• Seit 1999 online
  • Powered by 350 Bergsportler
  • Am Puls der Berge
Weich, warm, funktional

Fleece und alles, was Du darüber wissen musst

7 Minuten Lesezeit
Seit den 1980er-Jahren begeistert Fleece Berg- und Outdoorsportler. Das funktionale Material ist weich, warm, leicht und kuschelig. Doch wie und woraus wird Fleece hergestellt - und welche Qualitätsunterschiede gibt es bei Fleecebekleidung? Unsere Materialinformation erklärt, worauf es ankommt.

Was ist Fleece?

Fleece ist ein gewirkter Stoff mit einer kuscheligen, aufgerauten Oberfläche. Hergestellt wird klassisches Fleece meist aus Polyester (PES). Mittlerweile sind jedoch auch Fleecestoffe aus Wolle, Baumwolle oder verschiedenen Fasermischungen erhältlich – und auch hinsichtlich der Struktur gibt es Unterschiede. Fleecebekleidung im Outdoor- und Bergsportbereich ist aufgrund der funktionalen Fasereigenschaften meistens aus Kunstfasern oder anderen Materialmischungen gefertigt.

Der Klassiker: Seit den 1980er-Jahren sind Fleecejacken aus der Outdoorbekleidung nicht mehr wegzudenken.

Houdini

Der Klassiker: Seit den 1980er-Jahren sind Fleecejacken aus der Outdoorbekleidung nicht mehr wegzudenken.


Welche Eigenschaften hat Fleece?

Fleece wärmt, ist leicht, anschmiegsam, kuschelig, pflegeleicht, formbeständig und trocknet sehr rasch – zumindest wenn es sich um klassischen Polyesterfleece oder einen Materialmix aus Polyester und Wolle handelt. Hochwertiges Fleece leitet Schweiß vom Körper weg und verteilt ihn auf der Außenseite großflächig, was das Trocknen begünstigt. Die dichte Faserstruktur auf der Oberfläche kann bei einzelnen Fleecearten sogar wasserabweisend sein, ist jedoch nicht wasserdicht.

Abhängig von der Qualität der Stoffe ist Fleece widerstandsfähig, abriebfest und langlebig. Nachteil: Fleece kann sich elektrostatisch aufladen. Hinsichtlich des Tragekomforts kommt es eher auf den persönlichen Eindruck an. Manche empfinden klassischen Polyesterfleece als Plastik auf der Haut, andere schätzen die Vorteile der Kunstfaser.

Wofür braucht man Fleecebekleidung?

Fleece kommt gerne bei Outdoorbekleidung und -Ausrüstung zum Einsatz, zum Beispiel bei Jacken, Westen oder bei Schlafsackinlets und Decken. Aufgrund der funktionalen Eigenschaften eignet es sich ideal als leichte, wärmende Schicht beim aktiven Sport – auf Skitour, beim Bergsteigen, Klettern, Radfahren oder Laufen. Aber auch im Alltag und beim gemütlichen Wandern ist Fleecebekleidung sehr beliebt.

Gemäß dem Zwiebelprinzip finden sich sehr leichte, feine Fleecequalitäten bei wärmender, atmungsaktiver Funktionsunterwäsche. Weit mehr Fleecebekleidung ist jedoch als zweite Bekleidungsschicht gedacht und soll in erster Linie für Isolation sorgen.

Speziell bei trockenen, windstillen Bedingungen und in der „Übergangszeit“ sind Fleecejacken und Fleecewesten als Wärmespender oft ausreichend. Insbesondere bei schweißtreibendem Sport bietet Fleecebekleidung Wärme, ohne den Träger gleich zu überhitzen. Der hervorragende Feuchtigkeitstransport der Stoffe tut dabei ein übriges.

Fleecestoffe gibt es in unterschiedlichen Qualitäten und Materialstärken. Meist werden die Fasern aus Polyester hergestellt.

Primaloft

Fleecestoffe gibt es in unterschiedlichen Qualitäten und Materialstärken. Meist werden die Fasern aus Polyester hergestellt.


Wie wird Fleece hergestellt?

Fleece ist ein Gewirke und gehört damit in die Gruppe der Maschenwaren. Bei der Herstellung werden zunächst sogenannte Plüschhenkel – kleine Garn-Schlaufen – gebildet, die im Anschluss aufgeschnitten und aufgeraut werden. Dadurch erhält Fleece eine kuschelige und weiche Struktur, die für ein angenehmes Hautgefühl und guten Wärmerückhalt sorgt.

Welche Arten von Fleece gibt es?

