Der Markt an Kinderkraxen ist überschaubar und doch gibt es hinsichtlich Ausstattung und Komfort einige Unterschiede, die sich letztlich auch Preis der Tragen sichtbar werden. Unser Marktüberblick klärt, wo und wie sich die Extras zu Buche schlagen.

180 Euro Preisunterschied liegen aktuell (Stand Mai 2017) zwischen der günstigsten Kindertrage im Bergzeit Sortiment und der teuersten. Doch was unterscheidet die Osprey Poco AG Premium von der Deuter Kid Comfort Air? Und ist der Preisunterschied gerechtfertigt?

Naaaa, schaut das kuschelig aus? Kindertragen bieten heute Kind und Träger den größtmöglichen Komfort. | Foto: Deuter
Naaaa, schaut das kuschelig aus? Kindertragen bieten heute Kind und Träger den größtmöglichen Komfort. | Foto: Deuter

Grundsätzlich haben die meisten Hersteller hochwertiger Kindertragen mehrere Modelle im Sortiment, die für unterschiedliche Einsatzbereiche optimiert sind: Im oberen Preissegment liegt der Fokus auf einer vollständigen, möglichst komfortablen Ausstattung mit großeren Zuladungskapazitäten – ideal für längere Touren bei jedem Wetter und mit mehr Gepäck. Allerdings geht mit diesen Tragen in der Regel ein höheres Gesamtgewicht einher. Mit dem Gewicht reduziert sich zwar meist der Preis aber auch die Möglichkeit der Zuladung – und teilweise auch der Umfang der Ausstattung. So sind bei manchen günstigeren Modellen zum Beispiel Sonnendach, Regenschutz oder Kopfstütze separat erhältlich, was insbesondere dann interessant ist, wenn die Kraxe vorwiegend für kurze Touren und Spaziergänge genutzt wird.

Kindertragen Basics

In unserem Marktüberblick haben wir uns die unterschiedlichen Kraxen nach Marken genauer angesehen und verraten Euch, wo innerhalb einer Serie die Unterschiede liegen und wie die Modelle grundsätzlich einzuordnen sind.

Bergans Kids Trekking & Lilletind

Die robuste Kids-Trekking ist das Aushängeschild von Bergans. Sie bietet auch größeren Kids noch ordentlich Platz. | Foto: Bergans
Die robuste Kids-Trekking ist das Aushängeschild von Bergans. Sie bietet auch größeren Kids noch ordentlich Platz. | Foto: Bergans

Bergans hat mit der Kids Trekking und der Lilletind zwei Kindertragen in unterschiedlichen Preisklassen im Programm: Die Kids Trekking spielt aufgrund einer sehr kompletten, komfortablen Ausstattung im High-End-Bereich eine Rolle: Verstellbares Rückensystem, mitwachsender Sitz, Steigbügel, Sonnen- und Regendach und ein abnehmbarer Daypack – die Kids Trekking bietet das Komplettpaket und eignet sich auch gut für den Transport größerer Kinder. Sie fällt mit 3,8 Kilo als eine der schwersten Tragen aber auch stärker ins Gewicht. Ein Alleinstellungsmerkmal dieser Kraxe sind die hohen, seitlichen Kopfstützen. Eine günstigere und etwas leichtere Alternative der Norweger ist die Bergans Lilletind: Als leicht abgespeckte Variante kommt sie dennoch mit einer sehr wertigen Komplettausstattung daher.

  • Hinweis: Bergans emfielt die Nutzung seiner Kindertragen frühestens ab dem freien Sitzen und gibt als Richtwert etwa neun Monate und sieben Kilo Körpergewicht an. Das Höchstgewicht für Kinder legt Bergans bei 17 Kilo und etwa vier Jahren fest.

Deuter Kid Comfort Kindertragen

Der deutsche Rucksack-Hersteller Deuter war lange der Platzhirsch in Sachen Kindertragen. Auch bei Deuter sind die unterschiedlichen Modelle für verschiedene Zielgruppen ausgerichtet, wobei ein möglichst hoher Nutzer-, Trage- und Sitzkomfort sowie eine kompromisslose Qualität bei allen Deuter-Kraxen im Fokus stehen: Die Kid Comfort 3 setzte über Jahre den Standard und wurde in Sachen Komfort und Ausstattung laufend verbessert. Mit Komplettausstattung bietet diese Kraxe das Rundum-Sorglos-Paket im High-End-Bereich. Die hohe Kopfstütze lässt die Trage wuchtiger wirken als manch anders Modell, schützt und stützt jedoch den Kinderkopf und -nacken.

