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Der Bindungscheck

Abfahrtsorientierte Skitourenbindungen: Die Modelle 2022/2023 im Vergleich

10 Minuten Lesezeit
Pin- oder Rahmenbindung? Und was ist mit den Hybrid-Modellen, die im Aufstieg wie eine Pin-Bindung und bei der Abfahrt wie eine Alpin-Bindung funktionieren? Das Angebot an Skitourenbindungen wird immer vielfältiger. Bergzeit Autor Lorenzo Rieg hat den Marktcheck gemacht und vergleicht die wichtigsten abfahrtsorientierten Tourenbindungen.

Mittlerweile ist klar, Skitourengehen liegt nicht nur im Trend, sondern ist zum Breitensport geworden. Und die vielen Skitourengeher tragen auch zum großen Facettenreichtum des Sports bei. Da gibt es auf der einen Seite stoppuhrorientierte Aufstiegsfans, auf der anderen die klassischen Sonntag-Vormittag-Gipfelbesteiger. Hier Skihochtourengeher und dort abfahrtsorientierte Freerider, die nur ab und an für kurze Aufstiege, bevorzugt vom Lift aus, die Felle aufziehen. Dies führt zu einer zunehmenden Vielfalt auf dem Markt, die einen Vergleich der aktuellen Skitourenbindungen notwendig macht.

Gerade im Bereich der Skitourenbindungen, die sich teilweise auch im Freeride-Einsatz gut schlagen, hat sich in den letzten Jahren viel getan. Immer neue Modelle voll innovativer Technologie kommen auf den Markt, und gerade mit den ebenfalls weiterentwickelten Tourenskischuhen musst Du mittlerweile weder auf Aufstiegskomfort noch Abfahrtsperformance verzichten.

Bei dem großen Angebot ist die Auswahl einer passenden Bindung allerdings nicht leicht. Deshalb gibt es hier einen Überblick über die aktuellen, abfahrtsorientierten Tourenbindungen 2022/2023.

Pin, Rahmen oder Hybrid?

Seit Jahren sind mit dem Rahmen- und dem Pinsystem zwei bewährte Systeme für Skitourenbindungen auf dem Markt, die sich grundsätzlich von der Art, wie die Schuhe in der Bindung sitzen, unterscheiden und über spezifische Vor- und Nachteile verfügen. Zusätzlich hat sich in den letzten Jahren mit der Salomon Shift (die auch von Atomic und Armada vertrieben wird) und der Marker Duke PT das Hybridsystem etabliert, welches die Vorteile der beiden Systeme verbinden soll.

  • Rahmenbindungen werden wie Alpinbindungen mit Vorder- und Hinterbacken am Skischuhrand fixiert. Zum Aufsteigen wird praktisch die gesamte Bindung mittels ihres „Rahmens“ bei jedem Schritt mitsamt dem Schuh angehoben.
  • Beim Pinsystem wird der Skischuh am Vorderbacken (und meist auch am Hinterbacken) mithilfe von speziellen Inserts an zwei „Metallpins“ in der Bindung fixiert. Zum Aufsteigen wird der Hinterbacken weggedreht, -geklappt, oder -geschoben – der Schuh ist somit nur vorne fixiert. Dadurch muss nicht bei jedem Schritt die gesamte Bindung angehoben werden, was einiges an Energie spart.
  • Das Hybridsystem funktioniert im Aufstieg wie ein Pinsystem, in der Abfahrt allerdings wie das Rahmensystem beziehungsweise wie eine Alpinbindung.
Welche Tourenbindung zu Dir passt, hängt vor allem von Deinem Fahrstil ab und was Du mit der Bindung vor hast.

Bergzeit

Welche Tourenbindung zu Dir passt, hängt vor allem von Deinem Fahrstil ab und was Du mit der Bindung vor hast.


Bis vor einigen Jahren hatte die Firma Dynafit aufgrund ihres Patents die Nase im Markt für Pinbindungen ganz vorn, was nicht nur die Auswahl an Skitourenbindungen, sondern auch an Schuhmodellen mit passenden Inserts limitierte. Seit dem Auslaufen des Patents im Jahre 2012 hat sich der Markt stark entwickelt.

Der Markt der Pinbindungen hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt – so findet sich für jeden Tourengeher die passende Bindung und der passende Schuh.

So bieten nicht nur zahlreiche Hersteller verschiedenste Typen von Bindungen an, auch die Schuhmodelle sind mittlerweile so vielfältig, dass wohl jeder Skitourengeher einen passenden Tourenskischuh finden sollte.

Kurzcheck: abfahrtsorientierte Rahmenbindungen

Auch im Bereich der Rahmenbindungen gibt es mittlerweile Modelle, die stark gewichtsreduziert sind.

