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Für unregelmäßige Risse

Test der neuen Z4 Camalots von Black Diamond

6 Minuten Lesezeit
Die neue Camalot-Serie Z4 von Black Diamond wartet mit einigen Überraschungen auf. Unser Bergzeit Autor und passionierter Kletterer Markus hat die Cams getestet. Warum die Z4 sich gerade in engen, tiefen Rissen präzise legen lassen und welche Tipps Markus noch auf Lager hat, erfährst Du hier im kompletten Bericht.

Für den Bergsportausrüster Bergzeit testete ich die neue Klemmgeräte-Serie „Camalot Z4“ bzw. „Camalot Z4 Offset„. „Camalot“ ist die Bezeichnung für die aktiven Klemmgeräte des amerikanischen Herstellers Black Diamond, vergleichbar mit den „Friends“ der Firma Wild Country. Die Begriffe Cams oder Friends haben sich unabhängig vom Fabrikat unter Kletterern oder in der Kletterliteratur als Gattungsnamen für aktive Klemmgeräte durchgesetzt. Weitere Hersteller und Nachahmer sind z.B. DMM (Dragon Cams, Metolius (TCU-Cam), Ocean Pacific (Link Cam).

Gut gerüstet für die mobile Absicherung.

Konrad Kalisch

Gut gerüstet für die mobile Absicherung.


Die neuen Camalots Z4 sind Black Diamonds neuer Standard von Klemmgeräten für schmale Risse bis etwa Fingerbreite (Einsatzbereich 7,5 mm bis 42,1 mm) und sollen die Flexibilität der X4-Cams mit der Präzision der C3-Cams vereinen. Daneben gibt es weiterhin die klassische C4-Serie (in den Gr. 0.3-6) und die Ultralight-Serie (in den Gr. 0.4-4).

Erster Kontakt

Camalot Z4 Gr. 0.5 in einem optimalen Granitriss.

Markus Stadler

Camalot Z4 Gr. 0.5 in einem optimalen Granitriss.


Auswahl der passenden Cams vor dem Einstieg in die Route.

Konrad Kalisch

Auswahl der passenden Cams vor dem Einstieg in die Route.


Mein Testpaket enthält zehn Cams: Fünf Camalots Z4 der Größen 0 bis 0.5 (ohne 0.3 und 0.75), sowie den vollständigen Satz der Z4-Offset-Camalots (Größen 0.1/0.2, 0.2./0.3, 0.3/0.4, 0.4/0.5, 0.5/0.75). Beide Sets sind an einem leichten Schnappkarabiner befestigt. Alles zusammen wiegt 620 g. Als erstes teile ich die beiden Sets auf insgesamt vier Karabiner auf. Erfahrungsgemäß erleichtere ich mir damit das Handling und die Übersicht. Die Cams machen einen sehr hochwertigen Eindruck, liegen gut in der Hand und sind trotz kräftiger Federspannung leichtgängig zu bedienen.

Die Camalots Z4 im Praxiseinsatz

Markus Stadler platziert den Z4 Gr. 0.5 in der Route Sechsplosion (7) am Häuptling, Ewige Jagdgründe.

Konrad Kalisch

Markus Stadler platziert den Z4 Gr. 0.5 in der Route Sechsplosion (7) am Häuptling, Ewige Jagdgründe.


Die Cams werden mir Mitte Juni zugesandt, für den Testbericht habe ich ungefähr einen Monat Zeit, wobei mir regnerisches Wetter mehrmals geplante Klettertage im heimischen Kaisergebirge vermasselt. Die erste Gelegenheit, die Z4-Cams am Fels zu testen, bekomme ich im Rahmen eines Alpinkletterkurses für meine Alpenvereinssektion. Mit meinen Teilnehmern trainiere ich dabei einen ganzen Tag lang das Legen mobiler Sicherungsmittel und das Bauen von Standplätzen. Im kalten Nieselregen werden die Felsblöcke aus Kalkgestein rund um die Steinlingalm mit Klemmkeilen, Friends und Schlingen geschmückt. Gemeinsam besprechen, beurteilen und testen wir die Placements in ihrer Zuverlässigkeit. Kurz darauf fahre ich für ein Wochenende zum Klettern ins Zillertal. Der dortige Granit ist perfekt geeignet, um auch die kleinen Cams sinnvoll einzusetzen. Im Sportklettergebiet Ewige Jagdgründe klettern wir viele Routen mit dem Einsatz der Camalots und versuchen, stattdessen die Bohrhaken zu ignorieren.

Die Cams helfen uns in der Route

Markus Stadler

Die Cams helfen uns in der Route „Alpiner Spätaufsteher“ (6+) im Zillergrund entspannt über einige nasse Reibungspassagen.


