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Flexibel und zuverlässig

Der SOTO Stormbreaker Multifuel-Kocher im Test

8 Minuten Lesezeit
Vielfältig einsetzbar, einfach in der Handhabung und effizient in puncto Verbrennung: Der Soto Stormbreaker verspricht im Flüssigbetrieb ohne Vorheizen startklar zu sein und funktioniert auch mit Tankstellenbenzin. Wie er sich im Test geschlagen hat, erfährst Du hier.

Zu Fuß auf dem Altmühltal Panoramaweg. Der Weg ist eher sanft hügelig,  die seltenen Anstiege kurz. Eine Genusswanderung vor der Haustür. Aber egal, wo wir gerade unterwegs sind, ich kenne das „Spiel“ schon: Nenn es unterzuckert oder Hungerast, ich muss immer schnell was zu essen oder trinken zaubern können, sonst fällt die Stimmung ins Bodenlose. Zuletzt hatten wir immer eine Thermoskanne dabei, für eine schnelle Tee-Pause. Aber Thermos-Tee schmeckt schal und alt. Dieses Mal konnte ich mit frischem Tee innerhalb von sechs Minuten punkten. Ohne schlechtes Gewissen, wie lange die Kartusche hält. Der Benzintank hält lange und zum Nachladen braucht es nur eine Tankstelle.

Soto Stormbreaker kocht Teewasser
Teatime – Mit dem SOTO Stormbreaker kocht das Teewasser fix | Foto: Ralf Stefan Beppler

Das Produkt: SOTO Stormbreaker Multifuel

Der Stormbreaker von SOTO ist ein Multifuel-Kocher. Das heißt, dass man ihn sowohl mit Benzin als auch mit Gaskartuschen betreiben kann. Für die beiden potenziellen Brennstoffe gibt es jeweilige Adapter, die an der Brennstoffzuleitung zum eigentlichen Kocher befestigt werden. Die Befestigung sieht auf den ersten Blick etwas fragil aus, wird aber ohne Kraftaufwand mittels eines Bajonettverschlusses (Schraube nach hinten ziehen, Zuleitung einstecken und Schraube wieder einrasten lassen) unkompliziert gesteckt. Das flutscht ziemlich einfach und bedarf keines Sicherungsbügels wie bei manchen anderen Benzinern.

Da der Betrieb mit Gas kein Hexenwerk ist, sondern wie jeder Gaskocher funktioniert (kompatibel mit allen Kartuschen mit internationalem Schraubgewinde von SOTO, Snow Peak, Coleman, Markill, Optimus oder Primus, stabiler ausklappbare Füße und breiter und langer Regulierungsbügel – leider ohne Piezo-Zündung), konzentriere ich mich hier auf die Benzinvariante. Die Umrüstung von Benzin auf Gas ist zudem denkbar einfach durch den erwähnten Bajonettverschluss.

Warum Benzinkocher?

Grundsätzliches vorweg: Viele Menschen haben Angst vor einem Benzinkocher. Zu gefährlich, zu kompliziert, heißt es dann. Beides muss nicht stimmen und man sollte jeden Kocher mit Respekt, Vorsicht und unter Einhaltung jeweiliger Sicherheitsbedingungen nutzen. Ein Spirituskocher scheint auf den ersten Blick sicher. Spiritus in das Kochergefäß und dann anzünden. In Skandinavien, wo diese weit verbreitet sind, hört man immer wieder von schlimmen Verbrennungen, weil die Nutzer Spiritus in den leergebrannten Kocher nachfüllen wollten, um weiterkochen zu können. Dummerwiese entzündet sich Spiritus in einen heißen Brenner selbstständig mit einer Stichflamme, die zu schweren Verletzungen führen kann. In der Anleitung wird darauf deutlich hingewiesen. Wer diese beachtet und sich an die Bedienungsanleitung hält, setzt sich keiner Gefahr aus.

Und kompliziert? Das hat etwas mit Erfahrung zu tun. Benziner funktionieren letztlich wie Gaskocher – nur, dass der Druck in der Gaskartusche schon aufgebaut ist, während man den Druck in der Benzinflasche durch Pumpen aufbauen muss. Auch der Benziner verbrennt kein „Sprit“. Das Benzin wird in einem Vergaser unter Druck zu Gas. Nur dann brennt Benzin mit blauer Flamme.

