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Klein, aber sicher?

Recco – braucht man das wirklich?

5 Minuten Lesezeit
Jahrelang schon hört man viel zum Thema Recco, sieht das Label in Skiklamotten oder -Gebieten, doch was genau ist Recco eigentlich? Wo kommt es zum Einsatz und wie effektiv ist das Ganze? Wir haben für Dich das Wichtigste zum Thema Recco Ortungssystem zusammengefasst.

Ist man in den Bergen unterwegs, will man eigentlich nie an diesen einen Fall denken. Der Fall, für den man all die Kurse besucht und all das Equipment an seinem Körper und in seinem Rucksack transportiert: den Ernstfall. Sei es ein Lawinenabgang oder ein sonstiger Unfall im Gebirge. Ausrüstungsgegenstände wie LVS-Gerät, Sonde, Schaufel, Handy usw. sollen uns in einem solchen Fall schnell bei der Rettung unterstützen. Allerdings gibt es auch ein System, das Du zwar wahrscheinlich auch am Körper trägst, dessen Signal aber nur von ausgewählten Detektoren ausgelesen werden kann: die Rede ist vom Recco-System. Was es genau ist, wie es funktioniert und wo es überall drin stecken kann, habe ich Dir hier zusammengefasst.

Was ist Recco?

Der Recco-Handdetektor wird von der Bergrettung oder anderen Suchteams verwendet.

Recco

Der Recco-Handdetektor wird von der Bergrettung oder anderen Suchteams verwendet.


Wenn man das Wort Recco hört denkt man vielleicht zuerst nur an Skibekleidung, auf der das Label zu lesen ist. Vielleicht weiß man dann noch, dass es irgendetwas mit Ortung zu tun hat. Aber was ist das genau?

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Recco ist ein Ortungssystem für Bergsportler im freien Gelände, ganz egal, ob Freerider, Wanderer, Biker etc.

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Das Recco-System ist zweigeteilt. Der passive Reflektor ist in der Kleidung oder Ausrüstung des Sportlers integriert und fällt während der Aktivität auch gar nicht auf. Den aktiven Part übernimmt der Detektor. Diesen verwendet während der Suche das Team der Bergrettung oder anderen Suchteams entweder als Handdetekor oder via Helikopter. Ganz wichtig hierbei: Je mehr Recco-Reflektoren Du an Dir trägst, desto besser kannst Du gefunden werden.

Und wie funktioniert das Recco-System genau?

Das lässt sich ganz leicht an einem fiktiven Beispiel erklären. Eine Person – nennen wir sie Jens – ist alleine im Winter wandern und fällt in ein Schneeloch, verletzt sich und wird ohnmächtig. Zum Glück hat er aber Recco-Reflektoren in seinem Rucksack, seiner Jacke und seiner Hose integriert. Auch die örtliche Bergwacht arbeitet mit dem Recco-Ortungssystem.

Nachdem Jens abends nicht zurück nach Hause kommt, alarmieren seine Freunde die Bergwacht. Diese macht sich sofort auf die Suche mit ihrem SAR-Helikopter. Während der Suche sendet der Recco-Detektor Radarsignale aus, die Du mit dem Strahl einer Taschenlampe vergleichen kannst. Sobald das ausgestrahlte Signal auf die Recco-Reflektoren von Jens trifft, wirft dieser das Signal wieder an den Detektor zurück. Das Suchteam weiß nun ungefähr, wo die gesuchte Person liegen muss. Je näher sie mit dem Detektor an den Reflektor kommen, desto stärker wird das Signal. So kann die Bergwacht Jens finden und retten.

Wie lange hält ein Recco-Reflektor?

Recco selbst ist hier sehr eindeutig mit ihrer Aussage über die Haltbarkeit von Recco-Reflektoren:

Recco-Reflektoren altern oder verschleißen nicht. Wenn sie nicht mechanisch beschädigt werden, halten sie ein Leben lang.

In welchen Produkten ist der Recco-Reflektor integriert?

Obendrauf kommt, dass es Recco-Reflektoren fast überall integriert zu kaufen gibt – in Rucksäcken, (Ski-)Schuhen, Helmen, Uhren oder jetzt auch ganz neu im Klettergurt. Nicht nur im Equipment findest Du Recco-Reflektoren, nein, es gibt natürlich auch Recco-Jacken oder Hosen mit einem Recco-Reflektor. Falls Du Dir aber wegen so einem kleinen Reflektor nicht Deine ganze Ausstattung neu kaufen möchtest, kannst Du diesen als Add-On integrieren.

