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Der Mythos vom Mythos

La Sportiva Mythos und Mythos Eco: Kletterschuhe im Test

8 Minuten Lesezeit
Der Mythos ist ein Klassiker unter den Kletterschuhen von La Sportiva. Jetzt gibt es diesen Kletterschuh auf in einer Öko-Variante, als Mythos Eco. Markus Stadler hat die zwei Varianten getestet und verglichen.

Für das Bergzeit-Magazin darf ich den neuen Kletterschuh Mythos Eco von La Sportiva testen. Dieses Kletterschuhmodell ist baugleich mit dem seit Jahrzehnten bewährten La Sportiva Mythos, besteht aber aus umweltfreundlichen Materialien. Mit dem klassischen Mythos klettere ich schon seit vielen Jahren und habe schon mehrere Paare davon verbraucht – entsprechend gespannt bin ich, ob sich die beiden Versionen unterscheiden.

Vergleich: Was ist beim Mythos Eco anders?

Was ist der Unterschied auf dem Papier zwischen dem normalen Mythos und der Eco-Variante? Beim Eco wird während des gesamten Produktionsprozesses darauf geachtet, die Umweltbelastung zu minimieren. Der La Sportiva Mythos Eco besteht zu 95 Prozent aus wiederverwertbaren Materialien. So besteht der Schuh aus:

  • biolgisch abbaubarem Perwanger-Leder, welches metallfrei gegerbt wurde.
  • einer Gummimischung, die aus den Gummi-Resten der La-Sportiva Produktion gewonnen wird.
  • Auch der verwendete Kleber basiert umweltfreundlich auf Wasser.

Rundum hinterlässt der Kletterschuh einen geringen ökologischen Fußabdruck.

Die richtige Größe beim La Sportiva Mythos (Eco)

Der La Sportiva Mythos mit seinem Öko-Bruder Mythos Eco. | Foto: Markus Stadler

Zwei Kartons von La Sportiva mit Kletterschuhen treffen bei mir ein – einmal der klassische Mythos, die zweite Schachtel enthält den neuen Mythos Eco. Obwohl ich schon seit einer gefühlten Ewigkeit „Mythos-Kletterer“ bin, überrascht mich immer wieder aufs Neue, wie eng ich den Schuh benötige. Meine normale Schuhgröße ist 45,5 – für den Mythos hat sich Größe 42 für mich als ideal herauskristallisiert, da sich der Kletterschuh extrem stark weitet.

Irgendwann, kurz bevor die Sohle durch ist, muss ich sogar dünne Socken anziehen und kann trotzdem ohne Schmerzen zehn Seillängen am Stück oder mehr klettern. Ganz anders im Neuzustand: Gerade so zwänge ich meine Füße barfuß in die Schuhe und ziehe sie nach einer Minute wieder aus. In dieser Hinsicht ist kein Unterschied zwischen Mythos Eco und Mythos Classic festzustellen. Beide Kletterschuhe fallen exakt identisch groß aus. Nachdem ich meinen Zehen zu große Unannehmlichkeiten ersparen möchte, wiederhole ich das Spiel bis zum ersten Einsatz am Fels noch fünf bis sechs Mal daheim in der Wohnung und steigere die Tragedauer langsam auf zehn Minuten.

Mit der Zeit, das weiß ich aus meiner Erfahrung, wird sich die Passform der Kletterschuhe an meine Füße anpassen.

La Sportiva Mythos Eco beim alpinen Sportklettern

Premiere der Mythos Eco in der Wallfahrt an der Steinplatte. | Foto: Markus Stadler
Premiere der Mythos Eco in der Wallfahrt an der Steinplatte. | Foto: Markus Stadler

Eigentlich klettere ich neue Schuhe in der Halle oder im Klettergarten ein, aber diesmal ergibt es sich anders. Mit Martin geht’s zur Steinplatte, wo wir die Route Wallfahrt klettern (acht Seillängen anhaltend im 6. und 7. Grad, haupsächlich steile Platten und Wandkletterei). Die Wahl fällt auf den Mythos Eco als Kletterschuh. In der ersten Seillänge im Nachstieg fühlen sich die Schuhe noch extrem klobig an. Im Hinterkopf hab ich das Feeling meines völlig abgekletterten und ausgelatschten alten Mythos, wo zwischen Zeh und Fels höchstens noch ein Milimeter Gummi und die dünne 1,1 Millimeter Zwischensohle übrig sind. Mit der fabrikneuen Vier-Millimeter-Sohle komme ich mir anfangs vor als ob ich mit steigeisenfesten Bergschuhen klettere.