Die meisten Benziner müssen heute immer noch vorgeheizt werden. Das ist in der Regel die Phase, wo der Kocher am unkontrolliertesten und unsaubersten brennt – und dabei verrußen und die Zuleitung oder das Ventil verstopfen kann. SOTO verspricht beim Stormbreaker „sauberes Brennen ohne Vorheizen“ – und es funktioniert, auch wenn ich anfänglich dachte, die START Phase sei etwas lang. Aber: Kein Problem. Für einen Benzinkocherliebhaber, der mit Coleman Multifuel, MSR Whisperlite oder MSR XGK aufgewachsen ist, ist das schon eine Revolution.

soto kocher im test flamme
Der SOTO Stormbreaker zeigt, was er drauf hat. | Foto: Ralf Stefan Beppler

5 Phasen zum Kochgenuss

  • Druck aufbauen: Das Regulierungsdrehrad steht auf STOP. Es wird solange Druck in die Flasche gepumpt, bis an einem kleinen Messingstift oberhalb der Zuleitung an der Pumpe eine rote Linie erscheint (siehe Foto unten).
  • Anstellen: Das Drehrad wird aus der STOP Position (durch anheben und drehen) in die START Position gebracht und hochgezogen. Man hört Gas strömen. Den Kocher nun anzünden. Er brennt anfänglich mit einer gelben Flamme und geht dann in eine blaue Flamme über.
  • Betreiben: Jetzt kann das Drehrad auf RUN gebracht und entsprechend der benötigten Hitze reguliert werden.
  • Ausmachen: Das Drehrad wird auf AIR weiter gedreht. Die Benzinzufuhr wird dadurch unterbrochen und Luft durch die Düse gepumpt, um Zuleitung und Kocher zu entleeren. Vorsicht: Hierbei kann es zu einer kleinen Stichflamme (Restbenzin und Luft) kommen. Wenn die Zuleitung und die Düse frei von Benzin ist, hört der Kocher auf zu brennen. Das hört man durch Zischen und es riecht nach Benzin.
  • Sichern: Das Drehrad wird wieder in die STOP Position gedreht und fixiert. So ist der Kocher transportfähig.

Diese Regulierung von STOP, START, RUN, AIR ist genial und einfach, immer im Uhrzeigersinn zu bedienen. Gleichzeitig leistet das System alles was der Kocher benötigt – vom sauberen Vorheizen bis zur Reinigung.

Funktionsweise Druckaufbau in der Brennstoffflasche
Die rote Markierung zeigt an, dass genügend Druck aufgebaut wurde | Foto: Ralf Stefan Beppler

Einsatzbereiche des Stormbreakers

Der Benziner ist weder der kleinste noch der leichteste Kocher. Der Vorteil eines Benziners liegen in der Hitze, der Effizienz, der Brenndauer, der geringen Brennstoffpreise sowie der Universalität des Brennstoffes.

Es ist eigentlich nicht unbedingt ein Kocher für ein schnelles Wochenende. Benziner sind für lange Touren in abgelegen Regionen, wo es schwierig ist, Brennstoff zu bekommen. Eine Tankladung (es gibt auch 1-Liter-Flaschen) hält lange und Benzin bekommt man dann am ehesten von allen Brennstoffen heran. Auch für Touren, bei denen man mit dem Flieger anreisen muss, sind die Benziner ideal, weil man Sprit in jedem Land unproblematisch (naja Kuba vielleicht nicht) kriegt, was bei Kartuschen problematisch sein kann. Ich nutze meinen Benziner auch gerne auf Radtouren. Da spielt das Gewicht eine untergeordnete Rolle und man findet immer mal wieder eine Tanke zum Nachfüllen. Und natürlich sind Benziner dort perfekt, wo Temperatur oder Höhenluft die Leistung eines Gas- oder Spirituskochers beeinträchtigt.

Der Multifuel bietet zudem noch die Möglichkeit, auf Gaskartuschen umzusatteln – z.B. bei Familientouren mit Kindern. Ich nutze dann bevorzugt einen Gaskocher, da sie schneller an und aus zu machen sind, was mir immer ein sicheres Gefühl mit herumspringenden oder mitkochenden Kindern vermittelt. Prima beim Multifuel:  Man braucht nur einen Kocher.

Was der Kocher im Vergleich zu anderen ähnlichen Benzinern nicht hat, ist ein zusätzlicher Windschutz. Unterwegs war das bisher (habe nicht versucht im Sturm zu kochen) kein Problem, weil man auch provisorische Windschutze in der Natur findet. Wenn man allerdings alpin unterwegs ist oder auf Wintertouren, würde ich einen richtigen optionalen Windschutz einpacken.

