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Wie eine Wolke

Mountain Equipment Xeros: Daunenschlafsack im Test

6 Minuten Lesezeit
Gerade einmal 1.075 Gramm bringt der Xeros von Mountain Equipment auf die Waage und ist damit ein Leichtgewicht unter den Daunenschlafsäcken im Temperaturbereich bis -12°C. Florian Fischl hat getestet, ob leicht auch praktisch und komfortabel ist.

Es ist Hochsommer, als ich zu diesem Schlafsacktest eingeladen werde. Draußen hat es plus dreißig Grad – und die Produktbeschreibung verspricht: „Temperatur Extrem: -31°C“. Trotzdem überlege ich einen Augenblick, ob ich nicht doch mal kurz hineinschlüpfen sollte, so einladend kommt der Mountain Equipment Xeros Daunenschlafsack daher. Mein Sommerblues fällt in den darauffolgenden Monaten schwerer aus als sonst, aber irgendwann ist es soweit und ich kann mit der ersten kalten Witterungsphase endlich loslegen.

In den folgenden Monaten zeigt sich so richtig kalte Polarluft über dem Alpenraum leider eher selten. Trotzdem verbringe ich bis Februar 2018 insgesamt fünf Nächte im Mountain Equipment Xeros – drei Mal habe ich unter freiem Himmel die Ehre, zwei Mal ist ein tiefgefrorener Bus mein Zuhause für die Nacht. Bei Temperaturen zwischen minus zwei und minus elf Grad kratze ich – laut Herstellerangaben – sogar am oberen Komfortlimit. Kalt ist es mir im Xeros trotzdem nie.

 Trapez-Kammerkonstruktion sorgt für gleichmäßige Isolation

Der erste Eindruck zählt – und der ist in jedem Fall erstmal positiv. Ich steige (meist kalt) in den Mountain Equipment Xeros und weiß sofort, dass ich gut schlafen werde. Der Xeros begrüßt mich mit einer enorm hohen Bauschkraft (800+ cuin; 90/10 Daune/Federn) und wärmt innerhalb von wenigen Minuten, wobei ich immer eine lange Unterhose und ein T-Shirt trage. Die Daunen aus ethisch unbedenklicher Tierhaltung sorgen dabei für ein doppelt gutes Gefühl. Für Tierwohl und Qualität bürgt  Mountain Equipments hauseigenes Zertifikat Down Codex, das eine transparente Lieferkette der Daunen ermöglicht.

Dank der cleveren Trapezkammer-Konstruktion wird die Daune optimal in Position gehalten. Selbst beim Umdrehen entstehen keine Kältebrücken. Es gibt sozusagen keine „Schokoladenseite“, auf der man liegen muss. Der „alpine“ Mumienschnitt reduziert den zu wärmenden Luftanteil und fühlt sich dank der elastischen Innennähte niemals eng an. Wer mag, kann im Fußbereich auch noch ein Mid-oder Baselayer für den nächsten Tag wärmen.

Daunenkammern mit trapezförmigem Querschnitt sorgen dafür, dass sich die Daune im Xeros immer gleichmäßig verteilt. | Foto: Florian Fischl
Daunenkammern mit trapezförmigem Querschnitt sorgen dafür, dass sich die Daune im Xeros immer gleichmäßig verteilt. | Foto: Florian Fischl

Material: Drilite® Loft™ Xero 10D

Ein weiteres Highlight beim Xeros ist das Drilite® Loft™ Xero 10D Obermaterial. Das extrem leichte und hoch atmungsaktive Material zählt zu den innovativsten seiner Art. Gerade einmal 28 Gramm bringt ein Quadratmeter des mit zehn Dernier hauchfeinen Gewebes auf die Waage. Eine mikroporöse Polyurethan-Beschichtung (Wassersäule 1.500 Millimeter) sorgt dafür, dass die Füllung auch bei ungemütlichen Bedingungen trocken bleibt.

Nach einer Nacht mit leichtem Schneefall bei minus zwei Grad ist mein Mountain Equipment Xeros am nächsten Morgen so gut wie trocken. Durch die Kombination aus molligen Kopfbereich und hochfunktionellem Außenmaterial lässt sich mit dem Xeros bedenkenlos auch Wind und leichten Niederschlag in Kauf nehmen, ohne auf Komfort zu verzichten.

Kragen und Kapuze: Erhöhter Wohlfühlfaktor

Im Kopfbereich werde ich vom EXL® Kragen und der DC7 Kapuze verwöhnt. Was einfach viel zu technisch klingt ist in Realität nichts anderes als hohe Handwerkskunst und Verständnis für die detaillierten Anforderungen an alpine Schlafsäcke: Mountain Equipment platziert im Kopfbereich sieben Kammern, sodass die Daune auch hier nicht verschoben wird – das sorgt für eine gesteigerte Wärmeisolationsleistung.

