Vor jeder Tour steht ein mehr oder weniger großer Haufen Gepäck, der im Rucksack verstaut werden will. Und das möglichst sinnvoll, um damit auch bei langen Etappen bequem unterwegs zu sein. Stephan Bernau erklärt alles zum Thema "Rucksack richtig packen" und gibt Tipps aus der Praxis.

Zum richtigen Packen des Rucksacks gehört nicht nur das Verteilen der Ladung, sondern auch das „Managen“ ihres Gewichts und ihres Volumens. Die daraus resultierenden Erkenntnisse – was ist leicht und was ist schwer, was ist groß und was lässt sich komprimiert transportieren – sind fundamental und banal zugleich. Trotzdem ist die Ausgangslage je nach Tour und Ausrüstung sehr individuell und wegen dieser und anderer Unschärfen sind auch keine vorgefertigten Instant-Lösungen möglich. Wohl aber Erfahrungswerte wie die nachfolgenden Tipps und Überlegungen zum Rucksack richtig packen, die man an die eigenen Bedürfnisse anpassen muss – oder darf, je nach Sichtweise …

Rucksack richtig packen: 7 goldene Regeln im Überblick

Wer seinen Rucksack richtig packen will, muss – so ist es leider – auf unheimlich viel achten. Für einen ersten schnellen Überblick, sollte man diese sieben Regeln im Kopf haben:

  1. Leichte Ausrüstung (Schlafsack, Daunenjacke, …) im Bodenfach verstauen
  2. Mittlerschwere Ausrüstung (Kleidung) nach oben außen packen
  3. Schwere Ladung (Zelt, Proviant, …) in Schulterhöhe möglichst körpernah verstauen
  4. Kleinigkeiten, die häufig gebraucht werden, ins Deckelfach vom Rucksack packen
  5. Packsäcke nutzen, um Ordnung zu halten
  6. Die gesamte Ausrüstung sollte im Rucksack Platz finden – nur in Ausnahmefällen sperriges, leichtes (!) Gepäck außen befestigen
  7. Auf das Gesamtgewicht achten (Rucksackgewicht = max. 25 % des Körpergewichts)

Was sich genau hinter diesen sieben goldenen Regeln verbirgt und warum die Frage „Was brauchen ich und wann brauche ich es?“ so wichtig ist, liest Du im Folgenden.

Wie verteilt man die Ladung im Rucksack?

Die schwersten Gegenstände (rot) transportiert man am besten nah am Körper, oben in Schulterhöhe bzw. am Rücken. Beim Verteilen gilt zudem: "Was brauche ich wann?" Danach richten sich die Prioritäten und damit die feinere Aufteilung und Position der Packbeutel im Rucksack. | Grafik: Deuter
Die schwersten Gegenstände (rot) transportiert man am besten nah am Körper, oben in Schulterhöhe bzw. am Rücken. Beim Verteilen gilt zudem: „Was brauche ich wann?“ Danach richten sich die Prioritäten und damit die feinere Aufteilung und Position der Packbeutel im Rucksack. | Grafik: Deuter

Beim Rucksack richtig packen sind die Grundregeln einfach: Schweres wird möglichst körpernah in den Rucksack gepackt, damit der Schwerpunkt des Rucksacks möglichst nah am Schwerpunkt des Körpers liegt. Je weiter die beiden Schwerpunkte auseinanderliegen, desto größer ist die Hebelwirkung und damit die Mühe, die der Körper zum Tragen aufwenden muss.

  • Beim horizontalen Gehen sollte der Schwerpunkt des Rucksacks deutlich oberhalb der Hüften liegen. Der Rucksack unterstützt dann die leicht nach vorn gebeugte Gehbewegung, ohne das das Gewicht nach hinten oder unten zieht. Schwer-kompakte Gegenstände werden dann körpernah eher auf Schulterhöhe platziert.
  • Beim Steigen und Klettern sollte der Schwerpunkt näher an der Körpermitte, also weiter unten liegen. Denn die Arme werden zur Fortbewegung gebraucht und sollten unbelastet in alle Richtungen beweglich sein – ohne dass das Rucksackgewicht dabei dem Oberkörper folgend zu den Seiten ausschwenkt.

