Der Cholatse 45 von Lowe Alpine ist ein klassischer Tourenrucksack für Hütten- und Mehrtageswanderungen. Bergzeit-Kollege Jens nimmt im Test Ausstattung, Tragekomfort und Einsatzbereich des Rucksacks genau unter die Lupe.

Wer einen Testbericht über einen Lowe Alpine Rucksack schreiben darf, hat eine verantwortungsvolle Aufgabe. Der Traditionshersteller ist schließlich so etwas wie eine Ikone im Rucksack-Markt. Aus diesem Grund habe ich mir für den Test auch eine besondere Herausforderung gesucht. Doch bevor es auf eine viertägige Hüttentour durch die Dolomiten ging, musste der Cholatse 45 noch einen vierzigsten Geburtstag auf einer Hütte im Chiemgau aushalten.

Das Gepäck für die mehrtägige Hüttenwanderung war auf reine Funktionsbekleidung für herbstliches Wetter ausgelegt und betrug rund sechs Kilogramm. Dagegen bestand die Ausrüstung für die Hüttenfeier zusätzlich noch aus Schlafsack, Isomatte, zusätzlicher Kleidung und einem halben Kilo schokoladenhaltigem Brotaufstrich. Der Rucksack war mit diesen knapp zehn Kilo gut gefordert, aber nicht überfordert.

Der Lowe Alpine Cholatse 45 im Überblick

Schlafsackfach

Der Lowe Alpine Cholatse 45 bietet ausreichend Stauraum für Mehrtagestouren und kleinere alpine Unternehmungen. | Foto: Jens Oellrich
Der Lowe Alpine Cholatse 45 bietet ausreichend Stauraum für Mehrtagestouren und kleinere alpine Unternehmungen. | Foto: Jens Oellrich

Das Schlafsackfach war für meinen 500 Gramm schweren Daunenschlafsack großzügig ausgelegt. So konnte ich neben dem Schlafsack auch noch eine Fleecejacke darin verstauen. Der Reißverschluss war dennoch leicht zu bedienen. Bemerkenswert sind die Zipper, welche sich leicht greifen lassen und so geformt , dass sie auch mit dicken Handschuhen gut zu bedienen sind. Wie üblich ist die Abtrennung zwischen dem Hauptfach und dem Schlafsackfach mit einem Reißverschluss versehen, sodass bei Bedarf die Trennung entfernt werden kann. Gut zu wissen: Im getrennten Zustand besteht links und rechts im Bereich des Rückens ein Durchlass, sodass lange Gegenstände (z.B. Zeltgestänge) auch bei abgetrenntem Fach im Rucksack transportiert werden können.

Hauptfach

Der Lowe Alpine Cholatse ist als Toploader konzipiert, wie üblich kann die Öffnung mit einem Kordelzug und einer Deckeltasche verschlossen werden. Da der Rucksack leicht konisch geschnitten ist, lassen sich auch größere Gegenstände leicht einpacken und auch im vollen Zustand kommt man gut an seine Sachen heran. Ein weiterer Zugriff auf das Hauptfach ist durch einen Reißverschluss im unteren Bereich an der Vorderseite gegeben. So kann man problemlos auf alle Bereiche des Hauptfaches zugreifen. Ich persönlich habe allerdings meinen Rucksack so organisiert, dass mir die Toploader-Öffnung ausreicht. Den Zugriff von außen habe ich nicht benötigt – das ist für mich eine nette, aber überflüssige Funktion.

Deckelfach

Zusätzlichen Stauraum für all die Kleinigkeiten, die man auf einer Mehrtagestour dabei hat, liefern die Deckeltaschen. Das Innenfach ist eher schmaler geschnitten und eignet sich für Wertsachen inklusive Schlüssel, der an einem kleinen Karabiner fixiert werden kann. Das Außenfach der Deckeltasche ist dagegen recht großzügig geschnitten. Selten hatte ich bei einem Rucksack dieser Größe das Gefühl, so leicht an alle meine Sachen zu kommen: ein paar Fleecehandschuhe, eine Fleecemütze, eine Sonnenmütze, eine Sonnenbrille und diverse Kleinigkeiten. Begeistert hat mich der Zugriff auf das Deckelfach auch im vollgepackten Zustand. Durch den besonderen Schnitt im Bereich des Reißverschlusses ist die Ausrüstung bequem zu erreichen.

