Die Sprengung ist eine entscheidende Maßeinheit bei Laufschuhen und maßgebend für deren Einsatzbereich. Komfortabler Allrounder für Anfänger? Minimalistisches Leichtgewicht für Profis? All das wird über die Sprengung festgelegt.

Wer an den Begriff „Sprengung“ denkt, denkt nicht zwangsläufig an Laufschuhe, sondern eher an die Beseitigung alter Gebäude oder auch harte Arbeit im Steinbruch. Derweil ist Sprengung einer der Begriffe, die auch bei der Schuhauswahl eine entscheidende Rolle spielen.

Was bedeutet Sprengung?

Die Sprengung umschreibt den Niveauunterschied zwischen dem Vor- und Rückfußbereich des Schuhs. | Foto: Saucony/Arnold Zimprich
Die Sprengung umschreibt den Niveauunterschied zwischen dem Vor- und Rückfußbereich des Schuhs. | Foto: Saucony/Arnold Zimprich

Die Sprengung bezeichnet bei Schuhen den Niveauunterschied zwischen der Ferse und dem Zehenbereich (Rück- und Vorfuß). Das hört sich zunächst belanglos an, ist aber bei Laufschuhen entscheidend für den Einsatzbereich, das Abrollverhalten und die Laufeigenschaften. In der Regel bewegt sich die Höhe der Sprengung zwischen null Millimeter (Barfußschuh) und etwa 13 bis 15 Millimeter (stark gedämpfter Einsteiger- und Allroundschuh).

War Sprengung noch vor zehn Jahren ein Begriff, den tendenziell eher Schuh- und Laufexperten während ihrer Fachsimpeleien verwendeten, ist der Begriff heutzutage in aller Munde. Denn die Angabe der Sprengung ist auch für den Endverbraucher ein entscheidendes Kriterium beim Laufschuhkauf geworden. Zählt man sich zu den eher asketischen Barfußläufern? Oder möchte man wie auf Wolke sieben durchs Gelände schweben?

Im folgenden gibt es ein paar Tipps, worauf beim Kauf eines neuen Laufschuhs im Bezug auf die Sprengung zu achten ist.

Einteilung in „Sprengungsklassen“

Um die Orientierung ein wenig zu vereinfachen, unterteilen wir die Sprengung bei Laufschuhen in drei verschiedene Klassen:

1. Schuhe mit vier Millimeter und weniger Sprengung

Vivobarefoot Primus Trail FG: Klassisches Beispiel für einen Trail-tauglichen Barfußschuh mit 0 mm Sprengung. | Foto: vivobarefoot
Vivobarefoot Primus Trail FG: Klassisches Beispiel für einen Trail-tauglichen Barfußschuh mit 0 mm Sprengung. | Foto: vivobarefoot

Schuhe mit vier Millimeter und weniger Sprengung bewegen sich hart an der Grenze zum Barfußschuh – oder wurden bereits als solcher konstruiert. Sie sorgen für ein direktes Feedback vom Boden – und auch eine sehr direkte Kraftübertragung. Das muss der Fuß mögen und  langsam daran gewöhnt werden.

ACHTUNG: Eine Ausnahme bilden stark gedämpfte Schuhe der Marke Hoka One One und anderer Hersteller, die ebenfalls mit nur wenig Sprengung auskommen können.

  • TIPP: Untrainierte Läufer sollten sich erst langsam und auf kurzen Strecken an einen Barfußschuh mit geringer Dämpfung gewöhnen – oder diese nach Möglichkeit vor dem Kauf ausprobieren.

Drei Beispiele aus dem Bergzeit-Sortiment:

2. Schuhe mit vier bis neun Millimeter Sprengung

In diese Kategorie fallen die meisten Laufschuhe auf dem Markt. Auch die Mehrzahl der Schuhe, die im (Straßen)Wettkampf zum Einsatz kommen, bewegt sich in diesem Millimeterbereich. Sie stellen sozusagen den Mittelweg zwischen Barfußschuh und stark gedämpften Einsteiger- und Komfortlaufschuh dar. Schuhe dieser Kategorie wiegen vergleichsweise wenig und sind trotzdem ausreichend bequem – echte Allrounder eben.

