Das Strahlhorn ist einer der einfacheren Viertausender in den Alpen. Ben Weiler berichtet, wie er den Aufstieg auf dem Normalweg über die Britanniahütte erlebt hat - und warum man auch für das Strahlhorn eine ordentliche Kondition mitbringen sollte.

Die Hälfte der 82 Alpen-Viertausender liegt im Schweizer Kanton Wallis. Somit lassen sich dort für alle Erfahrungsstufen abenteuerliche und abwechslungsreiche Bergtouren finden. Auch wer nicht gerade mit den prominentesten und höchsten – meist auch überlaufenen – Gipfeln wie Matterhorn (4.477 Meter) oder Dom (4.545 Meter) beginnen will, sondern den Reiz des Bergsteigens in – für europäische Maßstäbe – großen Höhen austesten und erste Erfahrungen sammeln möchte, ist hier genau richtig. Neben dem bereits vorgestellten Weissmies (4.017 Meter) gibt es im traumhaft schönen Saastal viele weitere Optionen für Einstiegsviertausender – einer davon ist neben den bekannteren und somit häufig begangenen Allalinhorn oder Lagginhorn das Strahlhorn (4.190 Meter).

Balanceakt am Gipfelgrat des Strahlhorn. | Foto: Ben Weiler
Balanceakt am Gipfelgrat des Strahlhorn. | Foto: Ben Weiler

Die korrekte Akklimatisierung

Wer nicht in den Alpen in entsprechender Höhe wohnt oder wenig Erfahrung im Bergsteigen in Höhen oberhalb von 4.000 Metern hat, dem sei eine entsprechende Akklimatisierung vor der eigentlichen Tour empfohlen. Dadurch kann sich der Körper langsam an die Belastungen gewöhnen und der Organismus an die Anforderungen anpassen kann.

Um uns zu akklimatisieren fuhren wir beispielsweise zunächst auf einer gut ausgebauten Passstraße hinauf zum Furkapass (2.429 Meter), der eine gute Stunde Autofahrt vom Saastal entfernt ist. Von dort bestiegen wir auf einem gut markierten Weg über einfaches Gehgelände in knapp zwei Stunden das Kleine Furkahorn (3.026 Meter) und genossen den – trotz der mäßigen Höhe – recht erstaunlichen Fernblick vom Gipfel, bevor wir auf dem Aufstiegsweg abstiegen und auf der Passhöhe übernachteten.

Über den Allalingletscher zur Britanniahütte

Für den abwechslungsreichen Hüttenzustieg zur Brittaniahütte (3.030 Meter), dem Ausgangspunkt für die Normalroute am Gipfeltag, gibt es zwei unterschiedliche Varianten. Zum Einen kann man sich bequem mit der Bergbahn vom autofreien Talort Saas-Fee (1.792 Meter) zur Station Felskinn (2.989 Meter) bringen lassen und in einstündiger, vergleichsweise gemütlicher Wanderung zur Hütte aufsteigen. Diese Variante spart Zeit und Anstrengung.

Der Gipfel des Klein Allalin (3.070 m) bietet eine ideale Möglichkeit zur Akklimatisierung. | Foto: Ben Weiler
Der Gipfel des Klein Allalin (3.070 Meter) bietet eine ideale Möglichkeit zur Akklimatisierung. | Foto: Ben Weiler

Wir wählen hingegen den erst 2014 neu angelegten hochalpinen Wanderweg vom Stausee Mattmark aus. Hierzu parkt man auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz direkt unterhalb des Stausees Mattmark (2.197 Meter) und beginnt den sogenannten „Glacier Trail“ am unteren, rechten Ende des Sees. Der ausgesprochen gut markierte Weg (weiß-blau-weiß) führt in mäßiger, jedoch stetiger Steigung zunächst auf den Schwarzbergchopf (2.868 Meter). Am Gipfel zeigt sich die dahinter versteckte Gletscher- und Bergwelt mit Allalingletscher, Strahlhorn, Fluchthorn und Allalinhorn erstmals in voller Pracht.

Im Anschluss werden wieder ein paar Höhenmeter zum Allalingletscher abgestiegen. Der Weg über den dort relativ spaltenarmen Gletscher, der bei guten Verhältnissen auch ohne Steigeisen und Seil begangen werden kann, ist mit zahlreichen Stangen bestens markiert; die Wegfindung wird hierdurch erheblich erleichtert. Nach einem letzten steilen Aufschwung erreicht man nach vier Stunden die gut geführte Brittaniahütte mit 120 Betten. Direkt neben der Hütte lockt das Klein Allalin (3.070 Meter) zu einem schnellen Gipfelbesuch mit schöner Aussicht ins Saastal und auf den Aufstiegsweg für den kommenden Morgen.

