Ein Paar gut passende und vor allem gut eingetragene Wanderschuhe sind eine angenehme Sache. Wer lange Freude daran haben will, muss regelmäßig seine Wanderschuhe pflegen. Wir erklären in einfachen Schritten, wie das geht.

Es soll ja Leute geben, die ihre Schuhe nicht putzen und reinigen, sondern einfach neue kaufen, wenn diese dreckig werden. Ist ein solches Verhalten bei Freizeitschuhen etwas fragwürdig, führt es bei Berg– und Wanderschuhen zwangsläufig zu Blasen. Es ist deutlich nachhaltiger und auch günstiger, wenn man sich gut um seine Schuhe kümmert – und beim Thema „Wanderschuhe pflegen“ entsprechend sorgfältig vorgeht.

Wanderschuhe pflegen – wichtig, aber bitte richtig!

Nichts schmeichelt des Wanderers Füßen mehr als ein Paar gut eingetragene Wanderschuhe – und übrigens auch Wandersocken, aber das ist ein anderes Thema. Jeder, der die manchmal etwas mühsame Prozedur des Eintragens schon einmal über sich ergehen lassen musste, wünscht sich: Berg- und Outdoorschuhe sollten einfach ewig halten! Ewig halten zwar nur die wenigsten Schuhe, bei richtiger Pflege halten Wanderschuhe aber zumindest sehr viele Tourentage durch.

Aber Wanderschuhe pflegen? Igitt, das klingt nach Arbeit! Aber keine Angst, alles halb so schlimm. Hier schon mal eine Kurzanleitung in 5 Schritten, was beim Wanderschuhe pflegen auf Dich zukommt – Details folgen weiter unten:

  1. Schnürsenkel + Innensohle entfernen
  2. Dreck auf Oberfläche und Sohle mit einer groben Bürste entfernen
  3. Schuhe von außen und innen mit lauwarmem Wasser reinigen
  4. Schuhe ordentlich (!) trocknen lassen
  5. Lederpflege mit Wachs (auftragen und einarbeiten)

Und immer dran denken: Mit der entsprechenden Pflege verlängert sich die Lebensdauer guter Bergschuhe erheblich. Wer hat da noch Motivationsprobleme…?!

Die Mutter aller Regeln: Wanderschuhe gleich nach der Tour reinigen

Mit der richtigen Pflege hat man lange Freude an seinen Wanderschuhen! | Foto: Meindl/Thomas Grüner
Mit der richtigen Pflege hat man lange Freude an seinen Wanderschuhen! | Foto: Meindl/Thomas Grüner

Matsch, Wasser und Nässe von außen, Schweiß von innen: Wanderschuhe werden unterwegs nicht gerade geschont. Unabhängig vom Material ist eine grobe Reinigung der Schuhe daher nach jeder intensiven Benutzung wichtig.

  • Unterwegs: Mit einer Bürste den Dreck entfernen, dabei auch unter die Schnürung gehen und bei Bedarf mit einem feuchten Schwamm nacharbeiten.

Praxistipp: Eine kleine Bürste ins Auto oder bei öffentlichen Verkehrsmitteln mit in den Rucksack, dann bleibt auch das Innere des jeweiligen Fahrzeugs sauber (den Fahrer freut’s!)

  • Zu Hause: Die Innensohle sowie Schnürsenkel herausnehmen. Von außen den Dreck mit einer groben Brüste und lauwarmem Wasser entfernen. Danach ist die Innenseite an der Reihe. Um diese zu reinigen, einfach lauwarmes Wasser in die Wanderschuhe lassen und eine milde Waschlösung (optimal: Sportwaschmittel) hinzugeben. Achtung: Bitte die Innenseite nicht mit einer groben Bürste reinigen, denn das kann das Material beschädigen. Besser eignet sich and er Stelle ein Schwamm oder höchstens eine weiche Bürste. Ein bisschen einwirken lassen und danach ebenfalls mit lauwarmem (niemals heißem!) Wasser ausspülen.

Übrigens: Die herausnehmbaren Innensohlen sind Verschleißteile. Denn Einlagesohlen absorbieren am allermeisten Schweiß und sind der größten Belastung ausgesetzt. Deswegen sollten sie regelmäßig ausgetauscht werden. Damit tut man auch dem Fuß einen Gefallen, denn durchgewetzte, poröse und abgenutzte Einlegesohlen sorgen für mehr Reibestellen und erhöhen die Gefahr für Blasen.

Wanderschuhe nach dem Waschen trocknen

Doch mit der gründlichen Reinigung ist das Thema Wanderschuhe pflegen natürlich noch nicht vorbei. Nachdem Du Deine Wanderschuhe nun von allen Seiten gereinigt hast, ist es nämlich ganz wichtig, die Schuhe auch gut trocknen zu lassen. Aber nicht direkt an Wärmequellen wie Heizung oder Ofen trocknen lassen, was natürlich verführerisch ist, da es schneller geht. Warum nicht? Weil insbesondere Lederschuhe dadurch spröde werden können und das Material danach zu reißen droht!