Marker Tour F10

Die Marker Tour F10 ist – für eine Rahmenbindung – fast schon ein Leichtgewicht, mit kaum merklich schlechterer Kraftübertragung in der Abfahrt im Vergleich zu den „schweren“ Rahmenbindungen. Mit einem maximalen Z-Wert von 10 ist die Tour 10 allerdings auf den weniger harten Einsatz ausgelegt. Sie eignet sich vor allem für Einsteiger oder leichte Skitourengeher, die eine solide und einfach zu nutzende Bindung vorziehen.

Schnelle und leichte Aufstiege? Dafür sind Pinbindungen das Aushängeschild.

Bergzeit

Schnelle und leichte Aufstiege? Dafür sind Pinbindungen das Aushängeschild.


Kurzcheck: abfahrtsorientierte Pinbindungen

Ob ATK, Fritschi oder Marker: Auf dem Markt der Pinbindungen tummeln sich mittlerweile viele Key Player.

ATK Freeraider 14

ATK hat sich in den vergangenen Jahren am Markt für Pinbindungen etabliert und bietet vor allem sehr leichte Bindungen, die allerdings teilweise trotzdem über einen sehr hohen Z-Wert sowie zusätzliche Bauteile zur Verbesserung der Kraftübertragung verfügen. Aktuell sind für Freerider vor allem die Freeraider 14 und Freeraider 15 EVO interessant. Bei geringem Gewicht ermöglichen beide nicht nur eine hohe Kraftübertragung, sondern auch einen hohen maximalen Z-Wert.

Dynafit ST Rotation 14

Dynafit hat mit der ST Rotation 14 auch ein für Freerider sehr interessantes Modell im Angebot. Die Technologie mit dem leicht rotierend gelagerten Vorderbacken verringert Fehlauslösungen und die Bindung ist mit einem Z-Wert von 14 das abfahrtsorientierteste Modell von Dynafit. Sie ist komfortabel zu bedienen und das Rotationskonzept ist seit Jahren bewährt.

Fritschi Tecton

Seit mittlerweile mehreren Jahren auf dem Markt, ist die Tecton immer noch eine sehr innovative Pinbindung. Der Hinterbacken greift einerseits am Skischuhrand, andererseits mit den „power rails“ auch am Ferseninsert. Dies verhilft der Bindung nicht nur zu exzellenter Kraftübertragung, sondern gewährleistet durch die einstellbare und definierte Sicherheitsauslösung an Vorder- und Hinterbacken eine hohe Sicherheit.

Mit einem Gewicht von gerade mal 550 Gramm (pro Einheit, ohne Stopper) ist sie zudem auch für lange Aufstiege bestens geeignet. Der erneut überarbeitete Vorderbacken erlaubt jetzt zudem längere Schritte bei uneingeschränkter Skischuhkompatibilität.

Fritschi Vipec Evo

Die Vipec Evo teilt sich den Vorderbacken mit der Tecton, hat allerdings einen anderen Hinterbacken und ist dadurch etwas leichter, ohne Kompromisse bei der Sicherheit zu machen. Sie punktet mit einfacher Handhabung, leichtem Einstieg und ergibt ein solides Gesamtpaket.

Fritschi Xenic

Mit der Xenic hat Fritschi ein richtiges Leichtgewicht im Programm. Ohne auf den gewohnten Bedienungskomfort verzichten zu müssen, bekommt man hier eine günstige und komfortable Bindung mit einem Gewicht von nicht einmal 300 Gramm pro Stück ohne Stopper. Mit Stopper sind es auch nur leichte 325 Gramm pro Bindung.

G3 Ion

Die G3 Ion ist eine leichte Pinbindung (1.170 Gramm inkl. Stopper) und verfügt über einen klassisch anmutenden Vorderbacken. Der Hinterbacken ermöglicht über den einstellbaren Anpressdruck einen Ausgleich der Skibiegung und eine gute Kraftübertragung. Die Ion 10 ist mit einem Auslösewert von 4 bis 10 für leichtere und weniger aggressive Fahrer konzipiert.

G3 ZED

Mit der ZED bietet G3 eine Bindung an, die zwar auf der Ion basiert, die aber – vor allem durch ein optimiertes Design – einige Gramm leichter ist. Sie wird standardmäßig ohne Stopper ausgeliefert und wiegt mit gerade einmal 345 Gramm pro Stück noch einmal eine Ecke weniger als die Ion.

Die Pinbindung G3 ZED ist demnächst auch im Bergzeit Shop verfügbar.

