Der Deuter Guide 35+ ist ein Allround-Rucksack wie er im Buche steht - und nicht ohne Grund bei Deuter seit vielen Jahren im Programm. Multisportler Urs Mahnel hat das aktuelle Modell einem umfangreichen Test unterzogen.

Deuter Guide 35+: Perfekter Problemlöser

Bei alpinen Klettertouren, Hochtourenwochenenden und Biwakausflügen in unseren Vorbergen – aber auch auf Wanderungen und Hüttenwochenenden mit der ganzen Familie (Papa = Muli) – stand ich in der Vergangenheit beim Packen häufig vor einem echten Dilemma. Stopfe ich alles irgendwie in (und an) meinen damit völlig überladenen 22 Liter Bike und Skitouren-Daypack oder verliert sich alles im 65+ Trekkingrucksack, der ja selbst schon recht schwer ist?

Diese Lücke in meiner privaten Rucksack-Auswahl galt es dringend zu schließen – und meine Wahl fiel schließlich auf den Deuter Guide 35+, den der Hersteller in drei ansprechenden Farbvarianten (moss-navy (grün-blau), fire-arctic (rot-blau) und navy-granite (blau-grau) anbietet.

Der obligatorische Faktencheck

Trotz 13 Kilo Beladung trägt sich der Deuter Guide 35+ auch auf dem Rad recht bequem. | Foto: Arnold Zimprich
Trotz 13 Kilo Beladung trägt sich der Deuter Guide 35+ auch auf dem Rad recht bequem. | Foto: Arnold Zimprich

Die Maße 72 x 26 x 19 Zentimeter (H x B x T) lassen erkennen: Der Guide 35+ ist schmal und hoch. Das verspricht viel Bewegungsfreiheit für die Arme – der Rucksack ist damit ideal für Klettereinsätze. Mit seinen vom Hersteller angegebenen 1.550 Gramm zählt der Guide 35+ allerdings nicht zu den leichtesten Modellen in seiner Volumenklasse.

Berücksichtigt man jedoch die Erweiterbarkeit auf 43 Liter (höhenverstellbarer Deckel und ausstülpbare 16 Zentimeter am Hauptfach) und weitere zahlreiche Komfort-Features, muss er Gewichtsvergleiche nicht scheuen. Die Kontrolle auf der heimischen Küchenwage (die das gekaufte Kilo-Paket Zucker ordentlich mit 1.018 Gramm anzeigt) ergibt nur 1.350 Gramm – da sollte Deuter vielleicht etwas genauer nachmessen.

Zur weiteren Gewichtsreduktion wirbt der Hersteller mit der Abnehmbarkeit des gut gepolsterten Hüftgurts (geht sehr einfach, bringt jedoch nur nachgewogene 50 Gramm) und den herausnehmbaren X-Frame-Aluschienen, die einen Teil des Gewichts von den Schultern auf die Hüften verteilen sollen. Die „Herausnehmbarkeit“ habe ich nicht getestet, da hier scheinbar etwas Gewalt notwendig ist. Nicht zuletzt resultiert das Mehrgewicht im Vergleich zu seinen Konkurrenten auch aus dem ausgesprochen strapazierfähigen Material, das bei der Herstellung verwendet wird (600D Super Polytex und 330D Micro Rip Pro 6.6).

Details und Features des Deuter Guide 35+

Durch den schmalen Schnitt bietet der Deuter Guide 35+ sehr viel Bewegungsfreiheit. | Foto: Arnold Zimprich
Durch den schmalen Schnitt bietet der Deuter Guide 35+ sehr viel Bewegungsfreiheit. | Foto: Arnold Zimprich
  • Stretch-Innenfach: Über 2/3 der Höhe erstreckt sich rückenseitig ein Innenfach, in dem man gut wahlweise Unterwäsche, Kleinutensilien oder die Trinkblase (bis drei Liter) verstauen kann
  • Öffnung im Hauptfach und Fixierung am Schultergurt für den Schlauch eines Trinksystems
  • RV-Innenfach im Deckel für z.B. Wertsachen
  • seitlicher, ca. 40 Zentimeter langer Reißverschluss als weitere Zugriffsmöglichkeit in das Hauptfach. Vor allem bei vollem Rucksack ist das eine gute Möglichkeit, um weiter unten gepackte Gegenstände zu erreichen, ohne alles auspacken zu müssen
  • auch in der Höhe stufenlos verstellbarer Brustgurt
  • als Sitzmatte herausnehmbares Rückenpolster
  • Ski-, Stecken– und Pickelhalterungen –> Achtung, bitte Skibreite unbedingt testen – mit breiten Ski könnte es Probleme geben
  • Befestigungsschlaufe für’s Seil unter dem Rucksackdeckel
  • Karabinerschlaufen am Hüftgurt
  • … und natürlich der Deuter-typische SOS-Aufdruck an der Innenseite des Deckels mit Hinweisen für richtiges Verhalten im alpinen Notfall

Rucksacktest auf der Bike&Hike-Tour

Eine zweitägige Bike&Hike-Tour im Spätherbst mit kurzem Klettersteig und Winterraumübernachtung steht an – die perfekten Testbedingungen für den Rucksack. Da so ein Winterraum an einem schönen Herbstwochenende schnell „überbucht“ sein kann, kommen Isomatte und Schlafsack mit auf die Packliste.

