Seit vielen Jahren erfreut sich das Klettersteiggehen großer Beliebtheit. Denn auf einem Klettersteig kann man sich, auch ohne ein extremer Kletterer zu sein, mit einem Klettersteigset gut gesichert in senkrechte Felswände wagen.

Bereits seit vielen Jahren, wird die Anzahl der „Ferratistis“, wie sich Geher von Klettersteigen auch gerne bezeichnen, immer größer. Denn auf einem Klettersteig kann man sich, auch ohne ein extremer Kletterer zu sein, mit einem Klettersteigset gut gesichert in senkrechte Felswände wagen.

Was ist ein Klettersteig?

Meist beginnt man diese Art des Kletterns auf gesicherten Wegen. Wunderschöne Wanderwege und Klettersteige in den Dolomiten, früher von den Alpini (den italienischen Soldaten) zum Ausbau von Kriegsstellungen erbaut, erfreuen heute jedes Klettersteigherz aufs Neue. Allerdings gibt es tatsächlich unterschiedliche Arten von Klettersteig-Schwierigkeiten. Einfache Wanderwege mit stellenweise gesicherten Passagen bezeichnet man als gesicherte Steige. Meist handelt es sich hierbei um kleinere Gipfelanstiege wo etwas Bergerfahrung von Vorteil ist, aber keine reine Muskelkraft.

Bei Bandfalldämpfer-Klettersteigsets müssen immer beide Klettersteigkarabiner eingehängt sein. | Foto: Salewa/Hansi Heckmair
Bei Bandfalldämpfer-Klettersteigsets müssen immer beide Klettersteigkarabiner eingehängt sein. | Foto: Salewa/Hansi Heckmair

Bei den sportlichen Klettersteigen ist hingegen schon etwas mehr Muskelkraft gefragt, aber vor allem die richtige Technik. Selbstverständlich kommt es auch hier auf die differenzierte Schwierigkeit des Klettersteigs an. So ist zum Beispiel ein sportlich bewerteter Klettersteig wie die Via Attrezzata Rino Pisetta auf den Dain Picolo am Gardasee ein wesentlich schwerer Sportklettersteig als der Klassiker auf die Alpspitze. Bei der riesigen Auswahl an Kettersteigen allein in den Alpen bedarf es guter Literatur, um sich erst einmal einen groben Überblick der verschiedenen Regionen und unzähligen Klettersteig-Routen mit all ihren Schwierigkeitsstufen zu verschaffen.

Welche Ausrüstung brauche ich am Klettersteig?

Zur Klettersteig-Ausrüstung gehört neben Klettersteigset, Klettergurt, Klettersteighelm auch passendes Schuhwerk, Klettersteighandschuhe und einiges mehr.

  • Mehr zur Klettersteig-Ausrüstung gibt es in unserer ausführlichen Kaufberatung.

Richtig Klettersteiggehen

Klettersteiggehen ist grundsätzlich nicht schwer. Doch einige Klettersteig-Grundregeln sollte man auf jeden Fall beachten. Denn ein Fehler an falscher Stelle kann fatale Folgen haben. Deshalb empfiehlt sich immer eine solide Grundausbildung. Hier genügt schon ein intensiver zwei- bis dreitägiger Klettersteigkurs in der Obhut eines staatlich geprüften Berg- und Skiführers.

Sicherungstechnik

Die wichtigsten Grundprinzipen auf Klettersteigen sind: Niemals stürzen! Und: Zu jedem Zeitpunkt gesichert sein. Selbst wenn man sich seiner Sache hundertprozentig sicher ist. Denn meist sind die kleinen Flüchtigkeitsfehler die Fehler mit der schlimmsten Auswirkung. Aber auch Fremdeinwirkung (z.B. Steinschlag) durch vorausgehende Klettersteiggeher ist nie vorauszusehen.

Das Umhängen der Karabiner beim Klettersteiggehen

Je nach Land und vor allem je nach Verantwortungsgefühl der Klettersteig-Erbauer, sind die Klettersteige in einem guten oder in einem weniger guten Zustand. Die Technik mit denen heutzutage Klettersteige errichtet werden, ist jedoch sehr ausgereift. Mit Verankerungsstiften aus Eisen, werden die Drahtseile am Felsen befestigt. Diese sind circa drei bis zehn Meter, je nach Geländestruktur voneinander entfernt und verhindern das Weiterschieben der Klettersteigkarabiner.

Hier muss nun aktiv umgehängt werden. Nehmen Sie einen Klettersteigkarabiner heraus und hängen diesen in den nächsten Drahtseilabschnitt. Während diesem Vorgang sind Sie immer noch am zweiten, hinteren Karabiner gesichert! Jetzt können Sie den zweiten Karabiner ausklinken und in den vorderen Abschnitt klicken. Mit dieser Methode sind Sie zu jeder Zeit gesichert.

Technik beim Klettersteiggehen

Im Mittelpunkt des Klettersteiggehens steht die Kontrolle des Körperschwerpunktes. Genau so wie beim Sportklettern, muss der Körperschwerpunkt zur Seite verlagert werden, um in der Abfolge mit den Füßen ruhig und kontrolliert weiter nach oben antreten zu können. Hierfür wird der auf einem stabilen Tritt stehende Fuß belastet. Das ermöglicht dem freistehenden Bein das Höhersteigen. Gerade dieser Bewegungsablauf ist in der Umsetzung im Felsgelände am Klettersteig nicht immer einfach und sollte vorab intensiv geübt werden.

Ein weiterer Aspekt der das Üben der Gewichtsverlagerung unterstreicht, ist die Tatsache, dass beim Klettersteiggehen je nach Charakter des Steiges meist mit robusten und stabilen Bergschuhen gegangen wird. Spezielle Kletterschuhe mit guter Reibung wie man sie beim Sportklettern trägt, benötigt man nur in wirklich sportlich anspruchsvollen Klettersteigrouten. Hieraus ergibt sich auch der wesentliche Unterschied vom Klettersteiggehen zum eigentlichen Klettern. Beim Klettersteiggehen ist der Routenverlauf durch das Drahtseil vorgegeben, das auch das aufwendige Suchen nach Tritten und Griffen erspart.

Das richtige Befestigen des Klettersteigsets am Gurt

Auf das richtige Anseilen kommt es an. Denn wer sich in der Hektik fehlerhaft einbindet, gefährdet sich selbst. Am Klettersteig-Einstieg angekommen, sollte man erst mal nach einem geeignet und sicheren Platz Ausschau halten. Dieser muss genügend Raum zum Anlegen der Klettersteigausrüstung bieten und vor allem vor Steinschlag schützen. Deshalb immer rechtzeitig den Klettersteighelm aufziehen, am besten bevor man sich an den Wandfuß begibt.

Für einen einen optimal passenden Klettersteiggurt empfiehlt sich je nach Größe und Konstitution des Ferratistis ein Sitzgurt mit verstellbaren Beinschlaufen. So kann man je nach Wetterlage mit einer dünnen Kletterhose oder aber mit einer dickeren Regenhose unterwegs sein. Das Klettersteigset wird nun durch die zentrale Anseilschlaufe des Klettergurts gezogen und mittels Ankerstichknoten eng zugezogen.

Partnercheck auch am Klettersteig!

Wichtig: Vor dem Klettersteiggehen kommt immer der Partnercheck! |Foto: <a href="/edelrid-klettersteig/" title="Alles für den Klettersteig von Edelrid">Edelrid</a>/Simon Graf
Wichtig: Vor dem Klettersteiggehen kommt immer der Partnercheck! | Foto: Edelrid/Simon Graf

Eigentlich kann es jetzt losgehen. Doch ohne Kontrolle des Partners sollte man nie in den Klettersteig einsteigen. Vier Augen sehen mehr als nur zwei. Und im Eifer des Gefechts ist doch schon so manches Unentdeckt geblieben. Vier wesentliche Punkte sind dabei zu beachten.

  • Klettergurt richtig angelegt und alle Schlaufen geschlossen?
  • Klettersteigset richtig angelegt?
  • Helm richtig angelegt und verschlossen?
  • Erste Hilfe Ausstattung im Rucksack?

Zu guter Letzt noch Zeitplan und Wetter checken und es kann losgehen!

Das richtige Klettersteigset

Früher gab es drei Klettersteigset-Systeme im Handel: Bandfalldämpfer, Y-System und V-System. Heute sollten nur noch Klettersteigsets mit Bandfalldämpfer verwendet werden. Denn nur sie genügen den aktuellen Normanforderungen.

Typische Fehler am Klettersteig

  1. Leider sieht man immer wieder die Methode, dass nur ein Bandschlingen-Arm des Klettersteigsets und damit nur ein Karabiner am Drahtseil eingehängt wird. Die Motive sind sicherlich weitläufig. Entweder ist es Unwissenheit oder aber vielmehr aus Leichtsinn. Frei nach dem Motto: Mir kann nichts passieren, ich habe alles im Griff. Doch weit gefehlt. Jedes Jahr zeigen die Unfälle an Klettersteigen, dass gerade den sogenannten „Erfahrenen“ diese Unfälle passieren. Denn mit nur einem Karabiner gesichert, kann bei einem Sturz das Klettersteigsystem reißen. Deshalb immer und zu jeder Zeit mit zwei Karabinern gesichert sein.
  2. Meist aus Zeitgründen, werden an den Klettersteig Zwischensicherungen die beiden Karabiner nicht einzeln umgehängt, sondern gleichzeitig. Auch hier bedarf es lediglich einer kleinen Unachtsamkeit. Man verliert kurz sein Gleichgewicht, rutsch von seinem Tritt ab oder wird kurzerhand von einem Stein getroffen. Und schon fällt man in die Tiefe.

Klettersteighandschuhe – nützliche Helfer

Vorsicht bei beschädigten Drahtseilen. Sehr häufig sind bei älteren Klettersteigen die Drahtseile am Ende aufgedreht, so dass eine Vielzahl winzig kleiner Drahtkabel die meist noch verrostet sind, abstehen. Die Verletzungsgefahr ist extrem hoch. Deshalb empfiehlt sich immer das Tragen von Klettersteighandschuhen. Arbeitshandschuhe eignen sich hierfür überhaupt nicht. Zum einen sind diese meist viel zu groß, so dass man überhaupt kein Gefühl geschweige denn die richtige Portion Kraft zum Halten übertragen kann. Und zum anderen lassen sich die Sicherungskarabiner damit sehr schlecht bedienen. Hier lohnt sich auf jeden Fall der Kauf spezieller Klettersteighandschuhe.

Die komplette Ausrüstung für Dein Klettersteig-Abenteuer gibt’s bei Bergzeit:

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Kommentare

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Hunziker Ernst

Im Beschrieb „typ. Fehler am Klettersteig“ stimmt etwas nicht:
– Denn mit nur einem Karabiner gesichert, kann bei einem Sturz das Klettersteigsystem reißen. Deshalb immer und zu jeder Zeit mit zwei Karabinern gesichert sein.-
Mein Einwand: Wenn ausgerechnet beim Umhängen eines Karabiners der KS-Begeher stürzt – er ist dann auch nur an einer Karabinerschlinge gesichert – darf doch das Klettersteigsystem nicht reißen. Wenn dem so ist, müssen Sie propagieren, dass mit 3 Karabinerschlingen der Klettersteig begangen werden muss.

Stefan

Hallo Ernst,
die Frage ob ein oder zwei Karabiner ist vor allem eine Frage der Redundanz. Drei Karabiner wäre natürlich noch besser, aber da wird es dann ja auch unpraktisch. Und in der Tat gibt es mit dem Klettersteigsystem Hydra von AustriAlpin ein System mit drei Sicherungen.
Und ist ein Sturz am Klettersteig ohnehin schon tabu, so darf er beim Umhängen einfach nicht passieren. Denn Karabiner können nun einmal bei ungünstiger Belastung brechen. Dem begegnet man durch Redundanz, also die mehrfache Absicherung. Denn Klettersteiggehen ist gefährlich, die Ausrüstung hilft beim Risikomanagement.
Stefan aus dem Bergzeit Team

Tobias

Darf man sich eigentlich in seinem Kletterset einfach hängen lassen mit den Füßen abgestützt am Fels, wenn NUR die Karabiner vom Bandfalldämpfer im Seil gesichert sind? Oder riskiert man damit die Auslösung des Bandfalldämpfers?

Alexander Römer

Grüß Dich Tobias,
auf keinen Fall. Du solltest dafür immer eine extra Bandschlinge mit Karabiner als Sitz- oder Ausruhschlinge bei DIr führen.
Beste Grüße
Alex

Ernst Hunziker

Bei athletischen Passagen ist es ratsam, zusätzlich eine am Sitzgurt eingebundene Selbstsicherungsschlinge mit Karabiner bereit zu halten. So kann man sich bei „Ausruhebedarf“ an Bügeln, Leitern usw. fix einhängen.

Waldemar Meixner

Kann man,wenn man durch ein gezogenes Bandseil welches am zweiten Karabiner befestigt ist eine Schlaufe zieht auch den Bandfalldämpfer durch einen Karabiner befestigen?

Stefan

Hallo, jetzt bin ich leider nicht sicher, wie Deine Frage zu verstehen ist. Geht es darum, das Kletterseil mit einem Karabiner am Gurt zu befestigen?
Stefan vom Bergzeit Magazin Team

geri

Wow, es darf also beim Umhängen auf keinen Fall ein Sturz passieren? Sonst könnte etwas reißen? Sind die 2 Schlingen nicht EXAKT für diesen Fall konzipiert? Soll das heißen, dass eine Schlinge allein zu schwach wäre bei einem Sturz?

Hallo Geri, grundsätzlich sollte man in senkrechten Klettersteigpassagen niemals stürzen. Denn was die wenigsten Ferratistis beachten ist, dass ein weitaus größeres Verletzungsrisiko beim vermeintlich leichten Klettersteiggehen vorliegt, als beim Sportklettern in senkrechten Wänden. Selbstverständlich würde ein Strang einen Normsturz bei optimalen Bedingungen halten, doch leider kommen in der Praxis zu viele Unabwägbarkeiten hinzu, die man auch als erfahrener Alpinist nicht alle im Griff haben kann (siehe tödlicher Unfall von Kurt Albert). Wenn Du Dich mit dem Thema „Sicherheit auf Klettersteigen“ tiefer beschäftigen möchtest, empfehle ich Dir einen Klettersteigkurs, bei dem Du alle relevanten Sicherungsmethoden mit Vor- und Nachteilen an der… Read more »
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