Nach der Schlüsselseillänge fange ich langsam an, mich an die dicke Sohle zu gewöhnen. Auf einer längeren, fußtechnischen Plattenpassage fühle ich mich schon fast wieder so sicher wie mit den „alten Schuhen“. Vor allem im anschließenden Riss bin ich aber froh, dass die neuen La Sportiva Mythos Eco Kletterschuhe in den Klemmstellen etwas mehr Widerstand bieten. An den Standplätzen schlüpfe ich noch aus den Schuhen heraus und komme so ohne schmerzende Zehen bis zum Ausstieg.

Beim nächsten Einsatz in den jeweils fünf Seillängen langen Routen „November Sun“ (7-) und „Via Max“ (7+) im Wilden Kaiser sind sowohl die Sensitivität als auch der Komfort nochmal etwas verbessert.

Vergleichstest: Mythos vs. Mythos Eco im Klettergarten

Bei der nächsten Testtour geht es um die Unterschiede in der Performance des Mythos Classic und Mythos Eco. Als Testumgebung wähle ich mir mein Lieblingsgebiet, die Bixlwand am Sudelfeld. Die Kletterei ist hier sehr fußtechnisch und mit der Steigklemme gesichert kann ich mich in den 40 Meter lange Routen voll auf die Schuhe konzentrieren – perfekte Bedingungen für einen Grip-Test also.

La Sportiva Mythos Eco links und rechts die klassiche Variante des Kletterschuhs beim direkten Vergleich. | Foto: Markus Stadler
La Sportiva Mythos Eco links und rechts die klassiche Variante des Kletterschuhs beim direkten Vergleich. | Foto: Markus Stadler

Im ersten Durchgang klettere ich eine Route im Grad 6+ mit vielen flachen Dellen, Tropflöchern und Reibungstritten zweimal hintereinander. Zuerst mit dem Mythos Classic (der noch nicht eingeklettert ist) und danach mit dem Mythos Eco, der immerhin schon die „Wallfahrt“ hinter sich hat. Diese Tatsache ist dann auch merkbar – der Eco ist bereits recht bequem und auch schon geschmeidiger, während im werksneuen „Classic“ eher Skischuhfeeling zu verspüren ist. Bei sehr warmen Temperaturen wird letztererdaher  im Anschluss noch eine Route beansprucht und durchgeknetet.

Dann klettere ich eine 7+ mit gemischten Schuhen, also links den Classic, und rechts den Eco. An einer Reibungsstelle am Ausstieg rutscht mir der rechte Fuß einmal weg und ich versuche den Reibungstritt abwechselnd rechts und links zu testen. Dabei kommt es mir vor als ob der rechte Fuß mit dem La Sportiva Myhtos Eco schlechter hält als der linke, was aber auch an der Belastungsrichtung liegen könnte. Daher wird die gleiche Route im Anschluß nochmal mit Eco links und Classic rechts geklettert. Wieder hält der rechte Fuß (diesmal aber mit dem Mythos Classic) schlechter, also lag es wohl nicht am Schuh. Ansonsten muss ich wieder einmal feststellen, dass gerade für die Kletterei an der Bixlwand – rauhe bis glatte Reibungstritte, runde Dellen – der Mythos von La Sportiva allgemein perfekt ist.

Welchen Fels mag der Mythos und welchen nicht?

Um den neuen Schuhen etwas mehr Zeit am Fels zu gönnen, ging es über Pfingsten für zwei Wochen nach Oltrefinale. Bei unseren Familienurlauben wird meist zwischen Klettern und Kinderbespaßung gewechselt, so dass sich ein Zwei-Tages-Kletterrhytmus ergibt, was in zwei Wochen immerhin rund acht volle Klettertage bedeutet. Den Hauptteil des Urlaubs verbrachten wir in den leisten- und sinterlastigen Routen des Val Pennavaire, wo der La Sportiva Mythos Eco meist noch gut einsetzbar ist.

