an die Raumluft ab.
  • Schnell auf die Leine: Frischgewaschenes so schnell wie möglich aus der Maschine holen und aufhängen – sonst riecht sie bald muffig.
  • In Form ziehen: Wäschestücke vor dem Aufhängen kräftig ausschütteln, glatt- und in Form, Ärmel ganz aus den Armlöchern ziehen. So verhinderst Du Falten und erleichterst oder ersparst Dir das Bügeln.
  • An den robusten Enden aufhängen: An den robustesten Enden an der Wäscheleine oder Wäscheständer befestigen. T-Shirts an der Bundunterseite und Hosen an der Bundoberseite – jeweils an den Seitennähten – aufhängen, so dass der Bund offen bleibt und von oben Luft hineinkommt.
  • Nicht zu eng aufhängen: Je mehr Luft zwischen den einzelnen Teilen zirkuliert, desto schneller trocknen sie.
  • Überschüssiges Wasser/Feuchtigkeit entfernen: Überschüssige Feuchtigkeit von Pullovern und empfindlicher (Unter-)Wäsche mit Handtüchern abtupfen oder in ein Handtuch einrollen und ohne zu viel Druck vortrocknen. Diese Textilien nur dann aufhängen, wenn das Gewicht des Wassers sie nicht aus der Form bringen, andernfalls auf einem trockenen Handtuch liegend auf einem Wäscheständer ausbreiten. Genug Zeit für die Trocknung einplanen und geduldig bleiben. Öfter wenden, Unterlage/Handtuch gegen ein trockenes austauschen.
  • Synthetik auf den Bügel: Synthetische Bekleidung trocknet rasch auch direkt auf einem Bügel.
  • Hin und wieder wenden: Größere Wäschestücke, Decken, Bettwäsche usw. öfter wenden.
  • Nicht so schnell: Schnelles Trocknen bei zu wenig Luftzug hat Trockenstarre mit harter und steifer Wäsche zur Folge, Bügeln und Zusammenlegen wird dann ziemlich schwer.
  • Nur trocken in den Schrank: Räum‘ Deine Kleidung nur dann in den Schrank, wenn sie ganz trocken ist, sonst riecht sie bald muffig.

WAS DÜRFEN MIETER?

Waschmaschine und Trockner in der eigenen Wohnung aufstellen ist erlaubt, es sei denn es wird ausdrücklich auf einen anderen Platz (Keller, Waschraum usw.) verwiesen. Bleibt Dein Trockenaufkommen in einem haushaltsüblichen Rahmen, fällt das Trocknen der Wäsche in Deiner Wohnung unter den gewöhnlichen Wohngebrauch. Der DMB (Deutsche Mieterbund) empfiehlt allerdings größere Mengen an Wäsche in vorhandenen Trockenräumen aufzuhängen. Denn als Mieter bist Du für eventuelle Feuchtigkeitsschäden in der Wohnung verantwortlich.

Minusgrade: Wäschetrocknen im Winter

Zeigt das Thermometer Minusgrade, trocknet die Wäsche im Freien sogar besser als bei wärmeren Temperaturen und gleichzeitig feuchter, nebliger Luft. Kalte Luft hat eine sehr niedrige Luftfeuchtigkeit und nimmt daher Feuchtigkeit aus der Wäsche gut auf (Sublimation). Je niedriger die Luftfeuchtigkeit, desto schneller der Trocknungsprozess.

  • Ideal zum Trocknen sind leichte Minusgrade mit etwas Wind.
  • Die Wäsche nicht zu dicht nebeneinander auf die Leine hängen, das verkürzt die Trockenzeit.
  • Gefrorene Kleidung nimmt durch den Gefrierprozess keinen Schaden. Am besten die gefrorenen Stücke nicht bewegen und abwarten bis sie getrocknet und so wieder weich geworden sind. Vorher nicht reinholen, sonst verdampft das Eis in der Wohnung.

Ab in die Maschine: Trocknen im Trockner

Grundsätzlich gilt: Darf die Wäsche bei 60°C gewaschen werden, macht ihr auch der Trockenvorgang nichts aus. Wem allerdings bestimmte Kleidungsstücke sehr am Herzen liegen, sollte diese sicherheitshalber auf die Leine hängen. Maschenware wie z.B. Leinen oder Baumwolle zieht sich im Trockner (fast immer) leicht zusammen. Aber was solltest Du noch beim Wäschetrocknen im Trockner beachten?

