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Skitouren richtig planen: 7 Tipps vom Experten

8 Minuten Lesezeit
Gut geplant ist halb gewonnen: Das ist auch beim Skitourengehen so. Wie Du eine Skitour richtig planst, damit Du sicher und umweltfreundlich unterwegs bist und viel Spaß bei Aufstieg und Abfahrt hast, verrät Dir unser Skitouren-Experte Markus Stadler.

Jeder Tourengeher träumt davon, durch unberührte Winterlandschaften zu spazieren und in staubendem Pulverschnee talwärts zu cruisen. Skitouren sind allerdings kein All-Inclusive-Bespaßungsprogramm, das auf Knopfdruck funktioniert. Wer eigenverantwortlich auf Skitour losziehen möchte, ist gut beraten, penibel zu planen. Zum einen ist das ratsam, um sicher unterwegs zu sein und gesund wieder nach Hause zu kommen. Zum anderen kannst Du bei der Planung bereits viele Fehler vermeiden, die auf der Tour zum Ärgernis werden können. Und: Wer gut plant und dabei versucht, das Skitourengehen möglichst nachhaltig zu gestalten, tut auch der Natur einen Gefallen.

Der Traum jedes Skitourengehers: Durch unberührte Winterlandschaft spazieren und talwärts cruisen.

Simon | Pixabay

Der Traum jedes Skitourengehers: Durch unberührte Winterlandschaft spazieren und talwärts cruisen.


Damit dies sicher und mit Respekt zu Natur und Tierwelt gelingt, ist eine gute Planung wichtig.

Markus Stadler

Damit dies sicher und mit Respekt zu Natur und Tierwelt gelingt, ist eine gute Planung wichtig.


In diesem Beitrag möchte ich aufzeigen, was beim Planen einer Skitour wichtig ist und welche Punkte Du berücksichtigen solltest.

1. Die richtige Tourenauswahl

Eine kluge Tourenauswahl bildet die beste Basis für eine erlebnisreiche Skitour. Meist ist es besser und sicherer, bezüglich des Ziels flexibel zu bleiben. Anstatt auf Biegen und Brechen Deinen Wunschgipfel an einem vorgegebenen Tag besteigen zu wollen, solltest Du die Tour eher nach dem zu erwartenden Wetter und der Schneelage aussuchen. Auch das persönliche Können sowie die Erwartungen und das Können Deiner Begleiter müssen berücksichtigt werden. Skitourenführer und Internetportale bieten dazu eine reichhaltige Auswahl und vielerlei Unterstützung.

Wer etwas tiefer in dieses Thema einsteigen möchte, für den gibt es hier einen detaillierten Leitfaden, wie man die Stecknadel im Heuhaufen findet: Ein Tourenziel, das zu einem passt und das Spaß und Sicherheit bietet.

2. Wetter und Schneeverhältnisse berücksichtigen

3. Anreise und Übernachtung planen

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln hat für Skitourengeher Vor- und Nachteile. Man schont damit Klima und Anwohner, spart sich Parkplatzprobleme und -gebühren und ist vor Ort flexibel, so dass man nicht unbedingt wieder zum Ausgangspunkt abfahren muss. Allerdings sind viele Tourenziele mit Bus und Bahn oft nicht oder nur zu unbrauchbaren Zeiten erreichbar. Zudem hängt es stark vom eigenen Wohnort und dessen Anbindung ab, wie groß der Zeitaufwand ist.

Fährt man mit dem PKW, ist es auf jeden Fall sinnvoll Fahrgemeinschaften zu bilden. Um bei weit entfernten Tourenzielen früh starten zu können, ist es empfehlenswert, vor Ort zu übernachten. Idealerweise bleibt man dann ohnehin mehrere Tage in der Region und macht noch weitere Touren, damit sich die lange Anreise auch lohnt. Genügend Zeitpuffer bei der Anreise garantiert, dass die Zeitplanung der Skitour nicht schon von vorne herein wegen eines Staus oder eines verpassten Anschlusszugs ins Hintertreffen gerät.

Wer mit Bus und Bahn zur Skitour fährt, schont die Umwelt und spart die Parkplatzsuche. Eine gute Anbindung zwischen Wohnort und Tourenstartort ist dafür jedoch Voraussetzung.

