Große Höhen, starker Wind und frostige Temperaturen: Der MSR Reactor 1.0 Liter Stove ist gemacht, um auch bei widrigsten Expeditionsbedingungen verlässlich seinen Dienst zu tun. Steffen Kruse hat den Systemkocher drei Wochen lang im Pamir getestet.
Kochereinheit und Ein-Liter-Topf: Der MSR Reactor Stove 1.0 l kommt unaufgeregt daher, ist aber eine echte Heizkanone.
Kochereinheit und Ein-Liter-Topf: Der MSR Reactor 1.0 Liter Stove kommt unaufgeregt daher, ist aber eine echte Heizkanone.

Wie der Name „Reactor“ schon erahnen lässt, handelt es sich beim MSR Reactor 1.0 Liter Stove um ein echtes Kraftpaket. Der Reactor Stove gilt hinsichtlich Leistung und Brennstoffverbrauch als das effizienteste Kochersystem auf dem Markt, auch unter widrigen, kalten Bedingungen in großen Höhen. Nicht umsonst ist der Reactor 1.0 Liter ebenso wie seine großen Brüder, die 1,7- und 2,5-Liter-Varianten, besonders bei Expeditionsbergsteigern und Wintertrekkern beliebt. Auch wir hatten das Kocherset während unserer dreiwöchigen Pamir-Expedition zum Pik Lenin im Hochbetrieb. Die harten Fakten zum Härtetest vorweg: Im Ein-Liter-Topf haben wir binnen 21 Tagen in Höhen bis über 5.000 Meter und bei Temperaturen bis minus 25 Grad rund 200 Liter Wasser gekocht bzw. größtenteils aus Schnee eingeschmolzen. 

Kompaktes Kocherset

Klein und kompakt: Der Brenner passt in den Topf. Auch eine kleine Gaskartusche soll noch hinein passen. Für den Einsatz auf Expedition waren uns diese jedoch zu klein.
Klein und kompakt: Der Brenner passt in den Topf. Auch eine kleine Gaskartusche soll noch hinein passen. Für den Einsatz auf Expedition waren uns diese jedoch zu klein.

Der MSR Reactor Stove besteht aus Kocher, Reactor-Topf, einem BPA-freien Siebdeckel, einem MSR-PackTowl-Topfschutz und einem Topfgriff mit Klapp-/Einrastmechanismus. Die Kochereinheit kann in dem Ein-Liter-Kochtopf verstaut werden. Theoretisch findet auch noch eine kleine Brennstoffkartusche darin Platz. Da wir bei unserer Expedition nur 230-Gramm-Gaskartuschen verwendet haben, hat sich dieser Punkt für uns im Praxistest erübrigt – wer länger unterwegs ist, hat ohnehin mehr als eine Kartusche im Gepäck. Dennoch ist das gesamte Kocherpaket super kompakt und leicht, zumal sich auch andere Ausrüstungsgegenstände im Kochtopf verstauen lassen.

Die Brennereinheit des MSR Reactor Stove lässt sich direkt auf die Kartusche schrauben, ist durch ein Gitter gut geschützt und macht einen robusten Eindruck. Der aufklappbare Henkel ist auch gleichzeitig der Verschluss des Topfes. Beim Erstkontakt mit dem Systemkocher ist es ein wenig fummelig, diesen zu öffnen, aber man gewöhnt sich schnell daran, nicht immer gleich den ganzen Henkel „abzureißen“. Der Deckel hat ein verschließbares Gummiloch in der Mitte und eine Ausschenkmöglichkeit am Rand, genauso wie der Topf.

Expeditionsalltag: Der MSR Reactor 1.0 Liter Stove im Praxistest

Die Brennereinheit ist konstruktionsbedingt nahezu immun gegen Wind, zumindest, wenn sie erst einmal brennt. Der Brenner des MSR Reactor Stove „verschwindet“ im Topfboden und wird durch diesen geschützt. Dieses System ist auch mit ein Grund dafür, dass der Reactor Stove zu den leistungsfähigsten Kochern seiner Klasse zählt. Selbst in großer Höhe konnten wir mehr als doppelt so schnell einen Liter Schnee schmelzen als mit einem normalen Gaskocher. Das ist sicherlich auch die größte Stärke des MSR Reactor Stove: Wasser schmelzen und zum Kochen bringen.

Bevorzugtes Einsatzgebiet des MSR Reactor 1 Liter Stove: Schnee schmelzen!
Bevorzugtes Einsatzgebiet des MSR Reactor Stove 1.0 Liter: Schnee schmelzen und Wasser kochen!

Für die kreative Outdoorküche ist der MSR Reactor Stove 1.0 Liter allerdings die falsche Wahl. Für „echtes Kochen“ lässt sich die Hitzezufuhr nicht ausreichend regulieren, daher würde ich den Systemkocher nicht auf einen „normalen“ Wanderurlaub mitnehmen. Hier bietet mein Multifuelkocher einfach eine größere Einsatzbreite. Allerdings: auf einer Expedition, wo es darum geht, an reichlich Flüssigkeit für Getränke und Tütenküche zu kommen, gibt es nichts Effizienteres als den MSR Reactor Stove. Da sowieso meist nur Wasser erhitzt wird, fällt dem Punkt Reinigung relativ wenig Bedeutung zu. Dennoch lässt sich auch eine Tütensuppe mal direkt im Reactor kochen und dann ist die Reinigung erprobt unproblematisch.

Als einziger Nachteil des MSR Reactor Stove bzw. mehr als Hinweis ist die erhöhte Kohlenmonoxid-Entstehung anzuführen, die auch in diversen Foren schon ausgiebig diskutiert wurde. Ich gehe davon aus, dass jemand, der auf Expedition geht, neben dem bergsteigerischen Geschick auch genügend Erfahrung mitbringt, um beim Kochen im Vorzelt für ausreichend Frischluftzufuhr zu sorgen.

MSR Reactor Stove 1.0 Liter: Das Test-Fazit

Nach den drei Wochen im Pamir bin ich mit dem „Kleinen“ aus der Reactor-Serie von MSR voll zufrieden. Der Systemkocher hat seinen Zweck erfüllt und uns auch in großen Höhen über 5.000 Metern nie im Stich gelassen. Für mich gibt es keinen effizienteren, kompakteren und leichteren Expeditionskocher, daher ist der MSR Reactor Stove quasi ein „Must Have“ für jede Expeditionsmannschaft. Der relativ hohe Anschaffungspreis sollte in dieser Liga dann auch kaum eine Rolle spielen. Um den Reactor im „normalen“ Outdoor-Alltag mit auf Tour zu nehmen, finde ich den Kocher eher unpraktisch und ziehe die vielfältigen Optionen eines Multifuelkochers vor.

Systemkocher im Vergleich

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