Der Pisciadù-Klettersteig zählt zu Recht zu den berühmtesten Klettersteigen in den Dolomiten. Basti Fiedler war in der Sella-Gruppe unterwegs und berichtet, weshalb sich eine Tour auf den Pisciadù trotz steigender Beliebtheit definitiv lohnt.
Zahlreiche Stahltritte erleichtern den Einstieg in den Pisciadù-Klettersteig. | Foto: Basti Fiedler
Zahlreiche Stahltritte erleichtern den Einstieg in den Pisciadù-Klettersteig. | Foto: Basti Fiedler

Die Dolomiten sind für vieles bekannt: Die Drei Zinnen, die Civetta und zahlreiche andere spektakuläre Klettertouren, sensationelle Fernblicke und einzigartige Gesteinsformationen. Aber für nichts sind die Dolomiten so bekannt wie für Klettersteige. Bereits zu Zeiten der Weltkriege wurden hier die ersten Steige in den Fels gebaut, die Tradition wird bis heute fortgesetzt. Ihre Gesamtzahl lässt sich heute kaum mehr in einem Klettersteigführer zusammenfassen.

Ein besonders schöner und viel begangener Steig in der Sella-Gruppe ist der Pisciadù-Klettersteig in Alta Badia, der neben einem kurzen Zustieg mit tollen Blicken, einer abwechslungsreichen Linienführung und einer Überraschung am Schluss aufwarten kann.

Von Wolkenstein in den Pisciadù-Klettersteig

Ausgangspunkt der Tour ist Wolkenstein im Grödnertal in Südtirol. Von hier fährt man zum Grödner-Joch, überquert dieses und fährt auf der Gegenseite Richtung Corvara ab. Rund zwei Kilometer nach der Passhöhe findet sich in einer Kehre am Wandfuß ein nicht zu verfehlender großer Parkplatz, auf dem man kostenlos parken kann. Hier lässt sich bereits erahnen, dass das Prädikat „meistbegangener Klettersteig der Dolomiten” keine leere Floskel ist. Bei sonnigem Wetter ist der wirklich große Parkplatz brechend voll und fast alle sind vermutlich auch im Klettersteig unterwegs.

Daher ein kleiner Tipp vorab: Um die Rush Hour am Pisciadù-Klettersteig zu vermeiden, sollte man am Wochenende entweder sehr früh morgens aufbrechen oder gemütlich nach der großen Masse. Und wer es sich leisten kann, geht am besten unter der Woche.

Da der Zustieg nur wenige Minuten dauert, kann man bereits auf dem Parkplatz die Klettersteigausrüstung anlegen und den Kletterhelm aus dem Rucksack nehmen. So ausgerüstet gelangt man vom Parkplatz aus links am Wandfuß entlang zur ziemlich steilen Einstiegswand, die rund 50 Meter hoch und mit vielen Eisenstufen versehen ist.

Der Routenverlauf

Der Routenverlauf im Überblick: Pisciadù-Klettersteig bei Alta Badia in den Dolomiten. | Grafik: Basti Fiedler
Der Routenverlauf im Überblick: Pisciadù-Klettersteig bei Alta Badia in den Dolomiten. | Grafik: Basti Fiedler

Vom Einstieg aus kann man sich bereits ein gutes Bild darüber machen, wie voll die Via Ferrata an diesem Tag ist. Bei uns hielt es sich glücklicherweise in Grenzen: Einen großen Stau am Einstieg gab es nicht. Allerdings haben wir bereits vor uns einige Seilschaften gesehen, weshalb schon hier absehbar war, dass es sich im Steig immer wieder stauen wird.

Die erste Wand ist mit Schwierigkeit B bewertet und führt über viele Eisenstufen gemächlich aber doch recht steil nach oben. Hier gelangt man wieder auf einen Wanderweg und folgt den Ausschilderungen in Richtung Via Ferrata Pisciadù. Nach etwa 600 Metern gelangt man an den oberen Teil und eigentlichen Einstieg in den Pisciadù-Klettersteig, eine beeindruckende Wand. Hier hat man einen sehr guten Überblick über die bereits eingestiegenen Seilschaften. Mit gemäßigten Schwierigkeitsgraden (A/B bis B) beginnend erhöht sich die Schwierigkeit im weiteren Verlauf. Rechts des gleichnamigen Wasserfalls zieht der Steig über mehrere Steilstufen empor und steigert sich in einzelnen Passagen bis auf die Schwierigkeit C. Somit ist er keineswegs zu schwierig und bis auf wenige Stellen auch nicht extrem ausgesetzt.

