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Wildes Campen duftet für viele nach Abenteuer. Doch man darf - gerade in der "zivilisierten" Wildnis Europas - nicht einfach überall sein Zelt aufstellen. In welchen europäischen Ländern was erlaubt ist, zeigt unser Überblick.

Wildcampen in Europa liegt im Trend: Mehr als 1,7 Millionen Menschen reisen laut ADAC-Reisemonitor allein in Deutschland lieber mit dem Zelt oder Wohnwagen, als dass sie ihren Urlaub im Hotel oder in einer Ferienwohnung verbringen. Viele von ihnen suchen sich dabei gezielt Campingplätze aus, die zum Teil inzwischen fast teurer als Übernachtungen im Hotel sind und die durchaus auch ebenso viel Luxus bieten können. Man findet hier nicht mehr nur sanitäre Anlagen, sondern gleich noch Freizeitattraktionen, Swimmingpools, Supermärkte, Minigolfplätze und allerlei mehr. Auch der Fernseh- und Internetempfang darf natürlich nicht fehlen.

Die Gesetze bezüglich Wildcampen in Europa unterscheiden sich von Land zu Land. Die Höhe der Strafe bei Zuwiderhandlung auch. | Foto: Heiko Gärtner
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Die Gesetze bezüglich Wildcampen in Europa unterscheiden sich von Land zu Land. Die Höhe der Strafe bei Zuwiderhandlung auch. | Foto: Heiko Gärtner

Doch so sehr wie es die einen Camper nach immer mehr Luxus dürstet, sehnen sich die anderen zu den wilden Ursprüngen zurück. Sie suchen Plätze abseits des Trubels und wollen zurück in die Natur, ohne dafür viel Geld ausgeben zu müssen und ohne sich mit anderen Campern zu umgeben. Es geht um das Campen in der Wildnis oder zumindest in der Natur, die wir uns in Europa noch als Überbleibsel der einstigen Wildnis erhalten haben.

Doch wie sieht es mit dieser Form des Reisens in Europa eigentlich rechtlich aus? Wann bewegt man sich mit seinen Camping-Aktionen auf rechtlich dünnem Eis und wann ist es absolut legal? In welchen Ländern in Europa ist Wildcampen oder wildes Zelten erlaubt?

Die rechtliche Lage beim Wildcampen in Europa

In den meisten europäischen Ländern ist das Wildcampen prinzipiell verboten, was jedoch nicht heißt, dass es hier keine Möglichkeiten für einen Abenteuerurlaub in der freien Natur gibt. Doch beginnen wir erst einmal mit den Ländern, in denen es legal ist, „wild“ unter dem Sternenhimmel am Platz seiner Wahl zu schlafen. Dazu zählen Länder wie Schweden, Norwegen, Irland, Estland, Lettland und der Balkan. Hier ist es sogar erlaubt, sein Zelt für mehrere Tage an ein und demselben Ort stehen zu lassen. Die generelle Camperlaubnis bezieht sich dabei natürlich nur auf Grundstücke, die Staatseigentum sind.

Wildcampen in Schweden

Selbst wenn in einem Land das Wildcampen legal ist - Privatgrundstücke sind davon ausgenommen. Hier sollte man vorher immer den Besitzer fragen. | Foto: Heiko Gärtner
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Selbst wenn in einem Land das Wildcampen legal ist – Privatgrundstücke sind davon ausgenommen. Hier sollte man vorher immer den Besitzer fragen. | Foto: Heiko Gärtner

Fast nirgendwo kann man so entspannt und unbesorgt in der Natur campen wie in Schweden. Hier ist das Camping zumindest für eine einzige Nacht überall erlaubt, sogar auf Privatgrundstücken, und das sogar ohne den Besitzer um Erlaubnis gefragt zu haben. Dies geht auf das sogenannte Jedermannsrecht zurück, ein uraltes schwedisches Gesetz, nachdem Land zwar von einer Person besessen und betreut werden kann, jedoch immer allen Menschen zur Verfügung stehen muss.

Dennoch gibt es auch beim Wildcampen in Schweden ein paar Regeln, die es einzuhalten gilt: So darf man es sich auf den Privatgrundstücken ohne Erlaubnis des Besitzers nicht in Sichtweite seines Privathauses gemütlich machen. Auch darf man auf dem Privatgrundstück kein offenes Feuer errichten und natürlich keinen Müll hinterlassen. Das Recht gilt übrigens nur für Wanderer, Radfahrer und Menschen, die mit Kanus oder Pferden unterwegs sind. Wer mit dem Auto fährt, hat Pech gehabt. Doch wer mit seinem Caravan unterwegs ist, darf ihn zumindest auf öffentlichen Parkplätzen, am Ende von Straßen und direkt am Strand abstellen.

