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Im Sommer zum Klettern nach Spanien? Na klar! Zum Beispiel in die Sierra de Guara bei Rodellar. Die Gebirgskette im Nordosten des Landes am Rande der Pyrenäen ist eine Perle von Klettergebiet - auch im Sommer!

Viel zu heiß – das ist die Reaktion, die einem oft entgegengebracht wird, wenn man ein Kletterziel für den Sommer ins Gespräch bringt, welches sich in Spanien befindet. Viele Kletterer meinen, es sei im Sommer dort schlicht zu heiß und Spanien sei nur für warme Wintertage eine Kletterdestination. Zum richtigen Zeitpunkt kann man aber auch in den heißen Sommermonaten spanischen Fels unter den Fingern genießen. Mittlerweile tauchen sehr oft, fast schon ausschließlich, Gebiete wie Santa Linya, Oliana oder Siurana in den Schlagzeilen und Bildunterschriften der Klettermagazine auf. Dabei gibt es noch ganz andere Perlen auf der Kletterlandkarte Spaniens, die allzu schnell in Vergessenheit geraten sind.

Rodellar in der Sierra de Guara

Rodellar: Malerisch und klein. Abends nach dem Klettern kann man sich mit der internationalen Kletterszene im Kalandraka treffen. | Foto: Martin Tekles
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Rodellar: Malerisch und klein. Abends nach dem Klettern kann man sich mit der internationalen Kletterszene im Kalandraka treffen. | Foto: Martin Tekles

Inmitten der zauberhaften Sierra de Guara, einer Vorpyrenäen-Gebirgskette im Nordosten Spaniens, liegt das kleine Dörfchen Rodellar. Mit gerade einmal 49 Einwohnern kann man es getrost als klein bezeichnen. Im Frühling und in den Sommermonaten erwacht es aber zum Leben. Zahlreiche Kletterer, Wanderer und besonders Freunde des Canyoning tummeln sich dann in der Sierra de Guara. Das Dörfchen Rodellar zeigt sich in den Sommermonaten von seiner schönsten und auch lebhaftesten Seite: Live-Bands spielen in der Kletterbar, eine internationale Kletterszene tritt auf den Plan und es gibt abends nach dem Klettern immer etwas zu feiern.

Klettern in Rodellar

Im Sommer sucht wohl jeder zuerst den Schatten und den gibt es in Rodellar reichlich. Der Kletterer findet ihn in den zahlreichen Sektoren, wo kurze bis extrem lange Touren warten. Tagsüber weht immer ein leichter Wind am Fels, der das Klettergefühl natürlich um einiges hebt. Die Ausdauer in den Überhängen, Grotten und Bögen würde ohne Wind sehr schnell überstrapaziert werden. Der Wind sorgt für angenehme Temperaturen und beim Sichernden oftmals auch für Gänsehaut. Insbesondere für den Abend sollte daher die Daunenjacke auf jeden Fall im Kletterrucksack sein. Natürlich gibt es auch die heißen Tage, aber sollte es jemandem zu viel werden, kann er sich im Flüsschen Alcanadre, das sich durch das gesamte Tal schlängelt, seine Abkühlung holen. Entlang des Flusses führt ein Pfad, von dem aus nahezu alle Sektoren zu erreichen sind.

Rodellars Sektoren: El Camino, Furia Latina, La Fuenet, Surgencia und Gran Boveda

Klettern in Rodellar: Sektor
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Klettern in Rodellar: Sektor „El Camino“. Hier finden sich die eher gemäßigteren Touren des Gebiets. | Foto: Martin Tekles

Alle Sektoren sind einen Besuch wert, jedoch schreckt viele Kletterer bei den meisten der Mindestzustieg von rund 45 Minuten ab. Es gibt aber auch nähere Sektoren. In 30 Minuten ist zum Beispiel der Sektor El Camino zu erreichen. Hier gibt es einige der leichtesten Touren von Rodellar (französisch 6a bis 7b). Da es nicht allzu viele Routen unter 7b in einem Sektor gibt und sich zudem die Gesamtzahl der Kletterrouten in niedrigen Schwierigkeitsgraden im Gebiet Rodellars in Grenzen hält, kann man durchaus von einem High-End-Klettergebiet sprechen. Wer in Schwierigkeitsgraden jenseits 7b/c zuhause ist und mit ein wenig aufwärmendem Zustieg kein Problem hat, dem eröffnet sich zum Klettern in Rodellar ein wahres Traumangebot an Möglichkeiten.