Mit den nachfolgenden Links gelangst Du zu allen Jacken und Hosen mit Recco-Reflektor im Bergzeit Shop:

Neues am Markt: Der weltweit erste Klettergurt mit Recco-Reflektor von Black Diamond

Gemeinsam mit Recco hat Black Diamond einen neuen Weg zu mehr Sicherheit im Hochgebirge eingeschlagen und den ersten Klettergurt mit einem Recco-Reflektor auf den Markt gebracht. Besonders das Gewicht spielt beim Klettern eine große Rolle und limitiert natürlich den Umfang der eigenen Sicherheitsausrüstung. Beim integrierten Recco-Reflektor, der nicht mehr als ein 1 Cent-Stück wiegt, muss nicht lange überlegt werden.

Bei einem Lawinenunfall: Recco-System vs. LVS-Gerät

Das Recco-System und die darauf aufbauende Suche kann für Skitourengeher, Freeriderinnen und Schneeschuhgeher bei einem Lawinenabgang nie eine klassische LVS-Ausrüstung und die Übung im Umgang damit ersetzen.

  • Eine Kameradenrettung ist im Falle eine Lawine nur mit LVS-Gerät sowie Schaufel und Sonde möglich. Das gilt sowohl für die Selbst- wie auch Fremdrettung.
  • Das Netz an Recco-Ortungsgeräten ist bisher noch nicht zu 100% ausgebaut, so dass die organisierte Rettung – also Bergwacht oder Bergrettung – Dich nicht immer sicher suchen und finden kann bzw. es im Fall einer Lawinenverschüttung zu lange dauern kann.

Deshalb gehören LVS-Gerät, Schaufel und Sonde in jeden Rucksack eines Freeriders oder einer Tourengeherin im freien Gelände. Genauso sollte das beim Recco-Reflektor sein. Mehr Unterstützung bei der Suche, egal ob aktiv oder passiv, ist immer hilfreich!

Wie ausgebaut ist das Recco-System in Ski-, Kletter- und Wandergebieten?

Global gesehen setzen mittlerweile mehr als 900 Skigebieten und Bergrettungen in 28 Ländern das Recco-Ortungssystem ein. Neben den klassischen Handdetektoren gibt es auch in manchen Gebieten Helikopter, welche mit den Recco SAR-Detektoren ausgestattet sind. Der Helikopter hat den klaren Vorteil einer größeren Reichweite – innerhalb von sechs Minuten kann bis zu ein Quadratkilometer freies Gelände abgesucht werden.

Sicher abgedeckt mit dem Recco-Ortungssystem sind bisher die Regionen Österreich, Italien, Norwegen, Schweden, Schweiz, USA und Teile Kanadas. Auch in Deutschland kommen immer mehr Detektoren hinzu. Im Oktober 2021 wurden erst 20 Bergretter und eine Helikopter-Crew in Bayern zwischen Bad Reichenhall und Sonthofen mit den Recco-Detektoren geschult. Gleich zwei SAR-Helikopter sind hier stationiert – dies ist ein großer Schritt in der Ausweitung des Recco-Ortungssystems.

Wann kann ein Recco-Reflektor hilfreich sein? Wann nicht?

Ein Recco-Reflektor unterstützt die Suche nach Dir, falls Du auf Skitour in eine Lawine gerätst, aber auch wenn Du Dich beim Mountainbiken alleine im Wald verletzt und vermisst wirst. Besonders sinnvoll ist das natürlich in Gebieten, welche schon mit den Recco-Ortungssystemen arbeiten.

Wichtig: Recco unterstützt die Suche, kann Dich aber in keinem Fall vor einer Verschüttung oder ähnlichem schützen. Doch in so einem Ernstfall zählt jede Sekunde und das Recco-Ortungssystem ist eine gute Möglichkeit die Kameradenrettung zu unterstützen.

Die Vor- und Nachteile des Recco-Reflektors

Vorteile:

  • sehr geringes Gewicht – 4 Gramm
  • sehr große Reichweite der Detektoren: Umkreis von etwa 200 Metern im Luftraum und bis circa 30 Meter im Schnee
  • der Helikopter kann innerhalb von 6 Minuten bis zu 1 Quadratkilometer mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h absuchen
  • meist schon in Bekleidung und Equipment integriert, wenn nicht: als Add-On möglich

Nachteile:

  • in Gebieten ohne Recco-Ortungssystem bei Bergwacht oder ähnlichem keine Funktion
  • nur passive Unterstützung – kein aktives Suchen möglich
  • kann bei Lawinenverschüttung nur die Kameradenrettung unterstützen

Fazit

Der Recco-Reflektor ist sehr leicht anzubringen oder schon integriert und wiegt fast nichts – da sollte man gar nicht lange überlegen, ob man sich nun die neue Ausrüstung gleich mit Reflektor. Denn im Ernstfall kann es Deine Chancen erhöhen im Gelände gefunden und gerettet zu werden.

Mehr Beiträge zum Thema Sicherheit findest Du hier:

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