Noch ein weiterer Klettertag im Zillertal geht sich aus, an dem wir zwei Mehrseillängen-Routen im Zillergrund klettern. Diese sind zwar gut gebohrt, aufgrund vieler nasser Passagen sind wir aber froh, an der ein oder anderen glitschigen Platte die Sicherungsabstände mit mobilen Sicherungsmitteln etwas verkürzen zu können. Ein durchwachsenes Wochenende an der Fritz-Pflaum-Hütte im Wilden Kaiser gibt mir noch kurz die Gelegenheit, die Einsatzmöglichkeiten der Offset-Cams in den typischen Wasserrunsen des verwitterten Kalkgesteins auszuprobieren.

Features und Herstellerangaben

Der Clou an der neuen Serie ist die Konstruktion des Mittelstegs. Gerade bei sehr engen Rissen erleichtert ein starrer Steg die Platzierung und das Entfernen eines Cams deutlich. Die alten C3 Cams waren so konstruiert, hatten aber den Nachteil, dass die platzierten Klemmgeräte durch die Seilbewegung stark zum „Wandern“ neigten. Das heißt, sie verließen gerne ihre optimale Setzposition, vor allem, wenn man sie ohne zwischengeschaltete Expressschlinge verwendete. Die Konstruktion der Z4 Cams vereint nun beide Vorteile. Der RigidFlex-Mittelsteg wird beim Betätigen des Zugmechanismus starr, ansonsten ist er recht flexibel.

Mit der C4 Serie gibt es Überschneidungen in den Größen 0.3-0.75. Neben dem neuen Mittelsteg besteht der Hauptunterschied in dem deutlich kleineren Kopf, womit man auch flachere Risse besser absichern kann.

Die Granitrisse im Zillertal eignen sich perfekt für die Absicherung mit Cams.

Konrad Kalisch

Die Granitrisse im Zillertal eignen sich perfekt für die Absicherung mit Cams.


In den sehr unregelmäßig geformten Kalkrissen ist es oft schwierig ein optimales Placement für die kleinen Cams zu finden.

Markus Stadler

In den sehr unregelmäßig geformten Kalkrissen ist es oft schwierig ein optimales Placement für die kleinen Cams zu finden.


Welche Belastungen halten die kleinen Cams aus? Die Größen 0-0.2 (Offset bis 0.2/0.3) haben nur eine Achse und ein Kabel im Mittelsteg. Sie weisen Bruchlasten von 5-6 KN auf, was bei vielen Stürzen im alpinen Gelände zu wenig sein kann. Beim Sport-(Trad-)Klettern im Klettergarten mit geringen Sicherungsabständen und weicher Sicherung sollten aber sogar diese Winzlinge die meisten Stürze halten, vorausgesetzt sie wurden optimal platziert. Ab Größe 0.3 (Offset 0.3/0.4) liegen die Bruchlasten jenseits von 7 KN und damit fürs Sportklettern im sicheren Bereich.
Sowohl die Segmente als auch die Schlingen sind farblich gekennzeichnet. Die Offset-Cams haben konsequenterweise eine zweifarbige Markierung. Die Schlinge hat eine Länge von 10 cm und ist – im Gegensatz zu den Geräten der meisten anderen Hersteller – nicht verlängerbar. Black Diamond hält damit an seiner Meinung fest, dass eine verlängerbare Schlinge kein nennenswerter Vorteil ist und eher Probleme macht als löst.

Anwendungsbereiche

Ursprünglich wurden die Friends für den Einsatz im Granit entwickelt. Das harte Gestein mit seinen oft glatten, parallelen Rissen und seiner Rauigkeit ist prädestiniert für diese Klemmgeräte. Das bedeutet aber auch, dass weiche und/oder reibungsarme Gesteine oder Oberflächen und sehr unregelmäßig geformte Risse weniger geeignet sind. Je kleiner ein Cam ist, desto geringer ist die Range seiner Klemmwirkung. So beträgt diese zum Beispiel beim Z4 der Größe 0 gerade mal 4,3 mm. Hinzu kommt, dass sich die sehr großen Kräfte (ein Mehrfaches der Sturzbelastung!), die auf die Kontaktflächen am Fels einwirken, dann nur auf einen sehr kleinen Bereich konzentrieren. Im Kalk bröseln so schnell einmal die paar entscheidenden Millimeter weg und die Sicherung rutscht aus dem Riss oder die Segmente klappen über, wie ein umgestülpter Regenschirm (passiert nur bei den einachsigen Geräten). Dreckige oder von Flechten bewachsene Felsoberflächen reduzieren ebenfalls die Haltekräfte. Dies sind grundsätzliche Nachteile aller Cams, die allerdings bei den überwiegend recht kleinen Z4’s verstärkt zu beachten sind. Dafür passen diese – auch aufgrund der schmalen Köpfe – selbst in eher seichte Risse. Eher unüblich sind in unseren Breiten die Offset-Cams mit zwei verschieden großen Segmentpaaren. Sie sind für unregelmäßig geformte Risse ideal, also z.B. für einen Riss, der nach außen breiter wird (eigentlich eher der Normalfall als die Ausnahme). Ebenfalls eignen sie sich manchmal zum Absichern von Wasserrillen, wobei ich mir hierfür größere Größen wünschen würde, da die meisten Wasserrillen breiter sind.

