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Wenn der Ski rockt

Rocker, Camber oder Flat – Welche Skikonstruktion passt zu mir?

9 Minuten Lesezeit
Was bedeuten die Begriffe Rocker, Camber, Flex und effektive Kantenlänge bei Ski genau? Welchen Einfluss hat deren Ausprägung auf das Fahrverhalten der Ski? Alles zu Formen, Bauweise und Geometrie bei Ski.

Der Begriff „Rocker“ stand früher einzig und allein für eine Person mit einer Vorliebe für eine bestimmte Musikrichtung und einen bestimmten Lebensstil. An Ski hat dabei niemand gedacht. Doch das hat sich über die Jahre stark verändert. Heute wird Rocker nicht nur mit ACDC gleich gesetzt, sondern vor allem mit der Konstruktion von Ski. Dabei fallen Begriffe wie „Tip- und Tail-Rocker“, „Full-Rocker“ oder „Flat“. Doch was genau sind eigentlich Rocker-Ski? Was war nochmal Camber? Und welche Skikonstruktion passt eigentlich zu mir?

Rocker, Camber, Flex – die wichtigsten Begriffe der Skikonstruktion

Um die verschiedenen Rocker-Technologien zu verstehen, ist es wichtig, einige Begriffe rund um die Bauweise eines Skis zu kennen. Die beschriebenen Elemente beeinflussen sich in ihrer Wirkung gegenseitig und sind deshalb als Gesamtheit zu betrachten. Viele Begriffe der Ski-Bauweise bedeuten letztendlich das gleiche. Ich beschränke mich hier daher auf die am häufigsten verwendeten.

Was sind Rocker-Ski?

Ein Rocker ist eine Bauweise und geometrische Form bei Skiern. Letztlich handelt es sich um die Aufbiegung des Skis nach oben. Der Rocker kann im vorderen Bereich des Skis liegen (Tip-Rocker), im hinteren Bereich (Tail-Rocker), oder gar über den gesamten Skis verlaufen (Full Rocker).

Rocker finden sich heute in sehr vielen Skimodellen: Vom Freerideski bis zum Racecarver

Unsplash/Jeremy Bezanger

Rocker finden sich heute in sehr vielen Skimodellen: Vom Freerideski bis zum Racecarver


Die meisten Hersteller nutzen heute diese Technologie, oft sogar für die gesamte Modellpalette. Ob Freerideski, Freestyle-Ski, Allmountain-Ski, Tourenski oder Race-Ski: der Rocker ist in der Regel überall verbaut. Die ständigen Weiterentwicklungen und Modifizierungen der Rocker-Ski haben dazu geführt, dass er sich mittlerweile wirklich überall gut fahren lässt und für jeden Einsatzbereich möglich, ja sogar sinnvoll, ist.

Doch Rocker ist nicht gleich Rocker. Die Unterschiede im Aufbau und der Geometrie sind immens und wirken sich stark auf die Fahreigenschaften aus. Ein Rocker eines Weltcup-Slalomskis unterscheidet sich deutlich von einem Rocker eines Freerideskis. So kann ein Tip-Rocker zum Beispiel direkt vor der Vorderbacke der Skibindung beginnen und sich über den kompletten vorderen Teil des Skis erstrecken oder er beginnt erst relativ kurz vor der Schaufel. Dies hängt ganz von der Philosophie des Herstellers und dem gewünschten Einsatzbereich ab.

Camber – was ist die Vorspannung bei Ski?

Im deutschen Sprachgebrauch nennt man Camber auch Vorspannung. Eine traditionelle Vorspannung lässt den Ski in der Mitte von der Oberfläche abheben, sofern er auf dem Untergrund aufliegt. Es handelt sich dabei also um die Wölbung des Skis. Die höchste Stelle liegt in der Regel unter dem Montagepunkt, also unter der Schuhmitte. Die Vorspannung soll dazu dienen, den Druck effektiv auf die Schaufel und das Skiende zu verteilen, und kann ganz unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Einige Freerideski besitzen eine negative Vorspannung (Reverse Camber). Hier liegt der Ski lediglich in einem sehr kurzen Bereich unter der Schuhmitte auf dem Untergrund auf und biegt sich zum Skiende und zur Skispitze nach oben.

Zu guter Letzt gibt es auch Ski ohne jegliche Vorspannung (Flat Camber). Die Ski liegen in einem größeren Bereich flach unter dem Fuß auf und wölben sich erst weiter vorne und hinten nach oben.

Nicht nur Freerideski sind mit einem Rocker ausgestattet, auch Carvingski, wie hier der K2 Disruption, kommen immer häufiger mit Tip-Rocker für mehr Drehfreude.

K2

Nicht nur Freerideski sind mit einem Rocker ausgestattet, auch Carvingski, wie hier der K2 Disruption, kommen immer häufiger mit Tip-Rocker für mehr Drehfreude.


Was ist die effektive Kantenlänge?

