Regenjacken brauchen Pflege - und ab und zu eine neue Imprägnierung. Nur so halten sie auf Dauer dicht und versagen beim nächsten Einsatz nicht den Dienst. Unsere Anleitung leitet Schritt für Schritt durch die Imprägnierung einer Hardshell-Jacke.

Jeder, der schon einmal eine Outdoor-Regenjacke gekauft hat, kennt den wundervollen Effekt abperlenden Wassers, wenn die Jacke unter einen Wasserstrahl gehalten wird. Dieser Effekt kommt bei Outdoor-Regenbekleidung durch die sogenannte DWR (Durable Water Repellent) Imprägnierung zustande. Diese sorgt aber nicht nur für den lustigen Vorführeffekt, sondern erfüllt wichtige Aufgaben. Aufgrund mechanischer Beanspruchung lässt sie mit der Zeit nach und muss aufgefrischt werden.

Warum imprägnieren?

Eine wasserdichte Regenjacke ist wichtig - regelmäßiges Imprägnieren hilft, dass die Jacke auch wasserdicht bleibt. | Foto: Lisa Kopas
Eine wasserdichte Regenjacke ist wichtig – regelmäßiges Imprägnieren hilft, dass die Jacke auch wasserdicht bleibt. | Foto: Lisa Kopas

Bevor wir mit dem eigentlichen Imprägnieren beginnen, etwas Theorie zuvor. Das hilft zu verstehen, warum Regenbekleidung im Allgemeinen und Regenjacken im Besonderen regelmäßig imprägniert werden müssen.

Moderne Hardshell- und Gore Tex-Jacken bestehen aus mehreren Schichten. Die äußere Schicht besteht aus einem robusten, gewebten Polyester- oder Polyamid-Gewebe. Auf die Innenseite der äußeren Schicht ist die dichte, aber atmungsaktive Membran auflaminiert. Diese bildet das Herzstück unserer Jacke. Eine dritte Schicht schützt wiederum die Membran von innen. Hier kann zusätzlich noch ein Innenfutter eingearbeitet sein. Je nach Hersteller fällt dieser Aufbau etwas unterschiedlich aus.

Fehlt die dritte, innenliegende Schicht teilweise oder ganz, spricht man von einer 2,5- oder Zwei-Lagen-Jacke. Die Imprägnierung schützt die äußerste Lage – damit die Membran darunter einwandfrei arbeiten kann. Dazu gleich mehr.

Was ist die DWR-Imprägnierung?

Damit unsere Jacke auch bei Regen atmungsaktiv bleibt, darf sich das auftreffende Wasser nicht zu einer geschlossenen, feuchten Schicht ausbilden. Sollte genau das passieren, spricht man vom sogenannten “wetting out“. Die äußerste Schicht saugt sich mit Feuchtigkeit voll. Das unterbindet wiederum die Dampfdurchlässigkeit – und damit die Atmungsaktivität der Membran generell.

Um das zu verhindern, wird die Hardshell mit einer hydrophoben DWR-Imprägnierung versehen. Die Tropfen finden auf der äußersten Lage keinen Halt und die Schwerkraft lässt sie einfach nach unten ablaufen. Dadurch bleibt die äußerste Lage trocken und die Membran kann wie vorgesehen atmen. Und man selbst hat eine dichte, atmungsaktive Outdoor-Regenkleidung!

Erst waschen, dann imprägnieren

Wichtig: Du solltest Deine Regenjacke (und natürlich auch Regenhose!) regelmäßig waschen, um die Funktion der Membran zu erhalten. Denn auch Schweiß oder Schmutz verschlechtern die Atmungsaktivität. Vor jedem Imprägnieren ist also eine Wäsche unabdingbar.

Wann sollte man die Imprägnierung erneuern?

Diese Frage ist leicht zu beantworten: Einfach die Hardshell kurz unter einen Wasserstrahl halten. Perlt das Wasser in großen Tropfen ab und bleibt die an dieser Stelle trocken, ist noch alles in Ordnung. Bleibt jedoch eine feuchte Stelle zurück, muss die DWR-Imprägnierung reaktiviert oder erneuert werden.

