Ob Schnee schmelzen, ein Iglu bauen oder die richtige Ausrüstung einpacken – mit diesen fünf Tipps fürs Winterbiwak verbringst du auch in der kalten Jahreszeit eine angenehme und sichere Nacht draußen.

Wenn sich die Wintersonne langsam hinter den Horizont senkt und die Temperaturen schnell fallen, flüchten die meisten Bergsportler vor das prasselnde Kaminfeuer einer wohlig warmen Berghütte. Wer es rustikaler mag, verbringt hingegen die Nacht an der frischen Luft – im Schlafsack. Keine Sorge, so ein Winterbiwak ist keineswegs hartgesottenen Polarforschern vorbehalten, auch Outdoor-Fans können „im Biwak“ eine spannende und romantische Zeit erleben. Damit man bei seinem ersten Winterbiwak-Abenteuer nicht als zweiter Ötzi in die Geschichte eingeht, helfen die folgenden Tipps.

1. Guter Schlaf ist teuer? Die Grundausrüstung fürs Winterbiwak

Zur Winterbiwak-Ausrüstung zählt neben dem Daunenschlafsack auch eine wintertaugliche Unterlage. | Foto: Franz Güntner
Zur Winterbiwak-Ausrüstung zählt neben dem Daunenschlafsack auch eine wintertaugliche Unterlage. | Foto: Franz Güntner

Zu den wichtigsten Punkten auf der Packliste Biwak zählt der Schlafsack. Seine Komforttemperatur sollte den erwarteten Nachttemperaturen entsprechen. Die Füllung der Wahl heißt Daune – ein Kunstfaserschlafsack im vergleichbaren Temperaturbereich ist viel größer und schwerer. Allerdings: Gute Daunenschlafsäcke sind nicht gerade billig. Am besten, man begibt sich frühzeitig auf die Schnäppchenjagd. Einzelne Hersteller haben jedoch auch Kunstfaserschlafsäcke im Programm, die bei der Performance überzeugen können.

Wer nicht gleich Geld für ein neues Wintermodell ausgeben möchte, kann seinen Drei-Jahreszeiten-Schlafsack auch etwas pimpen, zum Beispiel mit einem Inlet oder einem Biwaksack. Beide fügen der Komforttemperatur jeweils etwa fünf Grad hinzu. Auch mehrere trockene(!) Kleidungsschichten spenden zusätzliche Wärme. Hier lautet das Motto: Viel hilft zwar viel, zu viel sollte es aber auch nicht sein, da sonst die Wärmerückhaltung des Schlafsacks nur eingeschränkt funktioniert. Bei richtig guten Daunenschlafsäcken mit einem Komfortbereich zwischen -15 und -20 °C reicht es beispielsweise aus, lange Unterwäsche mit einem Midlayer zu kombinieren und so in den Schlafsack zu schlüpfen.

Ebenfalls unerlässlich: Eine wintertaugliche Unterlage. Als ideal erweisen sich aufblasbare Isomatten mit einem R-Wert höher als vier. Der R-Wert entspricht der Dämmwirkung der Matte. Regel: Je höher, desto wärmer. Die Isolationswirkung der gesamten Unterlage kann man etwas steigern, in dem man Jacken, ein Seil oder eine Plane unterlegt.

2. Ein Nest bauen – der Schlafplatz

Wer sich für ein Biwak unter freiem Himmel entscheidet, sollte zunächst den Biwakplatz mit Ski, Schneeschuhen oder einer Schaufel befestigen. | Foto: Franz Güntner
Wer sich für ein Biwak unter freiem Himmel entscheidet, sollte zunächst den Biwakplatz mit Ski, Schneeschuhen oder einer Schaufel befestigen. | Foto: Franz Güntner

Einer der größten Vorteile des Biwakierens im Winter zeigt sich beim Bau der Unterkunft: Im Hang gibt es keine ebene Fläche? Kein Problem, mit einer Schaufel ist ein Podest im Schnee schnell geschaffen. Fehlt ein Windschutz? Nur ein paar Schaufelhiebe, schon steht die Mauer! Zieht ein Sturm auf? Eine ordentliche Wechte bietet Platz für eine ganze Ein-Zimmer-Wohnung. Im Winter-Wunder-Land kann jeder ein Häuslebauer sein – ganz ohne Bausparvertrag.

Den geringsten Schutz vor den Elementen bietet ein Biwak unter freiem Himmel. Für eine halbwegs gemütliche Nacht trampelt man zunächst mit seinen Ski den Schnee fest und schützt den Platz mit Mauern vor dem Wind. Ein atmungsaktiver Biwaksack wie der Rab Alpine Bivi gehört hier zum Standard. Eine Bodenplane hält Nässe fern.

Komfortabler geht es in einem Iglu oder einer Schneehöhle zu: Das weiße Gold ist ein hervorragender Isolator und schützt vor Wind und Wetter. Für welches Haus man sich entscheidet, hängt von der Beschaffenheit und Menge des Schnees und dem Gelände ab. Gerade im alpinen Bereich hat sich die Schneehöhle durchgesetzt, da sie viel schneller und leichter zu graben ist.

