Ob Rucksackreise oder Trekkingtour: Wenn viel Gepäck transportiert werden will, kommt es beim Rucksack vor allem auf das Tragesystem an. Der Deuter Aircontact 55 + 10 zeigt im Test auf Reisen, dass hohes Gewicht und Komfort sich nicht ausschließen.

Gepäck für eine dreiwöchige Rucksackreise verstauen. Für einen kurzen Moment schwirren mir sämtliche Rucksäcke aus meinem Ausrüstungsrepertoire durch den Kopf – nichts dabei, alle zu klein. Es muss also etwas Neues her. Nach einer ausgiebigen Online-Recherche entscheide ich mich für den Deuter Aircontact 55 + 10, einen Rucksack mit insgesamt 65 Liter Volumen. Herstellerversprechen wie Verwöhn-Rücken, praktische Frontöffnung, doppelter Boden und 100 Prozent Reisetauglichkeit sind aus sachlicher Perspektive ausschlaggebend. Als emotionalen Faktor beziehe ich noch die Tatsache, dass ich mit Qualität und Langlebigkeit von Deuter-Rucksäcken bisher ausschließlich positive Erfahrungen gesammelt habe, in die Kaufentscheidung mit ein.

Trekkingrucksack: Die richtige Anpassung ist der halbe Tragekomfort

Schauen wir uns zunächst mal den Verwöhn-Rücken des Deuter Aircontact 55 + 10 an – oder besser gesagt das vielgelobte Aircontact-Tragesystem. Auf den ersten Blick gibt es da ziemlich viele Einstellmöglichkeiten, die zu Beginn für Verwirrung sorgen könnten. Deuter liefert den Aircontact aber mit Etiketten und Hangtags aus, auf denen die Anpassung des Trekkingrucksacks an die individuelle Körperform ausführlich und fast selbsterklärend beschrieben und bebildert ist. Im Besonderen wird dabei auf das Deuter Vari-Quick-System eingegangen. Dieses Verstellsystem ermöglicht eine Anpassung der Aufhängung der Schulterträger an die persönliche Rückenlänge und damit eine optimale Lastübertragung auf den Hüftgurt. Dazu muss lediglich ein Klettverschluss geöffnet werden und schon kann der Abstand zwischen Schultergurt und Hüftgurt in einem sechsstufigen Verstellraster versetzt werden.

Zusätzlich bietet Deuter das nachfolgende YouTube-Video an, in dem Deuter-Legende und ehemaliger Geschäftsführer Bernd Kullmann in einer Minute erklärt, wie man einen Rucksack mit einem solchen System perfekt einstellt. Mit diesen Hilfsmitteln und einem großen Spiegel konnte ich meinen Rucksack innerhalb von etwa 30 Minuten perfekt an meinen Körper anpassen.

Tipp: Zum Einstellen immer etwas Dummy-Gepäck in den Rucksack packen. Unter Last kann man dann gleich einmal ausprobieren, wie sich der Deuter Aircontact mit lockeren (mehr Belüftung) und angezogenen (mehr Kontrolle) Lageverstellriemen unter Realbedingungen anfühlt.

Das Deuter Aircontact-Tragesystem: Bequem und belüftet

Sofern man sich genug Zeit für ein ordentliches Setup genommen hat, wird man im Praxiseinsatz mit dem Deuter Aircontact 55 + 10 tatsächlich in den Genuss des angepriesenen Verwöhn-Rückens kommen. Verantwortlich dafür ist das Aircontact-Tragesystem, das Deuter für seine großen Trekkingrucksäcke entwickelt hat. Der anatomisch geformte Schultergurt und der Rücken sind sehr gut und hochwertig gepolstert. Im Lendenbereich und an den massiven Hüftflossen spendiert Deuter eine Extra-Portion mehr an Dämpfung. Das macht Sinn, denn die beiden überkreuzten Aluschienen (anatomisch gebogener X-Frame), die den Rücken stabilisieren, übertragen einen großen Teil der Last auf die Hüftflossen, wo diese durch den anatomisch geformten Schaum äußerst komfortabel absorbiert wird.

Das Dämpfungsmaterial des Deuter Aircontact wie die mit einem atmungsaktiven Hohlkammer-Schaum gefertigten Rückenpolster sorgt insgesamt durch die meshartige Air Flow-Technologie für eine gute Rundumbelüftung. So sollen Wärmestaus verhindert und weniger Schwitzen verursacht werden. Auf meiner Rucksackreise, wo ich den Deuter Aircontact 55 + 10 im Praxiseinsatz hatte, herrschten meistens Tagestemperaturen von über 35 Grad Celsius und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Da ich meistens schon komplett nassgeschwitzt war, nachdem ich meinen Frühstückstoast verputzt hatte, konnte ich von diesem Effekt leider nicht profitieren.

Aufteilung des Deuter Aircontact 55 + 10: Frontzugriff und Bodenfach

Da geht schon viel rein: 55 Liter plus zehn Liter Zuladung packt der Deuter Aircontact 55 + 10 - und wem das Volumen nicht reicht (oder im Gegenteil), der findet bei Deuter auch alle möglichen anderen Aircontact-Varianten, von 40 bis 75 + 10 Liter! Damenmodelle haben übrigens den Zusatz "SL".
Da geht was rein: 55 Liter plus zehn Liter Zuladung packt der Deuter Aircontact 55 + 10. Und wem das nicht reicht (oder im Gegenteil), der findet bei Deuter auch alle möglichen anderen Aircontact-Varianten, von 40 bis 75 + 10 Liter! Damenmodelle haben übrigens den Zusatz „SL“.