Generell gilt: Richtig gepackt ist der Rucksack, wenn man beim Gehen, Steigen und Klettern nicht in die falsche Richtung gezogen wird. Und wenn die Ladung nicht hängenbleibt, nass wird, schmutzig wird oder dem Wind eine größere Angriffsfläche bietet. All diese Dinge passieren gern mal, wenn ein zu kleiner Rucksack wie ein Weihnachtsbaum behängt wird.

Tipp: Wenn es denn schon sein muss, dann sollten außen am Rucksack ausschließlich sperrige, leichte Dinge wie Zeltstangen befestigt werden. (Wenn sie denn drinnen wirklich keinen Platz mehr finden)

Ordnung im Rucksack: Was gehört wohin beim Rucksack packen?

Der Rucksack-Experte Deuter erklärt die Grundregeln der Rucksackordnung recht einfach: „Schlafsack, Daunenausrüstung und andere leichte Gegenstände kommen ins Bodenfach. Mittelschwere wie Kleidung nach oben außen. Schwere Ausrüstung – Zelt, Proviant, dicke Jacken – nach oben in Schulterhöhe, möglichst nah an den Rücken. Kleinigkeiten sind im Deckelfach gut aufgehoben und schnell erreichbar. (…) Generell, gerade auch bei Seitentaschen, auf die gleichmäßige Gewichtsverteilung achten.“

Alles völlig richtig. Und doch kommt es in der Umsetzung der Quadratur des Kreises gleich. Denn die gut verteilte Ladung soll ja auch die Beweglichkeit nicht einschränken, während zugleich alle Gegenstände bestmöglich vor Druck, Nässe und anderer Beschädigung geschützt und dann auch noch in jeder Lage schnellstmöglich zur Hand sein sollen. Dass das nicht gelingen kann, ist oft das ernüchternde Fazit gleich zu Anfang einer Tour – speziell wenn die Ladung des Rucksacks nur von oben erreichbar ist.

Grundprinzip: Was brauche ich und wann brauche ich es?

Doch der Quadratur des Kreises kann man sich annähern. Entweder auf dem schon erwähnten Wege der mehr oder weniger langjährigen eigenen Erfahrung oder über Tipps wie den Folgenden, den ich aus eigener Erfahrung bevorzuge: Man richte sich quasi philosophisch an den fundamentalen, überall geltenden menschlichen Grundbedürfnissen in ihren verschiedenen Abstufungen aus. Das ist weniger kompliziert als es klingt und hilft bei der Entscheidung sowohl über die Auswahl als auch über die Menge des Gepäcks. Zu den Grundbedürfnissen gehören:

  • Essen (Vielfalt?, Mehrere Tage?)
  • Übernachten, Schutz (Platz- und Komfortbedarf?)
  • Wärme – Kleidung (wie viele Höhenstufen/Klimazonen?)
  • Hygiene – Körperpflege (Grenze des Wohlbefindens?)
  • Fortbewegung (Seil, Gurt, Sicherungsmaterial?, …)

Packbeutel erleichtern Packen und Ordnung

Nach diesen Bedürfnissen kann man verschiedene Packsäcke packen und im Rucksack verstauen. Die sich ergebende Ordnung und Rangfolge ist logisch und lebensnah, weshalb man mit ihrer Hilfe auch ohne „Outdoorerfahrung“ jeden Rucksack so packen kann, dass man der Quadratur des Kreises doch recht nahe kommt.

„Was brauche ich wann?“ ist die nächste Frage, mit der sich die Prioritäten und damit die feinere Aufteilung und Position der Packbeutel im Rucksack wie von allein ergibt. Das Ganze funktioniert prima – allerdings nur, wenn genügend Nylonbeutel, Packsäcke und/oder Plastiktüten zur Hand sind. Zu wenige Beutel bedeuten Chaos und Schutzlosigkeit der Einzelteile oder „tote Winkel“ im Rucksack wegen der fehlenden Formschlüssigkeit. Zu viele Beutel können zu langen Wühlaktionen führen, wenn man sich nicht mehr merken kann, was wo eingepackt ist. Besonders praktisch: ein oder zwei Extrabeutel für Müll und Schmutzwäsche.

