Der Arlberger Winterklettersteig ist eine ganz besondere Herausforderung: brusttiefer Schnee, ein eingefrorenes Seil und kalte Finger - dafür eine grandiose Sicht, exponiertes Gelände und was für eine Powderabfahrt.

Bei super Wetter und hervorragender Schneelage ist der Winterklettersteig am Arlberg eine attraktive und zugleich anspruchsvolle Herausforderung. In seiner Art relativ einzigartig, verlangt einem der Steig bei entsprechenden Bedingungen jedoch mehr ab als ursprünglich angenommen …

Anreise und Ausgangspunkt

Der Arlberger Winterklettersteig ist ein besonderes, anspruchsvolles Erlebnis. Hier eine der mit D bewerteten Schlüsselstellen. | Foto: Basti Fiedler
Der Arlberger Winterklettersteig ist ein besonderes, anspruchsvolles Erlebnis. Hier eine der mit D bewerteten Schlüsselstellen. | Foto: Basti Fiedler

Talort für den Arlberger Winterklettersteig ist St. Anton am Arlberg. Kommt man von Norden, gibt es zwei Hauptanreisewege. Entweder von Bregenz kommend die A14 in Richtung Arlberg und dann über die Passstraße (Achtung im Winter häufig Schneekettenpflicht) oder durch den Arlbergtunnel (gebührenpflichtig, aktuell 9,50 Euro).

Alternativ fährt man über Füssen und den Fernpass nach Imst. Von hier aus über die Inntalautobahn ebenfalls nach St. Anton. Im Ort selbst gibt es mehrere Parkplätze in der näheren Umgebung der Rendlbahn. Mit dieser Gondel gelangt man hoch ins Skigebiet.

Durch die sehr gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel ist auch eine Anreise mit Bus und Bahn nach St. Anton problemlos möglich!

Gemütlicher Zustieg via Skilift

Um an den Ausgangspunkt des Klettersteigs zu kommen, sind einige kurze Liftfahrten nötig:

  • Vom Tal mit der Rendlbahn hoch ins Skigebiet
  • Auf der Piste Nr. 4 zur Bahn Riffel I
  • Von der Bergstation der Bahn die Piste Nr. 11/12 zur Bahn Riffel II

Info: Es gibt eine spezielle Skitourenkarte. Diese schließt lediglich die Lifte ein, die man benötigt, um zum Klettersteig zu kommen. Außerdem ist sie deutlich günstiger als die normale Tageskarte. Wer nachher noch im Skigebiet fahren möchte, kann sich auch eine normale Tageskarte kaufen.

Schwierigkeit und Dauer

Je nach Bedingungen variieren Anspruch und Dauer des Arlberger Winterklettersteigs erheblich. | Foto: Basti Fiedler
Je nach Bedingungen variieren Anspruch und Dauer des Arlberger Winterklettersteigs erheblich. | Foto: Basti Fiedler

Schwierigkeit und Dauer des Arlberger Winterklettersteigs variieren extrem mit den Bedingungen. Der Steig kann bei festem Trittschnee und freiem Seil gut, sicher und zügig begangen werden. Dann erscheint die Zeitangabe von 1,5 bis zwei Stunden realistisch. Bei schlechten Bedingungen ändert sich das rapide. Wir hatten unverspurten, teils brusttiefen Neuschnee ohne Tritte, ein tief eingeschneites und teils eingefrorenes Seil. Die Kletterei war durchgängig im Schnee und kaum im freien Fels. Dadurch wurde aus einem entspannten Klettersteig eine etwas ernstere, hochalpine Tour.
Die Wegfindung ist einfach, denn das Seil markiert den Weg. Doch die Anforderungen steigen gewaltig. Bei oft bodenlosem Schnee und dem exponierten Gratgelände war uns unter diesen Bedingungen ein seilfreies Gehen an vielen Stellen zu heikel. Über Steigeisen und einen Pickel waren wir froh.

