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Hohe Häuser

Die höchsten Hütten der Alpenländer

15 Minuten Lesezeit
Jedes Alpenland hat seine höchste Hütte. Bergzeit Magazin-Redakteur Arnold Zimprich hat die wichtigsten Fakten zu den sieben höchsten Alpenhütten in Italien, Frankreich, der Schweiz, Österreich, Deutschland, Slowenien sowie Liechtenstein zusammengetragen. Eine Hütten-Rundschau der Superlative!

Weiter, höher, schneller – vor den Bergen hat die Jagd nach den Superlativen noch nie Halt gemacht. Erst recht nicht in der Sturm und Drang-Phase des Hüttenbaus um die Jahrhundertwende, als viele große Alpenvereinssektionen den Bergen auch in Form eines repräsentativen Gebäudes ihren Stempel aufdrückten. Der Wettlauf, das jeweils höchste Gebäude in den Alpenanrainerstaaten zu errichten, ist also so alt wie der Alpinismus selbst. Im folgenden geben wir einen kleinen Überblick über die höchsten bewirtschafteten Hütten in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Liechtenstein, Italien, Frankreich und Slowenien.

Auf diesem "Suchbild" wird die exponierte Lage der Erzherzog-Johann-Hütte am Großglockner erst richtig deutlich. | Foto: Pixabay
Auf diesem „Suchbild“ wird die exponierte Lage der Erzherzog-Johann-Hütte am Großglockner erst richtig deutlich. | Foto: Pixabay

Erzherzog-Johann-Hütte (3.454 Meter) – die höchste Hütte in Österreich

Die Erzherzog-Johann-Hütte (Eröffnungsdatum: 18. August 1880) ist das höchste Schutzhaus der Alpenrepublik. Wer die aussichtsreiche Hütte besucht, hat eigentlich nur eines im Sinn: die Besteigung des Großglockner, mit 3.798 Metern der höchste Berg Österreichs.

Zwar ist dieser lediglich 344 Meter höher als die Hütte, die Tour hinauf auf Österreichs höchsten Gipfel verlangt jedoch auch auf den letzten Höhenmetern den ganzen Bergsteiger. Steil geht es über das sogenannte Glocknerleitl hinauf, ehe man den Kleinglockner auf schmalem Weg überschreitet und über die Glocknerscharte den Hauptgipfel erreicht.

Entsprechend exklusiv ist auch die Zusammensetzung der Besucher auf der „Adlersruhe“, wie die Hütte auch genannt wird: Bergführer mit ihren Kunden, versierte Hochtourengeher und Bergfexe aus aller Herren Länder, die den höchsten Berg Österreichs besteigen wollen. Der Anteil der „Hüttentouristen“ nimmt sich aufgrund der langen Zustiege vergleichsweise klein aus.

Zustieg:

Sämtliche Zustiege zur Erzherzog-Johann-Hütte sind nur versierten Hochtourengehern zu empfehlen. Von einem schnellen Zustieg kann dabei keine Rede sein – auch für die kürzesten sind etwa vier bis fünf Stunden einzuplanen. Einer der Normalwege führt von Kals in Osttirol bzw. dem oberhalb gelegenen Lucknerhaus und die Lucknerhütte über das Ködnitzkees und die Burgwartscharte, andere von Heiligenblut über die Salmhütte oder von der Franz-Josefs-Höhe über die (Reste der) Pasterze. Weitere Details gibt es im Artikel Großglockner-Besteigung über den Normalweg.

Gipfelziele:

  • Großglockner (3.797 Meter), 1 1/2 bis 2 Stunden
Das Münchner Haus auf dem Gipfel der Zugspitze (rechts oben gerade noch zu erkennen) ist die höchste Hütte Deutschlands. | Foto: Pixabay
Das Münchner Haus auf dem Gipfel der Zugspitze (rechts oben gerade noch zu erkennen) ist die höchste Hütte Deutschlands. | Foto: Pixabay

Münchner Haus (2.959 Meter) – die höchste Hütte in Deutschland

Das altehrwürdige Münchner Haus (Eröffnungsdatum 19. September 1897) steht knapp unter dem Gipfel der Zugspitze, mit 2.963 Metern Deutschlands höchstem Berg. Das macht es gleichzeitig einzigartig – aber auch stark frequentiert, denn wer auf der Suche nach Bergeinsamkeit ist, wird am (und im) Münchner Haus an schönen Sommertagen vom Seilbahn-Rummel auf der Zugspitze förmlich erschlagen.

