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Paradies für Boulderer

Bouldern im Magic Wood in der Schweiz

9 Minuten Lesezeit
Seit mehr als 20 Jahren zählt der „Magic Wood“ im Averstal in der Schweiz zu den beliebtesten Bouldergebieten der Alpen. Boulderer von nah und fern pilgern zu diesem stillen Ort inmitten der Schweizer Berge, um die berühmten Boulder in diesem „magischen“ Wald auch einmal unter die Finger zu bekommen. Zurecht, denn vor allem im Sommer gibt es - außer dem Silvapark bei Galtür - wenig bessere Boulder-Möglichkeiten.

Magische Boulder-Atmosphäre

In der Tat ist das im schweizerischen Graubünden gelgene Magic Wood ein sehr spezieller Ort. Am Campingplatz Bodhi Camping übernachten ausschließlich Boulderer, sodass hier so etwas wie eine kleine „Boulderer-Kommune“ existiert. Dementsprechend locker, entspannt – aber auch spartanisch – lässt es sich hier leben. Der Campingplatz besteht eigentlich nur aus einer mit Hackschnitzeln aufgefüllten Fläche und einer Feuerstelle.

Glücklicherweise wurde der Campingplatz mittlerweile mit den grundlegenden sanitären Anlagen ausgestattet. Die ehemaligen Dixi-Klos wurden durch normale WCs ersetzt und es auch Duschen gibt es mittlerweile direkt am Campingplatz. Für das reinigende Nass muss man jedoch extra zahlen – da kann jeder für sich abwägen, ob er eine Dusche bezahlt oder doch in sparsamer Manier dem kalten Gebirgsbach unterhalb des Campgrounds einen Besuch abstattet.

Das Besondere an dieser „Boulderer-Kommune“ ist die ganz spezielle Atmosphäre, die sich einem hier bietet. Boulderer sind ganz unter sich, tauschen abends am Lagerfeuer die neuesten Lösungen für ihre (Boulder-)Probleme aus und führen oft wochen- oder sogar monatelang einen boulderer-typischen Lebensstil.

Ein typischer Tag in Magic Wood könnte so aussehen: Man begibt sich zu Beginn des Tages ins Bouldergebiet, zieht sich zusammen mit anderen mit großer Leidenschaft an den zahlreichen Bouldern die Haut von den Fingern, macht Mittagspause am nahegelegenen Bach, geht zurück zum Campingplatz und bereitet ein kulinarisch wertvolles Abendessen (in Form von Nudeln mit Fertigsoße…) zu und sitzt abends auf den noch gechalkten Bouldermatten im Kreis und lässt den Tag ausklingen. Wer den typischen Boulder-Lifestyle einmal in vollen Zügen erleben will, sollte sich das Magic Wood – so etwas wie das schweizerische Pendant zum berühmt-berüchtigten Camp 4 im Yosemite der 80er-Jahre – nicht entgehen lassen!

Steile Gneis-Boulder im Magic Wood

Doch nun zur eigentlichen Hauptsache: dem Bouldern! Im Magic Wood wird jeder Spaß haben, der ab dem sechsten Bouldergrad unterwegs ist. Für Anfänger in Sachen Bouldern gibt das Gebiet nicht allzu viel her: der Schwerpunkt liegt zwischen 7a und 8a. Es exisitieren zahlreiche berühmte Highend-Boulder, sodass das Gebiet viele starke Boulderer geradezu „magisch“ anzieht.

Gebouldert wird an Gneiss in all seinen erdenklichen Formen. Das wunderbare am Magic Wood ist der Abwechslungsreichtum der Felsbeschaffenheit: Während man an den Blöcken weiter oben im Wald meist an Leisten klettert, gibt es am Bach einige vom Wasser glattgeschliffene Blöcke, die den vorher genannten Bouldern komplett entgegenstehen.