Der lange Weg zum Gipfel

Um 3 Uhr wird üblicherweise auf der Brittaniahütte gefrühstückt, wenn das Strahlhorn über den Normalweg bestiegen werden soll. Gegen 03:30 Uhr steigen wir im Schein der Stirnlampen von der Hütte über einen Geröllpfad hinunter zum Gletscher, wo wir Steigeisen und Seil anlegen. Im Sommer führt die Route aufgrund der vielen Spalten zunächst zu einer Moräne unterhalb des Hohlaubgrates, die in sehr einfachem Gelände übergangen wird. Von dort folgt man dem schier endlosen, mäßig steilen Weg auf dem Allalingletscher in Richtung Adlerpass (3.789 Meter), wo wir erstmals rasten und eine Frühstückspause bei bilderbuchmäßigem Sonnenaufgang einlegen.

Bei guten Verhältnissen sind die Spalten leicht zu erkennen und man kann sich gut an den Spuren anderer Seilschaften orientieren. Vom Adlerpass schlängelt sich der in der Hauptsaison gut gespurte Weg an der breiten Nordwestflanke in stets moderater Steigung bis zum Gipfelgrat. Ein kurzer, etwa 30 Meter hoher Aufschwung wird überwunden und man erreicht den Gipfelgrat und in leichter Kletterei (I) über Felsen nach ca. 5 ½ Stunden das Gipfelkreuz des ansonsten schneebedeckten Strahlhorns. Hier hat man bei gutem Wetter eine grandiose Aussicht auf das nahe gelegene Rimpfischhorn, das Monte Rosa-Gebiet mit Nordend, Dufourspitze & Co. sowie zahlreiche weitere 4.000er – darunter auch das prominente Matterhorn.

Der Abstieg erfolgt üblicherweise über die Aufstiegsroute zurück über den Adlerpass und den Allalingletscher zur Brittaniahütte. Da das Gefälle meist nur leicht ist und die Wegstrecke groß, benötigt man entgegen manch anderer Berge für den Abstieg am Strahlhorn fast genau so lange wie für den Aufstieg. Zudem sind an sonnigen Tagen um die Mittagszeit die zahlreichen Spalten des Allalingletschers deutlicher zu erkennen als am frühen Morgen. Auch beim Überqueren der Schneebrücken ist nun höchste Vorsicht geboten, da diese durch die Sonneneinstrahlung weniger tragfähig sind als beim Aufstieg. Gegen 14:00 Uhr erreichen wir die Hütte, wo wir uns noch eine Übernachtung gönnen, bevor wir am nächsten Tag zum Ausgangspunkt am Stausee Mattmark absteigen.

Fazit zur Besteigung des Strahlhorns

Gipfelerfolg am 4.190 Meter hohen Strahlhorn. | Foto: Ben Weiler
Gipfelerfolg am 4.190 Meter hohen Strahlhorn. | Foto: Ben Weiler

Das Strahlhorn ist aufgrund seines langen Auf- und Abstiegsweges ein nicht ganz so häufig begangener 4.000er in der Schweiz. Hierdurch ist in der Hochsaison meist weniger los als auf anderen Gipfeln im Saastal. Der Berg ist von den technischen Voraussetzungen betrachtet ein eher „einfacher Viertausender“, der sich gut als Einstiegsberg zum Bergsteigen in größeren Höhen in den Alpen eignet und dennoch eine ernstzunehmende hochalpine Tour darstellt. Der zugegebenermaßen lange Weg wird durch eine grandiose Aussicht mehr als gebührend entlohnt. Das Strahlhorn – ein unterschätzter Einstiegsviertausender!

Tourdaten Strahlhorn über Normalweg

  • Anfahrt: von Deutschland kommend über Basel – Bern – Thun – Spiez – Visp – Saas – Grund – Saas-Almagell – Stausee Mattmark
  • Charakter/Einordnung der Tour: Technisch unschwierige Hochtour, welche jedoch aufgrund ihrer Länge und der großen Höhe einige Anforderungen an Kondition und Höhentauglichkeit stellt.
  • Schwierigkeit: WS, nur leichte Kletterei (I) auf der Mittel-Moräne und am Gipfel
  • Länge der Tour: Stausee Mattmark – Brittaniahütte:  ca. 4 Stunden  / Brittaniahütte – Strahlhorn: ca. 5 ½ Stunden   / Strahlhorn – Brittaniahütte: ca. 4 ½ Stunden   /  Brittaniahütte – Stausee Mattmark: ca. 3 Stunden
  • Höhenmeter: Stausee Mattmark (2.197 Meter) – Brittaniahütte (3.030 Meter) –  Strahlhorn (4.190 Meter)
  • Übernachtung: Brittaniahütte SAC
  • Ausrüstung: allgemeine Hochtourenausrüstung
  • Download: GPS-Track Strahlhorn-Besteigung (per Rechtsklick + Ziel/Link speichern unter)

Anmerkung: Die GPS-Koordinaten können aufgrund manueller Eingabe bis zu +/- 50 Meter vom Routenverlauf abweichen. Für metergenaue Exaktheit übernimmt das Bergzeit Magazin kein Gewähr!

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