Draußen ausprobiert
Mit dem Kestrel 48 hat Osprey einen durchdachten Tourenrucksack für längere Einsätze entwickelt, sei es Alpenüberquerung, Hochtour oder Trekkingreise - oder eine mehrtägige Mittelgebirgstour mit Bergzeit-Tester Peter Fobe.

Für Wanderer und Bergsteiger ist die Equipmentwahl in den seltensten Fällen eine einfache. Klar, nicht jedes Ausrüstungsteil ist gleich wichtig für Wohl und Wehe einer Tour. Wenn die Hose schlecht sitzt oder die Flasche leicht tropft, kommt man meist trotzdem problemlos ans Ziel. Stellt sich jedoch während der Tour heraus, dass der Rucksack drückt, zu wenig Stauraum bietet oder keine Regenplane an Bord hat, kann das schwerwiegende Folgen haben.

Die Wahl des neuen Rucksacks ist deshalb für viele eine schwierige Entscheidung. Vor dem Hintergrund unzähliger Größen, Tragesysteme und Detaillösungen wünscht man sich schnell den einen Rucksack, der alles kann. Natürlich ist das Wunschdenken. Doch der Kestrel des kalifornischen Rucksackpioniers Osprey kommt diesem Ideal schon sehr nahe!

Außen: Der Osprey Kestrel 48 hat sinnvolle Verstaumöglichkeiten

Das Tragesystem von Osprey ist sehr bequem und sitzt dank der guten Verstellmöglichkeiten hervorragend. | Foto: Peter Fobe
Das Tragesystem von Osprey ist sehr bequem und sitzt dank der guten Verstellmöglichkeiten hervorragend. | Foto: Peter Fobe

Der Osprey Kestrel 48 bringt alles mit, was man von einem Rucksack erwartet, über den man sich möglichst nie mehr Gedanken machen will. Zahlreiche Riemen, Schlaufen und Halterungen an den Außenseiten sorgen dafür, dass der Rucksackinhalt sicher sitzt und dass auch außen angebrachtes Equipment sicher befestigt ist. Die beiden oberen „StraightJacket“-Kompressionsriemen an den Seiten lassen sich bei Bedarf an der Rucksackvorderseite zusammenclippen und bilden so eine zusätzliche Befestigungsmöglichkeit, zum Beispiel für ein Seil.

Besonders praktisch finde ich die großen Stretch-Außentaschen an den Seiten und vor allem auf der Rucksackfront, in die sich jede Menge Zeug verstauen lässt, an das man schnell heran muss oder das im Inneren des Rucksacks nichts verloren hat.

Für richtige Hochgebirgsausflüge hat der Osprey Kestrel zudem eine Schlaufe für einen Eispickel sowie eine intelligente Stockhalterung namens „Stow-on-the-Go“ an Bord. Damit lassen sich Stöcke ganz einfach während dem Gehen in einer Schlaufe an der unteren linken Seite des Rucksacks einsetzen und per Kordelzug auf Brusthöhe am linken Schulterträger befestigen.

Sowohl die seitliche Einschubtasche am Rucksack als auch die Kleinteiltasche auf dem Hüftgurt bleiben dabei weiterhin problemlos zugänglich. Ebenfalls praktisch: Die abnehmbaren Schlaufen am Bodenfach zur Befestigung von Isomatte oder Schlafsack.

Innen: Guter Zugang von mehreren Seiten

In der 48 Liter-Version bietet der Osprey Kestrel mehr als genug Platz für ausgedehnte Mehrtagestouren. Das große Hauptfach ist nicht nur über den Deckelzugang, sondern zusätzlich über das Bodenfach und einen seitlichen Reißverschluss zugänglich.

Damit lässt sich selbst Ausrüstung leicht erreichen, die mitten im Rucksack verstaut ist. Das Deckelfach ist nicht abnehmbar und bietet sowohl außen als auch innen je ein Reißverschlussfach.