Markus Stadler

Wer mit Bus und Bahn zur Skitour fährt, schont die Umwelt und spart die Parkplatzsuche. Eine gute Anbindung zwischen Wohnort und Tourenstartort ist dafür jedoch Voraussetzung.


4. Ausrüstung und Verpflegung auf Skitour

Über die Verpflegung, die nötige Ausrüstung und die richtige Bekleidung für eine Skitour zu schreiben, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Wichtig ist jedoch, dass Du vorab klärst, welche individuelle Ausrüstung erforderlich ist und welche Teilnehmer die erforderliche Gruppenausrüstung (z. B. Erste-Hilfe-Material, Werkzeugset, Seil bei Gletschertouren etc.) mitnehmen. Was neben LVS-Ausrüstung alles noch in Deinen Skitouren-Rucksack gehört, haben wir Dir in der Packliste zusammengestellt.

Bei der Art und Menge der nötigen Verpflegung gehen die Meinungen weit auseinander – bei kalten Temperaturen ist eine Thermoskanne mit heißem Getränk jedoch unbedingt zu empfehlen.

5. Zeitplanung bei Skitouren

Die ungefähr benötigte Aufstiegs- und Abfahrtszeit schätzt man anhand der Leistungsfähigkeit des schwächsten Gruppenmitglieds, der zu bewältigenden Höhenmeter und Wegstrecke sowie möglicher zusätzlicher Faktoren, wie erwartete Spurarbeit, Gegenanstiege, technisch schwierige Passagen. Zusammen mit den Pausen und etwas Zeitpuffer ergibt sich dann der gesamte Zeitbedarf.

Besonders bei Skitouren im Frühjahr ist eine durchdachte Zeitplanung wichtig. Während am Vormittag noch oft sehr sichere Bedingungen herrschen, steigt mit der Tageserwärmung die Lawinengefahr stark an und der gut fahrbare Firnschnee verwandelt sich in eine tiefe Pampe, die bei der Abfahrt viel Kraft kostet. Daher solltest Du den Startzeitpunkt früh genug wählen, um Zeitreserven zu haben. Falls erforderlich, solltest Du darüber hinaus einen Umkehrzeitpunkt festlegen, ab dem sich alle einig sind, die Tour nicht mehr fortzusetzen – auch wenn das Ziel bis dahin noch nicht erreicht ist.

Besonders im Frühjahr besteht die Gefahr von Nassschneelawinen, wenn die Temperatur im Laufe des Tages zunimmt. Plane deshalb den Startzeitpunkt möglichst früh am Morgen.

Markus Stadler

Besonders im Frühjahr besteht die Gefahr von Nassschneelawinen, wenn die Temperatur im Laufe des Tages zunimmt. Plane deshalb den Startzeitpunkt möglichst früh am Morgen.


6. Route der Skitour genau planen

Die Wegführung der geplanten Skitour solltest Du Dir immer detailliert in einer guten topografischen Karte ansehen (Maßstab mindestens 1:50.000, besser 1:25.000). Sehr gut eignen sich dafür zum Beispiel:

Auch die Höhenlage und die Hangexpositionen lassen sich aus der Karte herauslesen und damit Rückschlüsse auf Schneequalität und lawinengefährdete Abschnitte ziehen. Darüber hinaus können markante Geländepunkte erkannt werden, wie Felsstufen, Bäche, Rinnen, Mulden oder Grate. Auch Waldpassagen erkennt man und findet vielleicht Forststraßen, auf denen sie sich einfach überwinden lassen.

Hinweistafel im Rotwandgebiet: Um Tiere und Umwelt zu schützen, müssen Sperrgebiete und Schutzzonen eingehalten werden. Bei Deiner Tourenplanung solltest Du sie deshalb unbedingt berücksichtigen.

Markus Stadler

Hinweistafel im Rotwandgebiet: Um Tiere und Umwelt zu schützen, müssen Sperrgebiete und Schutzzonen eingehalten werden. Bei Deiner Tourenplanung solltest Du sie deshalb unbedingt berücksichtigen.