Bei Bau und Nutzung der Winterbiwak-Unterkunft sollte man außerdem diese fünf Tipps beachten:

Möglichst nicht schwitzen, lautet die Devise beim Nestbau - denn nasse Klamotten trocknen über Nacht in der Regel nicht. | Foto: Franz Grüntner
Möglichst nicht schwitzen, lautet die Devise beim Nestbau – denn nasse Klamotten trocknen über Nacht in der Regel nicht. | Foto: Franz Grüntner
  • Kälte nach draußen lassen: Der Eingang einer Schneehöhle liegt im Idealfall unterhalb des Schlafplatzes, so kann kalte Luft „abfließen“. In einem Iglu schaufelt man einen kleinen Graben, in dem sich die Kälte sammelt.
  • Für Belüftung sorgen: Ein paar kleine Löchlein im Dach sind nicht genug: Sie werden zu schnell zugeweht. Besser man lässt den Eingang etwas offen. Bei schlechtem Wetter muss er mehrmals pro Nacht freigeschaufelt werden: Ganz ohne Luftzufuhr droht man zu ersticken!
  • Handschuhe verwenden: Wer mit metallischen Gegenständen (Sonde, Schaufel) hantiert, sollte immer trockene, warme Handschuhe anziehen: Zu schnell holt man sich Erfrierungen an den Händen – und zu leicht übersieht man die Warnsignale.
  • Nicht schwitzen: Wer sich wie ein Maulwurf auf Speed in den Schnee fräst, ist zwar schneller fertig, dafür aber auch total durchnässt. Die Probleme: Nasse Klamotten und Schuhe kühlen den Körper sehr schnell aus und die Ausrüstung trocknet über Nacht in der Regel nicht.
  • Draußen kochen: Nicht nur, dass eine ordentliche Nudelsuppe ein Schneehaus schnell in eine Tropfsteinhöhle verwandelt, beim Kochen entstehen auch Kohlenstoffmono- und dioxid, die sich leicht in der Höhle sammeln können.

Ob man sich für ein Dach über dem Kopf entscheidet oder unter den Sternen campiert, die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz beginnt bei einem Winterbiwak viel früher als im Sommer – nämlich weit vor der Dämmerung. So hat man auch noch genug Sicht, um die Hänge oberhalb des Lagers auf eine mögliche Lawinengefahr zu prüfen: Die weißen Biester treibt es schließlich auch nachts Richtung Tal.

3. Gute Nacht – Tipps für einen angenehmen Schlaf

Die Lieblingswechte ist frühzeitig gefunden, die Höhle mittlerweile komfortabler als die erste Studentenbude, und der Magen angenehm gefüllt. Zeit, sich in den Schlafsack zu verkriechen!

  • Biwak-Profis zweigen bereits beim Kochen etwas heißes Wasser ab und füllen es in ihre Trinkflasche. Diese kommt in den Schlafsack und wärmt ihn etwas vor. Der zweite Nutzen: Am Morgen hat man gleich etwas zu trinken.
  • Wer an den Atemwegen empfindlich ist, bindet sich ein Tuch oder Buff um den Hals – das schützt vor Halsschmerzen und Husten. Und auch eine Mütze ist beim Schlafen Pflicht: Immerhin verliert der Körper über den Kopf die meiste Wärme.
  • Übrigens: Schlafsäcke sind vorne oft stärker gefüllt als hinten. Wer sich nur im Schlafsack bewegt, hat mit der ungleich verteilten Daune keine Probleme. Sobald man sich aber mit dem gesamten Schlafsack auf die Seite dreht, liegt die weniger stark gefüllte Seite plötzlich frei – und am Rücken wird es kalt.

4. Winterbiwak – Do’s and Don’ts

  • Do: Dem Drang nachgehen. Wenn die Blase drückt, friert man schneller und hat eine unangenehme Restnacht vor sich. Also: ein Mal raus in die Kälte und dafür danach durchschlafen.
  • Don’t: Elektronik draußen liegen lassen. Wer am nächsten Tag auch noch gerne seine Digicam und sein Smartphone benutzen möchte, sollte zumindest die Akkus mit in den Schlafsack nehmen.
  • Do: Üben. Auch Biwakieren will gelernt sein. Novizen starten deshalb nicht gleich bei minus 20 Grad Celsius in ihr erstes Wintercamp.
  • Don’t: Trockenen Schnee schmelzen. Das dauert länger und beschädigt unter Umständen den Topf. Besser: Etwas Wasser zum Schnee hinzugeben, das verbessert den Kontaktschluss zwischen kaltem Schnee und heißem Topf.
  • Do: Auf das Team achten. Bei tiefen Temperaturen zu biwakieren ist bei allem Spaß auch ein ernstes Unterfangen. Fühlt sich ein Teilnehmer nicht wohl, steigt man lieber ins Tal ab. So spart man sich die Bergwacht.
  • Don’t: Gaskartusche in den Schnee stellen. Gerade im Winter funktionieren viele Gaskocher nicht mehr richtig, da das Butan-Propan-Gemisch zu kalt ist. Trick: Die Kartusche mit einem kleinen Ständer aus dem Schnee befördern oder etwas unterlegen. Winterfester sind Gaskocher mit Gasleitung und Heizspirale wie der Optimus Gravity – hier kann man die Kartusche mit Kleidung isolieren.

5. Bitte nicht stören – zu Gast im Tierreich

Tiere schlafen im Winter keineswegs so fest, wie es uns manche Kinderbücher erklären. Wer sie in der Nacht aufschreckt, riskiert, dass sie nicht mehr genug Energie haben, um über den Winter zu kommen. Am besten, man bleibt deshalb in der Nähe eines Skigebietes oder in sehr hohen Lagen, verhält sich leise und geht sparsam mit dem Licht um. So sieht man auch den Sternenhimmel deutlicher und kann die Stille der Berge besser genießen. Und das ist es doch, warum man hierher kommt, oder?

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