Insgesamt summiert sich die Ausrüstung auf gut 13 Kilo inklusive Rucksack. Er ist randvoll, mein Schlafsack okkupiert allein schon zehn Liter, die Erweiterungsmöglichkeit muss ich aber noch nicht nutzen. Die Fixierung der Trekkingstöcke am Rucksack geht schnell und einfach von der Hand. Schon beim Radeln fällt auf, dass der Guide 35+ das Gewicht sehr gut zwischen Schultern, Rücken und Hüfte verteilt. Die beiden Softstripe-Rückenpolster sorgen für eine ausreichende Belüftung – und einen hohen Tragekomfort.

Dafür, dass 13 Kilo am Buckel nicht gerade optimal für knapp 900 Radlhöhenmeter sind, kann der Rucksack ja nichts und ich bin froh, als wir schließlich am Raddepot in die Bergschuhe wechseln. Anspruchsvolles Gehgelände wechselt mit einfachem Steig ab. Trotzdem habe ich nie den Eindruck, dass mich das Gepäck am Rücken behindert. Der Rucksack sitzt angenehm fest, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Bei der ersten Rast und dem damit verbundenen Zugriff auf einen Müsliriegel fällt auf: der Reißverschluss der Deckeltasche liegt mittig – sozusagen am „höchsten Punkt“. Eigentlich eine Kleinigkeit – aber sie bewirkt, dass einem bei geöffnetem Reißverschluss nicht gleich die Hälfte der Deckeltaschenfüllung entgegenpurzelt.

Biwak unter freiem Himmel

Einfacher Zugriff: Neben der großen Hauptfachöffnung verfügt der Deuter Guide 35+ über einen Reißverschlusszugang an der Seite. | Foto: Arnold Zimprich
Einfacher Zugriff: Neben der großen Hauptfachöffnung verfügt der Deuter Guide 35+ über einen Reißverschlusszugang an der Seite. | Foto: Arnold Zimprich

Kurz unterhalb der Hütte entschließen wir uns spontan, unter freiem Himmel auf einem grasigem Hochplateau zu biwakieren. Es ist eine dieser magischen Neumond-Nächte, in denen man direkt in die Milchstraße eintauchen kann. Neben der Isomatte liegend, bleibt der Deckel des Guide 35+ in der Nacht geschlossen. Wenn ich an etwas im Rucksack ran will, mache ich das ganz bequem über die seitlichen Reißverschlüsse.

Die Kälte des Oktobermorgens kurz vor Sonnenaufgang treibt uns ziemlich an und so sind wir schnell wieder auf dem Steig Richtung Gipfel. Dieser wird deutlich anspruchsvoller, die letzten 200 Höhenmeter als einfacher Klettersteig der Kategorie A/B. Jetzt zeigt der Deuter Guide 35+ erst richtig, dass er eben auch für Klettereinsätze konzipiert wurde. Die Bewegungsfreiheit für Oberkörper und Arme ist bemerkenswert!

Tja, und was gibt es auf der Negativ-Seite? Ob ein Rucksack dieser Größe schon eine Hauptfachunterteilung brauchen könnte, ist Geschmackssache. Deuter ist hier den Weg des zusätzlichen Zugriffs über die vertikalen Reißverschlüsse an der Seite gegangen, der mir persönlich sehr gut gefällt. Das einzige, was ich als Hobbyfotograf vermisst habe, ist eine schnelle Befestigungsmöglichkeit der Fototasche seitlich am Hüftgurt. Aber das fällt klar unter die Rubrik „Sonderwunsch“.

Mein Test-Fazit zum Deuter Guide 35+

Der Deuter Guide 35+ schließt die Lücke im Packvolumen, die sich bei meiner Rucksack-Auswahl auftat, perfekt. Für knappe 150 Euro bekommt man einen gut durchdachten, solide verarbeiteten und optisch ansprechenden Allrounder mit klaren Stärken bei Bewegungsfreiheit und Tragekomfort, ohne dabei an anderer Stelle negativ aufzufallen. In meinen Augen deckt der Guide damit einen sehr breiten Einsatzbereich ab, was im Praxistest auch deutlich wurde: Wandern, Klettern (Alpine Mehrseillängen), Bike&Hike. Ein kleines, vernachlässigbares Manko war lediglich, dass der Fahrradhelm beim Bergabfahren an der Deckelklappe des Deuter anstieß. Ich freu mich jedenfalls schon auf den nächsten Outdoor-Einsatz!

HINWEIS: Der Rucksack ist auch in einer Damenvariante mit 30 Liter Volumen und kürzerem Rücken erhältlich:

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Kommentare

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Tom

So wie ich das sehe ist die Winter-Notfallausrüstung noch immer im Inneren ohne dichte Unterteilung untergebracht, oder? Sprich der Schnee schmilzt nach der Benutzung der Schaufel weiter im Inneren? Steigeisentasche?

Urs

Hallo Tom, in dem oben angesprochene Stretch-Innenfach bekommst statt einer Trinkblase auch gut eine Lawinenschaufel unter. Das „Stretch“ bezieht sich nur auf das Gummiband am oberen Rand. Das Fach selber ist aus dichtem Rucksackstoff.
Eine extra Steigeisentasche hat er nicht.

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