Reaktivierung der Imprägnierung

Vor dem Imprägnieren: das Obermaterial saugt sich mit Wasser voll - und verschlechtert damit die Atmungsaktivität. | Foto: Florian Glott
Vor dem Imprägnieren: das Obermaterial saugt sich mit Wasser voll – und verschlechtert damit die Atmungsaktivität. | Foto: Florian Glott

Gerade bei noch neuen Jacken reicht es oft aus, die DWR-Imprägnierung zu reaktivieren. Hier bieten sich zwei Möglichkeiten an:

  1. Im Wäschetrockner: Einfach die Jacke in den Trockner geben und diese im Schongang bei ca. 60°C für 30 Minuten trocknen. Die Wärme reaktiviert die Imprägnierung. Der Vorteil im Wäschetrockner besteht in der gleichmäßigen Behandlung der Bekleidung.
  2. Mit dem Bügeleisen: Hast Du keinen Trockner zur Verfügung, kannst Du Deine Jacke auch mit dem Bügeleisen behandeln. Einfach die Jacke bei mittlerer Hitze sorgfältig bügeln. Dabei solltest Du unbedingt ein Tuch zwischen Eisen und Jacke legen und auf die Temperatur achten, damit die Jacke nicht beschädigt wird.
  3. Mit dem Fön: Eine Alternative zum Bügeleisen ist der Haarfön. Idealerweise hängst Du die Jacke auf einen Kleiderbügel und föhnst sie mit einigen Zentimetern Respektabstand rundherum sorgfältig ab.

Welches Imprägniermittel verwenden?

Grundsätzlich kann man die Imprägniermittel selbst in zwei Klassen einteilen, nämlich in PFC-haltige und PFC-freie Produkte. Zwar sind die Produkte, die auf per- und polyfluorierte Chemikalien zurückgreifen etwas besser was die Performance und die Zuverlässigkeit angeht. Allerdings sind diese Chemikalien umstritten. Die PFC-Verbindungen sind nicht abbaubar und lassen sich durch ihre Persistenz kaum mehr aus der Umwelt entfernen. Speziell bei Outdoorbekleidung ein problematische Faktor.

Alleine aus diesem Grund sollte nur auf PFC-freie Produkte, etwa von Nikwax und Grangers, zurückgegriffen werden. Nikwax bietet seit langem PFC-freie Alternativen an.

Einwasch- oder Sprühimprägnierung?

Einwasch- oder Sprüh-Imprägnierung? Was verwendet werden sollte, hängt von der Outdoor-Regenjacke ab. | Foto: Florian Glott
Einwasch- oder Sprüh-Imprägnierung? Was verwendet werden sollte, hängt von der Outdoor-Regenjacke ab. | Foto: Florian Glott

Schaut man sich im Internet etwas um, welche Methode der Imprägnierung im Idealfall zu wählen ist, wird man schnell verunsichert. Ständig liest man, “auf keinen Fall diese Methode“, oder “nur jene Methode ist die Richtige“. Eine vernünftige Begründung ist selten zu finden. Welche Methode ist nun die richtige?

Man ahnt es: es gibt nicht “die eine“, richtige Methode. Es kommt wie bei vielen Dingen darauf an. Genauer gesagt, es kommt auf Deine Jacke an – nämlich auf das Material und den technischen Aufbau.

  •  Einwaschimprägnierung sind praktisch. Sie haben aber den Effekt, dass auch die Innenseite imprägniert wird. Bei PTFE-Membranen (z.B. Gore-Tex) tut dies der Dampfdurchlässigkeit keinen Abbruch, bzw. ist der Effekt so gering, dass kein Unterschied spürbar ist.
  • Sprüh-Imprägnierungen: Ist in der Jacke eine porenlose Polyurethan Membran wie zum Beispiel Dermizax verarbeitet, dann raten die Hersteller oft von Einwaschimprägnierungen ab, da die Atmungsaktivität auf einem anderen physikalischen Prinzip beruht, als bei mikroporösen Membranen. Auch bei  Regenjacken mit Isolationsfüllung ist eine Sprüh-Imprägnierung empfehlenswert. Hier ist die Oberfläche der Füllung um ein Vielfaches höher, was auch der Grund für die gute Isolierung ist. Durch die Einwaschimprägnierung wird eben auch die gesamte Füllung bzw. die gesamte Oberfläche der Füllung mitimprägniert, was zu einer Verschlechterung der Atmungsaktivität führen kann. Hier also besser zum Spray greifen!

Tipps zur Sprühimprägnierung

  1. Waschen: Als Erstes sollte man alle Reißverschlüsse schließen und die Jacke richtig waschen.
  2. Herstellerangaben beachten: Je nach Hersteller muss das Mittel auf eine trockene oder feuchte Jacke aufgebracht werden.
  3. Vorbereiten: Danach die Regenjacke an einem gut belüfteten Ort ausbreiten.
  4. Auftragen: Das Mittel auf das Obermaterial der Jacke aus kurzer Entfernung gleichmäßig aufsprühen. Hierbei sollte man Stellen wie Reißverschlüsse und Kapuze nicht vergessen!
  5. Einwirken lassen: Die Imprägnierung für ein paar Minuten einwirken lassen. Danach überschüssiges Mittel mit einem feuchten Tuch in die Jacke einarbeiten.
  6. Trocknen: Anschließend die Jacke an der Luft trocknen lassen. Dabei überschüssiges Mittel abwischen, um eine Fleckenbildung zu vermeiden. Alternativ kann das Trocknen auch in einem Wäschetrockner erfolgen.
  7. Aktivieren: Gegebenenfalls muss man die Imprägnierung durch Wärme aktivieren, falls die Hardshell an der Luft getrocknet wurde. Dazu erneut die Herstellerangaben beachten. Die Durchführung erfolgt wie bereits oben beschrieben mit dem Trockner oder Bügeleisen.

