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Hoch und anspruchsvoll geht es über die Via Ferrata degli Alleghesi auf die Civetta in den Dolomiten. Die Anstrengung durch tolle Linienführung und einen traumhaften Ausblick belohnt. Der Abstieg ist über die Via Ferrata Tissi lohnt nicht minder.

Die Dolomiten üben eine ganz besondere Anziehungskraft auf viele Bergsteiger und Kletterfreunde aus. Dies liegt einerseits an ihrer atemberaubenden Kulisse. Andererseits sind viele Wände und Gipfel mythenumrankt – sei es aufgrund von Tragödien, die sich dort abgespielt haben, wegen der kühnen Routenführung oder der Geschichte der Erstbegehung. Einer dieser Gipfel ist die Civetta (3.220 Meter).

Die Überschreitung der Civetta ist ein Klassiker unter den Klettersteigen in den Dolomiten. | Grafik: Basti Fiedler
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Die Überschreitung der Civetta ist ein Klassiker unter den Klettersteigen in den Dolomiten. | Grafik: Basti Fiedler

Für ihre Kletterrouten in der spektakulären Nordwand bekannt, bietet sich an der Civetta auch die Möglichkeit, den Gipfel über einen langen, aber gleichzeitig wunderschönen Klettersteig zu besteigen – über die Via Ferrata degli Alleghesi. Ich habe eine Überschreitung des Monte Civetta unternommen, bin dabei über eben diesen Klettersteig von Osten her aufgestiegen und über einen weiteren Klettersteig, die Via Ferrata Tissi, wieder abgestiegen. Was diese Tour so unbeschreiblich schön gemacht hat, versuche ich im folgenden Bericht in Worte zu fassen.

Um von vornherein möglichen Verwirrungen vorzubeugen: Die Schwierigkeitsbewertungen der beiden Klettersteige Via Ferrata degli Alleghesi (KS 4/5 nach Hüsler) und Via Ferrata Tissi (KS 5 nach Hüsler) sind im Internet und verschiedenen Klettersteigführern nicht ganz einheitlich. Ich habe die schwierigere Bewertung zugrunde gelegt. Teilweise werden die Klettersteige auch mit C (Alleghesi) und C/D (Tissi) bewertet.

Anfahrt zum Ausgangsort Casera della Grava

Da wir die Bergtour an einem Tag durchziehen wollten, stand morgens zunächst die Anfahrt in die Dolomiten an. Wir wählten als Startort Casera della Grava (1.627 Meter), eine kleine Alm oberhalb von Dont und Chiesa. Man befindet sich dort abseits der bekannten Regionen der Dolomiten, sodass die Anfahrt mit dem Auto etwas mühselig über viele kleine Sträßchen führt.

Gerade die letzten Kilometer ab Chiesa (Abzweig kurz nach dem Weiler Chiesa) sind sehr abenteuerlich: Es ist gerade noch Platz für das Auto, die Straße ist mit Schlaglöchern übersät und verläuft teilweise ohne Asphalt nach Casera della Grava. Man darf sich davon nicht abschrecken lassen und muss einfach vorsichtig durchfahren – bei der Alm hat man dann auf einmal wieder Platz und es gibt ausreichend Parkmöglichkeiten.

Den Klettersteig sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Alpine Erfahrung ist hier notwendig. | Foto: Basti Fiedler
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Den Klettersteig sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Alpine Erfahrung ist hier notwendig. | Foto: Basti Fiedler

Alternativ sind auch folgende Ausgangspunkte denkbar – allerdings mit jeweils anderem Zustieg zum Einstieg in die Via Ferrata degli Alleghesi – und einem etwas längeren Rückweg:

  • Bergstation am Crep di Pecol (1.765 Meter)
  • Talort Pecol
  • Rifugio Coldai (erreichbar über Palafavera/Col di Dof oder Col dei Baldi)

Zustieg zur Via Ferrata degli Alleghesi

Von der Casera della Grava folgt man einem kleinen Schottersträßchen zur Forcella della Grava und im weiteren Verlauf zu einer kleinen Materialseilbahn. Hier teilt sich der Weg und man folgt den Markierungen in Richtung Civetta/Rifugio Torrani. Anfangs noch im Schatten der Bäume, liegt der Weg bald in der prallen Sonne und man spürt, dass man sich langsam in höhere Lagen begibt. Das Grün weicht nach und nach zurück, der Weg wird immer felsiger. Der durchwegs gut markierte Steig führt in angenehmer Steigung bis zum Einstieg in die Via Ferrata degli Alleghesi auf knapp 2.400 Metern. Für den Weg ab der Casera della Grava sollte man knapp zwei Stunden einplanen.