Wildcampen in Dänemark

In Dänemark sieht das etwas anders aus. Wer hier mit seinem Campingmobil oder seinem Wohnwagen außerhalb von bezahlten Campingplätzen übernachtet, muss mit Strafen rechnen. Zelten ist immerhin in 40 dafür ausgewiesenen Wäldern gestattet. An Touristenstränden muss man jedoch vorsichtig sein, denn hier können Strafen von bis zu 75 Euro anfallen, wenn man sich mit seinem Zelt beim Wildcampen erwischen lässt.

Wildcampen in Frankreich

Vor allem im Norden (Skandinavien, Baltikum) ist Wildcampen erlaubt. In den meisten anderen Ländern Europas muss man auf freundliche Privatgrundbesitzer bzw. nachsichtige Beamte setzen. | Foto: Heiko Gärtner
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Vor allem im Norden (Skandinavien, Baltikum) ist Wildcampen erlaubt. In den meisten anderen Ländern Europas muss man auf freundliche Privatgrundbesitzer bzw. nachsichtige Beamte setzen. | Foto: Heiko Gärtner

In Frankreich ist campen offiziell nur auf Privatgrundstücken mit Einverständnis des Besitzers erlaubt. Da die Menschen hier jedoch im Allgemeinen sehr freundlich und sehr offen gegenüber Wanderern und vor allem Radfahrern sind, ist das in der Regel kein Problem. An der Küste gibt es hingegen eine Sonderregel: Diese gehört nach einem alten französischen Recht allen Bürgern Frankreichs, so dass niemand die Erlaubnis zum Zelten geben kann. Damit ist Wildcampen hier generell verboten. Das gleiche gilt für Plätze in unmittelbarer Nähe von Sehenswürdigkeiten.

Man sollte also besser nicht auf die Idee kommen, das Zelt direkt unter dem Eiffelturm aufzubauen. Genau wie in den französischen Natur- und Wasserschutzgebieten kann dies eine Strafe von bist zu 1.500 Euro kosten, wenn man sich dabei erwischen lässt. Ausnahmen bilden nur spezielle Campingbus- bzw. Caravanplätze als Punkte von Caravanrouten, auf denen man mit seinem Bus eine Woche stehen darf, ohne es allerdings nach Camping aussehen zu lassen. Tourismusbüros helfen einem gerne weiter, wo sich diese befinden.

Wildcampen in Polen

Polen ist hingegen nicht ganz so streng. Hier ist Wildcampen – zumindest im nördlichen Bereich – zwar ebenfalls verboten, doch in den vergangenen 20 Jahren gab es kein einziges Mal eine verhängte Strafe dafür. Es wird also stillschweigend geduldet. Dennoch sollte man hier vorsichtshalber besonders gut darauf achten, unbemerkt zu bleiben. Wer das Risiko vermeiden will, der erste bestrafte Wildcamper Polens seit 20 Jahren zu sein, fragt lieber bei Bauern nach einem Zeltplatz auf deren Weiden. Hier hat man außerdem meist noch Glück, zu einem Mittagessen oder einer Tasse Tee eingeladen zu werden!

Wildcampen in Südosteuropa

Im Balkan ist Wildcampen prinzipiell ein entspanntes Thema, solange man sich den richtigen Zeltplatz sucht. | Foto: Heiko Gärtner
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Im Balkan ist Wildcampen prinzipiell ein entspanntes Thema, solange man sich den richtigen Zeltplatz sucht. | Foto: Heiko Gärtner

Die gesamte Balkanregion geht zumindest von rechtlicher Seite her mit dem Thema Wildcampen sehr entspannt um. Das gilt für alle Länder des ehemaligen Jugoslawiens, also für Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien, Montenegro, den Kosovo und Mazedonien sowie für Albanien. All diese Länder sind dünn besiedelt und bieten viele Möglichkeiten, um irgendwo sein Zelt aufzustellen.