Besonders bei Touren mit anspruchsvoller Orientierung empfiehlt es sich eine digitale Route zu planen und diese auf ein GPS-Gerät oder als Backup auf ein Smartphone zu laden. Oft gibt es auch GPS-Daten zum Download im Internet oder als digitale Routen als Beigabe zu Skitourenführern. Dabei ist aber zu beachten, dass diese in der Regel nur als Orientierungshilfe dienen und nicht zu einer exakten Navigation in dem Sinne, dass man ihnen bedingungslos folgt. Ohnehin solltest Du fremde Tracks immer detailliert an die eigene Planung anpassen!

Ein Aspekt, der bei der Planung oft vernachlässigt wird, ist die Berücksichtigung von Fauna und Flora. Viele Karten und Führer informieren über Sperrgebiete oder Schutzzonen die man generell meiden sollte. Darüber hinaus bewegen wir uns aber auf fast jeder Skitour in sensiblen Lebensräumen, wo ein zurückhaltendes Auftreten erforderlich ist. Skitouren in der Nacht und während der Dämmerung sind dabei besonders störend für die dort lebenden Tiere und sollten im besten Fall vermieden werden.

7. Lawinengefahr richtig einschätzen

Bereits im Vorfeld einer Skitour ist es hilfreich, über mehrere Tage den Lawinenlagebericht zu beobachten, um sich einen Überblick über die zeitliche Entwicklung der Schneeedecke zu verschaffen.

Am Vorabend der geplanten Skitour studierst Du den Lagebericht noch einmal exakt und wendest seine Aussagen Deinem Ziel an. Anhand der Karte versuchst Du dabei lawinengefährdete Steilhänge zu identifizieren und gleichst sie mit den im Lawinenlagebericht genannten Gefahrenstellen (Höhenlage, Exposition) und Lawinenproblemen ab. Wenn Du noch wenig Erfahrung damit hast, kannst Du auf Skitourenguru.com eine automatisierte, tagesaktuelle Lawinenrisikoberechnung für tausende Skitouren in den Alpen abrufen.

Manchmal stellst Du bereits in der Planung fest, dass die Route zu gefährlich ist und Du Dir besser eine Alternative suchst. Oft ist eine Beurteilung aus der Ferne aber auch schwierig. In solchen Fällen planst Du vor dieser Problemstelle einen Checkpunkt, an dem ihr die Entscheidung vor Ort gemeinsam treffen und lokale Beobachtungen mit einfließen lassen könnt.

Den Lawinenlagebericht zu kennen, die nötige Sicherheitsausrüstung dabei zu haben und zu wissen, wie sie im Notfall richtig eingesetzt wird, ist für die Sicherheit auf Deiner geplanten Skitour essentiell.

Bergzeit

Den Lawinenlagebericht zu kennen, die nötige Sicherheitsausrüstung dabei zu haben und zu wissen, wie sie im Notfall richtig eingesetzt wird, ist für die Sicherheit auf Deiner geplanten Skitour essentiell.


Neben dem Gelände und den Wetter- und Schneeverhältnissen hat der „Faktor Mensch“ einen großen Einfluss auf die Lawinenbeurteilung. Können und Erfahrung der Gruppenmitglieder, persönliche Erwartungen, individuelles Risikoverhalten und damit verbundene gruppendynamische Effekte beeinflussen die Entscheidungen sehr stark. Dessen solltest Du Dir bereits bei der Planung bewusst sein und entsprechend berücksichtigen.

Fazit: Skitouren sollten gut geplant sein

Wenn Du Deine Skitour konsequent und mit genügend Sicherheitsreserven vorbereitest, wirst Du in der Regel sicher und mit viel Spaß unterwegs sein. Gelegentliche Überraschungen werden sich zwar auch dann nicht vermeiden lassen, aber eine unvorhergesehene Bachdurchquerung, ein lästiger Latschenkampf oder ein Tourenabbruch im unerwarteten Schneesturm sind Erlebnisse, mit deren Erzählungen man Hüttenabende füllen kann. Dort wo das unkalkulierbare Restrisiko zuschlagen möchte, müssen wir darauf vertrauen, dass uns Glück und Intuition beistehen – ganz ohne geht es wohl nicht.

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