Gut geeignet sind hingegen Räume mit trockener Luft wie Heizungskeller oder auch Plätze mit guter Sonneneinstrahlung wie Balkone – auch warme Wintersonne kann Wunder wirken. Am besten stopfst Du die Wanderschuhe noch mit ein wenig Küchenrolle oder Zeitungspapier aus, das du regelmäßig wechselt, wenn es sich vollgesaugt hat.

Nach dem Trocknen eventuell noch mit einem feuchten Lappen nachreinigen. Eventuell hier auch zu kleinen Helfern wie Schuhkissen (etwa Boot Bananas) greifen!

Die richtige Leder-Pflege mit Wachs

Bei Bergzeit Alpin in Großhartpenning und Bergzeit Outdoor in Gmund hören wir immer wieder: „Warum Lederpflege? Meine Schuhe sind doch aus Gore-Tex?“ Dazu soviel: Nur aus Gore-Tex ist ein Schuh nie! Er hat höchstens ein wasserdichtes Futter mit Gore-Tex oder einer anderen Membran. Aber die überwältigende Mehrheit aller Wanderschuhe besteht zum Großteil aus Leder- und Textil. Das liegt zum einen daran, dass hochwertiges Leder extrem strapazierfähig und somit langlebig ist. Zum anderen passt es sich wie kein anderes Material dem Fuß an. Es werden auch Kunststoffe verarbeitet – dazu später mehr.

Die Oberfläche des Leders kann ganz verschieden aussehen: Von glatt und vernarbt bis fein angeraut, ähnlich einer Mikrofaser. Die Funktion ist immer die Gleiche, nämlich stützen und schützen. Leder arbeitet bei jedem Schritt, es bilden sich weichere Knickfalten an den Abrollpunkten und das Material wird weicher, wo es bewegt und geknautscht wird. Damit es nicht austrocknet und geschmeidig bleibt, muss es entsprechend gepflegt werden. Das Zauberwort lautet hier: Wachs! Im Gegensatz zu Öl oder Lederfett macht es das Leder nicht zu weich, seine Stabilität bleibt erhalten. Weil Wachs aber das Leder dunkler macht und eine „speckige“ Optik verursacht, gibt es verschiedene Wachsarten für verschiedene Lederarten.

Lundhags Leather Grease eignet sich zum Beispiel perfekt für Glattlederschuhe. Es wird am besten direkt mit der Hand aufgetragen und gründlich einmassiert. Unter der Handwärme schmilzt die sonst dichte Masse – und lässt sich auch sehr gut in Nähte oder unter Ösen einarbeiten. Wichtig dabei ist nur, nicht zu viel Wachs zu verwenden. Denn wenn die Poren zugekleistert sind, ist der Schuh zwar gepflegt, die Atmungsaktivität und das Klima im Schuh entspricht dann aber eher einem Gummistiefel.

Stattdessen sollte man lieber einige sehr dünne Schichten auftragen. Das ergibt vor allem bei Schuhen Sinn, die sehr oft und bei jedem Wetter getragen werden. Die Verwendung von Granger’s Paste Wax funktioniert nach dem gleichen Schema. Tipp: Entfernt man die Schnürsenkel ganz, kann auch der Bereich um die Ösen gut gewachst werden.

Bei Glattlederschuhen geht man bei der Wachsverteilung wie folgt vor:

  • Wachs mit den Fingern oder einem Tuch dünn auf den Schuhen verteilen. Achtung: Nicht zu dick auftragen, sonst verstopfen die Poren des Leders!
  • Wachs vorsichtig einmassieren
  • Anschließend mehrere Stunden einziehen lassen

Wild- oder Nubuk- und Velourslederschuhe können zwar theoretisch auch mit Wachs behandelt werden – wem aber die Optik seiner Treter am Herzen liegt, sollte seine Wanderschuhe nach der Wachsbehandlung mit einer groben Bürste wieder aufrauen.

Bei Wild-, Nubuk- und Velourslederschuhen geht man bei der Wachsverteilung so vor:

  • Wachs mit den Fingern oder einem Tuch dünn verteilen. Achtung: Auch hier nicht zu dick auftragen, sonst verstopfen die Lederporen!
  • Wachs vorsichtig einmassieren
  • Anschließend mehrere Stunden einziehen lassen
  • Veloursleder mit einer groben Bürste wieder anrauhen

Wesentlich einfacher geht es mit weicheren Mitteln wie der Lowa Active Creme. Der geringere Wachsanteil sowie ein integrierter Applikator machen das Auftragen zum Kinderspiel. Allerdings hält der Schutz nicht ganz so lang an wie bei stärker konzentrierten Wachsen.

Wie oft muss ich meine Wanderschuhe pflegen?