Die Stahlkante bei einem Ski geht in der Regel von der Schaufel bis zum Skiende. Durch die Bauweise des Skis greift bei einem gefahrenen Schwung nicht die gesamte Kante in den Schnee, sondern nur ein gewisser Teil, die sogenannte effektive Kantenlänge. Diese ist neben der Bauweise auch abhängig von der Belastung und der daraus resultierenden Durchbiegung des Skis und daher immer variabel. Eine unter Belastung entstehende Durchbiegung des Skis nennt man Biegelinie.

Die Biegelinie, und damit auch die effektive Kantenlänge, beeinflusst die Eigenschaften des Skis in Bezug auf das Steuerverhalten gravierend. Ist die effektive Kantenlänge groß, so erhält der Ski bei hohen Geschwindigkeiten mehr Laufruhe und einen höheren Kantengriff. Dafür ist der Ski weniger drehfreudig als bei einer kurzen effektiven Kantenlänge.

Was ist der Flex eines Skis?

Der Flex eines Skis beschreibt die Härte bezüglich des gesamten Biegeverhaltens entlang der Längsachse des Skis, also nach oben und unten. Er ist nicht zu verwechseln mit der Torsion. Diese bezieht sich auf die Verwindung der Querachse. Der Flex wirkt sich auf den Kantengriff und die Durchbiegung des taillierten Skis aus, also folglich auch auf den Radius.

Ein Ski mit weichem Flex kann leichter durchgebogen werden und somit den Radius leichter verringern als ein Ski mit hartem Flex und derselben Taillierung. Ein harter Flex sorgt dagegen bei gleicher Belastung für einen höheren Kantengriff auf hartem Untergrund als ein weicher Flex.

Anmerkung: Der Flex kann auch innerhalb eines Skis variieren. Ein Ski kann zum Beispiel im Schaufelbereich weicher und im Bereich des Skiendes härter sein. Die oben genannten Konsequenzen der Flexhärte wirken sich dann auf den jeweiligen Teilbereich des Skis aus.

Unterschiedliche Skikonstruktionen: Welcher Rocker passt zu mir?

Aber welcher Ski passt jetzt zu mir und welche Konstruktion sollte ich wählen, wenn ich lieber im Tiefschnee unterwegs bin oder auf eisigen und harten Pisten?

Die unterschiedlichsten Skibauweisen im Überblick

Bergzeit

Die unterschiedlichsten Skibauweisen im Überblick


1. Herkömmlicher Camber ohne Rocker

Diese Bauweise ist die sogenannte traditionelle Skiform. Man spricht auch von Full-Camber oder Classic-Camber. Der Ski besitzt eine durchgehende herkömmliche Vorspannung von der Skispitze hin zum Skiende.

  • Fahreigenschaften: Die effektive Kantenlänge und die Laufruhe sind bereits bei Geradeausfahrt und geringen Kurvenlagen sehr groß. Der Ski lässt sich gut steuern und überzeugt mit hohem Kantengriff. Der Auftrieb des Skis ist geringer.
  • Einsatzbereich: Vor allem für die Piste und bei hartem bis eisigem Schnee. Auch bei einigen Race-Tourenski zu finden.

2. Tip-Rocker

Sehr weit verbreitet ist heute der Tip-Rocker. Hier hat der Ski eine herkömmliche Vorspannung unter der Bindung und hat an der Skispitze eine Rocker-Konstruktion.

  • Fahreigenschaften: Die effektive Kantenlänge ist hier verkürzt. Der Ski wird daher drehfreudiger und lässt sich leichter um die Kurve fahren. Daher verzeiht der Ski auch Fehler. Der Rocker sorgt für mehr Auftrieb in weichem Schnee. Die vorhandene Vorspannung in der Mitte unterstützt jedoch eine gute Führung.
  • Einsatzbereich: Vor allem bei Allroundski. Allerdings wird dieser Aufbau von einigen Herstellern bereits über die gesamte Produktpalette angewandt und ist folglich bei allen Skikategorien zu finden. Selbst bei vielen Raceski ist ein Tip-Rocker verbaut.

3. Tip- und Tail-Rocker

Neben dem Tip-Rocker sind auch Tip- und Tail-Rocker weit verbreitet. Unter der Bindung kommt der Ski mit einem traditionellen Camber und hat an Schaufel und Skiende einen Rocker verbaut.

  • Fahreigenschaften: Die effektive Kantenlänge ist hier kürzer und somit auch deutlich wendiger. Er verzeiht leichter Fehler als ein Full Camber, mag allerdings harte und eisige Pisten nicht so gerne. Mit der traditionellen Vorspannung unter der Bindung lässt er sich trotzdem sehr gut auf der Kante fahren.
  • Einsatzbereich: Vor allem bei Allroundski sowie Freetouring- und Freerideski zu finden.