Wo man in Rodellar unbedingt klettern muss

El Delfin, 7c+ / 8a: wenn das nicht ein Name und ein Tourenverlauf sind. Hier kann man eine der besten Linien Spaniens finden. | Foto: Martin Tekles
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El Delfin, 7c+ / 8a: wenn das nicht ein Name und ein Tourenverlauf sind. Hier kann man eine der besten Linien Spaniens finden. | Foto: Martin Tekles

Für Kletterer in Rodellar ist die Ali Baba Cave direkt am Fluss Alcanadre ein absolutes Muss. Neben Dachtouren gibt es hier auch relativ kurze Touren von 6c bis 8a. Und wenn man schon da ist: Ali Hulk von Dani Andrada, da sollte man wenigstens einmal die Augen über diese eindrucksvolle Linie schweifen lassen. Ein Stück weiter talaufwärts finden sich die Sektoren Furia Latina und La Fuente. Nicht nur Routen findet man hier, sondern auch die Quelle, die den Fluss speist. Danach kommt auch schon der Sektor Surgencia, der vor allem aufgrund seiner Steilheit für offene Münder sorgt. Wer hier auf harte und gepumpte Arme setzen möchte, der kann sich im Mittelteil des Sektors die Route El corredor de la muerte (8a) in 40 Metern schnell besorgen. Was man auch nicht verpassen sollte, ist der Sektor Gran Boveda. Hier findet sich ein kurzes, stark überhängendes Teilstück mit Routen bis 15 Metern Länge, etwa um den siebten Franzosengrad herum.

Der Sektor Boveda ist einer der schönsten Sektoren, aber auch der mit dem längsten Anstieg. | Foto: Martin Tekles
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Der Sektor Boveda ist einer der schönsten Sektoren, aber auch der mit dem längsten Anstieg. | Foto: Martin Tekles

Weitere Kletter-Highlights sind auf jeden Fall diese Touren: Aquiles (7c+), Sopas de ajo (7b+) und Nanuk (7c). Weiter in der Mitte des Sektors finden sich dann die Routen um den Grad 8a, sehr lohnend und sukzessive schwerer werdend. Toplinien für Ausdauertiere sind hier an die 40 Meter lang und gehen von Gladiator (8b) über die überhängende Verschneidung von Coliseum (8a) bis hin zu Geminis (8c).

Natürlich gibt es hinter jeder Ecke des Klettergebiets Rodellar noch mehr Highlights zu entdecken und es kommen auch immer wieder neue Touren hinzu. Ich habe von Mehrseillängentouren in lohnendster Sinterkletterei gehört. Es lohnt sicher auch hier, einmal die Halbseile mitzunehmen.

Weitere Informationen zum Klettern in Rodellar

  • Anreise: München – Rodellar (1.570 Kilometer): Fahrt über Bregenz, Bern, Lausanne, Genf, Chambery, Valence, Nimés, Montpellier, Toulouse, Fréchet-Aure, Aragnouet, Ainsa, Colungo, Bierge, Las Almunia, Rodellar. Mit dem Flieger: Barcelona, Busfahrt nach Barbastro, Taxi von Barbastro nach Rodellar (circa 50 Euro).
  • Unterkunft: Camping Mascun, Aparthotel Rodellar und Refugio Kalandraka (Szenetreff).
  • Ausrüstung: Ausrüstung zum SportkletternKletterseil mit mindestens 70 Metern, optimalerweise 80 Metern,  wenn man in die richtig langen Routen möchte.
  • Kletterführer: Camping Mascun – Escaladas en Rodellar, rund 18 Euro. Neue Routen findet man in den Ansichtsexemplaren im Campingplatz im Aparthotel oder bei einem Bier im Kalandraka.
  • Einkaufsmöglichkeiten: gut sortierte Campingplatzläden mit allem Notwendigen, für Schnickschnack und größeres Sortiment muss man nach Barbastro (circa 35 Kilometer), das dauert eine Stunde Fahrzeit, wenn man seine Autoeinzelteile unterwegs nicht zusammensuchen möchte. Die Straße ist nicht besonders gut!
  • Beste Jahreszeit: teilweise April bis Mai, wenn es vorher nicht zu nass wurde, bis Ende Juni, dann wieder

    ab September.

  • Freizeitaktivitäten: Zahlreiche Wandermöglichkeiten, Baden in den Gumpen entlang des Flußes, Canyoning und Mountainbiken

Sonstige Tipps: Achtung! Ganz Rodellar ist nicht unbedingt für Kinder geeignet! Einen Daunenanorak braucht man nicht unbedingt, aber morgens und abends kann es auch im Sommer empfindlich kalt werden. Eine Badehose gehört auf jeden Fall ins Gepäck!

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Martin Tekles

... ist Mitglied im deutschen Nationalkader und klettert vor allem auf Wettkämpfen. Der Student holt sich aber durchaus auch die nötige Motivation am Fels. In der Natur zu sein, egal bei welcher sportlichen Aktivität, liegt ihm besonders am Herzen. Pfeil Alle Artikel von Martin Tekles