Wer von Lana nach St. Hippolyt wandert, bekommt nicht nur eine Menge schöner Einkehrmöglichkeiten serviert, sondern gelangt am Ende zu einem der schönsten Plätze im Meraner Umland, wie Sabine Dettling im zweiten Teil ihrer vierteiligen Artikelserie berichtet.

Diese Tour ist ohne jede Vorab-Planung entstanden. Wir waren das erste Mal in Lana und Umgebung unterwegs und sind kurzerhand los- und in den Tag hineingewandert. Ausgangspunkt der 15- bzw. 18,5 Kilometer langen Wanderung ist der Busbahnhof in Lana. Von hier ist Völlan entweder zu Fuß über den Alten Völlaner und den Rateiser Weg oder mit dem Linienbus erreichbar. Bei beiden Varianten liegt die Bushaltestelle Völlan/Gasser auf dem Weg.

Von der Jausenstation zum Buschenschank

Die Jausenstation Obertalmühle in Tisens. | Foto: Sabine Dettling
Die Jausenstation Obertalmühle in Tisens. | Foto: Sabine Dettling

Bald zweigt auf der linken Seite Weg 1 ab, der den passenden Namen „Feldweg“ trägt und durch Obstplantagen und an landwirtschaftlichen Anwesen vorbeiführt. Im Zentrum von Völlan biegen wir auf Weg 10 ein. Der Name „Mühlweg“ gefällt uns. Zuerst brennt die Sonne auf uns herab, doch als wir in den Wald eintauchen, wird uns schlagartig kühl, und der schattige Mühlweg hat noch eine Überraschung parat. Direkt am Bach – an einer scharfen Kurve zwischen zwei alten Steinbrücken – steht ganz unverhofft ein schöner alter Gasthof: die Jausenstation Obertalmühle. Die Steinbrücken stammen noch aus der Römerzeit, erfahren wir dort, und die Mühle zählt zu den ältesten noch funktionsfähigen ihrer Art.

So kurz nach einem späten und üppigen Frühstück bestellen wir nur einen Cappuccino, aber rings um uns verzehrt man schon die erste Brotzeit des Tages mit einem Glas Rotwein. Die dargebotenen Speisen und Getränke wie selbstgeräucherter Speck und Kaminwurzen, Bergkäse, eingelegtes Gemüse, Vinschgerl und Schüttelbrot, Apfelstrudel und Kuchen, Suser (auf Deutsch: neuer Wein), Wein und Bier sind typisch für eine Jausenstation.

Das Jausen definierten übrigens Jacob und Wilhelm Grimm in ihrem Deutschen Wörterbuch so: „JAUSE, f. eine mahlzeit: bair. die jausen, genusz eines zwischenmahls, vor- oder früh-jausen, abendjausen ….; östr. jause vesperbrot.“

Die Wanderrunde über Lana bietet immer wieder fabelhafte Ausblick auf den Hausberg Merans, den Ifinger. | Foto: Sabine Dettling
Die Wanderrunde über Lana bietet immer wieder fabelhafte Ausblick auf den Hausberg Merans, den Ifinger. | Foto: Sabine Dettling

Auf dem Weg zum Buschenschank

Am Ausgang des Tales stehen wir einigermaßen ratlos an einer Wegspinne. Wir haben die Qual der Wahl: Wohin des Wegs? Wir gehen den Unter Naraunerweg weiter bis Naraun. Immer wieder eröffnen sich schöne Ausblicke auf die Umgebung und das Markenzeichen Merans, den Ifinger.

Nach der Querung des Gampenpasses gehen wir über den Weg 5B hinauf auf den Oberen Naraunerweg. Schon von weitem sehen wir ein wunderhübsch gelegenes landwirtschaftliches Anwesen und eine in der Mittagssonne grellrot leuchtende Fahne mit der Aufschrift „Hofstätterhof“. Ein Buschenschank!