Drei Seilbahnen enden in unmittelbarer Nähe des Münchner Hauses, was während der Betriebszeiten einen permanenten Zustrom von Menschen bedeutet. Parallel dazu bedingt die Lage des Münchner Hauses im Epizentrum des Zugspitz-Touristenrummels auch eine Kuriosität: Um diese DAV-Hütte zu erreichen, ist (theoretisch) kein einziger Höhenmeter notwendig! Auf der anderen Seite sind alle Talanstiege auf das Münchner Haus – sei es nun durch das Höllental, über das Reintal und die Knorrhütte oder von der Wiener-Neustädter Hütte über den sogenannten „Stopselzieher“ echte Leckerbissen, die sich fleißige Bergsteiger nicht entgehen lassen sollten. Wenn auch der Anstieg vom Reintal über das Zugspitzplatt nur etwas für Schotterliebhaber ist …

Trotz allen Rummels erfüllt das Münchner Haus nach wie vor seine ursprüngliche Funktion als Unterkunft für Bergsteiger. Ist die letzte Seil- und Zahnradbahn ins Tal gefahren, kehrt Ruhe ein am Zugspitzgipfel. Bergsteiger, die für den nächsten Tag den Jubiläumsgrat planen, sind unter sich. Dazu gesellen sich Bergsteiger, die einen der langen Zugspitz-Aufstiege auf sich genommen haben, um im Münchner Haus zu übernachten. Einen Sonnenaufgang von hier oben mitzuerleben gehört zu den klaren Highlights in den (bayerischen) Alpen!

Das Münchner Haus auf der Zugspitze bietet die höchste Übernachtungsmöglichkeit in Deutschland. | Foto: DAV Sektion München
Das Münchner Haus auf der Zugspitze bietet die höchste Übernachtungsmöglichkeit in Deutschland. | Foto: DAV Sektion München

Zustieg:

  • von der Bergstation der Eibseeseilbahn: fünf Gehminuten
  • von Hammersbach über die Höllentalangerhütte (ggf. Übernachtung), den Höllentalferner und den anschließenden Klettersteig in etwa 9 Stunden
  • vom Eibsee über die Wiener-Neustädter Hütte (ggf. Ü) und den Stopselzieher in insgesamt etwa 7 Stunden
  • vom Garmischer Skistadion durch die Partnachklamm und über die Reintalangerhütte (ggf. Ü) zur Knorrhütte (ggf. Ü) und via Zugspitzplatt: 11 – 12 Stunden

Gipfelziele und -Touren:

  • Zugspitze Ostgipfel (2.963 Meter): 10 Minuten
  • Schneefernerkopf (2.875 Meter): 1 1/2 bis 2 Stunden
  • Jubiläumsgrat (bis zur Grießkarscharte): 6 – 9 Stunden

Webseite:

Aufgrund des Gletscherrückgangs des Aletschgletschers klebt die Mönchsjochütte förmlich an den Felsen der Mönch-Südwand. | Foto: Mönchsjochhütte
Aufgrund des Gletscherrückgangs des Aletschgletschers klebt die Mönchsjochütte förmlich an den Felsen der Mönch-Südwand. | Foto: Mönchsjochhütte

Mönchsjoch-Hütte (3.650 Meter) – die höchste Hütte der Schweiz

Im Berner Oberland, unweit des Jungfraujochs, liegt mit der Mönchsjoch-Hütte (Eröffnungdatum: 1979) die höchstgelegene Hütte der Schweiz. Bei den Eidgenossen gibt es zwar bedeutend ältere Berghäuser – keines der bewirtschafteten ist jedoch so hoch gelegen, wenn man einmal von der Bergstation auf dem Kleinen Matterhorn absieht, in der man auch übernachten kann (erst wieder mit der Fertigstellung der 3S-Bahn seit September 2018 möglich). Wer hierher kommt, hat in der Regel den Mönch (4.107 Meter) oder die Jungfrau (4.158 Meter) im Visier. Doch allein schon die Szenerie über dem obersten Aletschgletscher ist überwältigend!