Erfahrungen und Tipps

Konrad Kalisch

Jule Strebl im unteren Teil der Route „Mein Gott Walter“ (7-) an den Ewigen Jagdgründen im Zillertal


Der Testtag an der Kampenwand bestätigte die Aussage, dass die Cams in flechtigem, weichem Kalk mit Vorsicht zu genießen sind. Vor allem die kleinen einachsigen Cams ließen sich überraschend oft durch einen kurzen schnellen Ruck oder das Hineinsteigen in eine daran befestigte Schlinge und leichtes Wippen herausziehen, selbst wenn die Platzierung brauchbar aussah. Als Vorteil erwiesen sich hingegen erstaunlich häufig die Offset-Cams, die – mit etwas Geduld – bei sehr unregelmäßiger Felsoberfläche besser anzubringen waren. Solange man nicht technisch daran klettern möchte, würde ich im Kalk erst Cams ab Gr. 0.3 mitnehmen bzw. im Zweifel sogar die Offset-Cams vorziehen, weil sich diese nach meinen Erfahrungen häufiger optimal platzieren lassen als die normalen Z4’sApropos gut platzieren: Besonders bei den ganz kleinen Größen muss man höllisch aufpassen, sie nicht zu weit zusammengezogen in enge Risse zu stopfen, sonst bekommt man sie nur schwer wieder heraus. Dazu verleitet die starre Achse der Z4’s eher als die flexible der X4-Cams. Anderseits spürt man bei Placements, die aus der Kletterstellung nicht einsehbar sind, deutlich besser wie der Riss aussehen könnte. Gerade in engen, tiefen Rissen lassen sich die kleinen Z4-Cams sehr präzise legen, wenn man etwas Übung damit hat. Und sofern sie nicht bis auf Anschlag geschlossen sind, lassen sie sich auch kinderleicht wieder entfernen. Ob die Achse im flexiblen Modus tatsächlich weniger zum „Wandern“ neigt, kann ich schwer verifizieren, da es sehr vom individuellen Placement abhängt und ich generell lieber zu viel als zu wenig verlängere.

Eine verlängerbare Schlinge vermisse ich nicht. Bei den Geräten, die eine solche besitzen, nutze ich sie kaum. In den meisten Fällen ist die Verlängerung zu kurz, damit sie ausreicht, um Seilreibung zu verhindern und das Klemmgerät vor Seilbewegungen zu schützen, wenn man nur einen Karabiner einhängt. Dazu stört mich die Naht der Schlinge häufig. Außerdem bevorzuge ich bei den kleinen Cams mehrere an einem Karabiner, was mit den doppelten Schlingen eher ein Gewurschtel wird und auch wenig Sinn macht, weil man dann auch wieder eine zusätzliche Expressschlinge oder einen Karabiner benötigt.

Zur Langlebigkeit der neuen Camalot-Serie kann ich noch wenig beisteuern. Die Belastungstests haben bei den kleinen Größen erste Spuren hinterlassen und das Drahtkabel etwas verbogen. Die zweiachsigen Größen mit dem doppelten Drahtkabel haben kaum gelitten, aber an der flexiblen Plastikummantelung sind bereits Scheuerstellen erkennbar. Bei den C4 Camalots sind die Zugdrähte eine klassische Schwachstelle bzw. ein Verschleißteil, das es als Nachrüstsatz gibt. Bei den Z4’s sind die deutlich dünneren Drähte nicht selbst nachrüstbar. Zum Austausch muss man das Klemmgerät zum Hersteller schicken. Das könnte u.U. irgendwann relevant werden, ebenso wie der Verschleiß der Dynex-Schlinge, die aber einen sehr soliden Eindruck macht.

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

+ hochqualitative Verarbeitung
+ sehr gut zum Platzieren und Entfernen auch in tiefen Rissen
+ Sehr kleine Größen für enge Risse
+ Die Flexibilität des Mittelstegs soll bewirken, dass die Cams weniger im Riss „wandern“
+ Offset-Friends für unregelmäßige Risse
+ deutliche Farbcodierung

– Kleine Cams haben geringe Haltekräfte und sind vorrangig zum Techno-Klettern gedacht
– Dünne Zugdrähte müssen bei Verschleiß vom Hersteller erneuert werden.

Du würdest die Z4 Camalots von Black Diamond selbst gerne ausprobieren? Hier geht’s zu den Cams:

Mehr Beiträge rund ums Klettern gibt’s im Bergzeit Magazin:

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