Fleece hat heute viele Gesichter: Zum Beispiel gibt es sehr leichtes und feines Microfleece, hochfloriges, jedoch leichtes Teddyfleece, besonders weiches Wellnessfleece, Baumwollfleece, Wollfleece sowie Wolle-Polyester-Mischungen. Der Fasermix bei Stretchfleece enthält Elasthan, wodurch die Stoffe besonders dehnbar sind und jede Bewegung mitmachen.

Manche Fleecestoffe bieten auch eine glatte Außenseite und sind nur auf der Innenseite geraut, wie zum Beispiel Strickfleece. Fleecestoffe mit einer waffelartig strukturierten Innenseite, sogenanntes Waffelfleece, sind für ein rasches Feuchtigkeitsmanagement optimiert. Hinzu kommen unterschiedliche Materialstärken bzw. Gewichtsklassen, sodass auch klassisches Fleece in vielen unterschiedlichen Varianten erhältlich ist.

100er-, 200er-, 300er-Fleece: Welches Fleece ist warm?

Die Angabe bezieht sich auf das Flächengewicht des Stoffes in Gramm pro Quadratmeter. Fleece mit 300 Gramm pro Quadratmeter ist sehr dick und warm. 100 Gramm sprechen für eine sehr leichte Qualität, wie es bei einem Sommerfleece oder als leichte zweite Lage verwendet wird. Aus der Gewichtsangabe lassen sich somit Rückschlüsse auf die Wärmeleistung der Fleecebekleidung ziehen.

Bergzeit

Welchen Unterschied macht ein hoher Faserflor?

Als hochflorig bezeichnet man Fleecestoffe mit langen Fasern, also mit einer plüschigen Struktur. Derartige Stoffe speichern Wärme besonders gut, da mehr isolierende Luft in den Faserzwischenräumen eingefangen wird. Dabei ist das Material sehr leicht und lässt sich gut komprimieren.

Feuchtigkeitstransport und Atmungsaktivität: Wie läuft das bei Fleece?

Fleece gilt als sehr atmungsaktives Material, wobei es dabei immer auf die Qualität des Materials ankommt. Besonders dichte oder hochflorige Fleecestoffe schneiden in Sachen Atmungsaktivität schlechter ab als leichtere Qualitäten. Fleecestoffe mit einer rauen Innenseite transportieren wiederum Feuchtigkeit rascher ab, da sie wie ein Löschblatt die Feuchtigkeit vom Körper weg ziehen.

Gibt es wasserdichtes Fleece?

Nein. Fleecestoffe sind je nach Struktur und Oberfläche mehr oder weniger wasserabweisend. Wirklich wasserdicht sind nur Outdoor-Materialien mit einer entsprechenden Beschichtung oder Membran. Manche Hardfleece-Stoffe bewegen sich an der Grenze zu Softshell-Materialien und bieten wasserabweisende und stark windabweisende Eigenschaften.

Welchen Vorteil bieten Fleecestoffe aus Wolle und Polyester?

Immer öfter entdeckt man Wolle als Faserkomponente bei Fleecebekleidung. Ortovox gehört hier zu den Vorreitern und setzt die Naturfaser Wolle vornehmlich auf der Innenseite der Bekleidungsstücke ein. In Jacken und Hoodies sorgt sie für ein angenehmes Gefühl auf der Haut und wirkt klimaregulierend. Das bedeutet: Man überhitzt nicht so schnell und die Wolle nimmt Feuchtigkeit auf, ohne sich nass anzufühlen. Die Außenseite aus Polyester ist abriebfest, schnell trocknend und rucksacktauglich. Der Fasermix kombiniert also das beste aus zwei Welten.

Woran erkennt man hochwertiges Fleece?

Pilling bzw. eine möglichst geringe Pillingneigung ist eines der Qualitätskriterien bei Fleece. Die kleinen, verfilzten Kügelchen auf der Oberfläche des Stoffes sehen nicht nur unschön aus, sondern mindern auch die Haltbarkeit und Isolationsfähigkeit der Stoffe. Aus diesem Grund gilt Pilling bei Fleecestoffen des Markenherstellers Polartec als Reklamationsgrund. In der Regel entstehen erste Pilling-Anzeichen beim Waschen. Wer bereits im Laden kleine Kügelchen erkennt, sollte das Kleidungsstück lieber hängen lassen.

Pilling ist Materialschwund. Die kleinen Kügelchen sind nicht nur unschön, sie mindern auch die Haltbarkeit und Funktionalität der Stoffe.

Pilling ist Materialschwund. Die kleinen Kügelchen sind nicht nur unschön, sie mindern auch die Haltbarkeit und Funktionalität der Stoffe.


