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Alles über PFAS und Alternativen

PFAS- und PFC-frei: Was bedeutet das bei Outdoor-Produkten? 

6 Minuten Lesezeit
PFAS machen Outdoor-Produkte wetterfest – gelten aber als schädlich für Umwelt und Gesundheit. Viele Hersteller setzen deshalb inzwischen bei Membranen und Imprägnierungen auf alternative Technologien. Hier erfährst Du, warum diese Chemikalien so lange verwendet wurden, wie gefährlich sie sind und woran Du PFAS-frei deklarierte Kleidung erkennst.

Ob Regenjacke, Wanderhose oder Rucksack – viele Outdoor-Produkte müssen wasser- und schmutzabweisend sein. Jahrelang setzten Hersteller dabei auf sogenannte per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), auch als PFC (per- und polyfluorierte Chemikalien) bekannt. Doch diese Chemikalien stehen zunehmend in der Kritik: Sie sind extrem beständig, belasten die Umwelt weltweit und können gesundheitliche Risiken mit sich bringen. 

ℹ️ Das Wichtigste zu PFAS und PFC in Kürze
  • PFAS und PFC: Diese synthetischen Chemikalien werden unter anderem in Outdoor-Textilien eingesetzt, um sie wasser-, schmutz- und fettabweisend zu machen. Der Begriff PFAS ist die heute gebräuchliche Sammelbezeichnung. 
  • Gesundheitsrisiken und Umweltprobleme: PFAS sind extrem langlebig, können sich in der Umwelt sowie im menschlichen Körper anreichern und stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. 
  • Alternativen: Eine wachsende Zahl von Herstellern bietet Produkte oder Produktlinien mit PFAS bzw. PFC-freien Komponenten an. 
  • Kennzeichnung: Kennzeichnungen wie „PFC-frei“ oder „Hergestellt ohne PFAS“ helfen Dir, entsprechende Produkte oder auch Produktkomponenten zu erkennen. Entsprechende Herstellerangaben müssen sich bei einer Überprüfung belegen lassen.  

Was sind PFAS und PFC?

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind eine umfangreiche Gruppe von über 10.000 synthetischen Chemikalien, die aufgrund ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften in vielen Industrien Anwendung finden.

Aufgrund ihrer extrem stabilen Kohlenstoff-Fluor-Bindungen sind diese Stoffe chemisch nahezu unzerstörbar und verbleiben über lange Zeiträume in der Umwelt. Deshalb werden sie auch als Ewigkeits-Chemikalien bezeichnet. 

Gibt es einen Unterschied zwischen PFAS und PFC?

Streng genommen ist PFAS der heutige Fachbegriff. PFC war die frühere Sammelbezeichnung und wird im Outdoor-Bereich noch häufig verwendet. Wenn Hersteller von „PFC-frei“ sprechen, meinen sie in der Regel „PFAS-frei“.

  • PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen): heute übliche Bezeichnung für eine große Gruppe fluorhaltiger Chemikalien
  • PFC (per- und polyfluorierte Chemikalien): älterer, nicht eindeutig definierter Begriff, wird noch häufig synonym zu PFAS verwendet

Was bedeutet PFAS-frei (PFC-frei)?

Produkte, die via Hangtag oder Produktbeschreibung als PFAS-frei (bzw. PFC-frei) gekennzeichnet werden, beziehen sich je nach Hersteller auf bestimmte Materialien, Membranen oder Ausrüstungen des Produkts. Wichtig dabei: Die Aussage muss entsprechend der EU‑Richtlinie 2024/8251 („Empowering Consumers for the Green Transition“) nachweisbar sein, und ihre Reichweite muss zur tatsächlichen Sachlage passen.

Anstelle von PFAS-basierten Textilausrüstungen und Membranen kommen bei solchen Produkten alternative Technologien zum Einsatz. Darunter beispielsweise: 