Dies soll keine Abschreckung sein – der Klettersteig war wunderschön, das Panorama überwältigend, das hochalpine Gelände beeindruckend, und trotz der Strapazen des Spurens war die Tour phänomenal. Ich möchte an dieser Stelle nur darauf hinweisen, dass man sich der Ernsthaftigkeit der Tour je nach Bedingungen bewusst sein muss. Nach uns sind am selben Tag mehrere Seilschaften umgekehrt, weil sie den Steig unterschätzt haben. Daher empfehle ich, sich vorher zu überlegen, ob man sich den Steig auch bei schlechten Bedingungen zutraut. Nur dann kann man dieses Schmankerl richtig genießen.

Tipp: Informationen über die aktuellen Bedingungen kann man sich im Vorfeld bei den Bergbahnen Arlberg (Telefon: +43 (0) 5446 2352-0) einholen, und dann entsprechend Planung und Ausrüstung anpassen.

Der Winterklettersteig am Arlberg

Direkt neben der Station der Riffelbahn II markiert ein Metallschild den Einstieg zum Arlberger Winterklettersteig. | Foto: Basti Fiedler
Direkt neben der Station der Riffelbahn II markiert ein Metallschild den Einstieg zum Arlberger Winterklettersteig. | Foto: Basti Fiedler

Der Arlberger Winterklettersteig beginnt direkt neben der Bergstation der Riffelbahn II, wo man sich in Ruhe vorbereiten kann: den Klettergurt und das Klettersteigset anlegen und ggf. auch Steigeisen und Pickel in Position bringen. Gleich neben der Station markiert ein Metallschild den Einstieg – sofort fallen auch die ersten Stahlseile in den Blick. Die Stahlseile sind in der Theorie so angebracht, dass sie auch im Winter bei Schnee gut erreichbar sind. Dass Theorie und Praxis zwei Paar Schuhe sind, durften wir ein paar Meter später erleben.

Erst einfach …

Der Winterklettersteig beginnt mit einer leichten Steilstufe, die jedoch technisch unschwierig ist. Wer hier bereits Probleme mit dem Gelände oder der Exponiertheit hat, sollte unbedingt umkehren. Denn es wird eher schwieriger als einfacher. Nach dem ersten Aufschwung geht es erstmal in leichterem Gehgelände weiter. Dennoch pfeift es zur Rechten ordentlich in die Tiefe und man sieht ins Skigebiet hinab.

Wenn das Seil frei ist, kann man dieses Stück relativ einfach und gut gesichert bewältigen. Wenn das Seil wie bei uns tief eingeschneit ist, wird es heikler. Entweder man geht seilfrei – dann muss man sich aber über das Gelände im Klaren sein, denn man bewegt sich in sehr exponierter Lage und ein Absturz wäre fatal. In gutem Trittschnee ist dies sicherlich vertretbar. Da wir aber bodenlosen Pulverschnee hatten, war uns das zu heikel. Daher haben wir teilweise das Seil mühsam aus dem Schnee befreit. An manchen Stellen war trotz der schwierigen Verhältnisse ein seilfreies Gehen möglich.

… dann knackig

Wenn das Seil frei ist, kann man dieses Stück relativ einfach und gut gesichert bewältigen. Andernfalls wird es anspruchsvoll ... | Foto: Basti Fiedler
Wenn das Seil frei ist, kann man dieses Stück relativ einfach und gut gesichert bewältigen. Andernfalls wird es anspruchsvoll … | Foto: Basti Fiedler

Nach dem einfacheren Teil mit ständigem Auf und Ab entlang des Grates mit ordentlichen Tiefblicken und gut machbarer Kraxelei kommen wir noch vor der oberen Rendlspitze an die zwei Schlüsselstellen, die mit D bewertet sind. Hier gilt es vor allem an der zweiten D-Stelle (einem recht glatten Block) ordentlich zuzupacken und auf seine Beinarbeit zu achten. Mit Ski am Rücken und Skistiefeln ist diese Stelle nicht zu unterschätzen. Das rettende Stahlseil über dem Felsblock ist sehr weit oben angebracht und recht schwer zu erreichen. Gerade für etwas kleinere Bergsteiger kann eine Bandschlinge rettend sein, die die Griffstrecke verkürzt. Hat man sich über diese Stellen „gekämpft“, geht es in gemäßigterem Gelände weiter zum Gipfel der Rendlspitze (2.816 Meter).

