Der Mönch bildet mit dem Eiger und der Jungfrau das weltberühmte Dreigestirn über Grindelwald. Der Anstieg über den "Nollen" stellt eine ganz besondere alpinistische Herausforderung dar. Uwe Daniel aus dem Bergzeit Kletterteam beendete letztes Jahr seine Hochtourensaison über diese außergewöhnliche Route.

Allein auf der Guggihütte

Im steilen Eis am Nollen. | Foto: Frank Brockners
Im steilen Eis am Nollen. | Foto: Frank Brockners

Es ist November. Über Grindelwald verziehen sich gerade die letzten Nebelschwaden, als wir am Morgen – übernächtigt nach hunderten Autobahnkilometern  – endlich ankommen. Die Rucksäcke sind schon fertig gepackt. So gilt es lediglich, die nächste Bahn hinauf zur kleinen Scheidegg nicht zu verpassen.

Dort angekommen, muss man den Kopf schon etwas in den Nacken legen um die zweitausend Meter hinauf bis zum Mönch schauen zu können. Der Weg zur Guggihütte macht uns wieder richtig wach, da bereits erster Schnee in der Flanke liegt und dieser von der Sonne aufgeweicht ist. In der leeren Hütte angekommen, zweifle ich kurz an meiner Interpretation des Wetterberichts. Habe ich vielleicht etwas übersehen? Ich hatte mir nur die Isobaren angesehen und ohne weitere Recherchen direkt meinen Freund Frank angerufen. Jetzt sind wir hier – aber sonst niemand. Und das an einem – wie mir scheint – ausgezeichneten Wochenende!

Die Besteigung des Mönch über den Nollen

Wir verbringen den Abend in der gemütlichen Hütte und starten am nächsten Morgen noch vor dem Sonnenaufgang. Der Schlaf auf 2.800 Metern war nicht ganz so erholsam, wie es notwendig gewesen wäre. Frank nennt den Begehungsstil unserer gemeinsamen Unternehmungen gerne „Brechstange“. Zuhause und am Telefon klingt das nicht immer ganz so wild, wie es dann tatsächlich ist!

Aber nun stehe ich früh um fünf Uhr morgens ohne Akklimatisierung auf dreitausend Metern. Unter meinen Füßen knirscht abwärtsgeschichteter Schutt unter einer dünnen Schneedecke. Da es auf einer Bergtour immer wieder mal Momente gibt, die nicht so schön sind, freue ich mich, dass eben dieser kritische Moment schon vorbei ist. Wir erreichen das Mönchsplateau pünktlich zum Sonnenaufgang und können den Eisnollen aus der Nähe betrachten.

Ergebnis der ersten eingehenderen Betrachtung: So richtig steil scheint der Nollen nicht (mehr) zu sein. Dieser Eindruck bestätigt sich, als wir den Fuß des Eisabbruchs erreichen. Zunächst klettern wir drei Seillängen in der „flachsten“ Variante auf ein nachgelagertes, ebenes Stück. Die steilste Stelle war vielleicht 70 Grad steil.

Wie ich so darüber nachsinne, ob es schlau ist, ohne Akklimatisierungstour übers Wochenende auf einen Viertausender zu steigen, vernehme ich ein Pfeifen über mir. Ich blicke auf und sehe einen Gleitschirmflieger mit einem schnellen Bergschirm über uns hinwegsausen. Wie ich später erfahre, ist er vom Gipfel des Mönch gestartet. Er zieht noch eine Runde über den Nollen, bevor er in Richtung Eigernordwand davonfliegt.

Über die Mönchsjochhütte zum Jungfraujoch

Die Gipfelwand aus der Vogelperspektive - sie zieht uns die Kraft aus den Waden. | Foto: Benedicht Erb
Die Gipfelwand aus der Vogelperspektive – sie zieht uns die Kraft aus den Waden. | Foto: Benedicht Erb

In der Gipfelwand herrschen dann nochmal schlechte Bedingungen. Die Wand zieht uns die Kraft aus den Waden. Schließlich stehen wir bei einer leichten Brise auf dem Gipfel und genießen die schöne Abendstimmung.

Uns pfeifen ganz schön die Lungen. Trotzdem machen wir uns schon nach kurzer Zeit an den Abstieg über den Normalweg. Dieser führt einen beeindruckenden Grat entlang und wird an einer Stelle von einer Wächte unterbrochen. Es gibt keine richtige Spur auf dem Grat, und so fordert der Abstieg in ausgesetzter Umgebung nochmal vollste Konzentration.

Anschließend führt der Weg durch felsdurchsetztes Gelände. Schnee und Fels wechseln sich hier ständig ab. Der kurze Novembertag neigt sich schon dem Ende zu, als wir schließlich die ebenfalls leere Mönchsjochhütte erreichen.

Am nächsten Morgen folgen wir dem planierten Weg bis zum Jungfraujoch und beobachten dort das Treiben der Touristen. Später werde ich zuhause ein Foto aus meinen Kindheitstagen finden, auf dem der Aletschgletscher direkt bis an den Ausgang des Sphinxstollens reichte. Inzwischen ist dort eine Schneerampe von vielleicht fünf Metern Höhe aufgeschüttet…

Alle Tourdaten:

  • Anfahrt nach Grindelwald: A5 nach Basel. Dann über die A2 und E25 nach Bern und weiter über die A6 nach Interlaken. Von dort weiter bis zum Talort.
  • Anforderungen/Charakter der Tour: kurze technische Schwierigkeiten am Eisabbruch des Nollen. Insgesamt eher Hochtourencharakter.
  • Schwierigkeit: D-, oft 55°, kurz 70°; Kletterstellen im Abstieg II
  • Zeitangaben und Höhenmeter: Kleine Scheidegg (2.060) bis Guggihütte (2.790) ca. 2,5 Stunden. Guggihütte bis Gipfel ca. 7-8 Stunden (1.300 Meter im Aufstieg). Gipfel bis Mönchsjochhütte ca. 2 Stunden (480 Meter im Abstieg). Mönchsjochhütte bis Jungfraujoch Sphinxstollen ca. 30 Minuten.
  • Übernachtung im Aufstieg: Guggihütte (20 Plätze, an Wochenenden zwischen Ende Juni bis Mitte September meist bewirtschaftet, ansonsten geöffnet)
  • Übernachtung im Abstieg: Mönchsjochhütte
  • Beste Jahreszeit: Juni, Juli, August, September
  • Ausrüstung: Hochtourenausrüstung, zwei Eisgeräte, 6-7 Eisschrauben, Schlingen, Felshaken für Notfälle
  • Gefahren: Der Nollen wird relativ häuftig begangen. Es gibt in der Regel keinen Stein- oder Eisschlag.

Weitere Informationen zu Hochtouren im Bergzeit-Magazin

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