Der Einstieg befindet sich auf einem kleinen Plateau direkt unter der Südostwand der Civetta und ist durch einen großen Steinhaufen markiert – man sieht dort auch direkt die Sicherungen in der Wand. Hier heißt es nun Klettersteig-Ausrüstung anlegen, Partnercheck durchführen und sich mental und körperlich auf zahlreiche Höhenmeter Klettersteig- und Bergtourengenuss vorzubereiten.

Klettersteig zum Gipfel des Monte Civetta

Die Via Ferrata degli Alleghesi beginnt eher gemütlich mit einigen Stellen im Schwierigkeitsgrad A und B. Anfangs ist sie auch nicht zu stark ausgesetzt. Doch bereits nach einigen Querungen und kürzeren Aufschwüngen, bei denen man gerne die zur Verfügung gestellten Sprossen mitbenutzt, kommen ausgesetztere und schwierigere Abschnitte, die bis C (teilweise auch mit C/D) bewertet werden. Über mehrere Kamine und Bänder gelangt man schließlich auf den Grat, über den man teilweise ungesichert dem Gipfel entgegen steigt. Hier wird es – allein schon von der Schwierigkeitsbewertung – mit vielen A- und B-Stellen wieder einfacher. Der Weg ist jedoch nicht mehr durchgängig gesichert und erfordert ein gehöriges Maß an Trittsicherheit!

Ich persönlich fand die Via Ferrata degli Alleghesi nicht unbedingt technisch schwierig, aber durch seine Länge durchaus anspruchsvoll. Hinzu kommt, dass gerade im oberen Abschnitt des Klettersteiges auch Streckenabschnitte ungesichert und ausgesetzt im Ier-Gelände (nach UIAA) absolviert werden müssen. Bei unserer Besteigung Ende September lag dort schon ordentlich Schnee und die Felsen waren vereist – alpine Erfahrung und Trittsicherheit sind hier (ob mit Schnee oder ohne) unabdingbar. Für reine Klettersteiggeher, die über wenig alpine Erfahrung verfügen, kann es hier zu ernsthaften Problemen kommen. Es gibt keine Notausstiege – wer nicht weiterkommt, muss den gesamten Klettersteig absteigen. Erst relativ kurz vor dem Gipfel existiert ein Abzweig, der direkt zum Refugio Torrani führt.

Fühlt man sich jedoch der Aufgabe eines langen Klettersteigs in Kombination mit einer anspruchsvollen Bergtour gewachsen, so erlebt man eine phantastische Linienführung, die am Ende über den Grat zum Gipfel des Monte Civetta führt. Insgesamt sollte man für den Aufstieg rund fünf Stunden einplanen – bei insgesamt 1.600 Höhenmetern, die man zum Großteil im Klettersteig verbringt, ist diese Zeit auch nötig! Wir hatten einen traumhaften Tag erwischt und konnten bei unserer Brotzeit ein tolles Gipfelpanorama genießen.

Abstieg über die Via Ferrata Tissi

Der Abstieg führt zunächst ohne größere Schwierigkeiten über loses Geröll auf einem gut sichtbaren Weg zum Rifugio Torrani (2.984 Meter). Hier steht eine Entscheidung an. Wer sich schon etwas müde fühlt, sollte sich auf dem Normalweg in Richtung Tal aufmachen. Selbst dieser besitzt Klettersteigcharakter und wird bis zur Schwierigkeitsstufe B bewertet. Dies ist die kürzeste Variante, um zum Ausgangspunkt zurückzugelangen.