Die günstige und leichte Kid Comfort Air spricht mit dem luftigeren Aircomfort-Tragesystem eher die sportlichen Minimalisten an, die mit wenig Zuladung und Extras am Berg zurecht kommen.

Die Kid Comfort 2 rangiert im Bereich dazwischen und vereint moderates Gewicht mit einer funktionalen Ausstattung – Sonnendach und Regenschutz müssen hier (wie bei der Kid Comfort Air) aber extra nachgerüstet werden. Alle Deuter-Tragen sind mit dem Kid Comfort Sitzsystem ausgestattet, das sich hinsichtlich Sitzhöhe und Sitzpolsterbreite und Fußstützenhöhe an die Größe des Kindes anpassen lässt. Auch Rückenlänge und Hüftgurt sind bei allen aktuellen Deuter-Kraxen stufenlos und einfach verstellbar.

  • Hinweis: Deuter-Kraxen sind für maximal 22 Kilo Zuladung ausgelegt. Deuter geht dabei von maximal 18 Kilo Körpergewicht und vier Kilo Gepäck aus.
  • Lesetipp: Testbericht: Deuter Kid Comfort III

Osprey Poco AG Serie

Bei Osprey ist ein integrierter Sonnen- und Regenschutz Standard. Die clevere Konstruktion verschwiendet einfach und platzsparend in der Konstruktion. | Foto: Osprey
Bei Osprey ist ein integrierter Sonnen- und Regenschutz Standard. Die clevere Konstruktion verschwiendet einfach und platzsparend in der Konstruktion. | Foto: Osprey

Die Poco AG Serie der kalifornischen Rucksackexperten von Osprey wurde zum Sommer 2016 generalüberholt – seither bieten die sehr hochwertigen Kraxen hinsichtlich Kindersitz und Tragekomfort alles, was man sich wünschen kann. Kennzeichen der neuen Serie ist das Kürzel AG für AntiGravity, ein dreidimensionales, leicht einstellbares Trage- und Hüftgurtsystem aus luftigem Mesh-Gewebe. Dieses kommt bei allen drei aktuellen Osprey-Modellen – Poco AG, Poco AG Plus und Poco AG Premium – baugleich und ohne Abstriche zum Einsatz.

Gleiches gilt für das einstellbare Kindersitz-System, das im Vergleich zu anderen Kraxen eher schmal bemessen ist. Alle drei Poco AGs bieten eine sehr komplette und benutzerfreundliche Ausstattung und sind daher nicht zu Unrecht im oberen Preissegment angesiedelt. Ein Highlight ist der integrierte, leicht verstaubare Sonnenschutz, der bei Nicht-Gebrauch einfach in der Konstruktion verschwindet. Eine Regenhülle ist bei allen Osprey-Modellen enthalten. Mit dem Modellnamen innerhalb der Poco-AG-Serie wächst auch die Zulademöglichkeit aber auch das Gesamtgewicht und der Preis: Von der kompakten Poco AG mit „nur“ 20 Litern und ca. 3,1 Kilo bis zu den 39 Liter bei der geräumigen Poco AG Premium samt abnehmbarem Daypack (ca. 3,8 Kilo).

  • Hinweis: Auch die Osprey-Kraxen sind für eine maximale Traglast von 22 Kilo ausgelegt. Angaben zum Maximalgewicht des Kindes gibt es keine.
  • Lesetipp: Testbericht: Osprey Poco AG Premium

Salewa Koala 2

Mit drei Kilo gehört die Salewa Koala 2 zu den leichtesten und mit 225 Euro zu den günstigsten Kinderkraxen am Markt. Dabei bietet die Trage mit einem einstellbaren Rücken- und Sitzsystem nicht nur die wichtigsten Standards, sondern auch ein integriertes, verstaubares Sonnendach und eine Regenhülle sowie einen abnehmbaren und waschbaren Kinnschutz. Einziges Manko: Die Koala 2 ist derzeit nicht mit Steigbügeln ausgestattet. Wer darauf Wert legt sollte sich nach einem anderen Modell umsehen oder selber kreativ werden.