  • Silikonbasierte Ausrüstungen, die eine hydrophobe Oberfläche schaffen und Wasser abweisen können. Gerade bei Oberstoffen, bei denen die Atmungsaktivität keine Rolle spielt, kommt diese Technologie zum Einsatz. Silikonbasierte Beschichtungen finden sich daher üblicherweise bei Zelten. 
  • Wachs- oder Harzbeschichtungen, die eine vergleichbare Funktionalität bieten. Darauf setzt beispielsweise Fjällräven mit seiner G-1000-Serie. Die Stoffe werden mit Grönlandwachs imprägniert, einer Mischung aus Bienenwachs und Paraffin, um wasser- und windabweisende Eigenschaften zu erzielen. 
  • DWR-Behandlungen ohne PFAS (Durable Water Repellent) durch neue chemische Formulierungen oder mit pflanzenbasierten Imprägnierungen entwickelt wurden. Moderne PFAS-freie Imprägnierungen erreichen heute häufig eine vergleichbare Wasserabweisung. Je nach Einsatzbereich und Beanspruchung kann ihre Langzeitwirkung jedoch von fluorhaltigen Ausrüstungen abweichen.
  • Membrane aus anderen Kunststoffen wie Polyurethan, Polyester oder expandiertem Polyethylen.
PFAS wurden lange eingesetzt, um Outdoor-Produkten wasserabweisende Eigenschaften zu verleihen. Heute kommen dafür zunehmend alternative Technologien zum Einsatz.

Bergzeit

PFAS wurden lange eingesetzt, um Outdoor-Produkten wasserabweisende Eigenschaften zu verleihen. Heute kommen dafür zunehmend alternative Technologien zum Einsatz.


Warum werden PFAS in Outdoor-Bekleidung verwendet?

PFAS finden in der Outdoor-Industrie heute zum Teil noch in Imprägnierungen (DWR-Beschichtungen) Verwendung, um die Oberfläche von Kleidung, Schuhen und Ausrüstung wasserabweisend machen.

PFAS besitzen wasser-, schmutz- und ölabweisende Eigenschaften, was sie auch für Outdoor-Produkte interessant gemacht hat.

Florian Glott

PFAS besitzen wasser-, schmutz- und ölabweisende Eigenschaften, was sie auch für Outdoor-Produkte interessant gemacht hat.


Die Eigenschaften von PFAS statten Oberflächen dabei mit folgenden Merkmalen aus: 

  • Effektive Wasserabweisung: Regen perlt einfach von der Oberfläche ab, was die Funktionalität von beispielsweise Regenjacken erheblich verbessert. Aber auch an sich nicht wasserdichte Textilien wie Oberstoffe von Rucksäcken oder Softshell-Materialien erlangen damit eine gewisse Wetterfestigkeit. 
  • Schmutz- und Ölresistenz: Diese Materialien sind widerstandsfähig gegenüber Verschmutzungen und erleichtern die Pflege. 
  • Erhöhte Langlebigkeit: Durch die wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften bleibt die Kleidung und Ausrüstung länger funktional und haltbar. 

Diese Eigenschaften führten dazu, dass PFAS jahrzehntelang in Outdoor-Produkten wie Jacken, Hosen, Zelten und Rucksäcken weit verbreitet waren. 

💦 PFAS in Imprägniermitteln

PFAS wurden lange auch in Imprägniersprays und Waschimprägnierungen verwendet, um Textilien nachzubehandeln. Viele konventionelle Produkte enthalten noch heute fluorierte Verbindungen.

👉 Achte beim Kauf von Imprägniermitteln auf den Hinweis „PFC-frei“, „PFAS-frei“ oder „frei von Fluorcarbonen“. 

Was macht PFAS gefährlich?

PFAS sind nicht selbständig abbaubar (persistent) und können sich in der Umwelt und in Lebewesen anreichern (akkumulieren). 

Gesundheitsrisiken durch langfristige Belastung des Körpers

PFAS können sich über die Nahrung, das Trinkwasser oder die Luft im menschlichen Körper anreichern. Studien haben gezeigt, dass eine Exposition gegenüber PFAS mit negativen Auswirkungen auf das Immunsystem, die Leberfunktion und die Fruchtbarkeit verbunden sein kann.

  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist beispielsweise darauf hin, dass in Tierversuchen erhöhte Inzidenzen von Lebertumoren bei Ratten nachgewiesen wurden.2
  • Zudem hat eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) gezeigt, dass PFAS die Aktivität menschlicher Immunzellen herabsetzen können.3
  • Darüber hinaus berichtet die Health and Environment Alliance (HEAL), dass PFAS die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und die reproduktive Gesundheit sowie die Entwicklung von Kindern negativ beeinflussen können.4 

Umweltprobleme durch Persistenz in der Umwelt

PFAS sind extrem beständig gegen natürliche Abbauprozesse, weshalb sie sich in Böden, Gewässern und Lebewesen anreichern können. Studien des Umweltbundesamts (UBA)5 und der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)6 belegen, dass diese Stoffe weltweit nachweisbar sind und selbst in entlegenen Regionen wie der Arktis gefunden wurden. 