Außen- und Zusatzfächer

Links und rechts am Hauptfach gibt es jeweils eine großzügige, elastische Außentasche. Praktisch, um schnell mal ein paar Handschuhe oder eine Trinkflasche zu verstauen. Auch an beiden Hüftflossen befindet sich jeweils eine großzügige Tasche. In der einen konnte ich bequem das GPS-Gerät verstauen, in der anderen eine kleine Kamera. Trotzdem waren die Taschen nicht voll. Da die Taschen „lose“ bzw. flexibel mit den Hüftflossen verbunden sind, haben die darin verstauten Gegenstände keinen Einfluss auf den Tragekomfort des Hüftgurts.

Neben dem obligatorischen Fach für die Trinkblase, das beim Cholatse von außen am Rücken zugänglich ist, befindet sich auf der Vorderseite noch ein weiteres Außenfach. Der spezifische Nutzen dieser Tasche hat sich für mich nicht ganz erschlossen. Für Steigeisen oder ähnliches ist sie zu flach geschnitten. So habe ich sie pragmatisch zu einem Kartenfach umfunktioniert. Auch wenn man selber nicht so gut an die Karte kommt, hat wenigstens der Partner einen einfachen Zugriff. Auch Mütze oder Schokoriegel könnte man für den Schnellzugriff in dieser Fronttasche verstauen.

Weitere Ausstattung: Daisy Chain, Stockhalterung, Regenschutz

Weitere Ausstattungsmerkmale des Lowe Alpine Cholatse 45 umfassen zwei Wanderstockhalterungen, eine Eispickelhalterung und eine Daisy Chain. Letztere ist optisch schön in den Rucksack integriert, allerdings dafür sehr eng genäht. Eine Benutzung mit Karabiner funktioniert, Riemen zu fädeln ist dagegen eine Feinarbeit, die mit Handschuhen nicht möglich ist. Sicherlich ist die Daisy Chain eher für Ausnahmen gedacht, im Regelbetrieb wären mir die Schlaufen zu klein.

Im Boden des Cholatse ist ein Regenschutz verstaut, der im Gebrauch oben und an den Seiten eingehängt werden kann. Auch diese Kleinigkeiten sehen überzeugend aus und sind aufwendiger verarbeitet als bei Produkten mancher Mitbewerber.

Tragekomfort in der Praxis

Mit dem Tragekomfort des Rucksacks war ich trotz der zu kurz gewählten Rückenlänge sehr zufrieden. | Foto: Jens Oellrich
Mit dem Tragekomfort des Rucksacks war ich trotz der zu kurz gewählten Rückenlänge sehr zufrieden. | Foto: Jens Oellrich

Der Test-Rucksack mit der Rückenlänge „regular“ ist für meine Körpergroße (ca. 183 Zentimeter) sicherlich etwas zu klein. Die Verstellriemen zum Heranholen des Rucksacks sind im Verhältnis zu den Schultern bei mir zu niedrig positioniert. Dennoch hat sich der Cholatse mit den beschriebenen Gewichten sehr angenehm tragen lassen. Auf dem Weg zur Geburtstagsfeier auf der Hütte, wo der Rucksack mit rund zehn Kilo beladen war, lag auf meiner durch die Büroarbeit verspannten Schulter etwas zuviel Druck, den ich nicht wegbekommen habe. Hier hatte ich das Gefühl, dass der Lowe Alpine Cholatse mit seinen Drahtbügeln im Rückensystem an seine Grenzen kommt. Das leichtere Gepäck auf der Mehrtagestour ließ sich jedoch sehr bequem tragen, weder ich noch der Rucksack waren durch die sechs Kilo wirklich gefordert.

Der Rückenbereich besitzt ein Netz sowie eine „Wabenkonstruktion“. Diese Elemente sind so angeordnet, dass sowohl genügend Luft an den Rücken kommt, als auch ausreichend Stabilität gegeben ist. Auch wenn der Rahmen nur durch zwei dünne Drahtbügel gebildet wird, so verleiht die Wabenstruktur des Rückensystems eine gewisse Stabilität, die für die angegebenen Gewichte ausreichend ist. Trotz der Belüftung liegt der Cholatse eng am Rücken an.
Subjektiv gesehen sorgte diese Belüftung am Rücken für ein komfortables Klima. Natürlich bleibt eine gewisse Restfeuchtigkeit bestehen, in einem direkten Vergleich mit einem zweiten Rucksack hätte man diesen Effekt besser beurteilen können. (Ich wollte aber nicht mit zwei Rucksäcken auf Tour gehen.)