Zustieg:

Die Mönchsjochhütte ist die höchste bewirtschaftete Hütte der Schweiz und liegt nahe dem Jungfraujoch, von der aus man die Hütte in rund einer Stunde erreicht. | Foto: Mönchsjochhütte
Die Mönchsjochhütte ist die höchste bewirtschaftete Hütte der Schweiz und liegt nahe dem Jungfraujoch, von der aus man die Hütte in rund einer Stunde erreicht. | Foto: Mönchsjochhütte

Die Hütte ist zwar nicht ganz so leicht zu erreichen wie das Münchner Haus auf der Zugspitze, aber fast – wobei man bei Benutzung der „mechanischen Aufstiegshilfen“ einen nicht unerheblichen Betrag an Schweizer Franken einplanen sollte. Man fährt mit der Jungfraubahn bis auf das Jungfraujoch (3.454 Meter) und erreicht die Hütte über eine meist gut gewalzte Gletscherpiste in rund einer Stunde. Alle alternativen Talanstiege sind bedeutend länger und kommen einer ernsthaften Hochtour gleich.

Gipfelziele:

  • Mönch (4.107 Meter)
  • Jungfrau (4.158 Meter)

Webseite:

Höchste Hütte in Liechtenstein: Pfälzer Hütte (2.108 Meter)

Auch das kleinste Alpenland - Liechtenstein - hat mit der Pfälzer Hütte auf 2.108 Metern eine hochalpine Bergunterkunft zu bieten. | Foto: Liechtensteiner Alpenverein (LAV)
Auch das kleinste Alpenland – Liechtenstein – hat mit der Pfälzer Hütte auf 2.108 Metern eine hochalpine Bergunterkunft zu bieten. | Foto: Liechtensteiner Alpenverein (LAV)

Liechtenstein mag zwar klein sein, seine Bergwelt ist jedoch durchaus beeindruckend! In dem kleinen Fürstentum gibt es drei Schutzhütten, wovon die Pfälzer Hütte (Eröffnungsdatum: 5. August 1928) am Naafkopf (2.571 Meter) die höchstgelegene ist. Die Hütte liegt auf dem Bettlerjoch und bietet eine bezaubernde Aussicht auf die umgebene Bergwelt – und einen nicht minder beeindruckenden Tiefblick auf das Rheintal. Ein echter Exot unter den höchsten Hütten der Alpenländer und gerade deshalb einen Besuch wert!

Zustieg:

Der kürzeste Zustieg führt in etwa zwei Stunden von Malbun (1.600 Meter) durch das Vaduzer Täli auf die Tälihöhi (2.056 Meter), hinunter zur Alpe Gritsch (1.940 Meter) und wieder hinauf zur Hütte.

Gipfelziele:

  • Naafkopf (2.571 Meter): 1 1/4 Stunden
  • Augstenberg (2.359 Meter): 45 Minuten

Webseite:

Höchste Hütte Italiens und ganz Europas: Capanna Margherita (4.554 Meter)

Die spektakulär gelegene Capanna Margherita ist mit 4.554 Metern über dem Meer das höchstgelegene Gebäude Europas. |Foto: Pixabay
Die spektakulär gelegene Capanna Margherita ist mit 4.554 Metern über dem Meer das höchstgelegene Gebäude Europas. |Foto: Pixabay

Die Capanna Margerita ist die mit Abstand höchstgelegene Hütte Europas und damit die Hütten-Königin der Alpen. Nach einer nur schwer vorstellbaren Kraftanstrengung (das ganze Baumaterial musste zu Fuß hinauf geschleppt werden!) wurde die auf dem Gipfel der Signalkuppe gelegene Hütte im Jahr 1893 (!) eröffnet und Anfang der 1980er Jahre erweitert.

Die spektakuläre Lage sucht in den Alpen ihresgleichen, denn die Margheritahütte, wie sie auf deutsch auch genannt wird, liegt inmitten beeindruckender Viertausender auf einem der zahlreichen Gipfel des Monte Rosa-Gebirgsstocks. Im Westen liegt jenseits des Grenzgletschers das etwas niedrigere Matterhorn, im Südwesten zieht der geschwungene Doppelgipfel und die beeindruckende Nordwand des auch Menschenfresser genannten Lyskamms die Blicke auf sich. Wer hier oben auf 4.554 Meter übernachten will, sollte versierter Hochtourengeher sein und sich gut akklimatisieren.