Leisten-Bouldergebiet

Der Extremklassiker „Unendliche Geschichte“ (8b+) befindet sich z.B. direkt am Bach und bietet ausschließlich runde und abschüssige Griffe im Dach. Hier hat das Gebirgswasser ganze Arbeit geleistet. Dennoch bleibt Magic Wood ein Leisten-Bouldergebiet. Wer gerne seine Fingerkraft in Bouldern ab 7a zelebriert, ist hier definitiv gut aufgehoben.

Die Steilheit der Blöcke variiert von Platten bis hin zu waagrechten Dachbouldern, wobei der Schwerpunkt definitiv auf den steilen Boulderproblemen liegt. Senkrechte und geneigte Blöcke sind in der Unterzahl, sodass sich Bizeps, Schultermuskulatur und ähnlich funktionale Muskelgruppen austoben können! Bei den meisten Blöcken kann ausgetoppt werden, nur selten muss man abspringen.

Ein ernstes Wort gilt dem Absprunggelände: Da man meist im Wald bouldert, hat man meist kleine Blöcke, Wurzeln oder Bodenlöcher im Absprungbereich. Es empfiehlt sich daher dringend, genügend Crashpads dabei zu haben! Für die meisten Boulder werden mindestens zwei Bouldermatten benötigt. Spotten ist ebenfalls bei fast allen Blöcken unerlässlich. Für Anfänger in Sachen Felsbouldern stellt das Magic Wood also durchaus ein gefährliches Pflaster dar!

Mann hängenden unter Felsen
„Unendliche Geschichte 1“ (8a+, Sektor A). | Foto: Bene Hirschmann

Ein kurzer Rundgang durch das Bouldergebiet

Die Sektoren A, F und E befinden sich direkt am Bach und am Wanderweg, der von der nördlichen zur südlichen Brücke zieht. Die Sektoren B, C und D befinden sich oberhalb. Vom Campingplatz bis nach Außerferrera zieht ein Wanderweg – stets in Bachnähe – durch den Magic Wood. Folgt man diesem markierten Weg, kommt man an vielen genialen Bouldern in den Sektoren A, E und F vorbei.

  • Zu den besten Bouldern im Sektor A zählen mit Sicherheit „Bosna Genial” (7a), „Höhenrausch” (7b+), „Astronautenfieber” (8a) sowie „Pura Vida” (8a+/b) mit seiner Variante „One summer in paradise” (8b). Weiter am Bach taleinwärts befinden sich in Sektor F die beiden Highend-Boulder „Riverbed” (8b) und „Pratice of the wild” (8c).
  • Weiter hinten trifft man in Sektor E zuerst auf den „Beachblock”. Dort wartet der Megaklassiker „Grit de luxe” (7b) auf noch mehr Wiederholungen. Im Sektor E gibt es neben „Grit Deluxe” noch „Blindfish” (7b) und „Dinos don’t dyno” (7b+). Letzterer ist wohl der verrückteste Dynamo, den ich bis jetzt am Fels geklettert bin.
  • Der wohl lohnendste Bereich im Magic Wood ist der Sektor D, den man in 15 Minuten erreicht. Dort lachen einem – egal wohin man blickt – wunderbare Linien entgegen. Darunter die besten zu ermitteln ist recht schwierig. Die besten Boulder, die ich dort klettern konnte, waren „Blown away” (7b), „Octopussy” (8a), „Jack the chipper” (7b+), „Foo Fighter” (7c), Enterprise footloose” (7c), „Man of the cow” (7c), „Slopy Joe” (7a+) und „Fightclub” (7c).
  • Im Sektor B sind viele gute Boulder auf kleinem Raum komprimiert. Auf dem Weg zu den höheren Sektoren läuft man eigentlich immer an einem großen markanten Block vorbei, an dem es zahlreiche schöne Boulder gibt. Direkt am Weg lockt die „Verbotene Frucht” (7a) sowie „Gollum” (7c). Wer Highballs mag, dem sei der hohe, aber ungefährliche Boulder „Sündenfall” (7b+) empfohlen. Weiter unten gibt es in der „Darkness-Höhle” richtig harte Boulder von 8a bis 8c, wovon „The right hand of darkness” (8a) der beliebteste sein dürfte. Weitere lässige Boulder sind „Piranja” (7c/+) und „Goldfish” (7b+).
  • Sektor C, der am höchsten gelegene Bereich des Gebiets, weist keine besonderen Klassiker auf. Dennoch kann man hier getrost einmal vorbeischauen und ein paar ansprechende Blöcke klettern. Dieser Sektor ist besonders dann empfehlenswert, wenn man seine Ruhe haben will.