Tipp: Packsäcke aus Nylon sind in der Regel farblich besser unterscheidbar, robuster, langlebiger und wasserdicht verschließbar, während Plastik-Einkaufstüten billiger sind.

Packbeutel sind beim Rucksack packen ideale Helfer und sorgen für einen besseren Überblick. | Foto: Exped
Packbeutel sind beim Rucksack packen ideale Helfer und sorgen für einen besseren Überblick. | Foto: Exped

Was ist die richtige Rucksack-Größe?

Auch beim Rucksack gilt: „Size matters“ – Stichwort Rucksackgröße. Wie beim Anpassen des Rucksacks an den Träger wird auch beim Thema Packen gern vergessen, dass es auf das Volumen ankommt. Das fängt beim Kauf an, denn schon hier sollte man lieber einen größeren Rucksack „mit Reserve“ als einen zu kleinen wählen. Es ist weit besser, einen nicht ganz vollen Rucksack zu komprimieren, als Dinge außen dranzuhängen (dazu später mehr). Grundsätzlich solltest Du vor dem Kauf wenigstens grob wissen, welche Art von Touren Du vorhast. Der Rucksack sollte dann gerade eben groß genug sein, um diese künftigen Touren abzudecken und dabei ein wenig Spielraum bieten.

Orientierung bieten die gängigen  Rucksackbezeichungen  wie „Skitourenrucksack„, „Kletterrucksack„, „Trekkingrucksack„, „Wanderrucksack Tagestouren“, „Wanderrucksack Wochenendtouren“, usw. Die Größen bewegen sich dann allerdings immer noch im Rahmen von plus/minus zehn Litern, die zu wenig oder zu viel sein können. Bei Bedarf hilft unser Bergzeit Kundenservice via Live-Chat und Hotline gerne weiter.

Doch mit dem Volumen sollte auch nicht übertrieben werden. Sicher, niemand wird sich freiwillig überladen, doch zumindest Einsteiger, die weder Erfahrungswerte noch Kenntnis ihrer Grenzen haben, können ganz schön in Versuchung kommen, den Trekkingrucksack zu überladen. Gerade dann, wenn sich das 80-Liter-Teil bei der Generalprobe mit 15-Kilogramm-Testgewicht auch nach zehn Minuten noch super anfühlt.

Tipp: Hinterfrage Dein Gepäck! Sind Deo und Feuchtigkeitscreme bei Deiner Tour wirklich notwendig?

Zuladung: Wieviel Kilo sind das Maximum?

Idealerweise lässt sich das gesamte Gepäck im Rucksack verstauen. Beim Rucksack richtig packen auf eine ausgewogene Lastenverteilung (links/rechts) achten. | Foto: Fredrik Schenholm/Bergans
Idealerweise lässt sich das gesamte Gepäck im Rucksack verstauen. Beim Rucksack richtig packen auf eine ausgewogene Lastenverteilung (links/rechts) achten. | Foto: Fredrik Schenholm/Bergans

Auch beim Thema Rucksack richtig packen führt beim Ladegewicht wie so oft der goldene Mittelweg zum Ziel: weder zu zaghaft, noch übertrieben. Ermitteln wir zuerst die Maximalgröße, für die man den Umweg über das Maximalgewicht gehen muss. Für dieses nehme man das eigene Körpergewicht und teile den Wert durch vier. Zumindest dann, wenn man sich als robust einschätzt. Wenn man sich aus weniger hartem Holz geschnitzt wähnt, teile man besser durch fünf.

  • Faustregel Rucksackgewicht: Körpergewicht : 4 (gut trainiert) bzw. Körpergewicht : 5 (trainiert)

Die hier genannte Faustregel richtet sich nach einer Definition des Rucksackherstellers Deuter. Deuter spricht dabei von maximal 20 bis 25 Prozent des Körpergewichts als zumutbare Dauer-Last für trainierte Menschen. Die Bundeswehr geht im Vergleich dazu von viel mehr aus – nämlich 33 Prozent. Dort sind die Touren mit Rucksack aber auch bekanntermaßen extrem anstrengend! Zudem spielt der Spaßfaktor, den wir im Outdoorbereich nicht ganz vernachlässigen wollen, beim – nun ja – Training für den Krieg, eine eher untergeordnete Rolle.