Was ein Buschenschank ist – und was serviert werden darf – ist in Südtirol gesetzlich festgelegt. So ist die Einrichtung von Buschenschenken nur in ausgewiesenen Weinbaugebieten zulässig. Der Wein muss aus Trauben aus eigenem Anbau gekeltert sein, der restliche ausgeschenkte Wein hat aus dem umliegenden Gebiet zu stammen. Ein Buschenschank darf höchstens 180 Tage im Jahr geöffnet sein – Gut, dass der Hofstätterhof gerade geöffnet hat. Spontan beschließen wir, an diesem idyllischen Plätzchen Erde einzukehren. Neben der „Gastwiese“ am urigen Hof grasen mehrere Schafe unter einem Birnbaum, und der Ausblick hinunter ins Etschtal ist einmalig schön.

Wir bestellen drei hübsch mit Blütenblättern dekorierte Spinat- und drei Käseknödel samt Salat vom Buffet – die Qualität der Gerichte steht der Aussicht in nichts nach. Einfach himmlisch! Auf der Karte sind noch viele weitere leckere Speisen aufgeführt – Hirtenmakkaroni, Marillen-, Apfel- und Zwetschgenknödel, saurer Graukäse mit Zwiebeln und Bauernbrot und so weiter und so fort – doch wir haben allenfalls noch Platz für mit Aprikose gefüllte Kirchtagskrapfen.

Über St. Hippolyt zurück nach Lana

Satt und zufrieden wandern wir weiter und beschließen, dem Kirchlein, das in der Ferne so nett auf einem Felshügel thront, einen Besuch abzustatten. Die Nachmittagssonne taucht die Landschaft in ein schönes, warmes Licht, und der Weg vom Buschenschank zu dieser Kirche ist der landschaftlich reizvollste Abschnitt der Wanderung. Eingangs des Waldes biegen wir auf den Jakobsweg ein, der über St. Hippolyt nach Tisens führt.

Ein sonniger Kraftplatz: St. Hippolyt. | Foto: Sabine Dettling
Ein sonniger Kraftplatz: St. Hippolyt. | Foto: Sabine Dettling

St. Hippolyt, wie die nahe Tisens gelegene, 1286 geweihte Bergkapelle heißt, liegt malerisch auf einem Hügel, der schon in prähistorischer Zeit besiedelt war, was Funde aus der Steinzeit belegen. Die Aussicht ist unbeschreiblich, und der Ort hat eine ganz besondere Atmosphäre. Wir genießen die Wärme der Sonne auf einer Felsplatte.

Zwischen Außer- und Innervatznag biegen wir nach links ab. Weg 5A schlängelt sich unterhalb der Gampenpass-Straße durch dichten Wald und mündet ungefähr auf Höhe von Schloss Leonburg – unbewohnt, aber gut erhalten, in Privatbesitz und nicht zugänglich – wieder in den Jakobsweg oder Weg 5 ein. Auf ihm wandern wir zurück Richtung Lana und verlassen ihn schließlich, um der hübschen Fußgängerzone noch einen kurzen Besuch abzustatten.

Alle Daten zur Tour:

  • Start und Ziel: Busbahnhof Lana
  • Tourenlänge: ohne ÖPNV-Nutzung: 18,5 Kilometer/ mit ÖPNV-Nutzung: 15,2 Kilometer
  • Höhenmeter: ohne ÖPNV-Nutzung: 697 Meter / mit ÖPNV-Nutzung: 382 Meter bergauf, 698 Meter bergab

GPS-Track zur Wanderung ohne Verwendung öffentlicher Verkehrsmittel:

GPS-Track herunterladen (per Rechtsklick und „Ziel/Link speichern unter“)

GPS-Track zur Wanderung mit Verwendung öffentlicher Verkehrsmittel:

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Adressen, Literatur und Quellen:

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  • Kulinarisches Wandern in Südtirol Teil: Von der Jausenstation zum Buschenschank
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