Das Highlight des Deuter Rucksacks ist aus meiner Sicht die Frontöffnung. Damit muss man sein Gepäck nicht mehr wie bei einem klassischen Toploader durch die relativ enge Öffnung von oben nach unten durchwühlen, um ans Objekt der Begierde zu kommen. Nein viel besser, ähnlich wie bei einer Reisetasche oder einem Koffer reicht es völlig aus, den Reißverschluss der Frontöffnung aufzuzippen, und schon kann man sich übersichtlich am Gepäck bedienen, beziehungsweise dieses wieder mühelos am richtigen Platz im Rucksack verstauen. So hat alles seine Ordnung.

Ebenfalls sehr praktisch ist der doppelte Boden mit separatem Zugang von unten. Dieser kann sehr gut als „Nasszelle“ verwendet werden, in der man Badehose und feuchte Handtücher verstaut. Je nach Pack-Konzept könnte man dort zum Beispiel auch schmutzige Wäsche oder Schuhe unterbringen. Benötigt man den doppelten Boden nicht, so lässt er sich sekundenschnell per Reißverschluss zum Durchladen öffnen.

Tipp: Das +10 Volumen zum Reisestart noch nicht ausnützen, dann bleibt unterwegs etwas Puffer für Einkäufe oder Unordnung, wenn es mal wieder schneller gehen muss.

Viel Stauraum für alles, was man beim Trekking und Backpacking braucht

Schön ordentlich gepackt - und so bleibt es auch, weil man im Deuter Aircontact 55 + 10 dank Bauchöffnung nicht von oben wühlen muss. Ein wichtiges Plus für jeden Reise- und Trekkingrucksack!
Schön ordentlich gepackt – und so bleibt es auch, weil man im Deuter Aircontact 55 + 10 dank Bauchöffnung nicht von oben wühlen muss. Ein wichtiges Plus für jeden Reise- und Trekkingrucksack!

Im Deckel des Deuter Aircontact 55 + 10 sind zwei weitere Fächer integriert, die per Zip geöffnet werden können. Eines befindet sich auf der Oberseite und ist damit von außen zugänglich. Ideal geeignet als Schnellzugriff für die nicht allzuwertvollen Sachen. Das Gegenstück auf der Innenseite ist gut vor Langfingern geschützt und bietet sich an, um Wertsachen wie Geldbörse, Pässe, Flugtickets usw. auf der Reise sicher zu verstauen.

Dass Deuter wirklich an alles gedacht hat, zeigen kleine Extras wie die Tasche am Hüftgurt. Aufgrund der Größe ist sie prädestiniert, um die Digicam jederzeit für Schnappschüsse griffbereit zu haben. Zwei offene Seitentaschen mit Gummizug sind ideal dafür geeignet, Trinkflaschen und vom Volumen her ähnlich große Dinge unterzubringen, die man gerne in der Nähe hat. Am Rucksackboden ist eine Regenschutzhülle integriert, die im Nu übergezogen ist und das Gepäck auf der Reise vor Nässe durch plötzliche Regenschauer schützt.

Einzig und allein das seitliche Kartenfach erscheint mir nicht ganz optimal platziert. Es ist schwer zugänglich und erfordert einige Verrenkungen, um ohne Hilfe an die Karte zu kommen. Bei einem voll befüllten Rucksack, wie er beim Backpacken wahrscheinlich ist, ist es auch sehr umständlich, die Karte wieder im Fach zu verstauen, ohne den Rucksack abzunehmen.

Test-Fazit zum Deuter Aircontact 55 + 10 Trekkingrucksack

Mit dem Deuter Aircontact 55 + 10 habe ich einen tollen Reisebegleiter gefunden, der mich in allen Belangen überzeugt und in Sachen Tragekomfort keine Wünsche offen gelassen hat. Die oftmals raue Behandlung beim fast täglichen Verladen auf Booten und in Reisebussen hat er ohne Verschleißerscheinungen überstanden. Tipp am Rande: Für Flüge und Transportbänder auf Flughäfen empfehle ich das Deuter Transport Cover. Bestes Feature des Trekkingrucksacks ist aus meiner Sicht die Frontöffnung. Bei vorhergehenden Rucksackreisen musste ich meine Rucksäcke aufgrund von zu chaotischem Durcheinander immer wieder mal leeren und neu bepacken. Dank der übersichtlichen Frontöffnung des Deuter Reiserucksack blieb mir das diesmal erspart. Ich musste mich also weniger ärgern und hatte mehr Zeit und vor allem gute Laune, um meinen Urlaub zu genießen. Und genau darauf kommt es doch an, oder?!?

Weitere Trekkingrucksäcke im Test:

 

Kommentare

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René

Für drei Wochen Thailand 55+10 Liter Gepäck dabei??? Wie groß fällt der Rucksack dann in Regionen aus, in denen man noch für Unterkunft (Zelt und Schlafsack), so wie Essen selbst sorgen muss (z.B. Patagonien, Nepal,…)? In Thailand ist die längste Fußstrecke mit Rucksack vom Hostel in Bus, da reicht der Tragekomfort eines Seesacks!

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