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Wenn viel Schutz nichts wiegt

Patagonia Houdini Jacket im Test

5 Minuten Lesezeit
Patagonia nennt sein Houdini Jacket die "führende Jacke für den Laufsport". Bewährt sich die federleichte Jacke als Schutz gegen Wind und Wetter? Peter Fobe hat den Härtetest gemacht.

Klingt wie Zauberei, ist aber durchaus real. Doch wer „Houdini“ hört, denkt zunächst wahrscheinlich an den Entfesselungskünstler Harry Houdini. Wer „Houdini“ und „Jacke“ hört, mag vielleicht noch an die Zwangsjacken denken, aus der sich der Magier bei seinen verrückten Nummern unter Wasser oder über Abgründen baumelnd befreit und seinen Zuschauern damit den Atem geraubt hat. Danach jedoch erschöpfen sich die Zusammenhänge zwischen beiden Begriffen. Es sei denn, man schaut sich einen Bekleidungsklassiker der kalifornischen Outdoor-Marke Patagonia genauer an: das federleichte Patagonia Houdini Jacket im Test.

Eine Jacke für fast alle Aktivitäten

Patagonia Houdini Jacket im Test
Selbst bei schweißtreibenden Aktivitäten transportiert die Jacke Körperwärme zuverlässig nach draußen. | Foto: Peter Fobe

Klar, niemand braucht eine Jacke, um sie auszuziehen. Im Gegensatz zum Lebenswerk ihres Namensgebers geht es beim Patagonia Houdini Jacket auch nicht ums Entfesseln, sondern ums Anziehen. Und zwar dann, wenn das Wetter umschlägt. Wenn der Wind aufkommt, wenn der Regen sprüht oder wenn ein kurzer Graupel- oder Schneeschauer das Midlayer-Fleece zu durchnässen droht. Genau dann hat das Houdini Jacket seinen großen Auftritt. Und das bei so ziemlich allen Outdoor-Aktivitäten, die man sich vorstellen kann, egal ob Wandern, Laufen, Ski- oder Radfahren, Klettern, Paddeln oder einfach bei der Gartenarbeit.

Einladend und abweisend zugleich

Schnitt und Passform des Patagonia Houdini Jacket sind aus meiner Sicht perfekt. So leger wie nötig, um darunter noch Funktionsunterwäsche und bei Bedarf sogar ein wärmendes Fleece zu tragen, und so sportlich-anliegend wie möglich, um auch ohne viel drunter nicht den cW-Wert eines Einmannzeltes zu erreichen. Die Kapuze bietet zwar keinen Schirm und ist auch nicht helmtauglich, sitzt aber sehr gut, lässt viel Sicht nach beiden Seiten zu und kann mit nur einer Hand in der Weite reguliert werden. Kleines aber feines Detail: Die Ärmel sind auf dem Handrücken etwas länger als am Handballen, sodass selbst bei ausgestreckten Armen kaum Haut frei liegt. Die Bündchen sitzen angenehm eng und lassen noch genug Raum für Handschuhe. Kurzum: Mir fällt keine Aktivität ein, bei der die Jacke nicht getragen werden könnte. Das winddichte, wetterfeste und trotzdem atmungsaktive Ripstop-Nylon mit DWR-Imprägnierung (Durable Water Repellent) sorgt für den Rest.

Luft und Liebe für lange Läufe

Den größten Pluspunkt des Patagonia Houdini Jacket merkt man kaum: das Gewicht! Patagonia selbst gibt schon ultraleichte 113 Gramm an, das Testmodell in Größe M brachte gerade einmal 107 Gramm auf die tarierte Briefwaage. Das ist praktisch nichts für eine Jacke, die Outdoor-Sportler in den meisten Wetterlagen Mitteleuropas zuverlässig schützt. Zudem ist das DWR-imprägnierte 15-Denier Ripstop-Gewebe aus 100 Prozent Nylon trotz seiner sagenhaften Leichtigkeit (41 g/qm) robust genug, um auch auf engen Trails mit Baum- und Strauchkontakt und selbst beim moderaten Klettern nicht schlapp zu machen.

