Sich optimal über das Bergwetter zu informieren, gehört zu den Basics der Tourenplanung. Es gibt viele Informationsquellen und nicht immer ist klar, welcher Anbieter kompetent ist und welcher nicht. Wir zeigen, wie's geht!

Plant man Aktivitäten in den Bergen, ist eine exakte und verlässliche Vorhersage des Bergwetters unerlässlich. Denn das Wetter entscheidet über Erfolg oder Misserfolg einer Tour – und hat schon so manchen Bergfex in schwierige Situationen gebracht. Wir geben Tipps, was in Sachen Bergwetter bei der Tourenplanung zu beachten ist!

Strahlend blauer Himmel über Pasterze und Großglockner - die Idealvorstellung von Bergwetter. | Foto: ZAMG
Strahlend blauer Himmel über Pasterze und Großglockner – die Idealvorstellung Bergwetter. | Foto: ZAMG

Bergwetter im Zeichen des Klimawandels

Im Bergzeitland, den bayerischen Voralpen, zeigten sich die letzten Winter als schwer kalkulierbar. Waren die Winter zumindest in den 1980er und 90er Jahren zwischen Weihnachten und Ostern durch recht solide Schneeunterlagen und lang anhaltende Schönwetterperioden geprägt, kam der Schnee in den letzten Wintern sehr spät – und das Winterwetter gerierte sich extrem wechselhaft. Kaltphasen wechselten sich in kurzem Rhythmus mit Warmphasen ab, auf einen sonnigen Tag folgte Regen, nach bis zu -15 ° Grad in der einen Woche folgte eine Woche mit zweistelligen Plusgraden. Im angrenzenden Tirol und im Alpenraum zeigte sich ein ähnliches Schema. Wenn man den Aussagen von Meteorologen Glauben schenkt, werden auch die Sommer durch stärkere Wetterextrema geprägt sein – einen Vorgeschmack gaben die extremen Hitzeperioden der vergangenen Jahre, die in vielen Bergregionen zu ungewöhnlicher Trockenheit führten. Grund genug, sich in Sachen Bergwetter sorgfältig auf die nächste Tour vorzubereiten!

Solche hochalpinen Messstationen versorgen die österreichische ZAMG mit Daten zum Bergwetter. | Foto: ZAMG
Solche hochalpinen Messstationen versorgen die österreichische ZAMG mit Daten zum Bergwetter. | Foto: ZAMG

Eine gute Recherche ist beim Bergwetter das A und O

Manch einen packt angesichts der Komplexität, das Wetter zu prognostizieren, schon die Resignation. Eine gewisse „Auf-Teufel-komm-raus-Mentalität“ kann man auch niemandem verübeln – erst recht dann, wenn die Anreise zum Berg lang und strapaziös war und dementsprechend viel auf dem Spiel steht. Die Bergrettungen an überlaufenen „Modebergen“ wie dem Großglockner, dem Mont Blanc oder auch der Zugspitze können ein Lied davon singen, was passiert, wenn allzu eifrige Alpinisten einen Berg geplant haben und versuchen, ihn auch bei miserablem Wetter „unterzukriegen“. Eine Tour unter allen (Wetter)Umständen durchzudrücken, ist aber nie der richtige Weg.

Daher unser Appell: Gerade wegen der komplexen klimatischen Verhältnisse sollte man sich optimal informieren, bevor es auf Tour geht!

Bergwetter-Websites: verlässliche Wetterinfos auf dem Desktop

Gerade beim Bergwetter ist es von größter Wichtigkeit, professionelle Quellen von „beliebten“ Quellen zu trennen. Populäre Wetterseiten wie wetter.de oder wetteronline.de mögen zwar verlässliche Informationen liefern – wer in den Bergen unterwegs ist, hat jedoch deutlich bessere Informationsquellen zur Hand. Mit den folgenden drei (deutschsprachigen) Diensten hat man den Alpenraum optimal abgedeckt und kann sich zu jeder Region zwischen Seealpen und Wiener Wald tagesaktuelle Informationen holen:

Auf längeren Durchquerungen wie hier in den Pyrenäen muss man das Bergwetter auch unterwegs im Auge behalten. | Foto: Arnold Zimprich
Auf längeren Durchquerungen wie hier in den Pyrenäen muss man das Bergwetter auch unterwegs im Auge behalten. | Foto: Arnold Zimprich
  • Der Deutsche Alpenverein (DAV) liefert auf seiner Homepage einen umfassenden Informationsrundumschlag in Sachen Bergwetter. Die Seite wurde 2014 grundlegend überarbeitet und lässt nun eine regionen- und tagesgenaue Wetteranzeige zu.
  • Die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) steht dem DAV in nichts nach, im Gegenteil – die DAV-Daten speisen sich aus den Erkenntnissen der österreichischen Kollegen. Die ZAMG liefert auf ihrer Homepage nach Bundesländern unterteilte Bergwetterinfos.
  • Die meteoschweiz-Seite lässt sich ebenfalls nicht lumpen und glänzt mit schweizerischer Präzision, einer aufgeräumten Optik  und detaillierten Angaben zum Bergwetter – von Graubünden bis zum Jura.

Bergwetter-Apps für das Smartphone

Wetter-Apps gibt es zwar wie Sand am Meer, spezielle Bergwetter-Apps jedoch wenige. Im Folgenden präsentieren wir vier Apps, auf die man sich verlassen kann:

  • Die App „Bergfex/Wetter“ liefert Bergwetter-Vorhersagen für den gesamten Alpenraum inklusive einer Favoritenübersicht, einer 9-Tages-Prognose, detaillierten Tagesvorhersagen und Details wie Angaben zur Regen- bzw. Niederschlagsmenge. Ein 14-tägiges Webcam-Archiv mit Zeitrafferfunktion und Niederschlag-Vorhersagekarten ergänzen das Angebot der App. Die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) fungiert übrigens au als Informationsquelle.

    Föhnlinsen über dem Karwendel - mit ein bisschen Wolkenkunde lässt sich die Wetterentwicklung vorhersagen. | Foto: Arnold Zimprich
    Föhnlinsen über dem Karwendel – mit ein bisschen Wolkenkunde lässt sich die Wetterentwicklung vorhersagen. | Foto: Arnold Zimprich

  • Speziell für Südtirol gibt es eine weitere praktische App: „Wetter Südtirol“. Die offizielle App des Landeswetterdienstes der autonomen Provinz Bozen-Südtirol liefert exakte Angaben für die sieben Südtiroler Bezirke. Daneben gibt es einen Niederschlagsradar und Informationen zu Blitzaktivitäten in Echtzeit. Praktisch sind auch die Push-Gewittermeldungen für jedes der 116 Südtiroler Gemeindegebiete.
  • Auch der offizielle Wetterdienst der Eidgenossen, „Meteoschweiz“, packt sein Angebot in eine offizielle App. Die liefert eine detaillierte, schweizweite Wettervorhersage inklusive einer übersichtlichen graphischen Aufbereitung. Die App verfügt darüber hinaus über einen integrierten Unwetterwarner. Ein Muss für alle Fans der Schweizer Bergwelt!

Bergwetter-Infos am Telefon – old school, aber verlässlich!

Ja, auch das gibt es noch! Infos zum Bergwetter via Telefon einzuholen, hat den klaren Vorteil, dass man direkt vom Experten Infos und Warnungen erhält.

  • Geradezu legendär ist die persönliche Wetterberatung der ZAMG Innsbruck, die man unter der 0043- (0)512-29 16 00 erreicht. Die Wetterberatung der ZAMG-Experten ist besonders bei Expeditionen oder anspruchsvolleren Unternehmungen empfehlenswert.
  • Den aktuellen DAV-Wetterbericht erhält man unter der 0049-(0)89-29 50 70.
  • Auch in Südtirol (0039-(0)471-27 11 77), Frankreich (0033-(0)892-68 02 74) und der Schweiz (0041-(0)848-80 01 62) gibt es telefonische Wetter-Auskunfteien.