Notausstieg zur Pisciadù-Hütte

Kurz vor dem anspruchsvollsten Abschnitt am Exnerturm bietet sich ein Notausstieg an, welcher auch direkt zur Pisciadù-Hütte führt. Wer bisher Schwierigkeiten hatte, sollte diesen unbedingt nutzen, da der letzte Teil nicht leichter wird. Am Exnerturm muss man sich auf Wartezeiten einstellen, beispielsweise vor einer rund acht Meter hohen Leiter, die einen atemberaubenden Tief- und Fernblick bietet. Auch einige leicht abdrängende Stellen mit Steigbügeln und Stiften müssen überwunden werden.

Krönender Abschluss des Klettersteiges: Eine Hängebrücke über eine tiefe Schlucht kostet etwas Überwindung. | Foto: Basti Fiedler
Krönender Abschluss des Klettersteiges: Eine Hängebrücke über eine tiefe Schlucht kurz vor dem Ausstieg kostet etwas Überwindung. | Foto: Basti Fiedler

Gekrönt wird dieser wirklich tolle Klettersteig von einer Hängebrücke, die direkt vor dem Ausstieg über eine extrem tiefe Schlucht führt und nochmals einiges an Überwindung kosten kann. Hat man diese letzte kleine Schwierigkeit gemeistert, gelangt man in rund 15 Minuten zur Pisciadù-Hütte, welche direkt neben einem Bergsee erbaut wurde. Die Hütte lädt geradezu ein, bei einer leckeren Brotzeit und einem kühlen Getränk das Panorama zu genießen und sich vor dem Abstieg ordentlich zu stärken.

Tipp: Wer noch den Gipfel besteigen möchte, folgt einfach den Wegweisern auf der Hütte. Der Weg 666 führt durch das Val de Tita in weiteren 2,5 Stunden mit leichten Kletterstellen (I) auf die Cima Pisicadù.

Frisch gestärkt in den Abstieg

Für den Abstieg stehen zwei Varianten zur Verfügung:

  1. Man steigt in rund 60 Minuten den Normalweg durch das Val Setus ab, welcher teilweise sehr steil verläuft und direkt zum Parkplatz zurückführt.
  2. Man wählt die etwas längere, aber deutlich angenehmere Variante über das Mittagstal (ca. 90 Minuten).
    Hier muss man jedoch rechtzeitig darauf achten, im Talboden am Wandfuß nach links abzusteigen – sonst führt einen der Weg hinunter nach Corvara.

Fazit zum Pisciadù-Klettersteig

Die Pisciadù Via Ferrata in der Sella-Gruppe bietet eine sehr abwechslungsreiche Linienführung in spektakulärer Kulisse. Der Zustieg ist sehr kurz, der Schwierigkeitsgrad mittel und am Ende lädt die Pisciadù-Hütte zur Rast ein – eine optimale Tour für jeden Genuss-Klettersteiggeher, der über Wartezeiten am Fels hinwegsehen kann.

Wichtig: Der Hinweis mit den vielen Begehern ist ernst gemeint und steht nicht umsonst in beinahe jedem Klettersteigführer. Wem der Pisciadù-Klettersteig nicht ausreicht oder wer auf der Suche nach weiteren Klettersteigen ist, der kann sich den Klettersteigführer von Rother „Dolomiten – Brenta – Gardasee” zulegen und dort rund 80 weitere Steige in Südtirol im Detail ansehen.



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Tourdaten und Details zum Pisciadù-Klettersteig

Abwechslungsreiche Linienführung im Pisciadù-Klettersteig. | Foto: Basti Fiedler
Abwechslungsreiche Linienführung im Pisciadù-Klettersteig. | Foto: Basti Fiedler
  • Anfahrt: Auf der A22 über die Ausfahrt Klausen und SS242 bis Wolkenstein (Südtirol). Von hier fährt man auf der SS243 zum Grödner-Joch, überquert dieses und fährt auf der Gegenseite Richtung Corvara ab. Rund zwei Kilometer nach der Passhöhe findet sich in einer Kehre am Wandfuß ein nicht zu verfehlender, großer Parkplatz, auf dem man kostenlos parken kann.
  • Charakter und Schwierigkeitsgrad: mittelschwerer Klettersteig (bis Schwierigkeitsgrad C) mit einzigartigem Panorama und wenigen ausgesetzten Stellen, der allerdings sehr stark frequentiert ist. Für Kinder ist der Steig nur eingeschränkt zu empfehlen.
  • Ausrüstung: Komplette Klettersteigausrüstung mit Set, Gurt, Helm und einer Bandschlinge und Karabiner für Pausen bei Stau
  • Höhenmeter: Tour insgesamt 650 Höhenmeter, der Klettersteig allein 530 Höhenmeter
  • Dauer: Gesamtdauer der Tour beträgt ca. 4,5 Stunden (ohne Pausen und Wartezeiten), inklusive 15 Minuten Zustieg und 90 Minuten Abstieg
  • Beste Jahreszeit: von Juni bis Oktober
  • Karte: AV-Karte 52/1 „Langkofel- und Sellagruppe“, Tabacco 05 „Gröden – Seiseralm“

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