Zustieg:

Der Zustieg zur Capanna Margherita stellt eine ausgewachsene Gletschertour auf einen Viertausender dar – egal, von welcher Seite man sich der Signalkuppe nähert. Wenn man so will gibt es jedoch zwei „Normalwege“, die allerdings durch Bahnbenutzung bzw. alternative Talorte abgekürzt werden können. Die hier beschriebenen Routen stellen also nur eine Auswahl dar – eine sorgfältige Tourenplanung ist speziell bei der Capanna Margherita unumgänglich.

Hütte mit Aussicht: Vom Balkon der 4.554 Meter hohen Capanna Margherita schweift der Blick vom Lyskamm (Mitte) bis zum Matterhorn (mit Wolkenfahne). | Foto: Chris Stoll
Hütte mit Aussicht: Vom Balkon der 4.554 Meter hohen Capanna Margherita schweift der Blick vom Lyskamm (Mitte) bis zum Matterhorn (mit Wolkenfahne). | Foto: Chris Stoll

Aufstieg von der italienischen Seite

Der Normalweg von der italienischen Seite beginnt im alten Walser-Weiler Staffal (1.850 Meter) im hintersten Val Gressoney, das vom Aostatal erreichbar ist. Zunächst führt der Steig steil hinauf auf den Colle Salza (2.882 Meter), um dann in den gewaltigen, von Gletschern ausgeschürften Kessel unterhalb der Capanna Gnifetti (3.611 Meter, Übernachtungsmöglichkeit) zu leiten. Diese Hütte stellt neben dem Rifugio Mantova (3.498 Meter) den idealen Zwischenstützpunkt für eine Tour zur Signalkuppe dar. Denn wer sich die ca. 2.700 Höhenmeter von Staffal auf einmal antut, muss gut trainiert sein!

HINWEIS: Für alle, die den weiten Aufstieg scheuen: Die Capanna Gnifetti ist auch in rund einer Stunde von der auf 3.275 Meter gelegenen Bergstation der Seilbahn Passo Salati-Indren erreichbar!

Spätestens an der Capanna Gnifetti erreicht man hochalpines Gelände – ohne Gletscherausrüstung ist hier kein Weiterkommen! Nach einer Spaltenzone führt eine lange Gletscherrampe hinauf zum Colle Gnifetti. Durch eine in den Alpen einzigartige, an die Arktis erinnernde Eislandschaft geht es schließlich hinüber Richtung Seserjoch (4.296 Meter), das rechts liegen gelassen wird. Ein letzter großer Gletscherhang führt schließlich empor zur bereits lange sichtbaren Capanna Margherita. Chapeau! Hat man doch neben dem Erreichen der Hütte gleichzeitig den sechsthöchsten Alpenberg (nach offizieller UIAA-Liste) erreicht!

Suchbild: Wo liegt die Capanna Margherita? | Foto: Matthias Mandler
Suchbild: Wo liegt die Capanna Margherita? | Foto: Matthias Mandler

Aufstieg von der Schweizer Seite

Auch von der Schweizer Seite ist das Erreichen der  Capanna Margherita ein ernstzunehmendes Unterfangen. Am schnellsten geht es, wenn man die Gornergratbahn bis zur Station Rotenboden auf 2.819 Metern benutzt.

An der Station Rotenboden folgt man der Beschilderung Richtung Monte Rosa-Hütte, betritt nach rund eineinhalb Stunden den Gornergletscher und quert diesen in Richtung Grenzgletscher. Der Gletscheraufstieg hinauf bis zur architektonisch hochinteressanten Hütte fordert den versierten Hochtouristen und ist daher nur Bergsteigern zu empfehlen, die über umfangreiches alpinsportliches Wissen verfügen! Hier wird genächtigt, ehe man am Folgetag einen langen, eindrucksvollen Gletscherhatscher über den spaltenreichen Grenzgletscher hinauf zur Capanna Margherita antritt. Konditionsstarke steigen auch von der Gornergratbahn in einem auf – es ist jedoch bei fortschreitender Tageszeit auf die weicher werdenden Spaltenbrücken zu achten!

Gipfelziele von der Capanna Margherita (wie bereits erwähnt steht die Hütte selbst bereits auf einem Gipfel):

  • Zumsteinspitze (4.564 Meter)
  • Dufourspitze (4.637 Meter)
  • Parrotspitze (4.432 Meter)
  • Ludwigshöhe (4.341 Meter)
  • Lyskamm (4.527 Meter)

Webseite:

Die höchste Hütte Frankreichs: Refuge du Goûter (3.835 Meter)

Das Refuge du Goûter (Eröffnungsdatum der ersten CAF-Schutzhütte: 1906) liegt am Normalweg zum Gipfel des Mont Blanc (4.810 Meter), dem höchsten Berg der Alpen. Ähnlich wie die Erzherzog Johann-Hütte dient das Refuge primär einem Zweck: der Besteigung des „Monarchen“, wie der Mont Blanc auch genannt wird.