Wäsche in Wäschekorb
Die Wäsche nach dem Trockner am besten direkt zusammenlegen und in den Schrank räumen – das mindert Falten. | Foto: Annie Spratt/Unsplash

Tipps fürs Trocknen im Trockner: 

  • Eine Nummer größer: Trocknest Du viel im Trockner, kaufe Kleidungsstücke generell etwas größer und wähle bei empfindlichen Stoffen eine geringe Heizleistung.
  • Erstmal schleudern: Je besser die Wäsche geschleudert wird und je geringer ihr Wassergehalt, ihre Restfeuchte am Ende des Waschens ist, desto weniger Energie und damit Geld verbraucht das Trocknen im Wäschetrockner. Wird etwa die nasse Kleidung mit 1.400 statt 800 Umdrehungen pro Minute geschleudert, senkt das den Stromverbrauch des Trockners um circa 30 Prozent. Aber Achtung: Einigen Outdoortextilien schaden Schleudergänge!
  • Etiketten beachten: Achte auf das Textil-Pflegeetikett Deiner Kleidung. Bist Du unsicher, erkundige Dich beim Hersteller oder wähle ein Mischprogramm, das Baumwolle, Synthetik- und Mischgewebe in einem Durchgang bearbeitet.
  • Platz lassen: Nie die Trocknertrommel bis zum Rand füllen, sonst knittern die Stoffe und werden nicht richtig trocken. Im Normalfall markiert ein Strich in der Trommel die maximale Füllhöhe. Die sollte allerdings auch erreicht werden, um Strom zu sparen. Also am besten schon beim Einschalten der Waschmaschine darauf achten, dass genügend Teile vorhanden sind, um den Trockner ‚richtig‘ zu füllen.
  • Sparprogramme: Für wenig Wäsche gibt es Kurz- oder Spar-Trocknerprogramme.
  • Zu viel getrocknet: Ein Übertrocknen der Wäsche – also zu langes bzw. zu heißes Trocknen – kann bewirken, dass die Wäsche eingeht.
  • Nicht alles ist für die heiße Luft geeignet: Seide, dünne synthetische Stoffe und Antirutsch-Noppen/Besätze vertragen die Hitze ebenso wenig wie Shirts mit Aufdrucken (u.a. aus Kunststoff), die durch die Hitze schmelzen können. Brandgefahr droht etwa bei eingenähten Schulterpolstern und BHs mit Schaumstoff. Explosionsgefahr (!) droht bei Textilien, die mit Lösungsmitteln wie Terpentin, Fleckenwasser oder Waschbenzin in Berührung gekommen sind – das Gerät sollte daher nicht unbeaufsichtigt laufen. Wolle nur, wenn es die Pflegekennzeichnung erlaubt und Dein Trockner ein entsprechendes Programm hat.
  • Zugeknöpft: Hosen, Jacken usw. landen am besten zugeknöpft bzw. mit geschlossenem Reißverschluss und mit der Innenseite nach außen im Gerät. So kommen heiße Metallknöpfe oder Reißverschlüsse nicht mit anderen Stoffen in Berührung.
  • Outdoor-Programme: Outdoor-Trocknerprogramme sorgen dafür, dass speziell Funktionstextilien mit schonenderen und konstant niedrigeren, nicht schwankenden Temperaturen behandelt werden.
  • Praktisch sind Frische-Programme: Sie lüften getragene und wenig/nicht verschmutze Kleidungsstücke kurz bei niedriger Temperatur. Damit lassen sich z.B. Rauch- oder Essensgerüche vertreiben. Genauso gut ist allerdings ausgiebiges Lüften im Freien.
  • Vorsicht Falten: Sobald der Trockenvorgang beendet ist, die Wäsche herausnehmen und aufhängen oder zusammenlegen, um Falten zu vermeiden.
  • Sauber machen: Flusen und Fasern verstopfen das Flusensieb, das beeinträchtigt die Luftzirkulation, die Trockenleistung sinkt, die Trocknungszeit verlängert sich, das Gerät kann sogar kaputt gehen. Daher regelmäßig nach jeder Nutzung säubern, damit senkst Du Deine Energiekosten. Bei neuen Maschinen auf dem Markt ist dies Herstellerangaben zufolge nicht mehr so oft nötig – der Handgriff steht dann etwa nur noch alle 20 Trocknungsgänge an. Bei Kondensationstrocknern den Behälter für das kondensierte Wasser leeren.

Stromkosten nach Energieeffizienzklasse

Wärmepumpentrockner mit Energieklasse A+++ sind die effizientesten und stromsparendsten auf dem Markt, A++ ist ebenfalls noch effizient. Danach folgen Kondenstrockner, die sich überall aufstellen lassen und Ablufttrockner. Wichtig beim Neukauf: Nicht nur auf die Energieeffizienzklasse achten, sondern auch auf den Stromverbrauch.

Stromkosten für Trockner nach Energieeffizienklasse

EnergieeffizienzklasseA+++A++A+ABC
Kosten pro Jahr40€54€71€109€128€143€
Kosten pro Jahr bei drei Nutzungen pro Woche und einem Trockner mit einer Kapazität von 7 kg.

Überblick: 6 Regeln zum Wäschetrocknen

Mit diesen Tipps trocknest Du Deine Wäsche umwelt- und textilschonend.| Grafik: Forum Waschen

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