Dem ebenfalls gesicherten, teils plattigen Abstieg hinab in eine Mulde folgt ein weiterer, gemäßigter letzter Aufschwung auf die Mitterkarspitze. Hier verlässt man nun den gesicherten Steig und kann nochmals zurückblicken auf den Winterklettersteig und hinunter ins Skigebiet von St. Anton. Der Blick auf die bevorstehende Abfahrt lässt die Vorfreude auf Powderhänge wachsen.

Tipps und Tricks für den Winterklettersteig

Mit Skiern auf dem Rücken und in Skischuhen ist das Projekt "Arlberger Winterklettersteig" ein anderes Unterfangen als im Sommer. | Foto: Basti Fiedler
Mit Skiern auf dem Rücken und in Skischuhen ist das Projekt „Arlberger Winterklettersteig“ ein anderes Unterfangen als im Sommer. | Foto: Basti Fiedler

Ein Klettersteig im Winter ist etwas anderes als im Sommer, daher hier einige wichtige Erfahrungen, die ich gerne weitergeben möchte:

  • Die Ski am Rücken: Unbedingt auf eine gute Befestigung und einen sinnvollen Rucksack achten. Da man häufiger unter dem Seil queren muss, sind die Ski gefühlt immer im Weg. Teils sind akrobatische Seilüber- und -unterquerungen nötig, um mit den Ski am Rücken auf die andere Seite zu kommen.
  • Das Seil zu hoch oben: Je nach Schneelage wechselt die Seilhöhe von tief eingeschneit nach nicht erreichbar. Es bietet sich daher an, eine Bandschlinge am Gurt zu befestigen, um das Klettersteigset im Zweifel verlängern zu können ohne sich aushängen zu müssen. Für die eingeschneiten Passagen muss man sich entscheiden – bei sicheren Verhältnissen ist seilfreies Gehen teils möglich, teils muss ausgegraben werden (wenn dies nicht schon erledigt ist).
  • Handschuhe: Im Gegensatz zum Sommer, wo man sich häufig problemlos am Stahlseil hochziehen kann, ist dies bei einem eingefrorenen Seil deutlich schwieriger – es fehlt schlicht die Reibung. Daher auf gute (warme!) Handschuhe mit einer griffigen Handfläche achten. Oft muss man auch freier und ohne Stahlseil klettern.
  • Steigeisen und Pickel: Da man die endgültigen Bedingungen kaum vorhersehen kann und auch die Aussagen der Bergbahnen hier keine Garantie geben können, würde ich die Mitnahme von Steigeisen und einem Eispickel empfehlen. So ist man auf der sicheren Seite und muss nicht umkehren, weil einen die Bedingungen überraschen.

Abfahrt von der Rossfallscharte aus

Hat man den Ziel-Gipfel (Mitterkarspitze, 2.790 Meter) erreicht, kann man das Klettersteigset verstauen und die Ski in den Abfahrtsmodus stellen. Nun fährt man den Grat entlang zur sogenannten Rossfallscharte. Hier muss man sich entscheiden, denn es gibt zwei Möglichkeiten für die Abfahrt:

  • Wir haben uns aufgrund der Schneeverhältnisse für die westliche (also rechte) Abfahrt entschieden. Als Belohnung für die Strapazen im Steig stehen wir nun vor einem unverspurten Hang in nicht zu steilem, beinahe perfektem Skitourengelände. Die Abfahrt führt über coupiertes Gelände und trifft etwa auf halber Höhe des Hanges auf eine häufiger befahrene Variante aus dem Skigebiet. Die Spuren führen ab hier durch bewachsenes aber noch gut fahrbares Gelände hinunter ins Moostal, dem wir noch ein Stück in Richtung St. Anton folgen. Nun müssen wir die Ski circa zehn Minuten einen Waldweg hochtragen (oder anfellen), bevor wir zurück ins Skigebiet gelangen. Mit dem Maass-Lift (Achtung: letzte Fahrt ca. 16:00 Uhr) kommt man zurück zur Gondelbergstation und kann nun die Talabfahrt hinunter nach St. Anton nehmen.
  • Alternativ kann man in der Rossfallscharte eine ostseitige Abfahrt wählen. Da diese bei uns sehr windzerblasen und harschig aussah, haben wir uns für die obige Variante entschieden. Die Abfahrt führt im oberen Teil über offene Hänge hinunter ins sogenannte Malfontal und von dort über einen Forstweg nach Pettnau. Im unteren Teil kann es hier etwas zäh werden. Von Pettnau bringt einen der Skibus zurück nach St. Anton.