Auch im Überhang schlägt sich der Mythos gar nicht so schlecht: hier kann man sich regelrecht mit den Zehen einkrallen. | Foto: Markus Stadler
Auch im Überhang schlägt sich der Mythos gar nicht so schlecht: hier kann man sich regelrecht mit den Zehen einkrallen. | Foto: Markus Stadler

Durch die fehlende Vorspannung und die symmetrische Form mit der breiten, runden Fußspitze stößt er dort an Grenzen, wo sehr kleine Kanten und insbesondere kleinere Löcher angetreten werden müssen. Mit letzteren musste ich mich am letzten Urlaubstag in Finale Ligure auseinandersetzen.

Auch für die meisten Hooks finde ich ihn weniger geeignet, dafür ist die Ferse einfach nicht wirklich ausgelegt. Und beim schweren Bouldern müssen die Züge schon sehr speziell sein, dass der Mythos hilft.

Wenn man den Mythos erstmal gewöhnt ist und über solide Zehenkraft verfügt, halten sich die Einschränkungen in Grenzen. So kommt es, dass ich auch beim Sportklettern zu 80 Prozent mit dem Mythos klettere – einfach, weil er der mit Abstand bequemste Schuh für mich ist. Ist die Sohle erstmal zu rund der Hälfte abgeklettert, wird der Schuh so weich, dass sich in steilen Routen die meisten Tritte gut „greifen“ lassen, obwohl der Schuh ohne jeglichem Downturn daher kommt. Man kann damit also je nach Felsstruktur durchaus auch sehr schwere Routen klettern – entgegen der Meinung, dass der Mythos nur was fürs Alpine sei. Wer es nicht glaubt, kann sich die Fotos von Alexander Hubers Solobegehung des „Kommunist“ (10+) am Schleierwasserfall ansehen …

Test-Fazit zum Mythos (Eco)

Klassiker fürs Mehrseillängenklettern: der Mythos. | Foto: Markus Stadler
Klassiker fürs Mehrseillängenklettern: der Mythos. | Foto: Markus Stadler

Zwei Punkte sind also festzuhalten:

  1. Der Mythos ist der Klassiker für alle, die lange in ihren Kletterschuhen aushalten müssen (Mehrseillängen, Kurse, Kletterhalle) und die wenig Wert auf Vorspannung, Downturn & Co. legen. Alles in allem ein Schuh, von dem ich für Mehrseillängenrouten oder das Klettern bis zum 7. oder 8. UIAA-Schwierigkeitsgrad seit langem überzeugt bin. Und speziell auf Reibungsplatten ist der Schuh unschlagbar. Stärken und Schwächen findet ihr in der Tabelle unten. Für Anfänger sind beide Kletterschuhe gut geeignet, weil sie relativ bequem sind und recht direkte Rückmeldung geben. Allerdings erfordern sie auch einiges an Zehenkraft.
  2. Gibt es also einen spürbaren Unterschied zwischen dem „normalen“ Mythos und dem Mythos Eco? Ich habe keinen bemerkt. Der Mythos Eco besteht aus umweltfreundlich gegerbtem Leder, Kleber auf Wasserbasis und eine Sohle aus recycelten Gummi – an Performance büßt er dadurch nicht ein. Preislich macht das einen Unterschied von 20 Euro.

Vor- und Nachteile des La Sportiva Mythos (Eco) auf einen Blick

Die Stärken und Schwächen des La Sportiva Mythos bzw. Mythos Eco sind meiner Meinung nach folgende:

Vorteile Nachteile
  • Passt sich sehr stark an, daher je nach Fußform und etwas Einkletterzeit oft sehr bequem und gut für lange Touren im Gebirge geeignet.
  • Weitet sich extrem stark, wird also irgendwann zu weit für schwerer Touren.
  • Ideal auf Platten und fürs Reibungsklettern.
  • Die breite, runde Spitze erschwert präzises Antreten und man kommt damit nicht in kleine Löcher.
  • Sehr weich, daher trotz fehlendem Downturn auch im steilen Gelände brauchbar.
  • Sehr gerader Schnitt – je nach Fußform daher evtl. seitlicher Druck auf den Großzeh oder Luft vor den kleinen Zehen. Wenig Kantenstabilität, besonders bei schon etwas abgekletterter Sohle.

Mehr zum Thema Klettern im Bergzeit Magazin:

Welche Erfahrungen hast Du mit dem Mythos gemacht? Schreib uns einen Kommentar!

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