  • Hinweis: Die Salewa Koala 2 ist für eine maximale Zuladung von 20 Kilo ausgelegt – dies gilt gleichzeitig als Obergrenze für das Körpergewicht des Kindes.

Thule Sapling und Sapling Elite

Auch die Thule Sapling Elite punktet mit Vollausstattung. | Foto: Thule
Auch die Thule Sapling Elite punktet mit Vollausstattung. | Foto: Thule

Auch bei Thule beschränken sich die Unterschiede zwischen Sapling und Sapling Elite vorwiegend auf die Möglichkeit der Zuladung und kleinere Ausstattungsdetails. So ist die Elite-Variante – wie viele andere High-End-Modelle auch – mit einem abnehmbaren Daypack ausgestattet und daher 300 Gramm schwerer und etwas teurer als die Sapling. Insgesamt liegen die Thule-Kraxen eher am oberen Ende der Gewichtsskala.

Beide Thule-Modelle überzeugen durch ein modernes Design mit hoher Nackenstütze, einer komfortablen Ausstattung (seitl. Einstieg möglich) mit leichtgängigen Einstellmöglichkeiten für Träger und Kind. Trotz geräumiger Fahrgastkabine sind die Dimensionen der Kraxe vergleichsweise schlank. Die zweibeinige Standfußlösung ist ein Alleinstellungsmerkmal der Schweden. Ein aufsteckbares Regendach ist sind ebenso wie ein Rückspiegel bei beiden Modellen mit dabei.

  • Hinweis: Nach Empfehlung von Thule sollte das Kind vor dem Einsatz der Kindertragen selbständig aufrecht sitzen und mindestens 7,3 Kilo wiegen. Die maximale Zuladung (Gewicht von Kind und mitgeführter Ausrüstung) liegt bei 22 Kilo.

Vaude Shuttle-Serie

Das Sorglos-Paket bei Vaude ist die Shuttle Premium. Die Trage inkludiert alle Extras, die bei den beiden anderen Vaude-Modellen separat nachgerüstet werden können. | Foto: Vaude
Das Sorglos-Paket bei Vaude ist die Shuttle Premium. Die Trage inkludiert alle Extras, die bei den beiden anderen Vaude-Modellen separat nachgerüstet werden können. | Foto: Vaude

Vaude hat mit der Shuttle-Serie aktuell ebenfalls drei Kraxen-Modelle am Start, die von Base über Comfort bis zu Premium hinsichtlich Gewicht, Zuladung, Ausstattung und Preis aufeinander aufbauen.

Auch hier sind alle drei Modelle hinsichtlich Rücken- und Sitzsystem an die Größe von Träger und Kind anpassbar, beim Blick aufs Detail sind aber Unterschiede sichtbar: Mit nur 2.560 Gramm ist die Shuttle Base ein echtes Leichtgewicht. Vaude setzt hier auf ein leichteres und luftigeres Mesh-Rückensystem.

In der Fahrgastkabine gibt’s hinsichtlich Kopfstützen und Polsterung Abstriche beim Komfort, was speziell bei Kleinkindern, die noch viel in der Kraxe schlafen, berücksichtigt werden sollte. Ein Tipp ist die Shuttle Base dennoch für sportliche Minimalisten die gerne mit „leichtem“ Gepäck unterwegs sind, insbesondere wenn der Nachwuchs bereits größer ist und nicht über längere Zeit in der Kraxe einschläft. Shuttle Comfort und Shuttle-Premium sind hingegen nahezu baugleich, wobei die Premium-Variante bereits alle Extras inkludiert, die sowohl beim Comfort- als auch beim Base-Modell separat nachgerüstet werden können: Sonnendach, Regendach, Kopfstütze und waschbares Kinnpolster.

  • Hinweis: Die Kraxen der Vaude Shuttle-Serie sind für Kinder bis maximal 18 Kilo ausgelegt. Die angegebene Höchstzuladung liegt bei 22 Kilo.

Gesondert zu betrachten ist die Vaude Wallaby, eine Kinderkraxe die explizit auf ein Minimalgewicht von unter zwei Kilo getrimmt wurde und speziell durch ihren günstigen Preis ins Auge fällt. Verbunden ist dies mit einigen Abers: wenig Komfort fürs Kind, eine maximale Gesamtzuladung von nur 14 Kilo und – damit verbunden – eine maximale Nutzungsdauer bis etwa zwei Jahre.