Soto Stormbreaker kocht Maiskolben
Kurze Kochzeiten und Flexibilität bei der Brennstoffwahl sind Vorteile des Multifuelkochers | Foto: Ralf Stefan Beppler

Handhabung des Kochers

Der SOTO macht anfänglich einen fragilen Eindruck. Dünne Zuleitung, Schnappeinrichtung der Beine, Schlauchverbindung – alles wirkt filigran. Aber er ist solide, leiert nicht aus, erfüllt den Zweck – und ist mit 443 Gramm ein echtes Leichtgewicht. Mit minimalen 7 x 10 hat das Packmaß der Kochereinheit fast Hosentaschenformat. Die Anleitung ist sehr ausführlich und bringt auch eine Menge technische Details. Und sie ist verständlich.

Wirklich klasse ist das Drehrad mit den unterschiedlichen Stellungen. Man kann nichts falsch machen in der Bedienung. Erfreulich auch: Vorheizen und reinigen funktioniert perfekt. Auch nach etlichen Einsätzen habe ich nicht das Gefühl, dass ich ihn zerlegen und entrußen oder reinigen muss. Was mir sehr gut gefällt, sind die Einrastkerben an den Topfauflagen. Ist nur ein kleines Detail, aber kann schon mal über eine warme Mahlzeit entscheiden, wenn der Topf unversehens vom Kocher rutscht.

Drehknopf Soto Stormbreaker
Durch den einfachen Aufbau ist der SOTO Stormbreaker leicht zu bedienen | Foto: Ralf Stefan Beppler

Lieferumfang

Den SOTO Stormbreaker gibt es als Kocher und als Kocher inklusive Benzinflasche. Hier sollte man die Originalflasche verwenden, weil alle Gewinde perfekt aufeinander abgestimmt sind. Was ich nicht verstehe, ist die 700 ml Flasche. Für lange Touren ist sie mir zu klein und für Wochenendexkursionen zu groß. Außerdem im Lieferumfang neben dem Kocher, der Benzinpumpe, der Flasche und dem Gaskartuschenadapter: Ein kleines Wartungs-Kit, ein Transportbeutel und eine faltbare Reflektionsscheibe. Ersteres sollte auf der Tour immer dabei sein für den Notfall. Auch die Wärmereflektionsscheibe ist kein Gimmick, sondern reduziert die Kochzeit. Allerdings ist es effizienter die Scheibe an den Kocher etwas „anzupassen“. Man kann auch die Originalscheibe erhalten, um sie weiterhin als Bodenschutzplatte verwenden zu können. Ich habe eine „Ersatzscheibe“ aus Alu gemacht, die sie knapp unter der Kocherpfanne positionieren kann (Titelbild). Das erhöht die Wärmereflektion und dient zusätzlich als Windschutz. Bei meinem Test waren es gut 1 Minute Unterschied – unter Laienbedingungen und nicht im Labor.

Der Packbeutel dürfte aus meiner Sicht so groß ausfallen, dass Kocher und Benzinflasche verbunden hineinpassen. Hier würde nur die 400 ml Flasche samt Kocher passen. Mit der gelieferten 700 ml Flasche ist der Kocher im Beutel und die Flasche hängt draußen. Komischerweise ist der Beutel für den Kocher alleine aber deutlich zu groß. Das ist bei dem Stormbreaker aber fast Krümelsucherei. Es gibt wahrlich Schlimmeres.

Fazit

Ein Kocher, zwei Brennstoffmöglichkeiten. Der SOTO Stormbreaker ist die klein zu verpackende und leicht zu bedienende Gesamtkocherlösung. Die Benzinkocher ist leistungsstark, verlässlich und verbrauchsarm für lange Touren. Gleichzeitig hat man mit der Gaskocheroption einen unkomplizierten Allrounder für Wochenend- oder Familienausflüge – oder als Backup für unterwegs. Vor allem das unkomplizierte Vorheizen und Einsetzen beim Benziner begeistert – Grund genug, um den Alten loszuwerden und die nächste Tour mit mehr Komfort und der Gewissheit anzugehen, dass eines sicher funktioniert: Der Kocher!

Mehr zu Kochern findest du im Bergzeit Magazin:

 

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