Beide Abfahrtsvarianten sind nicht übermäßig steil, erfordern aber dennoch sehr sichere Lawinenverhältnisse und Erfahrung bei der Routenfindung.

Tourdaten zum Arlberger Winterklettersteig

  • Anfahrt:
    1. Bregenz –  A14 durch Vorarlberg – Arlbergpass/Arlbergtunnel (kostenpflichtig) – St. Anton am Arlberg (z.B. Parkplatz Rendlbahn)
    2. Füssen – Fernpass – Imst – Inntalautobahn A12 – St. Anton am Arlberg
  • Anforderungen / Charakter der Tour:
    Durch die direkte Einstiegsmöglichkeit in den Steig von der Bergbahn aus ist der Arlberger Winterklettersteig sehr verlockend. Die Schwierigkeiten liegen bis auf zwei oder drei Einzelstellen (D), an denen man beherzt zupacken muss, weniger in den reinen Kletterschwierigkeiten (meist B/C). Vielmehr sind es die hochalpine Lage, die jeweils aktuellen Bedingungen und die Exponiertheit, die hier ausschlaggebend sind. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind ein absolutes Muss und je nach Bedingungen kann aus einem eigentlich entspannten Klettersteig eine hochalpine Tour werden. Dann kann auch die Verwendung von Steigeisen und Eispickel zwingend nötig werden.
    Auch das sichere Gehen ohne Seil in teils sehr exponiertem Absturzgelände muss sicher möglich sein, wenn man das Sicherungsseil nicht ausgraben kann oder will. Ich würde die Tour nur erfahrenen Tourengehern empfehlen, die auch im Winter Klettererfahrung besitzen und mit Pickel und Steigeisen umgehen können.
  • Ausgangspunkt: Bergstation Riffelscharte (Riffelbahn II Bergstation, 2.650 Meter)
  • höchster Punkt: vordere Rendlspitze (2.816 Meter)
  • Ziel: Mitterkarspitze (2.790 Meter)
  • Schwierigkeit: C-D (Achtung: extrem abhängig von den aktuellen Bedingungen)
  • Dauer: Gehzeit Klettersteig ca. zwei Stunden (Achtung: ebenfalls extrem abhängig von den Bedingungen)
  • Lawinengefährdung: Im Klettersteig durch die Exposition am Grat mäßig, für sämtliche Abfahrten sind sichere Lawinenverhältnisse absolut notwendig
  • Höhenmeter: ca. 250 Höhenmeter im Klettersteig (die sich durch das ständige Auf und Ab jedoch anders anfühlen)
  • Abfahrtsmöglichkeiten
    • Abfahrt zurück ins Skigebiet über Moostal (westlich)
    • Abfahrt nach Pettnau über das Malfontal (östlich)
  • Karte: z.B. Kompass WK 33 (Arlberg – Nördliche Verwallgruppe)
  • Informationen: Bergbahnen Arlberg +43 5446 23520/Service Center St. Anton +43 5446 22690/Homepage St. Anton
  • Ausrüstung: Skitourenausrüstung, LVS-Set inkl. Schaufel/Sonde/Pieps, Klettersteigausrüstung, Bandschlinge zur Verlängerung des Klettersteigsets, je nach Bedingungen Steigeisen und Pickel

Ausrüstung für Dein Klettersteig-Abenteuer gibt’s natürlich bei Bergzeit:

GPS-Track herunterladen (Rechtsklick und Ziel/Link speichern unter)

Finde hier Deine Unterkunft in St. Anton am Arlberg:



Booking.com

Mehr zum Thema Klettersteig im Bergzeit Magazin

Mehr zum Arlberg

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
wpDiscuz