Marker Kingpin

Mit der Marker Kingpin hat, mittlerweile ebenfalls vor bereits einigen Jahren, erstmals einer der „großen“ Bindungshersteller eine Pinbindung entwickelt. Der am Skischuhrand greifende Hinterbacken sorgt für Elastizität, der Vorderbacken ist leicht und unkompliziert. Die Kingpin-Modelle sind nicht gerade die leichtesten unter den Pinbindungen, bestechen aber durch einen hohen Bedienkomfort und eine gute Abfahrtsperformance. Die Marker Kingpin gibt es in zwei Versionen, einmal mit Auslösewert 5 bis 10 und einmal mit 6 bis 13.

Marker Alpinist 12

Mit der Alpinist hat Marker eine relativ klassische Pinbindung im Programm, die durch die Kombination aus niedrigem Gewicht und günstigem Preis besticht. Die Alpinist ist auch in einer Version für leichtere Tourengeher mit Z-Wert 4 bis 9 erhältlich. Zu beachten ist, dass im Vergleich zu den anderen hier besprochenen Skitourenbindungen lediglich der laterale Auslösewert eingestellt werden kann, der vertikale Wert ist bei der Alpinist fix.

Kurzcheck: Hybridbindungen

Mit den neuen Hybridbindungen ist es Herstellern gelungen, die Vorteile einer Pinbindung im Aufstieg (Leichtigkeit, Bewegungsfreiheit) mit den Vorteilen der klassischen Rahmenbindung für die Abfahrt (Sicherheit, Vielseitigkeit) zu kombinieren.

Marker Duke PT

Mit der Duke PT, die es in einer Version mit Z-Wert 6 bis 16 und einer mit Z-Wert 4 bis 12 gibt, hat auch Marker eine Hybridbindung im Programm. Im Aufstieg erinnert sie an die Kingpin, für die Abfahrt wird aber ein abnehmbares Teil in den Vorderbacken geklickt, der dadurch nicht mehr mit den Pins, sondern mit Backen greift. Dies ermöglicht nicht nur eine Funktion ähnlich einer Alpinbindung, sondern macht die Bindung auch im Aufstieg, wenn das Gewicht bewegt werden muss, leichter. Allerdings ist die Duke PT insgesamt vom Gewicht her im Bereich der Rahmenbindungen anzusiedeln und richtet sich damit klar an die Skitourengeher, die mehr auf die Abfahrtsperformance und weniger auf das Gewicht achten.

Salomon Shift

Mit der Shift – der ersten Hybridbindung – ist Salomon vor einigen Jahren eine Revolution im Bereich der Skitourenbindungen gelungen. Die Pins am Vorderbacken werden nur für den Aufstieg verwendet, in der Abfahrt sitzt der Schuh wie bei einer Alpinbindung in der Bindung. Dadurch hat man es geschafft, die Vorteile beider Systeme zu kombinieren und eine tolle Bindung für Freerider zu designen. Aufgrund dieser Eigenschaften und dem damit einhergehenden Gewicht kann sie kaum mit den leichteren Pinbindungen konkurrieren, Rahmenbindungen läuft sie hingegen zusehends den Rang ab. Die Shift gibt es als Shift 13 MN mit Z-Wert 6 bis 13 und als Shift 10 MN mit Z-Wert 4 bis 10. Hier kannst Du nachlesen, wie die Salomon Shift Hybridbindung im Test abgeschnitten hat.

Armada N Shift MNC10 & 13

Auch Armada vertreibt die Shift Bindungen. Unter dem Produktnamen N Shift MNC sind die Vorteile der Pinbindungen und klassischer Skibindungen vereint. Im Aufstieg kommt die Bewegungsfreiheit und Effizienz des Pin-Systems zur Geltung. Bei der Abfahrt überzeugt sie dagegen mit der bewährten Sicherheit einer klassischen Alpinbindung. Wie bei Salomon gibt es die Bindung als Shift 13MNC mit Z-Wert 6 bis 13 und als Shift 10MNC mit Z-Wert 4 bis 10.

Vor- und Nachteile von Rahmenbindungen

Große Innovationen im Bereich der Rahmenbindungen gab es schon seit einigen Jahren nicht mehr. Vielmehr werden zunehmend Pin- und Hybridbindungen genutzt und Rahmenbindungen werden immer seltener, entsprechend nimmt auch das Angebot nach und nach ab. Zu gering wiegen offenbar ihre Vorteile im Verhältnis zu ihrem bauartbedingten Gewichtsnachteil (und der Tatsache, dass bei jedem Schritt einiges an Extragewicht bewegt werden muss).

Trotzdem bestehen nach wie vor Vorteile, die Rahmenbindungen interessant machen können. Zum einen kann so gut wie jeder Skischuh in Rahmenbindungen verwendet werden, zum anderen ist die Bedienung von Rahmenbindungen wie etwa der Ein- und Ausstieg, das Verändern der Steighilfe sowie das Umschalten zwischen Geh- und Skimodus in der Regel sehr einfach.