Schneeinfos für Powderfans und Skigebiete

Der Powderalarm ist seit Jahren DIE verlässliche Informationsquelle über herannahende, schneebeladene Tiefdruckgebiete. Freerider und Snowboarder profitieren gleichermaßen von einer exakten und durchdachten Aufbereitung aller relevanten Schneedaten. Die „Skiinfo Ski&Schneehöhen App“ liefert neben zahlreichen Infos zu Skigebieten und Live Webcams übrigens ebenfalls einen integrierten Powderalarm. Perfekt also, um sich optimal auf den nächsten Skiurlaub vorzubereiten.

ZAMG Snowgrid – die Schneeinfo für Schnee-Nerds

Das von der ZAMG entwickelte SNOWGRID Programm berechnet für 28 Millionen Datenpunkte in Österreich und Umgebung Daten zur Schneehöhe und Neuschneemenge – im Flachland wie in den Bergen. Es ist damit das perfekte Tool für Wetter- (und Schnee-)Enthusiasten, die sich tiefer in die Materie einarbeiten wollen.

Europaweite Bergwetter-Infoportale: Optimal informiert im Ausland

In kurzer Reihenfolge haben wir zusammengefasst, welche Informationsquellen sich für welche Bergregionen Europas am besten eignen:

  • Frankreich: Meteofrance liefert auf seiner Homepage Wetterinformationen zu den Bergregionen Vosges (Vogesen), Massif Central (Zentralmassiv), Pyréneés, Jura, Alpes du Nord, Alpes du Sud sowie Korsika.
  • Im Vereinigten Königreich ist der Mountain Weather Information Service (MWIS) eine augezeichnete Informationsquelle. Hier finden sich Infos zu den Bergen in Schottland, England und Wales.
  • Norwegen: In Norwegen ist yr.no, die offizielle Seite des norwegischen Meteorologisk Institutt, das Mittel der Wahl, um sich über das dortige Bergwetter zu informieren.
  • Im Nachbarland Schweden liefert das Sveriges meteorologiska och hydrologiska institut (SMHI) Angaben zum Bergwetter – auch in Englisch.

Webcams – Die digitalen Bergwetter-Beobachter

Webcams sind praktische Echtzeit-Wetterbeobachter. Kaffee machen, Rechner hochfahren, Webcam ansurfen – und schon ist man live auf dem Berg. Damit eignen sich Webcams ideal für Berganrainer, die wissen wollen, wie dick die Hochnebelschicht ist oder wie viel es oben schon geschneit hat. Eine weite Anreise nur auf Basis von Webcam-Erkenntnissen zu planen, ist wiederum Unsinn. Denn das Bergwetter kann sich sehr schnell ändern! Die Seite bergfex.at liefert einen Rundumschlag in Sachen europäischer Berg-Webcams.

Verhaltenstipps für Wetterstürze und Gewitter in den Bergen

Sollte es trotz einer optimalen Vorbereitung zu einer kritischen Situation in den Bergen kommen, sollte man sich folgendermaßen verhalten:

  • Bei kritischen Wetteraussichten gar nicht erst von der Hütte/vom Ausgangspunkt starten! Vor dem Start einer Tour stets versuchen, die Wetterlage so gut als möglich einzuschätzen. Gehe ich bei schlechter Sicht ein Risiko ein? Ist eine Wetterbesserung angesagt?
  • Wenn sich die Anzeichen für einen Wettersturz (herannahende Wolkenfront, aufkommender Sturm) oder auffällige Indizien für ein Gewitter (Funkenschlag an Stöcken oder Pickel, Wetterleuchten, Blitzaktivität) mehren, sofortiger Rückzug! Glück im Unglück hat man, wenn sich eine Hütte in der Nähe befindet.
  • Exponierte Punkte in einem Umkreis bis 100 Meter unbedingt meiden! Dazu zählen insbesondere vorspringende Felsen, Bäume und Gipfelkreuze.
  • Bäche und Tümpel meiden! Sie ziehen Blitze zusätzlich an.
  • Unbedingt von metallischen Gegenständen fernhalten! Befindet man sich gerade auf einem Klettersteig, wenn möglich an einer Trittklammer und nicht am Klettersteigseil sichern.
  • Sofern vorhanden, auf isolierende Unterlage (Kletterseil, Rucksack) setzen.
  • Reinhold Dörflinger, Chef der Österreichischen Bergrettung, gibt in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten (SN) den kurzen wie prägnanten Tipp: „Man sollte sofort Gipfel oder Grate verlassen, sich eine freie Fläche suchen und sich dort auf seinem Rucksack hinhocken und das Gewitter abwarten“.
  • Sollte doch einmal etwas passieren: Die alpenweite Notfallnummer ist die 112 – außerhalb Deutschlands nur über das Handy!