Die Pflege erfolgt ganz nach Bedarf – und auf jeden Fall immer dann, wenn sich der Wanderschuh trocken anfühlt. Es verhält sich ähnlich wie bei Handcreme oder Lippenbalsam: Wenn die Haut schon aufreißt, ist es zu spät – und man kann lediglich mit einem entsprechenden Mehraufwand versuchen, die „Heilung zu beschleunigen“.

Erfahrungsgemäß ist eine Pflege der Wanderschuhe nach etwa fünf bis acht Touren angebracht.

Nur zur Beruhigung: Man kann einen Schuh nicht kaputt pflegen. Also die Wanderschuhe lieber zu oft als zu selten pflegen! | Foto: Salewa/Hannsi Heckmair
Nur zur Beruhigung: Man kann einen Schuh nicht kaputt pflegen. Also die Wanderschuhe lieber zu oft als zu selten pflegen! | Foto: Salewa/Hannsi Heckmair

Was tun, wenn Berg- und Wanderschuhe einen hohen Textilanteil haben?

Nun gibt es ja nicht nur Wanderschuhe aus Leder. Auch Kunststoffe werden – wie bereits angesprochen – gerne verarbeitet. Am häufigsten finden sich Mischformen, also Lederschuhe mit Einsätzen aus Mesh oder Textil. Das sorgt für mehr Luftdurchlässigkeit – und für weniger Gewicht.

Textileinsätze vertragen nach dem Putzen von Zeit zu Zeit einen Sprühstoß Imprägnierspray, etwa mit Grangers Footwear Repel. So saugen sie sich bei Regen, Schnee und Matsch nicht sofort voll. Reine Kunststoffschuhe bilden die absolute Ausnahme. Bei ihnen reicht eine regelmäßige Reinigung und Imprägnierung vollkommen aus.

Fazit zur Pflege von Berg- und Wanderschuhen

Wie wir sehen, ist das Wanderschuhe pflegen gar nicht so schwer. Zumindest wenn man ein paar Grundregeln beachtet. Zur richtigen Reinigung und Pflege braucht es nicht viel mehr als eine Schuhbürste, das passende Wachs und einen feuchten Lappen. Auf diese Weise gut gepflegt, steht einer langen Lebensdauer von Wander-, Berg- und anderen Outdoorschuhen nichts im Wege. Übrigens – in diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass man Berg- und Wanderschuhe auch wiederbesohlen kann. Je nach Sohlenart kostet das zwischen 40 und 80 Euro. Wer seine Schuhe da noch wegwirft, ist selber schuld!

Zum Schuhpflege-Sortiment bei Bergzeit

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Kommentare

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kd.schulz
Hallo, ich habe mir ein Wanderschuh der Fa. Maidl gekauft Da wir z. Z. in den Bergen sind, kann ich die Rechnung nicht einsehen.Die Daten habe ich vom Schuh ausgelesen. Nun das Problem: Ich habe die Schuhe 1x gewachst und bislang nicht getragen. Heute bei leichtem Regen auf einem geschotterten Weg( keine Pfützen) wurden die Schuhe undicht und zwar am Übergang zur Verschnürung ! Für mich ist das vollkommen unverständlich bei einem derartigen teuren Markenschuh !!!! Was kann ich falsch gemacht haben ??( Nach Vorschrift von Maidl gewachst) Oder sind die Schuhe einfach Schrott auf hohem preislichen Niveau ?? Reklamieren… Read more »
Bela Elbich
Hallo Herr Schulz, ein undichter Schuh ist zweifellos immer ärgerlich, wobei ich hier aus der Ferne natürlich das Problem nicht exakt bestimmen kann. Die erste Frage ist, ob der Schuh denn als wasserdichte Variante konstruiert wurde – das geht nur mithilfe einer Membran im Futter. Das können Sie am besten feststellen, indem Sie prüfen ob innen ein Leder verarbeitet wurde (keine Membran=nicht wasserdicht). Sollte ein Textilfutter und an der Außenseite des Schuhs ein kleines Fähnchen mit der Aufschrift „Goretex“ zu finden sein, handelt es sich um einen wasserdichten Schuh. In dem Fall ist es selbstverständlich, dass es sich beim vorliegenden… Read more »
Honia

Hallo,
Ich habe mir ein wandern Schuhe gekauft von DOLOMITE Leder Schuhe als ich es bekommen hab 1woche später habe ich eine Creme gekauft damit die Schuhe auch sauber werden als ich die Creme dann aufgetragen hab sind die Schuhe dunkeler geworden und die originale Farbe ist verschwunden und meine Frage ist jetzt wie kann ich die Schuhe wieder nach seiner originale Farbe bekomme ??

Hallo Honia,
welche Creme hast Du denn benutzt? Bei Wachs ist es relativ normal, dass das Leder deutlich nachdunkelt …
Viele Grüße
Stefan vom Bergzeit Magazin Team

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