Entsprechend stark frequentiert ist das Schutzhaus, das spektakulär am Rand des Ostabbruchs der Aiguille du Goûter steht, einem Seitengipfel des Mont Blanc. Man sollte daher auch keine allzu hohen Erwartungen an die Bewirtung stellen. Der teilweise extrem hohe Andrang macht das Refuge du Goûter nicht gerade zu einer Wellness-Oase. Soll bedeuten: Man sollte in jedem Fall reservieren und auf Blockabfertigung bei der Essensausgabe vorbereitet sein, wenn man einen Besuch der Hütte in Erwägung zieht! Als Tagestour macht ein Besuch der Hütte wenig Sinn, schießlich wollen die meisten Besucher weiter Richtung Mont Blanc. Wer also sowieso schon am Refuge du Goûter angekommen ist, wird es wohl kaum dabei belassen …

Das Refuge du Goûter liegt spektakulär auf 3.835 Metern und bietet einen umfassenden Blick auf die Gletscherwelt rund um den Glacier du Bionnassay. | Foto: Raymond Courtial
Das Refuge du Goûter liegt spektakulär auf 3.835 Metern und bietet einen umfassenden Blick auf die Gletscherwelt rund um den Glacier du Bionnassay. | Foto: Raymond Courtial

Trotzdem – die 2013 neu eröffnete Hütte ist die höchstgelegene Hütte Frankreichs und damit für Jäger von Superlativen eine exklusive Nächtigungsstätte! Zudem ist der Aufstieg schon eine Unternehmung für sich. Wer – wie die meisten Mont Blanc-Aspiranten – mit dem Tramway du Mont Blanc bis zum sogenannten Nid d’Aigle (Adlernest) auf 2.362 Metern hinauffährt, hat bis zur Goûterhütte immer noch rund 1.500 Höhenmeter vor sich – echte Westalpen-Dimensionen eben!

Zustieg:

Vom Nid d’Aigle (Endstation der Tramway du Mont Blanc) über das Refuge de la Tête Rousse (3.167 Meter ) und das Grand Couloir in etwa 5 Stunden

ACHTUNG: Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass das Refuge du Goûter von allen hier vorgestellten Hütten trotz der vermeintlich geringen technischen Schwierigkeiten des Mont Blanc- Normalwegs die Hütte mit dem objektiv gefährlichsten Zustieg ist – sieht man einmal von der Spaltengefahr beim Zustieg zur Capanna Margherita ab. In der Vergangenheit wurde der Zustieg zum Refuge du Goûter aufgrund der hohen Steinschlaggefahr im Grand Couloir im Hochsommer mitunter komplett gesperrt! Der (französische) Kletter- und Hochtourenausrüster Petzl bietet umfangreiche Informationen zum Grand Couloir auf seiner Homepage – die Lektüre ist ein absolutes Muss für jeden Mont Blanc-Bezwinger.

Daher an dieser Stelle auch erweiterte Angeben zur den Schwierigkeiten:

Hart am Rand: die Gouter-Hütte ist mit 3.835 Metern die höchste Hütte Frankreichs und Ausgangspunkt für die Besteigung des Mont Blanc. | Foto: Pixabay
Hart am Rand: die Gouter-Hütte ist mit 3.835 Metern die höchste Hütte Frankreichs und Ausgangspunkt für die Besteigung des Mont Blanc. | Foto: Pixabay

Der Aufstieg vom Nid d’Aigle erreicht zwar kaum den Schwierigkeitsgrad I nach UIAA, hat es aber trotzdem in sich. Gefahren lauern auf dem Glacier de la Tête Rousse und später insbesondere bei der Traversierung des Grand Couloir. Ein früher Aufstieg ist dringend anzuraten, da sich das Couloir zu späteren Tageszeit in eine gefährliche Steinschlag-Sturzbahn verwandeln kann. Unzählige Unfälle haben sich hier ereignet, ein Helm ist unbedingt anzuraten! Zudem sollte man sich bei der Bergführervereinigung in Chamonix über die aktuellen Verhältnisse am Berg informieren.