Der Deckel ist auf der Rückseite des Rucksacks fest mit dem restlichen Rucksack vernäht und kann daher nicht über Schlaufen in der Höhe verstellt werden. Hier fände ich etwas mehr Spiel nach oben sinnvoll, damit der Deckel bei vollem Haupt- und Deckelfach noch gut über das Hauptfach gezogen werden kann und nicht irgendwann am Kopf anliegt.

Das Osprey-Tragesystem: Aufsetzen, anpassen, losgehen

Das Tragesystem von Osprey ist sehr bequem und sitzt dank der guten Verstellmöglichkeiten hervorragend. | Foto: Peter Fobe
Das Tragesystem von Osprey ist sehr bequem und sitzt dank der guten Verstellmöglichkeiten hervorragend. | Foto: Peter Fobe

Klar, ein und derselbe Rucksack fühlt sich wahrscheinlich auf jedem Rücken ein bisschen anders an. In meinem Fall hieß es von der ersten Minute an: Aufsetzen und wohlfühlen! Die per Klett verstellbare Rückenplatte sorgt für bequemen Sitz und lässt sich vermutlich an fast jeden Oberkörper anpassen. Der umlaufende Metallrahmen stabilisiert das gesamte System und ist dennoch leicht.

Das Airspace-Konzept am Rücken belüftet selbst vollbeladen noch gut und bietet weiche Polsterung an allen wichtigen Stellen. In Verbindung mit dem angenehm breiten und weichen, aber trotzdem stabilen Hüftgurt lässt sich die Last selbst bei vollem Rucksack sehr gut verteilen. So kommen auch nach mehreren Stunden keine Schmerzen auf. Wer noch mehr Halt am Oberkörper braucht, nutzt den gut verstellbaren Brustgurt, an dem sich zudem eine Signalpfeife für Notfälle befindet.

Viele Einsatzbereiche: Von Tagestour bis Trekking

Auch wenn ich den Osprey Kestrel 48 bislang nur auf zwei mehrtägigen Mittelgebirgstouren im Einsatz hatte, fällt es schwer, mir vorzustellen, wofür sich der Rucksack nicht eignen würde. Klar, zum richtigen Klettern oder für eine Radtour ist er zu groß und bietet zu wenig Kopffreiheit nach hinten. Aber für diese Einsatzbereiche ist er auch nicht gemacht, dafür gibt es ganz andere Rucksäcke.

Abgesehen davon sollte der in vielen verschiedenen Größen erhältliche Kestrel wirklich alles mitmachen, angefangen von der Tagestour im Flachland bis hin zum mehrtägigen Himalaya-Trekking.

Test-Fazit: Der Osprey Kestrel macht fast alles mit

Beim Osprey Kestrel stimmt jedes Detail - auch eine Regenhülle ist integriert. | Foto: Peter Fobe
Beim Osprey Kestrel stimmt jedes Detail – auch eine Regenhülle ist integriert. | Foto: Peter Fobe

Wer einen sehr soliden, gut verarbeiteten und trotzdem leichten Wander- und Tourenrucksack sucht, der einen im Grunde überall hinbegleitet, macht mit dem Kestrel von Osprey alles richtig. Der Rucksack sitzt hervorragend und sehr angenehm auf dem Rücken. Die Träger an den Schultern und der Hüfte drücken nicht und das Rückensystem bietet sehr gute Verstellmöglichkeiten und ausreichend Luftzirkulation.

In der 48 Liter-Version bietet der Kestrel massig Stauraum, an den man jederzeit ohne viel Aufwand herankommt. Zusätzliches Equipment lässt sich außerdem sehr leicht außen an den vielen Schlaufen befestigen. Wer will, kann auch eine Trinkblase mitnehmen. Und die integrierte Regenhülle hält selbst Dauerregen zuverlässig ab. Mehr Rucksack geht eigentlich kaum!

Und sollte beim Material oder der Verarbeitung doch mal etwas nicht in Ordnung sein, bietet Osprey mit seiner „All Mighty Guarantee“ eine der wohl besten Herstellergarantien überhaupt an!

Weitere Trekkingrucksäcke im Test bei Bergzeit

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

  Abonnieren  
Benachrichtige mich zu: