Seit vielen Jahren erfreut sich das Klettersteiggehen großer Beliebtheit. Denn auf einem Klettersteig kann man sich, auch ohne ein extremer Kletterer zu sein, mit einem Klettersteigset gut gesichert in senkrechte Felswände wagen.

Klettersteiggehen ist voll im Trend: Bereits seit vielen Jahren, wird die Anzahl der „Ferratistis“, wie sich Geher von Klettersteigen auch gerne bezeichnen, immer größer. Denn auf einem Klettersteig kann man sich – auch ohne ein extremer Kletterer zu sein – mit einem Klettersteigset gut gesichert in senkrechte Felswände wagen.

Was ist ein Klettersteig?

So geht Klettersteiggehen: Grundwissen und nützliche Tipps
Unerlässlich: Der Kletterhelm schützt vor Steinschlag.| Foto: Vaude/Moritz Attenberger

Meist beginnt man diese Art des Kletterns auf gesicherten Wegen. Wunderschöne Wanderwege und Klettersteige in den Dolomiten, früher von den Alpini (den italienischen Soldaten) zum Ausbau von Kriegsstellungen erbaut, erfreuen heute jedes Klettersteigherz aufs Neue. Allerdings gibt es tatsächlich unterschiedliche Arten von Klettersteig-Schwierigkeiten:

Versicherte Steige

Einfache Wanderwege mit stellenweise gesicherten Passagen bezeichnet man als versicherte Steige. Meist handelt es sich hierbei um kleinere Gipfelanstiege, wo Trittsicherheit und Schwindelfreiheit zwar von Vorteil sind, aber nicht zwingend Klettersteigausrüstung benötigt wird – je nach Fähigkeiten, Wetterbedingungen, etc.

Klassische Klettersteige

Diese Variante existiert in sämtlichen Schwierigkeitsgraden und ist deshalb sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene geeignet. Im Gegensatz zum nur teilweise versicherten Steig verfügen klassische Klettersteige über ein durchgängiges Drahtseil mit Zwischensicherungen und werden zudem häufig mit Eisentritten, Leitern oder Seilbrücken versehen.

Sportklettersteige

Bei den Sportklettersteigen ist dann schon etwas mehr Muskelkraft gefragt, aber vor allem die richtige Technik – denn sie befinden sich meist in ausgesetztem Gelände und verlaufen oft sogar durch Überhänge. Auch hier verläuft ein durchgängiges Drahtseil als Sicherung, jedoch wird meist auf helfende Zusatztritte verzichtet. Ungeübte Personen sollten also anfangs lieber die Finger von solchen Routen lassen. Natürlich kommt es auch hier auf die differenzierte Schwierigkeit des Klettersteigs an. So ist zum Beispiel ein sportlich bewerteter Klettersteig wie die Via Attrezzata Rino Pisetta auf den Dain Picolo am Gardasee ein wesentlich schwererer Sportklettersteig als der Klassiker auf die Alpspitze

Bei der riesigen Auswahl an Kettersteigen allein in den Alpen bedarf es guter Literatur, um sich erst einmal einen groben Überblick der verschiedenen Regionen und unzähligen Klettersteig-Routen mit all ihren Schwierigkeitsstufen zu verschaffen.

Wie geht richtig Klettersteiggehen?

Klettersteiggehen ist grundsätzlich nicht schwer, doch einige Klettersteig-Grundregeln sollte man auf jeden Fall beachten. Denn ein Fehler an falscher Stelle kann fatale Folgen haben. Deshalb empfiehlt sich immer eine solide Grundausbildung. Hier genügt schon ein intensiver zwei- bis dreitägiger Klettersteigkurs in der Obhut eines staatlich geprüften Berg- und Skiführers.

Die wichtigsten Grundprinzipen auf Klettersteigen sind:

  • Niemals stürzen!
  • Zu jedem Zeitpunkt gesichert sein!

Letzteres auch dann, wenn man sich seiner Sache hundertprozentig sicher ist. Denn meist sind die kleinen Flüchtigkeitsfehler jene mit der schlimmsten Auswirkung. Aber auch Fremdeinwirkung (z. B. Steinschlag) durch vorausgehende Klettersteiggeher kann nie ausgeschlossen werden.

Anseilen

Auf das richtige Befestigen des Klettersteigsets am Gurt kommt es an. Denn wer sich in der Hektik fehlerhaft einbindet, gefährdet sich selbst. Am Klettersteig-Einstieg angekommen, sollte man erst mal nach einem geeigneten und sicheren Platz Ausschau halten. Dieser muss genügend Raum zum Anlegen der Klettersteigausrüstung bieten und vor allem vor Steinschlag schützen. Deshalb immer rechtzeitig den Klettersteighelm aufziehen, am besten bevor man sich an den Wandfuß begibt.

Für einen optimal passenden Klettersteiggurt empfiehlt sich je nach Größe und Konstitution des Ferratistis ein Sitzgurt mit verstellbaren Beinschlaufen. So kann man je nach Wetterlage mit einer dünnen Kletterhose oder aber mit einer dickeren Regenhose unterwegs sein. Das Klettersteigset wird nun durch die zentrale Anseilschlaufe des Klettergurts gezogen und mittels Ankerstichknoten eng zugezogen.

Partnercheck

Eigentlich kann es jetzt losgehen – doch ohne Kontrolle des Partners sollte man nie in den Klettersteig einsteigen! Vier Augen sehen mehr als zwei – und im Eifer des Gefechts ist doch schon so manches unentdeckt geblieben. Vier wesentliche Punkte sorgen für mehr Sicherheit:

  • Klettergurt richtig angelegt und alle Schlaufen geschlossen?
  • Klettersteigset richtig angelegt?
  • Helm richtig angelegt und verschlossen?
  • Erste Hilfe Ausstattung im Rucksack?

Zu guter Letzt noch Zeitplan und Wetter checken und es kann losgehen!

So geht Klettersteiggehen: Grundwissen und nützliche Tipps
Das wichtigste Grundprinzip auf Klettersteigen: Zu jedem Zeitpunkt gesichert sein! | Foto: Vaude/Moritz Attenberger

Umhängen

Je nach Land und vor allem je nach Verantwortungsgefühl der Klettersteig-Erbauer, sind die Klettersteige in einem guten oder in einem weniger guten Zustand. Die Technik, mit denen heutzutage Klettersteige errichtet werden, ist jedoch sehr ausgereift. Mit Verankerungsstiften aus Eisen, werden die Drahtseile am Felsen befestigt. Diese sind je nach Geländestruktur etwa drei bis zehn Meter voneinander entfernt und verhindern das Weiterschieben der Klettersteigkarabiner.

Hier muss nun aktiv umgehängt werden. Man nehme einen Klettersteigkarabiner heraus und hänge diesen in den nächsten Drahtseilabschnitt. Während diesem Vorgang ist man immer noch am zweiten, hinteren Karabiner gesichert! Jetzt kann der zweite Karabiner ausgeklinkt und in den vorderen Abschnitt eingeklinkt werden. Mit dieser Methode ist man zu jeder Zeit gesichert.

Technik

Im Mittelpunkt des Klettersteiggehens steht die Kontrolle des Körperschwerpunktes. Genau wie auch beim Sportklettern muss der Körperschwerpunkt zur Seite verlagert werden, um in der Abfolge mit den Füßen ruhig und kontrolliert weiter nach oben antreten zu können. Hierfür wird der auf einem stabilen Tritt stehende Fuß belastet. Das ermöglicht dem freistehenden Bein das Höhersteigen. Gerade dieser Bewegungsablauf ist in der Umsetzung im Felsgelände am Klettersteig nicht immer einfach und sollte vorab intensiv geübt werden.

Ein weiterer Aspekt, der das Üben der Gewichtsverlagerung unterstreicht, ist die Tatsache, dass beim Klettersteiggehen je nach Charakter des Steiges meist mit robusten und stabilen Bergschuhen gegangen wird. Spezielle Kletterschuhe mit guter Reibung, wie man sie beim Sportklettern trägt, benötigt man nur in wirklich sportlich anspruchsvollen Klettersteigrouten. Hieraus ergibt sich auch der wesentliche Unterschied vom Klettersteiggehen zum eigentlichen Klettern: Beim Klettersteiggehen ist der Routenverlauf durch das Drahtseil vorgegeben, das auch das aufwendige Suchen nach Tritten und Griffen erspart.

So geht Klettersteiggehen: Grundwissen und nützliche Tipps
Bei Bandfalldämpfer-Klettersteigsets müssen immer beide Klettersteigkarabiner eingehängt sein. | Foto: Edelrid/Simon Graf

Was sind typische Fehler am Klettersteig?

Falsches Einhängen

Leider sieht man immer wieder die Methode, dass nur ein Bandschlingen-Arm des Klettersteigsets und damit nur ein Karabiner am Drahtseil eingehängt wird. Die Motive sind sicherlich weitläufig. Entweder ist es Unwissenheit, meist jedoch Leichtsinn – frei nach dem Motto: „Mir kann nichts passieren, ich habe alles im Griff.“ Doch weit gefehlt! Jedes Jahr zeigen die Unfälle an Klettersteigen, dass gerade den „Erfahrenen“ solche Unfälle passieren. Denn mit nur einem Karabiner gesichert kann bei einem Sturz das Klettersteigsystem reißen. Deshalb immer und zu jeder Zeit mit zwei Karabinern gesichert sein!

Falsches Umhängen

Meist aus Zeitgründen werden an den Klettersteig-Zwischensicherungen die beiden Karabiner nicht einzeln umgehängt, sondern gleichzeitig. Auch hier bedarf es lediglich einer kleinen Unachtsamkeit. Man verliert kurz das Gleichgewicht, rutscht von seinem Tritt ab oder wird von einem Stein getroffen – und schon fällt man in die Tiefe.

Kann ich mich im Klettersteigset ausruhen?

Das Klettersteigset dient grundsätzlich nur der Sicherung und dem Abbremsen von Stürzen. Durch eine regelmäßige Belastung beim „Reinsetzen“ können die Sollbruchstellen des Bandfalldämpfers schon vor einem eventuellen Sturz beschädigt werden, was im Notfall zu einer verminderten Bremswirkung führt. Sollten die Kräfte wirklich einmal schwinden, empfiehlt es sich, stattdessen eine Bandschlinge mit Schraubkarabiner mitzuführen und diese zum Ausruhen ins Stahlseil einzuhängen.

Achtung: Manche Klettersteigsets verfügen über eine separate „Ruheschlaufe“ – diese darf nur zum Ausruhen verwendet werden und niemals während dem Steigen am Drahtseil verbleiben!

Was passiert, wenn ich stürze?

Im Falle eines Sturzes fällt der Betreffende nahezu ungebremst in die nächste Zwischensicherung – sie bremst die Energie des Sturzes an den eingehängten Karabinern ab. Trotz Bandfalldämpfer ist der Fangstoß häufig hart und mit schweren Verletzungen verbunden. Deshalb gilt: Niemals absichtlich ins Klettersteigset fallen lassen!

Wichtig: Nach einem Sturz und vor dem nächsten Einsatz am Klettersteig muss der Bandfalldämpfer ausgetauscht werden!

Welche Ausrüstung brauche ich am Klettersteig?

Klettersteigset mit Seilbremse und Bandfalldämpfer, Quelle: DAV
Klettersteigset mit Seilbremse und Bandfalldämpfer, Quelle: DAV

Zur Klettersteig-Ausrüstung gehört neben Klettersteigset, Klettergurt, Klettersteighelm auch passendes Schuhwerk, Klettersteighandschuhe und einiges mehr. Ausführliche Informationen gibt es in unserer Kaufberatung Klettersteigausrüstung.

Klettersteigset: Neue Norm

Früher gab es drei Klettersteigset-Systeme im Handel: Bandfalldämpfer, Y-System und V-System. Heute sollten nur noch Klettersteigsets mit Bandfalldämpfer verwendet werden. Denn nur sie genügen den aktuellen Normanforderungen.

Klettersteighandschuhe: Nützliche Helfer

Vorsicht bei beschädigten Drahtseilen: Sehr häufig sind bei älteren Klettersteigen die Drahtseile am Ende aufgedreht, so dass eine Vielzahl winzig kleiner Drahtkabel – die meist noch verrostet sind – abstehen. Die Verletzungsgefahr ist extrem hoch. Deshalb empfiehlt sich immer das Tragen von Klettersteighandschuhen. Arbeitshandschuhe o. ä. eignen sich hierfür nicht!  Zum einen sind diese meist viel zu groß, so dass man überhaupt kein Gefühl geschweige denn die richtige Portion Kraft zum Halten übertragen kann, zum anderen lassen sich die Sicherungskarabiner damit sehr schlecht bedienen. Hier lohnt sich auf jeden Fall der Kauf spezieller Klettersteighandschuhe!

Die komplette Ausrüstung für Dein Klettersteig-Abenteuer gibt’s bei Bergzeit:

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
Sortiert nach:   neueste | älteste | beste Bewertung
Hunziker Ernst

Im Beschrieb „typ. Fehler am Klettersteig“ stimmt etwas nicht:
– Denn mit nur einem Karabiner gesichert, kann bei einem Sturz das Klettersteigsystem reißen. Deshalb immer und zu jeder Zeit mit zwei Karabinern gesichert sein.-
Mein Einwand: Wenn ausgerechnet beim Umhängen eines Karabiners der KS-Begeher stürzt – er ist dann auch nur an einer Karabinerschlinge gesichert – darf doch das Klettersteigsystem nicht reißen. Wenn dem so ist, müssen Sie propagieren, dass mit 3 Karabinerschlingen der Klettersteig begangen werden muss.

Stefan

Hallo Ernst,
die Frage ob ein oder zwei Karabiner ist vor allem eine Frage der Redundanz. Drei Karabiner wäre natürlich noch besser, aber da wird es dann ja auch unpraktisch. Und in der Tat gibt es mit dem Klettersteigsystem Hydra von AustriAlpin ein System mit drei Sicherungen.
Und ist ein Sturz am Klettersteig ohnehin schon tabu, so darf er beim Umhängen einfach nicht passieren. Denn Karabiner können nun einmal bei ungünstiger Belastung brechen. Dem begegnet man durch Redundanz, also die mehrfache Absicherung. Denn Klettersteiggehen ist gefährlich, die Ausrüstung hilft beim Risikomanagement.
Stefan aus dem Bergzeit Team

Tobias

Darf man sich eigentlich in seinem Kletterset einfach hängen lassen mit den Füßen abgestützt am Fels, wenn NUR die Karabiner vom Bandfalldämpfer im Seil gesichert sind? Oder riskiert man damit die Auslösung des Bandfalldämpfers?

Alexander Römer

Grüß Dich Tobias,
auf keinen Fall. Du solltest dafür immer eine extra Bandschlinge mit Karabiner als Sitz- oder Ausruhschlinge bei DIr führen.
Beste Grüße
Alex

Ernst Hunziker

Bei athletischen Passagen ist es ratsam, zusätzlich eine am Sitzgurt eingebundene Selbstsicherungsschlinge mit Karabiner bereit zu halten. So kann man sich bei „Ausruhebedarf“ an Bügeln, Leitern usw. fix einhängen.

Waldemar Meixner

Kann man,wenn man durch ein gezogenes Bandseil welches am zweiten Karabiner befestigt ist eine Schlaufe zieht auch den Bandfalldämpfer durch einen Karabiner befestigen?

Stefan

Hallo, jetzt bin ich leider nicht sicher, wie Deine Frage zu verstehen ist. Geht es darum, das Kletterseil mit einem Karabiner am Gurt zu befestigen?
Stefan vom Bergzeit Magazin Team

geri

Wow, es darf also beim Umhängen auf keinen Fall ein Sturz passieren? Sonst könnte etwas reißen? Sind die 2 Schlingen nicht EXAKT für diesen Fall konzipiert? Soll das heißen, dass eine Schlinge allein zu schwach wäre bei einem Sturz?

Hallo Geri, grundsätzlich sollte man in senkrechten Klettersteigpassagen niemals stürzen. Denn was die wenigsten Ferratistis beachten ist, dass ein weitaus größeres Verletzungsrisiko beim vermeintlich leichten Klettersteiggehen vorliegt, als beim Sportklettern in senkrechten Wänden. Selbstverständlich würde ein Strang einen Normsturz bei optimalen Bedingungen halten, doch leider kommen in der Praxis zu viele Unabwägbarkeiten hinzu, die man auch als erfahrener Alpinist nicht alle im Griff haben kann (siehe tödlicher Unfall von Kurt Albert). Wenn Du Dich mit dem Thema „Sicherheit auf Klettersteigen“ tiefer beschäftigen möchtest, empfehle ich Dir einen Klettersteigkurs, bei dem Du alle relevanten Sicherungsmethoden mit Vor- und Nachteilen an der… Read more »
wpDiscuz