Gipfelziele:

  • Mont Blanc (4.810 Meter)
  • Aiguille du Goûter (4.304 Meter)
  • Aiguille du Bionnassay (4.052 Meter)

Webseite:

Triglavhaus (2.515 Meter) – das höchste Schutzhaus Sloweniens

Das "Triglavski dom na Kredarici" - oder Triglavhaus - liegt nur rund dreihundert Höhenmeter unter dem Gipfel des Triglav, dem höchsten Berg der Julischen Alpen. | Foto: Jošt Gantar
Das „Triglavski dom na Kredarici“ – oder Triglavhaus – liegt nur rund dreihundert Höhenmeter unter dem Gipfel des Triglav, dem höchsten Berg der Julischen Alpen. | Foto: Jošt Gantar

Die Julischen Alpen in Slowenien sind ein kleiner, feiner Teil der Südalpen, in dem sich einige reizvolle Kalk-Bergriesen und ebenso reizvolle Hütten verstecken. Die höchstgelegene, das Triglavhaus, liegt gleichzeitig am höchsten Berg Sloweniens, dem 2.864 Meter hohen Triglav. Die imposante Berghütte (slowenisch Triglavski dom na Kredarici, Eröffnungsdatum der ersten Hütte: 1896) liegt auf 2.515 Metern Höhe und ermöglicht Bergsteigern eine komfortable Unterkunft und einen kurzen, nur rund einstündigen „Zielsprint“ zum Gipfel, dessen Besteigung strenggenommen der einzige Zweck ist, dem die höchste Hütte Sloweniens dient. Ganz abgesehen davon, dass Sonnenaufgänge auch schon auf der Hütte ein unvergessliches Erlebnis sind …

Zustieg:

Wie beim Münchner Haus gibt es auch zum Triglavhaus zahlreiche Aufstiegsmöglichkeiten. Der Einfachheit halber sei an dieser Stelle nur einer beschrieben – der vom Vrata-Tal aus. Vom gut tausend Meter hoch gelegenen Parkplatz am Aljazev Dom wandert man ein Stück weit das Vrata-Tal hinein, ehe der teils klettersteigartig ausgebaute Prag-Weg recht steil und ausgesetzt zum Karstplateau, an dessen Rand die Hütte thront, führt. Insgesamt muss man für diesen Anstieg über rund 1.500 Höhenmeter etwa 5 Stunden einplanen.

Gipfelziele:

  • Triglav (2.864 Meter): 1 Stunde

Fazit zu den höchsten Hütten der Alpen

Wer alle sieben Hütten besucht hat, hat die Alpen aus vielerlei Blickwinkeln gesehen! Eine hochgelegene Hütte zu besuchen ist ganz klar ein Highlight – trotzdem ist der Besuch dieser Hütten mit ein wenig Vorsicht zu genießen. Die Hütten stellen Superlative in den jeweiligen Alpenstaaten dar. Damit einhergehend sind sie heiß begehrt. Das bedeutet zum einen, dass es an Spitzentagen ziemlich eng werden kann und zum anderen, dass das Hüttenpersonal mitunter großem Stress ausgesetzt ist.

Bergsteiger haben also zwei Möglichkeiten: Entweder man besucht eine dieser „Superhütten“ mit dem entsprechenden Nervenkostüm und ist auf viel Betrieb vorbereitet – oder man wählt ein Datum (kurz nach Öffnung, kurz vor Schließung, unter der Woche) an dem mit einem vergleichsweise geringen Publikumsverkehr zu rechnen ist.

Disclaimer: Der Autor und das Redaktionsteam des Bergzeit Magazins übernehmen keinerlei Haftung für die Richtigkeit der in diesem Artikel gemachten Angaben. Bis auf die Pfälzer Hütte handelt es sich bei den hier vorgestellten Hütten um alpinistisch anspruchsvolle Ziele, die nur mit der entsprechenden Ausrüstung erreicht werden können. Wir empfehlen dringend die Verwendung eines AV-Führers – und/oder eines Bergführers!

Hinweis zu den Eröffnungsdaten der einzelnen Hütten: Diese beziehen sich zum Teil auf Vorgängerhütten, die renoviert, versetzt oder teilweise komplett neu gebaut wurden. Einzelne ältere Hütten wurden sogar mehrmals neu gebaut.

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