Kurzinfos zum Bouldern im Magic Wood

Ein gut gemeinter Hinweis vorab: Bitte verhaltet euch (wie überall) respektvoll, vermeidet Lärm und nehmt euren Müll wieder mit (selbst wenn er nicht von euch ist). Sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber offensichtlich nicht. Infos gibt’s bei der IG Magic Wood.

  • Lage/Anfahrt: Averstal (Schweiz, Kanton Graubünden) kurz vor Außerferrera, ca. 1.300 Meter Seehöhe, Wald (Südosthang), Breite ca. 300 Meter, Länge ca. 500 Meter
  • Entdecker: Thomas Steinbrugger und Gefährten beim Eisklettern im Averstal (1997)
  • Erschließer: Thomas Steinbrugger, Jack Müller, Bernd Zangerl u.v.a.
  • Gestein: Gneiss (meist Leisten, viele Sloper)
  • Level: erst ab fb 6b lohnend, Schwerpunkt im 7. und 8. Bouldergrad
  • Beste Zeit: Mai bis Oktober (auch im Spätherst / Frühwinter bei geeigneter Schneelage und wenig Nässe möglich) –>  von Januar bis März wegen Schnee kein Bouldern möglich!
  • Boulderverbote: außerhalb der im Führer beschriebenen Blöcke –> nördlich der oberen Brücke und südlich des Bruno-Blocks (Unendliche Geschichte etc.)

Weitere Informationen

Stützpunkte/Camping Magic Wood:

  1. Bodhi Camping (für 11,50 € pro Nacht; am Nordende des Gebiets)
  2. Gasthaus Edelweiss (Zimmer ab ca. 35 € pro Nacht; am Südende des Gebiets)
  3. Wild Campen ist verboten. Es wird oft kontrolliert!

Literatur:

  1. Ulrich & Harald Röker (2016): Magic Wood – Bloc | Gebro Verlag | 1. Auflage | 192 Seiten
    Detailliertestes Topo, Block-Fotos mit allen Linien und übersichtliches Gebietstopo
  2. Florian Wenter & Lorenz Delaro (2017): Alpen en bloc Band 1 | Panico Verlag | 4. Auflage
    Ausreichend für einen Besuch, weniger Boulder als im „Magic Wood – Bloc“ – Topo
  3. Ulrich & Harald Röker (2015): Swiss Bloc °1 Boulder-Topo | Gebro Verlag | überarbeitete, 3. Neuauflage | 320 Seiten
    Alternative zum „Alpen en bloc“ – Topo mit anderen Gebieten

Verpflegung:

  1. Andeer (6 km Entfernung): Volg Supermarkt
  2. Thusis (19 km Entfernung): Coop und Migros Supermarkt

Ausweichziele:

Mann an Felsen "New Base Line"
Christof Rauch in „New Base Line“ (8b+/8c). | Foto: Archiv Christof Rauch
  1. Cresciano (83 km, ca. 1 Stunde)
  2. Chironico (118 km, ca. 1 ½ Stunden)
  3. Gotthardpass (142 km, ca. 2 Stunden)
  4. Val di Mello (200 km, ca. 3 ½ Stunden)