Die Schulterträger lassen sich durch eine einfache Klettkonstruktion in der Höhe verstellen. Die Bewegungsfreiheit war auf meinen Touren trotz vollgepacktem Rucksack immer gegeben. Packt man allerdings die Hüfttaschen sehr voll, fühlt es sich an wie beim ersten Autofahren mit Armlehne: Gewöhnungsbedürftig aber nicht hinderlich.

Fazit: Für welche Zwecke würde ich den Lowe Alpine Cholatse 45 einsetzen?

Der Lowe Alpine Cholatse 45 ist ein klassischer Tourenrucksack für Mehrtageswanderungen, den man auch mal auf Hochtour mitnehmen kann. Er ist aber kein ausgewiesener Alpinrucksack. | Foto: Jens Oellrich
Der Lowe Alpine Cholatse 45 ist ein klassischer Tourenrucksack für Mehrtageswanderungen, den man auch mal auf Hochtour mitnehmen kann. Er ist aber kein ausgewiesener Alpinrucksack. | Foto: Jens Oellrich

Sicherlich ist der Cholatse 45 für eine mehrtägige Hüttentour quer durch die Dolomiten sehr gut geeignet. Ich wäre dabei auch mit einem kleineren Volumen gut klargekommen, aber so halb voll gepackt war der Rucksack ein sehr angenehmer Begleiter. Da gerade die Dolomiten auch für Klettersteige bekannt sind, wäre auch eine Kombi-Tour mit Wanderung und Klettersteigausrüstung gut machbar gewesen. Allerdings hätte ich dann eine Helmhalterung vermisst, und hätte den Helm im Rucksack verstauen müssen. Platz wäre in diesem Fall noch gewesen. Ein zusätzliches Kletterseil zu verpacken, würde dann aber zu einer Herausforderung. Für Hochtouren steht eine Pickelhalterung zur Verfügung; einen Einsatz in Kombination mit einem Klettergurt habe ich nicht getestet, aber da die Riemen vom Hüftgurt relativ schmal sind, könnte ich mir das problemlos vorstellen.

Damit ist der Lowe Alpine Cholatse 45 vom Charakter her für Mehrtagestouren geeignet, auch für alpine Projekte. Er ist kein Spezialist für eine bestimmte Sportart, aber ein guter Allrounder, der einen auf vielen Touren begleiten kann. Ich werde ihn jedenfalls gerne wieder verwenden, wenn ich mich für mehrere Tage in den Alpen bewegen möchte.

Der Rucksack auf einen Blick

Herstellerangaben

  • Gewicht: 1.500 Gramm (nachgewogen)
  • luftiges, eng anliegendes und einstellbares Rückensystem
  • spezielle Stockhalterung
  • Rückensystem für mittlere Lasten gedacht, geeignet für eine Zuladung bis zwölf Kilogramm
  • kurzer Rücken für kleine Personen
  • geeignet für Hüttentouren, kleine Mehrtagestouren, Hochtouren, Wanderungen
  • Der Lowe Alpine Cholatse ist für größere (Trekking-)Touren auch in den Größen 55 Liter und 65:75 Liter erhältlich.

Praktisch

  • ausreichend Volumen für kürzere Mehrtages-/Hüttentouren
  • Trennfach kann entfernt werden; links und rechts gibt es eine Lücke, so dass lange schmale Gegenstände über die gesamte Rucksacklänge gepackt werden können
  • Große, flexible Taschen an den Hüftflossen mit viel Stauraum
  • zweiter Zugriff auf das Hauptfach an der Vorderseite
  • bequem erreichbare Deckeltasche
  • gut belüfteter und trotzdem stabiler Rücken

Weniger praktisch

  • Daisy Chain versteckt, für Grobmotoriker etwas schwere Handhabung
  • Trinkblase kommt von außen rein, Einstieg hinter Deckelfach etwas friemelig
  • keine Helmhalterung
  • Trichterförmige Außentasche nicht für Steigeisen o.ä. geeignet

Wissenswertes zum Thema Rucksack:

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
wpDiscuz