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Multitalent für den Kopf

Uvex P.8000 Tour Skitourenhelm im Test

5 Minuten Lesezeit
Der Uvex P.8000 Tour soll Sportler unter anderem beim Skifahren, Klettern und Skibergsteigen begleiten. Doch passt der Kopfschutz mit Dreifach-Norm auch wirklich für all diese Einsatzbereiche? Ein Multifunktionshelm-Test im Winter.
Im Test muss sich der Uvex P.8000 Tour nicht nur auf Skitour, sondern auch beim Eisklettern beweisen. | Foto: Franz Güntner
Im Test muss sich der Uvex P.8000 Tour nicht nur auf Skitour, sondern auch beim Eisklettern beweisen. | Foto: Franz Güntner

Schon der erste Blick zeigt, wo der Schwerpunkt des P.8000 von Uvex liegt – beim Skifahren. Seine Form ähnelt der eines klassischen Skihelms. Was noch auffällt: Anders als Kletterhelme oder Bikehelme verfügt der Uvex nur über kleine Belüftungsschlitze. Das verdankt er der DIN-Norm EN 1077: Um als Skihelm zertifiziert zu werden, darf die Spitze eines Skistocks nicht durch die Klimaöffnungen passen.

Wichtig ist auch die Stoßdämpfung: Ein Skihelm muss die Kräfte, die bei einem Sturz auftreten, absorbieren können. Darum sind Skihelme grundsätzlich etwas dicker als zum Beispiel Kletterhelme. Der Kopfschutz für Felsakrobaten unterliegt wiederum den Anforderungen der EN-Norm 12492. Kletterhelme müssen besonders vor mechanischen Stößen schützen, zum Beispiel bei Steinschlag. Das erfordert eine harte Außenschale. Die DIN-Norm EN 1078 für Bike- und Skatehelme stellt zudem besondere Anforderungen an das Sichtfeld, es darf durch das Tragen eines Kopfschutzes nicht eingeschränkt werden.

Es ist ein großer Spagat, den Uvex mit dem P.8000 Tour vollbringt. Zum Glück hat das Familienunternehmen aus Franken bereits einige Erfahrungen gesammelt: Schon seit 91 Jahren entwickelt die Fürther Firma Brillen und Helme – genug Zeit, um die Produkte zu perfektionieren.

Konstruktion des Uvex P.8000 Tour

Mitgeliefert werden ein dickeres und ein dünneres Inlay. Die Ohrenschützer sind ebenfalls herausnehmbar. | Foto: Franz Güntner
Mitgeliefert werden ein dickeres und ein dünneres Inlay. Die Ohrenschützer sind ebenfalls herausnehmbar. | Foto: Franz Güntner

Die verschiedenen Anwendungsbereiche verlangen eine clevere Konstruktion. Uvex setzt deshalb auf zwei verschiedene Materialien: Außen schützt eine robuste Schale aus Polycarbonat vor (Stein-)Schlägen und erhöht die Lebensdauer des Helmes, innen absorbiert eine EPS-Schicht (expandiertes Polystyrol) Stöße und isoliert gegen Kälte. Beide Werkstoffe sind dank der „In-Mould“-Bauweise untrennbar miteinander verbunden.

Ausstattung und Einstellmöglichkeiten

Doch nicht nur der technische Aspekt ist bei einem vielseitigen Helm entscheidend, auch die Trageeigenschaften müssen stimmen. So wartet der P.8000 Tour mit einem großen Lieferumfang auf. Für Frühjahrsskitouren oder den Einsatz im Sommer gibt es ein dünnes Inlay, das mit Klettverschlüssen in der Helmschale fixiert wird. Es ist waschbar und besitzt Einsätze aus Mesh. Bei sehr kalten Temperaturen im Winter kann man den Kopfschutz mit einem dickeren Inlay und Ohrschützern ausrüsten.

Mit dem Boa-Einstellsystem lässt sich der Uvex-Helm am Kopf feinjustieren. | Foto: Franz Güntner
Mit dem Boa-Einstellsystem lässt sich der Uvex-Helm am Kopf feinjustieren. | Foto: Franz Güntner

Mehrere Einstellmöglichkeiten fixieren den Helm sicher und ohne Druckstellen. Das wichtigste Feature hier ist das Boa-Einstellrad auf der Rückseite. Damit lässt sich der Helm schnell auf einen Kopfumfang zwischen 55 und 59 Zentimetern anpassen. Die Verstellung des Kinnriemens verbirgt sich gut geschützt unter einem dünnen Polster. Fazit nach dem Auspacken: Für 160 Euro bekommen Käufer einen Kopfschutz mit Premium-Ausstattung.