Der integrierte, ebenfalls bauschige Kragen schafft einen reibungslosen Übergang zwischen Oberkörper- und Kopfbereich und legt sich so sanft um meinen Hals, dass ich ihn beim ersten Mal gar nicht richtig wahrnehme.

Mehr als einmal genieße ich die Unabhängigkeit zwischen Kragen und Kapuze, die eine Feineinstellung ermöglicht, ohne auf Wärmeleistung im Unter- und Oberköperbereich zu verzichten. Beispielsweise ist es möglich, den Kragen enger und die Kapuze lockerer einzustellen wenn es draußen nicht so kalt ist. Ist der untere Teil des Xeros schon eine Wolke, fühlt sich der Kopfbereich an wie ein ganzes Wolkenmeer. Da drückt Mountain Equipment selbst bei markanten Minusgraden ordentlich auf die Wellnesstube.

Verschluss: Lode Lock Magnetverschluss und Reißverschluss

Sehr neugirig bin ich beim Testen auf den  Lode Lock™ Magnetverschluß am Wärmekragen. Die Magnete befinden sich auf Höhe des Reißverschlussendes und lassen sich nur in eine Richtung öffnen. In der Praxis schließen sich aber häufig von alleine, was mir erfreulicherweise den ein oder anderen Griff erspart. Für das Feintuning befindet sich an Kragen und Kapuze jeweils noch ein Schnürzug, der sich – aufgrund seiner Haptik – auch im Dunkeln wunderbar bedienen lässt.

Lode Lock™: Der Magnetverschluß am Kragen ist ein Komfort-i-Tüpfelchen. | Foto: Florian Fischl
Lode Lock™: Der Magnetverschluß am Kragen ist ein Komfort-i-Tüpfelchen. | Foto: Florian Fischl

Der seitliche Zwei-Wege-Reißverschluss, inklusive Einklemmschutz und Querkammer, reicht nur bis knapp oberhalb des Fußbereichs herunter. Er kann wunderbar schnell im Liegen bedient werden, sodass ich nachts schnell aus dem Schlafsack raus und wieder rein komme. Für den Ausstieg reicht die Länge des Reißverschlusses vollkommen aus – und gleichzeitig bleibt das Wärmeempfinden im Fußbereich höher.

Packmaß und Gewicht

Mein Testschlafsack bringt mit einer Länge von 2,05 Metern (Größe XL) gerade mal 1.100 Gramm auf die Waage. Für einen Daunenschlafsack, der mich auch im zweistelligen Minusbereich warm hält, sehr beeindruckend! Auch das Packmaß ist für einen ausgewachsenen Dauenschlafsack ausgesprichen klein. Der Mountain Equipment Xeros versteckt sich nahezu im mitgelieferten (wasserfesten) Packsack und hält ganz locker das angegebene Packmaß von 27 x 25 x 21 Zentimeter ein.

Mein Test-Fazit zum Mountain Equipment Xeros

Beeindruckend kleines Packmaß für so viel Wärme. | Foto: Flo Fischl
Beeindruckend kleines Packmaß für so viel Wärme. | Foto: Flo Fischl

Der Xeros ist ein hochfunktioneller, alpiner Daunenkokon mit einer Dauenfüllung aus artgerechter Tierhaltung. Hier fühle ich mich wie von einer „wärmenden Wolke“ umhüllt. Egal wie ich mich bewege – es ist außergewöhnlich komfortabel in meinem Schlafsack. Dank seiner extrem hochwertigen und durchdachten Konstruktion gehe ich in keinem Einsatzbereich Kompromisse ein. Sein sensationell niedriges Gewicht, die gleichzeitig enorme Wärmeleistung und die hochwertige, nachhaltige Daune sind den relativ hohen Anschaffungspreis des Xeros in jedem Fall wert – sofern man auf solche Eckdaten Rücksicht nimmt.

Der Xeros setzt in jedem Fall Maßstäbe und gehört auf die Packlisten alpiner Unternehmungen, bei denen das Verhältnis von Wärmeleistung zu Gewicht ausschlaggebend ist. Mein Xeros wird mich noch lange begleiten und mir schon während einer anstrengenden Tour die Gewissheit über eine darauf folgende gute Nacht schenken.

Eckdaten zum Mountain Equipment Xeros

  • Einsatzgebiete: Bergsteigen, Expedition
  • Gewicht: 1.075 Gramm (regular)
  • Körpergröße: 185 Zentimeter (regular), 200 Zentimeter (XL)
  • Material: 100 Prozent Polyamid (innen, außen)
  • Füllung: 100 Prozent Daunen
  • Temperaturbereich: minus fünf Grad Celsius (Komfort), minus zwölf Grad Celsius (Limit),  minus 31 Grad Celsius (Extrem)
  • Ausstattung: gefütterte Abdeckleiste, Kapuze, Wärmekragen, Zwei-Wege-Reißverschluss
  • Eigenschaften: elastische Nähte, koppelbar, wasserabweisendes Außenmaterial, atmungsaktiv

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