Der Abstieg über die Via Ferrata Tissi ist schwierig und ausgesetzt. | Foto: Basti Fiedler
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Der Abstieg über die Via Ferrata Tissi ist schwierig und ausgesetzt. | Foto: Basti Fiedler

Wer sich noch fit fühlt, Zeit hat und geübt im Abklettern ist, sollte den Abstieg über die Via Ferrata Tissi in Erwägung ziehen. Der ehemals kühne und schwierige Klettersteig wurde in den letzten Jahren saniert und etwas entschärft – die früher steinschlaggefährdeten Zonen werden heute umgangen. An der Schwierigkeit hat sich jedoch nichts geändert. Der Weg über diesen als sehr schwierig (KS5 / D) einzustufenden Klettersteig dauert zwar etwas länger, aber dafür hat man noch einen weiteren spektakulären Abstieg in sehr anspruchsvollem Gelände vor sich. Sehr steil und über lange Strecken ausgesetzt gelangt man in eine Art Kessel, von dem man auf einem leichteren Weg absteigt und schließlich wieder auf den Normalweg trifft.

Für den Abstieg vom Gipfel bis zur Casera della Grava sind nochmals gut drei Stunden einzuplanen, sodass man insgesamt auf rund acht Stunden Gehzeit kommt.

Mein Fazit zur Überschreitung der Civetta

Sie gilt als Klassiker der Dolomiten und wird ihrem Ruf mehr als gerecht: Die Überschreitung der Civetta ist lang, anstrengend, anspruchsvoll und spektakulär! Wer vor den Anforderungen nicht zurückschreckt, kann zwei für sich allein schon tolle Klettersteige mit einem der höchsten Gipfel der Dolomiten verbinden und wird sicherlich einen unvergesslichen Tag erleben.

Unabdingbar für die Überschreitung sind Klettersteigerfahrung und Kondition für diese lange Tour, Erfahrung im hochalpinen Gelände für den Gipfelanstieg und entsprechende Ausrüstung wie Klettersteighelm und Klettersteigset. Und ganz wichtig: auf keinen Fall die Kamera vergessen, denn man wird genügend Möglichkeiten haben, unvergleichliche Bilder von den Dolomiten zu schießen!

Die wichtigsten Fakten im Überblick

Dolomiten-Panorama beim Zustieg zur Via Ferrata Alleghesi. | Foto: Basti Fiedler
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Dolomiten-Panorama beim Zustieg zur Via Ferrata Alleghesi. | Foto: Basti Fiedler

  • Ziel: Monte Civetta (3.220 Meter)
  • Höhenmeter: insgesamt etwa 1.600
  • Ausgangsort: Casera della Grava, Abzweig in Chiesa am Passo Duran
  • Literatur: Bruckmanns Tourenführer, Östliche Dolomiten, 72 Gipfeltouren, Höhenwege, Klettersteige für Ambitionierte oder Rother Dolomiten – Brenta – Gardasee Klettersteigführer

Schwierigkeiten/Anforderungen:

  • Via Ferrata degli Alleghesi: KS 4/5 nach Hüsler bzw. C/D
  • Via Ferrata Tissi: KS5 nach Hüsler bzw. D
  • Generell: alpine Erfahrung, Gehen im ausgesetzten Gelände, Kletterstellen ungesichert bis I nach UIAA, teilweise in Kombination mit Schnee und Eis möglich, Kondition für eine lange und anstrengende Tour, Trittsicherheit und absolute Schwindelfreiheit

Gehzeiten:

  • Casera della Grava bis Einstieg via Ferrata Alleghesi: rund zwei Stunden
  • Via Ferrata Alleghesi bis Gipfel Civetta: rund drei Stunden
  • Abstieg Civetta über Normalweg: rund drei Stunden
  • Abstieg Civetta über Via Ferrata Tissi: etwa drei bis vier Stunden

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Basti Fiedler

Neben meinem Job als Assistenzarzt bin ich im Sommer so oft es geht in der Natur unterwegs - egal ob beim Klettern, Bergsteigen, Mountainbiken oder Laufen. Im Winter trifft man mich am ehesten auf der Suche nach einem unverspurten Hang bei einer Skitour. Pfeil Alle Artikel von Basti Fiedler