Zudem gibt es einige Modelle, die dank maximalem Z-Wert von 16 auch für sehr schwere und aggressive Fahrer bestens geeignet sind. Auch preislich sind Rahmenbindungen im Vergleich zu anderen Skitourenbindungen in der Regel günstiger.

Vor- und Nachteile von Pinbindungen

Die mittlerweile in verschiedensten Varianten erhältlichen Pinbindungen haben Vorteile im Aufstieg gemeinsam. Sie sind leichter und haben einen günstigen Drehpunkt beim Gehen. In der Abfahrt kommt häufig eine sehr direkte Kraftübertragung und eine niedrige Standhöhe am Ski hinzu. Allerdings gibt es (mit Ausnahme mancher Modelle von Fritschi) keine definierte Sicherheitsauslösung am Vorderbacken.

Und obgleich die Auswahl an Skitourenschuhen mittlerweile beträchtlich ist, können Alpinschuhe aufgrund der fehlenden Inserts nicht in Pinbindungen verwendet werden. Im Leichtgewichts- und Skitourenrennbereich sind Pinbindungen ohnehin alternativlos, heutzutage werden aber zahlreiche Modelle für den abfahrtsorientierten Einsatz angeboten. Einzig die wirklich hohen Z-Werte werden mit aktuellen Pinbindungen nicht erreicht, ihre Einsatzmöglichkeiten vor allem für sehr schwere Fahrer mit zügiger Fahrweise können somit eingeschränkt sein.

Vor- und Nachteile von Hybridbindungen

Die Hybridbindungen bieten eine gute Abfahrtsperformance mit guten Auslöseeigenschaften. Im Aufstieg muss wenig Gewicht bewegt werden, was die Bindungen zusätzlich interessant macht. Allerdings sind sie im Vergleich zu Pinbindungen schwerer und gewöhnungsbedürftiger in der Nutzung. Mit den hohen verfügbaren Z-Werten und den genannten Vorteilen werden sie wohl mittelfristig zumindest den Rahmenbindungen den Rang ablaufen.

Fazit: Welche Bindung brauche ich?

Beim Vergleich von Skitourenbindungen gilt nach wie vor: Alles hat seine Vor- und Nachteile. Mit dem Aufkommen der Hybridbindungen scheinen die Tage der Rahmenbindungen allerdings doch langsam gezählt. Vermutlich wird die Frage in Zukunft nicht mehr „Rahmen oder Pin?“, sondern „Pin oder Hybrid?“ heißen.

Wann brauche ich eine Rahmenbindung?

Gerade für eine schwerpunktmäßige Nutzung im Skigebiet mit nur gelegentlichen Aufstiegen oder bei problematischen Füßen mit entsprechenden Anforderungen an die Skischuhe, sind Rahmenbindungen nach wie vor eine Alternative. Zudem sind sie eben auch mit reinen Alpinschuhen nutzbar, was unter Umständen für Skitourengeher, die nur kurze, liftunterstützte Touren gehen möchten, interessant sein kann.

Du bist vor allem auf der Suche nach tiefem Powder ohne allzu lange Anstiege? Dann schau Dich am besten bei den neuen Hybridmodellen um.

Bergzeit

Du bist vor allem auf der Suche nach tiefem Powder ohne allzu lange Anstiege? Dann schau Dich am besten bei den neuen Hybridmodellen um.


Wann brauche ich eine Pinbindung?

Für lange Touren, bei denen das Gewicht und die Aufstiegsperformance eine Rolle spielen, führt an einer leichten Pinbindung eigentlich kein Weg vorbei. Auch für Freerider, die Wert auf eine gute Performance in der Abfahrt legen, gibt es hier ein breites Angebot, welches von den Modellen von ATK und G3 über die Marker Alpinist bis hin zur Fritschi Xenic reicht. Wer etwas mehr Gewicht in Kauf nehmen möchte, um höhere Sicherheit, mehr Komfort und eine bessere Abfahrtsperformance zu erreichen, findet bei Bindungen wie der Kingpin oder der Fritschi Vipec Evo und Tecton die richtigen Begleiter.

Wann brauche ich eine Hybridbindung?

Die beiden Hybridmodelle machen sowohl den Pinbindungen bezüglich der Aufstiegseigenschaften als auch den Rahmenbindungen hinsichtlich der Abfahrtsperformance kräftig Konkurrenz. Mittlerweile haben sich die Bindungen auch am Markt etabliert und in der Praxis bewährt und sind all jenen Skitourengehern zu empfehlen, die für hohe Abfahrtsperformance und Sicherheit auch bereit sind mehr Gewicht in Kauf zu nehmen.

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