Offiziell ist das Wildcampen in Serbien und Kroatien zwar verboten, doch die Polizei nimmt dieses Verbot nicht besonders ernst. Die Einheimischen haben in der Regel nichts gegen Wildcamper, vor allem, wenn diese nur ein oder zwei Nächte an einem Ort bleiben. Auch die Polizei duldet es ohne Weiteres und gibt einem teilweise sogar Tipps für gute Zeltplätze. Wichtig ist auch hier vor allem, dass man sich angemessen verhält und freundlich mit eventuell auftauchenden Beamten umgeht.

Vorsicht bei der Zeltplatzwahl

Das einzige, was man vermeiden sollte, ist das Zelten direkt neben Staatsgebäuden. Hier kann es einem passieren, dass man von Polizeibeamten weggeschickt wird und sein Zelt an anderer Stelle aufbauen muss. Dass man Strafen zahlen muss, haben wir hingegen noch nie erlebt. Dennoch ist es ratsam, sich beim Zelten möglichst in Gegenden oder auf Plätze zurückzuziehen, an denen man nicht gesehen wird. Die Einheimischen sind Fremde nicht unbedingt gewöhnt und daher zum Teil sehr neugierig.

In einigen Regionen wie dem Kosovo sind sie dabei sehr respektvoll und höflich und helfen einem manchmal auch mit Nahrung oder Wasser aus. In anderen Regionen kann es aber auch unangenehm werden, vor allem an Wochenenden, wenn viele betrunkene Jugendliche unterwegs sind. Generell solltest du dich als Wildcamper von größeren Städten fernhalten, da hier die Gewaltbereitschaft nicht unerheblich ist. Auf dem Land ist das weitaus weniger ein Problem. Zu beachten ist in dieser Region jedoch, dass es immer mal wieder zu politischen Unruhen kommt. Hiervon sind aber vor allem die Städte und weniger die Landregionen betroffen.

Wildcampen in Griechenland, Bulgarien und Rumänien

Von größeren Städten sollte man sich beim wilden Zelten in Südosteuropa fernhalten. Landregionen sind von Pöbeleien und Unruhen dagegen weniger betroffen. | Foto: Heiko Gärtner
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Von größeren Städten sollte man sich beim wilden Zelten in Südosteuropa fernhalten. Landregionen sind von Pöbeleien und Unruhen dagegen weniger betroffen. | Foto: Heiko Gärtner

Auch in Griechenland und in Bulgarien ist das Wildcampen offiziell verboten, sogar auf Privatgrundstücken. Dennoch gibt es hier in der Regel keine Probleme. Selbst wenn man in den Kontakt mit Polizisten kommt, haben sie meist nichts dagegen, solange man nicht dauerhaft an einem Ort bleibt und solange man seinen Zeltplatz wieder sauber verlässt…

In Rumänien ist das Zelten außerhalb von Nationalparks ebenfalls kein Problem. Innerhalb der Parks ist es zwar verboten, wird jedoch in der Regel nicht kontrolliert.

Wildcampen in Spanien

In Spanien ist das Wildcampen offiziell verboten und wird zum Teil sogar hoch bestraft. Wir selbst hatten hierbei nie Probleme, doch das spanische Fremdenverkehrsamt spricht von Bußgeldern, die im Extremfall bis zu 5.000 Euro betragen können. Es gibt sogar Fälle, in denen das Land mit Helikoptern überflogen wurde, um nach illegal aufgestellten Zelten zu suchen. Die Ausnahme bilden hierbei jedoch die Pilgerwege nach Santiago de Compostela. Hier ist das Campieren auf den letzten hundert Kilometern vor der Pilgerstadt links und rechts des Weges erlaubt.

Da in Spanien aber ohnehin fast jedes Stück Land in Privatbesitz ist, kommt es hier meist vor allem darauf an, ob man einen Eigentümer ausmachen kann oder nicht. Wenn man jemanden findet und freundlich fragt, hat er in den meisten Fällen nichts dagegen. Vor allem im Inland kommt jedoch erschwerend hinzu, dass die Böden fast ausschließlich aus Geröll und spitzen Steinen bestehen, auf denen man kaum ein Zelt abstellen kann, wenn man kein Fakir ist. Und wenn man dann wirklich mal eine Stelle ohne Steine entdeckt hat, dann ist sie meist voller Dornen. Mit dem Wohnwagen sieht das schon wieder anders aus. Hiermit darf man in Spanien in ausgewiesenen Übernachtungszonen campieren.