Fachliteratur zum Bergwetter – Tipps

Speziell bei einem so heiklen Thema wie dem Wetter ist es für eifrige Alpinisten ratsam, sich ein wenig Fachwissen anzueignen. Im Bergzeit Sortiment gibt es ein paar nützliche und informative Bücher, die einen informativen Rundumschlag in Sachen Bergwetter liefern und dafür sorgen, dass die nächste Tour gelingt.

  • „Bergwetter“ (Bruckmann Outdoorpraxis, Autor: Karl Gabl): Praxiswissen vom Profi zu Wetterbeobachtung und Tourenplanung. Karl „Charly“ Gabl, eine Koryphäe im Bereich alpiner Wettervorhersage, gibt Tipps zur Wolkendeutung, Tourenvorbereitung, der richtigen Strategie bei Gewittern und vielem mehr. Gabl gilt als Autorität in seinem Fachgebiet und hat neben seiner Tätigkeit für die ZAMG unzählige Himalaya-Expeditionen in Sachen Wetter beraten.
  • „Wetter im Gebirge“ (Rother Wissen und Praxis, Autoren: Jean-Jacques Thillet, Dominique Schueller, Pit Schubert): Beobachtung, Vorhersage, Gefahren.  Die bergerfahrenen Meteorologen Jean-Jacques Thillet und Dominique Schueller erläutern die Grundlagen der Wetterkunde und bereiten das komplexe Thema für Wanderer und Alpinisten auf.
  • „Sicherheit und Risiko in Fels und Eis“ (Bergverlag Rother, Mitautor: Pit Schubert, Neuauflage März 2016): Erlebnisse und Ergebnisse aus 25 Jahren Sicherheitsforschung des Deutschen Alpenvereins. Das Buch liefert auf amüsante wie prägnante Art Eindrücke, Anekdoten und Tipps, wie man sich in den Bergen (nicht) zu verhalten hat. Speziell zum Thema Wetter und Gewitter findet der Leser zahlreiche einprägsame Informationen.
  • „Wetter“ (Conrad Stein Outdoor Basixx, Autoren: Michael Hodgson und Meeno Schrader): Basiswissen für Draußen. Auch ohne hochentwickelte Messinstrumente die Zeichen der Natur erkennen und deuten zu können  – das ist bei einem längeren Aufenthalt im Freien von größter Bedeutung. Autor Michael Hodgson gibt Tipps und erläutert Techniken, die helfen, das Wetter im Voraus abzuschätzen.

Lawinen – die weiße Gefahr in den Bergen

Lawinen sind ein ganz eigenes Thema im Bereich professioneller Wettervorhersage, das eines eigenen Artikels bedarf. Wir geben daher nur einen kleinen Überblick über die wichtigsten Dienste:

Die Jugend des Deutschen Alpenvereins (JDAV) betreibt zudem mit Check Your Risk (CYR) eine Kampagne, die Neulingen das richtige Verhalten im Schnee nahebringt.

Zum Abschluss wünschen wir allen Lesern viele schöne, unfallfreie Bergtage bei bestem Wetter!

Brauchst Du noch eine neue Regenjacke für Deine nächste Tour?

Weiterlesen:

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
wpDiscuz