Welche PFAS sind in der EU verboten?

​Die Regulierung von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen in der Europäischen Union hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht7:​ 

  • Seit 4. Juli 2020: Die Herstellung, Verwendung und das Inverkehrbringen von Perfluoroctansäure (PFOA), ihren Salzen und verwandten Verbindungen sind gemäß der EU-Verordnung 2019/1021 (POP-Verordnung) verboten.8  
  • Seit 12. Januar 2021: Die Neufassung der Trinkwasserrichtlinie (EU) 2020/2184 legt einen Grenzwert von 0,5 µg/l für die Summe aller PFAS im Trinkwasser fest.  
  • Seit 1. Januar 2026: Frankreich greift einer EU-Regelung vor und setzt ein nationales Verbot der Herstellung, des Imports, Exports und des Inverkehrbringens von Produkten mit PFAS in bestimmten Bereichen wie Kleidung, Schuhen, Kosmetika und Skiwachs um. Bis 2030 soll dieses Verbot auf alle Textilprodukte ausgeweitet werden, es sei denn, sie gelten als „notwendig für essentielle Verwendungen“9.  
  • Laufende Entwicklungen: Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) arbeitet an einem umfassenden Beschränkungsvorschlag für rund 10.000 PFAS, um deren Verwendung weiter einzuschränken.10   
PFAS müssen per Gesetz derzeit nicht deklariert werden. PFC-freie Bekleidung ist dafür meist über Hängeetiketten als solche ausgezeichnet.

Judith Hackinger

PFAS müssen per Gesetz derzeit nicht deklariert werden. PFC-freie Bekleidung ist dafür meist über Hängeetiketten als solche ausgezeichnet.


Wie erkenne ich PFAS in Kleidung?

  • Kennzeichnungen und Produktinformationen prüfen: Achte auf Begriffe wie „PFC-frei“, „PFAS-frei“ oder „ohne Fluorcarbon“. Diese deuten darauf hin, dass alternative Materialien verwendet wurden. Entsprechende Aussagen müssen nachweisbar sein1.
  • Herstellerangaben recherchieren: Viele Outdoor-Marken geben auf ihren Websites oder Produktlabels an, welche Art der wasserabweisenden Beschichtung verwendet wurde. 
  • Materialzusammensetzung kontrollieren: In den technischen Datenblättern oder Pflegehinweisen findet sich oft ein Hinweis auf verwendete Materialien. Begriffe wie PTFE (Polytetrafluorethylen) oder fluorierte DWR-Beschichtung deuten auf PFAS hin. 
  • Vorsicht bei wasserabweisenden Produkten ohne Angabe: Falls keine explizite „PFC-frei“-Kennzeichnung vorhanden ist, kann dies darauf hindeuten, dass noch PFAS verwendet werden. Im Zweifel lohnt sich eine direkte Nachfrage beim Hersteller. 
👉 Tipp: Richtige Pflege beachten

Produkte mit alternativen Technologien benötigen manchmal eine spezielle Pflege, darunter häufigeres Waschen und regelmäßige Nachimprägnierung. Dabei helfen Dir unsere Anleitungen:

Quellen:

1 Amtsblatt der Europäische Union, 2024/825 (PDF), 06.03.2024

2 Bundesinstitut für Risikobewertung, PFAS in Lebensmitteln: BfR bestätigt kritische Exposition gegenüber Industriechemikalien, Stellungnahme Nr. 020/2021 des BfR vom 28. Juni 2021 (Abschnitt 3.1.2.3.1 – Seite 15)

3 Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, PFAS verringern Aktivität von Immunzellen, Pressemitteilung vom 18. Juli 2023

4 Health and Environment Alliance (HEAL) u.a., Wie sich PFAS-Chemikalien auf Frauen, Schwangerschaft und menschliche Entwicklung auswirken, Fact Sheet 2021

5 Umweltbundesamt, PF-Was? Begriffserklärung, 30.11.2023

6 European Chemicals Agency (ECHA), ECHA’s committees recommend restricting a subgroup of PFAS, ECHA/NR/20/21

7 European Chemicals Agency (ECHA), Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS)

8 Amtsblatt der Europäischen Union, 2019/1021 (PDF), 26.06.2019

9 Républicque Francaise, Décret n° 2025.1376, 28.12.2025

10 European Chemicals Agency (ECHA), Zu prüfende eingereichte Beschränkungen

Weitere Quellen:

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