Imprägnieren mit Einwasch-Imprägnierung

  1. Waschen: Als Erstes alle Reißverschlüsse schließen und die Jacke richtig waschen.
  2. Vorbereiten: Danach unbedingt alle Waschmittelreste aus der Waschmittelkammer entfernen und die benötigte Menge des Imprägniermittels laut Hersteller in die Waschmittelkammer geben.
  3. Imprägnieren: Anschließend die Waschmaschine auf Synthetik- oder Schonwaschgang bei 30°C und sanftem Schleudern einstellen und starten.
  4. Trocknen: Danach die Regenjacke an der Luft trocknen lassen. Alternativ auch in einen Wäschetrockner geben.
  5. Aktivieren: Gegebenenfalls die Imprägnierung durch Wärme aktivieren, falls die Hardshell an der Luft getrocknet wurde. Dazu erneut die Herstellerangaben beachten. Die Durchführung erfolgt wie bereits oben beschrieben mit dem Trockner oder Bügeleisen.
    Alternativ: Möchtest Du Deine Jacke nicht mit der Waschmaschine aber dennoch mit einer Einwaschimprägnierung behandeln, kannst Du das auch mit der Hand erledigen.

Imprägnieren der Jacke mit Handwäsche

Bei Imprägnierung mit Handwäsche die Regenjacke gründlich, ca. 15 Minuten, in der Lösung einweichen und gelegentlich leicht durchkneten. Anschließend gründlich ausspülen. | Foto: Florian Glott
Bei Imprägnierung mit Handwäsche die Regenjacke gründlich, ca. 15 Minuten, in der Lösung einweichen und gelegentlich leicht durchkneten. Anschließend gründlich ausspülen. | Foto: Florian Glott
  1. Einlegen: Zunächst die frisch gewaschene Jacke in eine Schüssel geben und die laut Hersteller benötigte Menge an Wasser sowie des Imprägniermittels zugeben.
  2. Einwaschen: Anschließend die Jacke per Hand gründlich in der Lösung waschen.
  3. Ausspülen: Nach dem Waschen gründlich ausspülen
  4. Trocknen: Abschließend an der Luft trocknen, alternativ einen Wäschetrockner benutzen.
  5. Aktivieren: Gegebenenfalls die Imprägnierung durch Wärme aktivieren, falls die Hardshell an der Luft getrocknet wurde. Dazu erneut die Herstellerangaben beachten. Die Durchführung erfolgt wie bereits oben beschrieben mit dem Trockner oder dem Bügeleisen.

Fazit zum Imprägnieren der Regenjacke

Ob Einwasch-Imprägnierung oder Spray, das hängt von der Jacke ab.
Ob Einwasch-Imprägnierung oder Spray, das hängt von der Jacke ab.

Es gibt nicht “die“ Imprägniermethode schlechthin. Es kommt auf die Regenjacke an, die man imprägnieren will!

  • Bei porenlosen Membranen und gefütterten Hardshelljacke empfehlen wir die Sprüh-Imprägnierung, da diese die Funktionalität der Materialien nicht beeinträchtigt.
  • Bei mikroporösen Membranen kann man hingegen sowohl mit der Waschmaschine als auch mit der Sprühflasche ans Werk gehen.
  • Man sollte in jedem Fall die Ratschläge der Hersteller beachten – an dieser Stelle nochmal der Hinweis auf unsere Pflegeanleitung Gore-Tex.

Jede Methode hat gewisse Vor- und Nachteile. Eine Einwaschimprägnierung geht schnell und unkompliziert. Die Jacke wird im Idealfall völlig gleichmäßig imprägniert. Sprühimprägnierungen punkten hingegen wenn wirklich nur die äußerste Lage imprägniert werden sollte.

Wie dem auch sei – hat man am Ende alles richtig gemacht, perlt das Wasser wieder sauber von der Jacke ab. Und der nächste Regen kann kommen!

Alle Textil-Imprägnierungen bei Bergzeit

Weitere Themen und Tipps zur Textil- und Ausrüstung-Pflege im Bergzeit Magazin

Kommentare

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michael

Wer nicht gerade seine Hände imprägnieren möchte, sollte Handschuhe verwenden ;)

Alleine das angreifen der frisch in der Waschmaschine imprägnierten (nikwax) Jacke hinterlässt einen Film auf der Haut der nur schwer abwaschbar ist und sich seltsam anfühlt.

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