Auch die weitere Ausstattung des Skitourenhelms lässt keine Wünsche offen: Lüftungskanäle, Halterungen für Skibrille und Stirnlampe sowie einen Recco-Reflektor.

Praxistest auf Skitour und beim Eisklettern

Unser Debut feiern der Uvex P.8000 und ich im Eisklettergarten Osttirol. Der erste Eindruck: „Hui, ist der schwer.“ In der Sommervariante (ohne Earpads und mit leichtem Inlay) wiegt der Helm rund 360 Gramm. Damit bringt er etwa 140 Gramm mehr auf die Waage als mein bevorzugter Kletterhelm, der Petzl Meteor 4. Auch Bikehelme sind in der Regel ein gutes Stück leichter als der P.8000 Tour. In Winterausstattung steigt sein Gewicht auf rund 420 Gramm. In der Welt der Skihelme ist das allerdings ein guter Wert!

Der solide Uvex P.8000 ist zwar schwerer als die meisten Kletterhelme, für einen Skihelm ist das Gewicht jedoch optimal. | Foto: Franz Güntner
Der solide Uvex P.8000 ist zwar schwerer als die meisten Kletterhelme, für einen Skihelm ist das Gewicht jedoch optimal. | Foto: Franz Güntner

Beim Handling fällt die Befestigung der Ohrschützer eher negativ auf. Die Außenseite der beiden Pads wird mit zwei Druckknöpfen am Kinnband befestigt und mit je zwei kleinen Plastikstäbchen an der Innenseite des Helms fixiert. Drückt nun im Rucksack ein schwerer Ausrüstungsgegenstand (zum Beispiel die Wasserflasche) das Earpad nach innen, lösen sich die beiden Plastikstifte aus der Schale und man muss sie vor dem Aufsetzen den Helm erst wieder zusammenbauen. Das passierte mir im Testzeitraum recht häufig…

Der Klima-Komfort des Uvex P.8000 Tour überzeugt hingegen vollkommen. Bei leichten Minustemperaturen trug ich den Helm sowohl beim Sichern als auch beim Klettern und brauchte mir um die Wahl der richtigen Mütze keine Gedanken zu machen. Die Belüftung funktioniert sehr gut – trotz der recht kleinen Öffnungen. Diesen Eindruck bestätigt der Helm auch während mehrerer Skitouren: Bergauf war es selten zu warm und bei der schattigen Abfahrt nie zu kühl. Dabei gehöre ich zu den Menschen, die es am Kopf gerne warm mögen.

Fazit zum Uvex P.8000 Tour: Ideal für Skibergsteiger

Besonders begeistert haben mich die präzisen Einstellmöglichkeiten, das (für Skitourenhelme) geringe Gewicht und die gute Klimaregulierung, die ich allerdings nur bei winterlichen Temperaturen testen konnte. Beim Klettern im Sommer werden die Belüftungsmöglichkeiten des P.8000 Tour an ihre Grenzen stoßen, da bin ich mir ziemlich sicher.

Insbesondere für Skibergsteiger, die abseits der Skigebiete unterwegs sind, ist der als Ski-, Kletter- und Bikehelm genormte Uvex P.8000 Tour eine praktische Lösung. | Foto: Franz Güntner
Insbesondere für Skibergsteiger, die abseits der Skigebiete unterwegs sind, ist der als Ski-, Kletter- und Bikehelm genormte Uvex P.8000 Tour eine praktische Lösung. | Foto: Franz Güntner

Die Mehrfach-Zertifizierung als Ski- und Kletterhelm erweist sich in der kalten Jahreszeit als sehr praktisch. Wer die Skitour mit einer Klettereinlage verbindet, muss weder auf einen vollwertigen Steinschlag-, noch auf einen ausgezeichneten Skihelm verzichten.

Auch „Gelegenheitstäter“ sollten einen Kauf des Uvex P.8000 in Erwägung ziehen: Outdoor-Sportler, die als Biker oder Kletterer nur sehr selten unterwegs sind, im Winter aber jedes Wochenende auf den Skiern stehen, können so auf zusätzliche Helme für ihre Sommerhobbys verzichten. Wer in seiner Freizeit allerdings am liebsten auf dem Fahrrad oder/und in der Wand herumhängt, sollte sein Geld in spezielle Kletter- und Bikehelme investieren. Sie sind leichter und verfügen über große, sommertaugliche Belüftungsöffnungen.

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