Alle Boulderführer bei Bergzeit:

Boulder-Highlights (Sektoren wie in „Alpen en bloc Band 1“)

Sektor A (nördlichster Sektor am Bach)

  • Bosna Genial (7a): beliebter Überhang an Slopern und Leisten
  • Höhenrausch (7b+): Highball an kleinen Leisten mit abenteuerlichem Absprunggelände
  • Super Nova (7c+): Sloperkante im Überhang
  • Astronautenfieber (8a): hohe, überhängende Kante mit kleinen Leisten
  • Bodycount (8a): pressiger Boulder an Slopern und Hooks
  • Pura Vida (8a+/8b): stark überhängende Traverse an kleinen Leisten
  • Unendliche Geschichte (8b+) / U.G. 1 (8a+) / U.G. 2 (8a): allesamt Extremklassiker (Dachboulder)

Sektor B (südlich von Sektor A im Wald)

  • U-Boot (6c): fast 15 Meter lange Traverse an einer Dachkante
  • Sündenfall (7b+): Highball mit gutem Absprunggelände und schwierigem Einstieg
  • Goldfish (7b+): überhängende, athletische Züge
  • Piranja (7c): überhängende, athletische Züge
  • The right hand of darkness (8a) / The left hand of darkness (8a+): Dachboulder an positiven Leisten

Sektor C (oberster Sektor am S-Ende des Gebiets)

  • Hier gibt es einige lohnende Boulder, die jedoch den anderen Sektoren in puncto Beliebtheit und Qualität etwas nachstehen.
Mann unter Felsen "Riverbed"
Christof Rauch in „Riverbed“ (8b). | Foto: Archiv Christof Rauch

Sektor D (großer Sektor am Hang im Wald im Anschluss an Sektor B)

  • Wonderboy (5a): schöner Quergang an Henkelband im Überhang
  • Blue Sky of mine (6a+): extrem hoher senkrechter Highball an durchwegs guten Leisten
  • Chiquita (7a): Dachboulder mit pressigen Zügen an Hooks
  • Enterprise (7a): spannende Slopertraverse an Dachkante
  • Zilliman (7a): überhängendes Hook-Problem
  • Marihuanacorner (7a), pressiger Überhang mit Slopern
  • Blindfish (7b): technischer Kantenboulder an Seitgriffen
  • Dinos don’t dyno (7b): der wohl berühmteste Dynamo der Schweiz
  • Blown away (7b+): hoher Boulder mit weitem Blockierer
  • Jack the chipper (7b+): Bewegungsboulder an Slopern
  • Kalorienmonster (7c): pressige Slopertraverse mit vielen Hooks
  • Fightclub (7c): langer Boulder an Leisten in starkem Überhang
  • Rythmo (7c+): athletischer Kantenboulder mit Slopern und dynamischen Zügen
  • Octopussy (8a): Klassiker mit komplexen Spannungszügen in starkem Überhang und vielen Hooks
  • Foxy Lady (8a): Leistenboulder entlang einer Rissspur, auch als Dynamo möglich
  • Jacks broken heart (8a+): Dachtraverse an runden Leisten mit anspruchsvollen Hooks
  • Sofasurfer (8a+): überhängender Klassiker mit pressigen Zügen an abschüssigen Leisten
  • New Base Line (8b+/8c): Extremklassiker an seichter Risspur mit hartem Schulterzug

Sektor E (unterhalb von Sektor D am Bach)

  • Slip slap slop (7a+): weite Züge an Slopern (ohne rechte Kante)
  • Grit de luxe (7b): einer der beliebtesten Boulder des Gebiets an glatter Platte direkt am Bach

Sektor F (zwischen Sektor A und Sektor F am Bach)

  • Riverbed (8b): Extremklassiker mit anspruchsvollen Hooks entlang einer Dachkante
  • Practice of the wild (8c): einer der schwersten Boulder der Schweiz in starkem Überhang

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