Letztlich ist alles eine Frage des Maßstabs. Was wirklich „trainierte Menschen“ sind, zeigen nicht nur fern-exotische Völker wie die Sherpa, sondern auch die letzten europäischen Lastenträger in der Hohen Tatra, die bis zu 80 Kilogramm schultern, um die dortigen Berghütten zu versorgen.

Rucksack richtig packen: Durchschnittswerte von Volumen zu Gewicht

Wie kann man das Volumen eines Rucksacks in Gewicht umrechnen? Hier lassen sich nur Schätzungen und circa-Angaben machen, denn die Zusammensetzung der Rucksackladung von zig Millionen Bergwanderern, Trekkern, Bergsteigern und Fernreisenden ist höchst verschieden. Es ergeben sich bei gleichen Gewichten sehr unterschiedliche Volumina und bei gleichen Volumina höchst unterschiedliche Gewichte. Hier können also nur grobe Mittelwerts-Schätzungen und Erfahrungswerte ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder völlige Korrektheit herangezogen werden.

Beispieltabelle Rucksackgewicht

Rucksack-Typ Volumen Durchschnittsgewicht
Wanderrucksack Tagestour 15 bis 20 Liter 3 bis 6 Kilo *
Wanderrucksack Mehrtagestour 20 bis 35 Liter 5 bis 10 Kilo *
Kletter-/Hochtourenrucksack 30 bis 50 Liter 7 bis 13 Kilo *
Trekkingrucksack 60 bis 18 Liter 10 bis 18 Kilo *
* bei durchschnittlicher Beladung, basierend auf Erfahrungswerten

Kleiner Zusatztipp: Rücken stärken

Im Vergleich zu dem, was die Sherpa, die Slowaken und die harten Jungs und Mädels auf den Zeitschriftencovern so wegpacken, ist das eigene Maximal-Tragegewicht meist eine ernüchternd geringe Größe. Doch das muss weder entmutigen noch ganz und gar so bleiben. Wer bereit ist, Tourenambitionen etwas herunter- und Trainingseinsatz etwas heraufzuschrauben, hat alles selbst in der Hand (oder besser gesagt auf dem Rücken). Wie wäre es mit etwas Stärkung für die nach Tourenende doch oft arg ramponierten Schultermuskeln?

Genauer, der Trapezmuskeln, die Wirbelsäule und Nacken mit den Schultern verbinden. Die Trapezmuskeln sind ohnehin vom zu viel sitzenden Lebensstil meist unterentwickelt und schmerzen besonders häufig. Mit maximalkräftigen bis kraftausdauernden Übungen lassen sie sich binnen weniger Monate stärken. Neben vermehrter „Tragepower“ bei Rucksacktouren bringt das als netten Nebeneffekt auch das Ende aller Nackenschmerzen im Alltag. Übungen dazu finden sich bei entsprechender Schlagwortrecherche online oder – besser – in fundierten Anleitungsbüchern wie „Fit ohne Geräte“ von Mark Lauren. Letzteres ist ein persönlicher Tipp für einen sinnvollen Fitness-Mainstream-Trend, der ausnahmsweise wirklich taugt. Zwar garantiert auch der nicht, dass man es selbst aufs Zeitschriftencover schafft, doch das ist ja ohnehin nur zweitrangiges Ziel.

Auf einen Blick: 10 Tipps zum Rucksack richtig packen

  • Das Volumen des Rucksack sollte zur Tour passen
  • Hinterfrage Deine Ausrüstung: Was brauchst Du (wirklich)?
  • Maximales Ladegewicht: <= 25 Prozent Deines Körpergewichts
  • Schweres möglichst körpernah transportieren
  • Leichte, voluminöse Ausrüstung gehört ins Bodenfach
  • Mittelschwere Ausrüstung nach außen
  • Nutze das Deckelfach für das, was Du häufig brauchst.
  • Achte auf eine ausgewogene Lastenverteilung
  • Ordne nach dem Prinzip „Was brauche ich wann“
  • Packsäcke erleichtern dabei die Ordnung
  • Zusatztipp: Stärke Deinen Rücken!

Du brauchst noch den passenden Rucksack zum Packen?

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