Fünf Tage Trekking und nur ein Wechselshirt? Merinowolle macht's möglich. Irgendwann ist aber doch einmal Waschen angesagt, und wenn es nur dazu dient, die Reste der letzten Hüttensause zu entfernen. Was bei der Wollwäsche zu beachten ist.

Wer an Wolle und Waschen denkt, hat unmittelbar das Bild von eingelaufenen, verfilzten Wollsocken vor Augen. Entgegen der verbreiteten Meinung raten Hersteller von Merinobekleidung in der Regel von einer Handwäsche ab, da die Merinowolle dabei oft zu heiß gewaschen und durch das Wringen und Kneten zu stark mechanisch beansprucht wird. Speziell im feuchten Zustand reagiert Wolle sehr empfindlich auf mechanische Einwirkungen, denn dann verhaken sich die Schuppen der Faser ineinander – das Kleidungsstück verfilzt und läuft ein. Trotzdem kann man Merinowolle waschen und solche unschönen Nebeneffekte vermeiden:

Darf ich meine Merinosachen mit der Maschine waschen?

Von wegen olle Wolle! Farbenfroh und stylisch geht's heute in der Merinowelt zu und auch das Waschen der Merinowolle ist durch spezielle Behandlungen der Faser völlig unkompliziert geworden. | Foto: Ortovox/Hansi Heckmair
Von wegen olle Wolle! Farbenfroh und stylisch geht’s heute in der Merinowelt zu und auch die Pflege der Merinowolle ist durch spezielle Behandlungen der Faser völlig unkompliziert geworden. | Foto: Ortovox /Hansi Heckmair

Spezialausstattungen der Wollfaser ermöglichen es heutzutage, dass Merinobekleidung ganz normal mit der Maschine gewaschen werden kann. Dadurch sind Merinoprodukte sehr pflegeleicht. Was das Waschen angeht, ist es jedoch am besten, sich an den Pflegehinweisen des Herstellers zu orientieren, da es Unterschiede im Materialmix und der Behandlung gibt.

Da Wolle bis zu einem gewissen Grad selbstreinigend ist, genügt es aber oftmals, das Kleidungsstück statt einer Wäsche an die Luft zu hängen. Ideal ist das Auslüften bei feuchter Witterung, denn der Wasserdampf in der Luft transportiert Schmutzpartikel und schlechte Gerüche ab. Die elastischen, knitterunempfindlichen Wollfasern können sich darüber hinaus immer wieder von selbst erholen. Der norwegische Merinospezialist Devold empfiehlt beispielsweise, das Kleidungsstück nach dem Tragen mindestens einen Tag ruhen zu lassen, damit die Fasern ihre Elastizität und Widerstandsfähigkeit wiedererlangen können.

Merinowolle waschen: Das richtige Waschmittel

Um die sensible Struktur der feinen Wollfasern nicht zu zerstören, gibt es auch bei der Maschinenwäsche ein paar Dinge zu beachten: Man sollte nur Waschmittel verwenden, die keine Weichspüler enthalten oder das Enzym Protease (das normalerweise Eiweißflecken lösen soll). Auch Wollwaschmittel können Protease (Enzyme) beinhalten und sind oft für gröbere Wolle gemacht. Merinofasern haben eine andere, feinere Struktur als herkömmliche Wolle. Diese Zusätze können die Eiweißmoleküle der sensiblen Merinofaser aufspalten und beschädigen. Ein schnellerer Verschleiß ist die Folge. Außerdem führen Enzyme zu einem Aufquellen der Fasern, wodurch die Kleidung ihre Form verliert, sich Knötchen bilden und die Fasern verfilzen.

  • Empfohlen werden daher ph-neutrale Waschmittel ohne Weichspüler und Protease.

Man sollte also sehr genau auf seinem Waschmittel nachlesen, ob Proteasen oder kationische Tenside enthalten sind. Wolle verträgt übrigens auch keine Bleichmittel. Sehr gut eignen sich biologische Waschmittel ohne künstliche Zusätze. Inzwischen gibt es auch spezielle Merino-Waschmittel, etwa von Grangers.

Welcher Waschgang darf es sein?

Nicht immer muss man Merinowolle waschen: Meistens reicht ein Auslüften der Merinobekleidung (idealerweise bei feuchter Witterung), damit sich etwaige Gerüche verflüchtigen. | Foto: Icebreaker
Nicht immer muss man Merinowolle waschen: Meistens reicht ein Auslüften der Merinobekleidung (idealerweise bei feuchter Witterung), damit sich etwaige Gerüche verflüchtigen. | Foto: Icebreaker

Hinsichtlich des Waschgangs finden sich bei den Markenherstellern unterschiedliche Angaben, die vom Woll- oder Handwaschprogramm bis zum Normalwaschgang bei 30 oder 40 Grad reichen. Icebreaker empfiehlt, die Merinokleidung ab und an zusammen mit einer Jeans (mit geschlossenem Reißverschluss!) oder einem anderen groben Stoff zu waschen, um lose Fasern zu entfernen. Merinowolle ist nämlich ein kurzfaseriger Stoff. Das Waschen mit groben Materialien hilft, Pilling (Fusseln und Knötchenbildung) zu vermeiden, was dadurch entsteht, dass sich die kürzeren Fasern an die Oberfläche arbeiten und dort knötchenartig verfilzen.

In den Trockner sollten Kleidungsstücke aus Merinowolle nicht, außer es ist explizit vermerkt. Dann gelten aber in jedem Fall niedrige Temperaturen. Ideal für den Erhalt der Form ist das Trocknen im Liegen, aber auch die Leine schadet in der Regel nicht.

Das Wichtigste zur Merino-Wäsche auf einen Blick

  • Wolle ist selbstreinigend – meist genügt Auslüften
  • Spezialausstattungen machen Merinokleidung maschinenwaschbar
  • keine Handwäsche (zu starke mechanische Beanspruchung)
  • nur Waschmittel ohne Enzyme verwenden (Achtung: auch manche Wollwaschmittel enthalten Enzyme)
  • kein Weichspüler, keine Bleichmittel
  • kein Trockner
  • Pflegehinweise des Herstellers beachten (Materialmischungen)

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Kommentare

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Anna W.

Bin ein absoluter Merino-Fan, wenn es um schweißtreibende Aktivitäten ohne Waschmöglichkeit geht! Sehr interessant finde ich die Info bzgl. der Selbstreinigung.

Oliver Lang

Beim Waschen weden keine Weichmacher eingesetzt, sondern Weichspüler. Die funktiomieren über kationische Tenside.
Im Gegesatz dazu sind Proteasen Enzyme die Eiweißflecken (Blut, Ei, ..) beim Waschen lösen sollen. Die sind in jedem Vollwaschmittel und auch in vielen Wollwaschmitteln drin (Bsp. FROSCH Fein- & Woll-Waschbalsam.) Da hilft nur die Inhaltsangabe zu lesen. Es reicht also nicht, nur auf Weichspüler zu verzichten.

Stefan

Oh, vielen Dank Oliver für die Korrektur:

natürlich geht es um Weichspüler und nicht um Weichmacher. Ich habs im Beitrag ausgebessert! Vielen Dank für Deine Hinweise – so kann man gut herausfinden, ob ein Waschmittel geeignet ist oder nicht.

Viele Grüße
Stefan vom Magazin Team

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