Minimalismus hat aber auch Grenzen

Patagonia Houdini Jacket im Test
Die Brusttasche dient zugleich als Packbeutel, um das Fliegengewicht immer dabei zu haben. | Foto: Peter Fobe

Natürlich bietet ein so konsequent auf Lightweight getrimmtes Kleidungsstück kaum Platz für zusätzliche Features. Sehr gut gefällt der ebenfalls DWR-imprägnierte, leichtlaufende Front-Reisverschluss mit Kinnabdeckung. Taschen? Exakt eine auf der linken Brust. Diese bietet Platz für maximal ein bis zwei Riegel oder Gels oder einen kleinen MP3-Player, während gängige Smartphones den Rahmen sprengen. Als Packesel ist das Teil aber auch nicht gedacht. Mir persönlich ist der Reißverschluss der Tasche etwas zu klein geraten und lässt sich beim Laufen meist nur mit beiden Händen bedienen. Sehr praktisch: Die Tasche dient zugleich als Beutel, in den sich die Jacke „hineinkrempeln“ und der sich über eine Schlaufe am Rucksack oder Gürtel befestigen lässt.

Zur Weitenregulierung kommt das Patagonia Houdini Jacket neben dem Gummizug in der Kapuze noch mit einem zweiten im Saum der Jacke daher. Beim getesteten Modell saß dieser jedoch nicht fest genug und löste sich bereits bei leichtem Zug am Jackensaum wieder. Zwar passt mir die Jacke so gut, dass mich das nicht stört. Wo das nicht der Fall ist, wäre ein Kordelstopper mit mehr „Biss“ wünschenswert. Darüber hinaus bietet die Jacke zwei kleine reflektierende Logos, einmal auf der Brusttasche und einmal im Nacken. Letzteres ist aber nur dann erkennbar, wenn man die Kapuze aufgesetzt hat. Links oder rechts auf der Schulter oder etwas weiter unten am Rücken wäre dieses Logo sinnvoller platziert.

Wissen, was man trägt

Patagonia Houdini Jacket im Test
Die Passform ist sportlich, ohne einzuengen, und erlaubt zusätzliche Kleidung darunter. | Foto: Peter Fobe

Abschließend soll auch ein Aspekt erwähnt werden, der mit der Performance der Jacke zwar nichts zu tun hat, in Zeiten anonymer Billigproduktion allerdings trotzdem einen Ausschlag zum Kauf geben kann oder sollte. Patagonia ist seit Jahrzehnten eine der führenden Marken, wenn es darum geht, Produkte nach ökologisch und sozial verträglichen, nachhaltigen Standards zu produzieren. So erfährt man, dass das Houdini Jacket aus der vietnamesischen Näherei Youngone Namdinh Co., Ltd. stammt, wo nicht nur seit 2006 nach Patagonia-Standards produziert wird, sondern wo die Mitarbeiter auch von einem beispielhaften Sozialprogramm mit medizinischer Versorgung und einer kostenlosen Kantine profitieren. Das allein macht die Jacke zwar nicht besser, wohl aber unsere Welt.

Fazit zum Patagonia Houdini Jacket: Anziehen und vergessen, dass sie da ist

Patagonia selbst nennt sein Houdini Jacket die „führende Jacke für den Laufsport“. Dem ist nichts entgegen zu setzen und man könnte noch diverse andere Sportarten dazu nennen. Als minimalistische Lightweight-Jacke hat sie natürlich ihre Grenzen in Sachen Wetterschutz und Belastbarkeit. Hat man sich aber daran gewöhnt, dass man der Jacke trotz ihres Fliegengewichts vergleichsweise viel zumuten kann, gibt es kaum noch Gründe, sie nicht mit auf Tour zu nehmen. Das gilt vor allem bei schweißtreibenden Aktivitäten im Herbst und Winter. Denn egal ob man sie trägt oder nicht, man vergisst, dass sie da ist

 

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