ACHTUNG: Auch hier gilt wieder die Ausnahme – sehr stark gedämpfte Laufschuhe der Marke Hoka One One können sich ebenfalls in diesem Millimeterbereich bewegen.

Drei Beispiele aus dem Bergzeit-Sortiment:

3. Schuhe mit mehr als neun Millimeter Sprengung

Die Sprengung ist für die Funktion eines Laufschuhs entscheidend. | Foto: Bergzeit
Die Sprengung ist für die Funktion eines Laufschuhs entscheidend. | Foto: Bergzeit

Schuhe mit mehr als neun Millimeter Sprengung fallen automatisch in die Kategorie „stark gedämpft“. Wer gerne komfortabel unterwegs ist, mit dem Laufen anfängt oder aus anderen Gründen nicht auf eine stärkere Dämpfung verzichten kann, sollte sich in dieser Kategorie umsehen.

Beispiel aus dem Bergzeit-Sortiment:

Stichwort Natural Running

In den letzten Jahren ist Natural Running – gerne auch als Barfußlauf bezeichnet – zu einem geflügelten Wort im Laufbereich geworden. Viele Sportmediziner sind sich einig – je weniger Dämpfung und je weniger Sprengung, desto besser für Fußmuskulatur und langfristig auch für den persönlichen Laufstil. Wer lange mit „herkömmlichen“, also stärker gedämpften Laufschuhen unterwegs war, sollte sich jedoch erst langsam an das Barfußlaufen herantasten. Zu schnelle Wechsel können von unangenehmen Begleiterscheinungen – wie Überbelastungen der Muskulatur und orthopädischen Problemen – geprägt sein. Wer jedoch behutsam an das Thema herangeht, wird schnell von den positiven Effekten des Natural Running überzeugt sein.

Sprengung ≠ Dämpfung

Der Hoka One One Mafate Speed ist ein stark gedämpfter Schuh mit einer vergleichsweise geringen Sprengung. | Foto: Hoka One One
Der Hoka One One Mafate Speed ist ein stark gedämpfter Schuh mit einer vergleichsweise geringen Sprengung. | Foto: Hoka One One

Ein gerne gemachter Fehler ist es, Sprengung und Dämpung gleichzusetzen. Zwar hat die Sprengung indirekt auch etwas mit der Dämpfung zu tun, da ein Schuh mit hoher Sprengung in der Regel auch über eine stärkere Dämpfung verfügt (siehe oben), trotzdem bezeichnen Sprengung und Dämpfung zwei gänzlich unterschiedliche Sachverhalte.

Die Dämpfung wird nicht (oder nur in sehr wenigen Fällen) in Millimetern angegeben und umschreibt, wie stark der Fuß durch Dämpfungselemente vor Erschütterungen geschützt wird. In diesem Sinne lässt sich die Dämpfung auch nicht messen. Eine starke Dämpfung – wie bei Schuhen der Marke Hoka One One – bedeutet aber eben nicht automatisch auch eine hohe Sprengung: Modelle wie der Mafate Speed 2 haben nur vier Millimeter Sprengung, dafür aber eine beeindruckend große Dämpfung.

Fazit: „Bist Du beschwerdefrei, bleib dabei“

Wer mit der aktuellen Sprengung und Dämpfung seiner Laufschuhe gut zurecht kommt, hat eigentlich keinen Grund, an der Konfiguration der Ausrüstung etwas zu ändern. Wer hingegen am Laufstil und/oder der Ausrüstung zweifelt, tut gut daran, sich in Sachen Schuhe umzuorientieren. Manchmal sorgen schon kleine Änderungen für eine deutliche Verbesserung. Im Zweifel hilft der Experte im Fachgeschäft – zum Beispiel in der Bergzeit Outdoor-Filiale in Gmund – mit fundiertem Rat weiter.

Alle Laufschuhe bei Bergzeit

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