Fazit zum Marktüberblick Kindertragen

Holzklasse, Mittelklasse, Komfortklasse? So einfach lassen sich die Kindertagen der verschiedenen Hersteller nicht einsortieren. Denn mittlerweile ist klar: Der Tragekomfort muss stimmen, daher ist eine einstellbare Rückenlänge und ein gutes Tragesystem bei hochwertigen Kinderkraxen heutzutage Standard. Und auch der Sitzkomfort für das Kind ist stark in den Fokus gerückt: Eine einstellbare Sitzhöhe, verstellbare Steigbügel sind hier Ausstattungsdetails, die sich kaum noch ein Hersteller sparen kann. Immerhin dreht es sich um das Wohlbefinden und die Gesundheit der wertvollen Fracht. Dass es trotzdem preisliche Unterschiede gibt, liegt vorwiegend an der unterschiedlichen Ausstattung.

Welche Trage hat welche Ausstattung? Hier gibt's die ausführliche Vergleichstabelle zum Download.
Welche Trage hat welche Ausstattung? Hier gibt’s die ausführliche Vergleichstabelle zum Download.

Hier machen zwar einige Hersteller Abstriche beim Sitzkomfort (geringere Polsterung und Kopfstützen), vorwiegend dreht es sich jedoch um Extras wie Zulademöglichkeiten, Sonnen- und Regenschutz, Rückspiegel und ähnliches. Wer diesbezüglich ein Komplettpaket mit allen Möglichkeiten sucht, ist im „Premium“-Segment gut aufgehoben, muss jedoch ein etwas höheres Eigengewicht und einen höheren Preis in Kauf nehmen. Wer hingegen möglichst leicht und preisgünstig unterwegs sein will, wird bei Vaude Shuttle Base und Deuter Kid Comfort Air fündig, Dazwischen liegt ein überschaubares, jedoch breites Feld. Fast jedes Modell hat unterschiedliche Vor- und Nachteile, die jeder für sich selbst abwiegen muss, um am Ende DAS passende Modell für seine Familie zu finden. Die nachfolgende Tabelle hilft bei der Übersicht. Eine ausführlichere, vollständige Tabelle mit allen Auswahlkriterien steht zum Download bereit.

 

Tabelle: Kindertragen im Vergleich

Hersteller Modell Gewicht Volumen Preis max. Gewicht Kind* max. Zuladung*
Bergans Lilletind 3.400 Gramm k. A. 229,95 Euro 17 Kilo k. A.
Bergans Kids Trekking 3.800 Gramm k. A. 319,95 Euro 17 Kilo k. A.
Deuter Kid Comfort Air 2.820 Gramm 14 Liter 219,95 Euro 18 Kilo 22 Kilo
Deuter Kid Comfort 2 3.250 Gramm 16 Liter 249,95 Euro 18 Kilo 22 Kilo
Deuter Kid Comfort 3 3.500 Gramm 18 Liter 299,95 Euro 18 Kilo 22 Kilo
Osprey Poco AG 3.130 Gramm 20 Liter 319,95 Euro k. A. 22 Kilo
Osprey Poco AG Plus 3.480 Gramm 26 Liter 369,95 Euro k. A. 22 Kilo
Osprey Poco AG Premium 3.770 Gramm 39 Liter 399,95 Euro k. A. 22 Kilo
Salewa Koala II 3.000 Gramm k. A. 224,95 Euro 20 Kilo 20 Kilo
Thule Sapling 3.300 Gramm k. A. 268,95 Euro k. A. 22 Kilo
Thule Sapling Elite 3.600 Gramm k. A. 298,95 Euro k. A. 22 Kilo
Vaude Shuttle Base 2.560 Gramm 20 Liter 224,95 Euro 18 Kilo 22 Kilo
Vaude Shuttle Comfort 3.100 Gramm 25 Liter 259,95 Euro 18 Kilo 22 Kilo
Vaude Shuttle Premium 3.760 Gramm 27 Liter 289,95 Euro 18 Kilo 22 Kilo
* Einige Hersteller geben auch ein maximales Kindesalter an. Da Größe und Gewicht bei Kindern stark variieren, empfehlen wir dies nur als sehr vaage Angabe zu verstehen und sich anhand der Gewichtsangaben zu orientieren.

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Kommentare

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Michael

Es gibt überhaupt kein Info über Gewicht oder Alter dder Kinder in der Tabelle. Dass muss ja ein der wichtigste Parameter sein?!?!

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