Vorab erkennt man hochwertiges Fleece an den Schildchen der Markenhersteller Polartec, Schoeller, Primaloft oder Pontetorto. Auch bei Eigenmarken achten die großen Outdoor-Hersteller in der Regel auf Qualität und beste Funktionalität. Sehr gute Fleece-Stoffe verarbeiten skandinavische Firmen wie Haglöfs und Peak Performance. Auch Arcteryx, Patagonia und Outdoor Research sind bekannt für hochwertige Fleecekleidung. Von den europäischen Firmen sind unbedingt Vaude und Mammut zu nennen. Beide betonen den Umweltaspekt, also die Verwendung von recyceltem Polyester.

Was ist Anti-Pilling-Fleece?

Fleecestoffe, bei deren Herstellung gezielt auf eine möglichst geringe Pillingneigung geachtet wird, werden oft als Anti-Pilling-Fleece gekennzeichnet. Nicht immer steht hinter diesen Stoffen ein nahmhafter Hersteller. Immerhin lässt die Bezeichnung aber darauf schließen, dass es nach der ersten Wäsche kein böses Erwachen gibt.

Wie wäscht man Fleece bzw. Fleecebekleidung richtig?

Fleece ist grundsätzlich sehr pflegeleicht. Decken und Bekleidung können einfach in der Waschmaschine ihre Runden drehen. Welche Einstellungen dafür im Idealfall notwendig sind, verrät das eingenähte Waschetikett. Wichtig vorweg: Hände weg von Weichspüler!

  • Tipp: Wer Etiketten lieber entfernt, sollte vor dem Abschneiden einfach das Smartphone aus der Tasche holen und die wertvollen Pflegeinformationen via Foto am Handy speichern. Wer’s lieber analog mag, kann seine Etiketten auch in einem Ordner sammeln statt sie zu entsorgen.

Ist keine Pflegeinformation zur Hand, dann hilft unsere allgemeine Anleitung zum Waschen von Fleecebekleidung und -stoffen weiter:

Anleitung: So wäscht man Fleece richtig

  • Pflegeetikett lesen!
  • Alle Taschen leeren und alle Reißverschlüsse verschließen
  • Fleecebekleidung auf links drehen, um die Außenseite zu schonen
  • Bei 30 Grad oder nach Herstellerangabe im Schonprogramm in der Waschmaschine waschen
  • mildes Waschmittel oder Funktionswaschmittel verwenden
  • Wichtig: KEINEN (!!!) Weichspüler verwenden, kein Bleichmittel!
  • Mäßig schleudern
  • Zum Trocknen aufhängen

Richtig trocknen: So bleibt Fleece flauschig

Fleece trocknet sehr rasch, daher ist klassisches Aufhängen die beste Methode. Meist dauert es nur wenige Stunden, bis eine Fleecejacke oder -Weste wieder einsatzbereit ist.

Verliert Fleecebekleidung mit der Zeit ihre Flauschigkeit, dann kann der Wäschetrockner helfen. In der Regel genügt es bereits die schon vorgetrocknete Kleidung für wenige Minuten zum „Finish“ in den Trockner zu stecken. Vom Einsatz von Weichspülern ist bei Fleecebekleidung abzuraten. Derartige Produkte können bei Fleece nachteilige Auswirkungen haben.

Wer hat Fleece erfunden?

Als Erfinder des Fleece gilt das heutige Unternehmen Polartec. Für den Outdoormarkt „gefunden“ hat das funktionelle Material hingegen Malinda Chouinard, die Frau des Patagonia-Gründers Ivon Chouinard. Malinda hatte Anfang der 1980er-Jahre auf der Suche nach einem leichten, atmungsaktiven und wärmenden Material die ersten Polar-Fleece-Stoffe bei Malden Mills (heute Polartec) entdeckt. Kurz darauf begann eine Partnerschaft, die den Grundstein für die heutige Popularität des Materials legte. Mehr dazu in unserer Materialinformation zu Polartec.

Mehr zum Thema Funktionsbekleidung

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
3 Comments
älteste
neueste beste Bewertung
Inline Feedbacks
View all comments

Unsere Top Outdoor Kategorien


Bergzeit Magazin - Dein Blog für Bergsport & Outdoor

Willkommen im Bergzeit Magazin! Hier findest Du Produkttests, Tourentipps, Pflegeanleitungen und Tipps aus der Outdoor-Szene. Von A wie Alpspitze bis Z wie Zwischensicherung. Das Redaktionsteam des Bergzeit Magazins liefert zusammen mit vielen externen Autoren und Bergsport-Experten kompetente Beiträge zu allen wichtigen Berg- und Outdoorthemen sowie aktuelles Branchen- und Hintergrundwissen.