4. Full-Rocker

Hier ist die Vorspannung, also die Wölbung des Skis, genau in die entgegengesetzte Richtung ausgeprägt. So liegt der Ski nur unter der Schuhmitte auf dem Untergrund auf und wölbt sich in Richtung der Skienden nach oben. Man findet bei dieser Bauweise auch oft den Begriff negative Vorspannung.

  • Fahreigenschaften: Die Kantenlänge unter der Bindung ist minimal, jedoch immer noch variabel. Dies lässt die Trägheit breiter Ski leichter überwinden. Durch eine harmonische Biegelinie kann die Kantenlänge vergrößert werden. Sehr gute Auftriebseigenschaften.
  • Einsatzbereich: Vor allem für weichen und tiefen Schnee und für reine Freeride-Einsätze.

Wie lang muss ein Rocker-Ski sein?

Die gewählte Skilänge ist auch bei Rocker-Ski stark vom gewünschten Einsatzbereich abhängig, und somit auch von der Bauart des Skis. Ein agiler und schmaler Slalomcarver sollte zum Beispiel irgendwo zwischen 155 und 170 Zentimetern liegen, während ein dicker Freerideski auch gerne mal bis zu 200 Zentimeter lang sein darf. Natürlich orientiert sich die Skilänge auch an der eigenen Körpergröße. Die Länge des Rockers wirkt sich, wie oben beschrieben, auch auf die Drehfreudigkeit des Skis aus. Somit kann ein 200 Zentimeter langer Ski mit einem langen Rocker trotzdem sehr leicht und schnell in die andere Richtung bewegt werden.

Die Länge des Skis hängt vor allem vom Einsatzbereich und der Größe der Fahrerin bzw. des Fahrers ab - Freerideski werden z.B. eher länger gefahren.

Bergzeit

Die Länge des Skis hängt vor allem vom Einsatzbereich und der Größe der Fahrerin bzw. des Fahrers ab – Freerideski werden z.B. eher länger gefahren.


Die Entwicklung des Rockers

Auch wenn der Rocker im Skibau erst in den letzten Jahren den völligen Durchbruch erlangt hat, so gibt es ihn doch schon seit vielen Jahren. Im Grunde genommen sogar seit der Entstehung der ersten Ski. Die heute als traditionelle Geometrie bezeichnete Form mit einer sogenannten herkömmlichen Vorspannung kam erst später.

Schaut man sich die ersten Rocker-Ski einmal an (zum Beispiel den ersten K2 Pontoon), so erkennt man deutlich, dass der Rocker sehr stark nach oben ausgeprägt war. Dies wirkte sich zwar positiv auf den Auftrieb aus, doch war ein solcher Ski in tiefem Schnee auch sehr langsam. Grund war der aus der Aufbiegung resultierende große Schneewiderstand. Somit konnten die ersten Rocker-Ski keine optimale Biegelinie erzeugen. Der Rockerbereich flatterte eher unruhig in der Luft herum und die effektive Kantenlänge war auch bei Belastung sehr gering.

Schließlich brachte unter anderem Dynastar mit dem ersten Big Dump einen Ski auf den Markt, bei dem der Rocker im Schaufelbereich nicht ganz so weit nach oben ragte und der Flex in diesem Bereich um einiges härter war. Dies führte automatisch zu einem ruhigeren Fahrverhalten des Skis.

Vor allem K2 war bei der Rocker-Technologie sehr innovativ und entwickelte mit dem Side Seth einen Ski, dessen Rocker zwar sehr lang war (er begann direkt vor der Bindung), aber der dank seiner Bauweise eine sehr harmonische Biegelinie aufweisen konnte. Der komplette Rockerbereich ließ sich unter Belastung aufkanten. Dadurch wurde die effektive Kantenlänge erhöht und der Ski viel ruhiger. Mit dem Hoji ist es zum Beispiel 4FRNT bestens gelungen, einen Ski zu entwickeln, der trotz einer negativen Vorspannung sehr gut auf hartem Untergrund zurechtkommt. Dies ist dadurch möglich, dass auch hier die Biegelinie optimal funktioniert und der Ski fast über die gesamte Länge arbeitet.

Das sind nur einige von vielen Beispielen, die die Entwicklung und Optimierung der Rocker-Technologie gut illustrieren. Heutzutage haben es fast alle Skihersteller geschafft, Ski mit Rocker zu konzipieren, die in jedem Gelände zurechtkommen. Bei allen Unterschieden ist das Wichtigste, dass der Ski über seine gesamte Länge harmonisch funktioniert und dabei eine optimale Biegelinie erreicht wird.

Zusammenfassung und Fazit

Die Rocker-Technologie hat sich vollkommen durchgesetzt. Es gibt heutzutage Ski, die in jedem Gelände sehr gut zu fahren sind. Aber sicherlich gibt es nicht den einen einzigen Ski, der in wirklich jeder Situation optimal ist. Und genau aus diesem Grund werden für besondere Einsatzbereiche auch verschiedene Bauweisen gewählt.

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