Wildcampen in der Schweiz und im restlichen Europa

In Deutschland darf man nur "privat" zelten, auf öffentlichem Boden wird das Biwakieren ohne Zelt für eine Nacht geduldet. | Foto: Tobias Krüger
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In Deutschland darf man nur „privat“ zelten, auf öffentlichem Boden wird das Biwakieren ohne Zelt für eine Nacht geduldet. | Foto: Tobias Krüger

Noch vorsichtiger sollte man mit dem Wildcampen in der Schweiz sein. Hier gibt es sehr unterschiedliche Regelungen, die davon abhängen, in was für einem Gebiet man gerade unterwegs bist. Denn wenn man sich beim wilden Zelten oder sogar beim Feuermachen in einem Naturschutzgebiet oder einem Nationalpark erwischen lässt, kann das Strafen von 10.000 Euro oder sogar mehr kosten.

Oberhalb der Baumgrenze hingegen ist das Campieren grundsätzlich erlaubt. Wichtig ist es in der Schweiz vor allem, sich nach Verbotsschildern umzusehen und diese Gebiete generell zu meiden. Außerhalb der verbotenen Zonen ist es unproblematisch, aber wer auf Nummer sicher gehen will, sollte entweder auf Privatgrundstücke ausweichen, nachdem er sich zuvor die Erlaubnis des Besitzers eingeholt hat. Der SAC gibt außerdem ein Merkblatt heraus, auf dem alle Regelungen, Verbote und Strafen beschrieben werden: Zum Merkblatt.

Besonders streng sind die Regelungen zum Wildcampen auch in den Niederlanden, in Ungarn, Portugal, Russland, Tschechien und der Slowakei. Hier darf man nicht einmal auf Privatgrundstücken sein Zelt aufschlagen. Auch das Rasten mit dem Wohnwagen oder mit dem Caravan auf Parkplätzen oder Raststätten ist hier verboten.

Wildcampen in Deutschland

Wie aber sieht es jetzt mit dem Wildcampen in Deutschland aus? Genau wie in Österreich und der Schweiz darf man mit dem Wohnwagen auf den Raststätten der Bundesstraßen maximal eine Nacht bleiben. Ansonsten ist das Übernachten in Campingmobilen, wenn nicht anders gekennzeichnet, auf staatlichen Parkplätzen ebenfalls für eine Nacht erlaubt.

Mit dem Zelten ist es etwas anders. Ohne Zelt darf man außerhalb von Privatgrundstücken in Deutschland nahezu überall für eine Nacht schlafen. Ausgenommen sind besonders markierte Bereiche und Naturschutzgebiete. Ob eine Plane oder ein Tarp dabei als Zelt gilt, liegt im Ermessen des zuständigen Beamten, der einen beim Campen entdeckt. Mit einem Zelt sollte man lieber auf Privatgrundstücke ausweichen, für die man zuvor die Erlaubnis eingeholt hat. Gerade im ländlichen Raum ist das meist nur eine Formsache – zumindest wenn man früh genug am Abend klopft.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 26.05.2017 aktualisiert.

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Heiko Gärtner

... stammt aus Neumarkt/Oberpfalz und ist gelernter Versicherungsfachwirt. Er merkte jedoch schnell, dass das Büro nichts für ihn ist und tauschte die Krawatte gegen ein Feuerbohrset ein. Bei verschiedenen Medizinleuten aus Kanada, Neuseeland und Thailand lernte er über zwölf Jahre hinweg als Einheimischer in der Natur zu leben und brachte das Wissen der indigenen Diagnose- und Selbstheilungsformen mit nach Deutschland. Er ist u. a. Natur- und Wildnispädagoge, Tierfotograf und Extremjournalist und verfügt über diverse Ausbildungen im Bereich alternative Heilung. Seine Hobbys sind Slacklinen, Feuerjonglage, Klettern und Wandern. Gemeinsam mit Tobias Krüger hat er viele Expeditionen weltweit unternommen. Dabei haben sie u.a. auf Island in den Vogelfelsen gelebt, sind als Obdachlose durch Deutschland gereist und haben als erstes blind die Zugspitze bestiegen. Ab dem 01.01.2014 hängen sie ihr sesshaftes Leben endgültig an den Haken und brechen auf zu einer dreißigjährigen Weltreise, um den Geheimnissen des Lebens auf den Grund zu gehen. Pfeil Alle Artikel von Heiko Gärtner