Gerade Softshelljacken haben sich in den vergangenen Jahren im Alltag breit gemacht. Nun ist dieser Alltag nicht unbedingt gekennzeichnet durch übermäßige Sauberkeit. Da hilft nur waschen! Wie macht man das richtig?

„Boah ey, du riechst echt wie …“ Füllwörter für die Pünktchen gibt es wahrlich genug, viel Phantasie ist dafür nicht nötig. Die Allerwenigsten davon sind schmeichelhaft, wenn man soeben von einer mehrstündigen oder sogar mehrtägigen Tour wieder nach Hause kommt. Kein Problem, schnell geduscht und der Haussegen hängt auch wieder gerade. Am besten wäre es manchmal die Kleidung gleich am Körper zu behalten und mit in die Dusche zu nehmen, aber dafür gibt es ja die Waschmaschine, oder?

Soll man ein Softshell waschen?

Softshells haben sich als ideale Begleiter bei Wanderungen etabliert. Doch auch sie brauchen Pflege für eine optimale Funktionalität. | Foto: Vaude/Moritz Attenberger
Softshells haben sich als ideale Begleiter bei Wanderungen etabliert. Doch auch sie brauchen Pflege für eine optimale Funktionalität. | Foto: Vaude/Moritz Attenberger

Richtig – auch die getragene Bekleidung verdient eine ordentliche Pflege. Softshelljacken erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit und sind aufgrund ihrer Vielseitigkeit häufige Begleiter am Berg und auch im Alltag. Viele schrecken allerdings davor zurück, die Jacke auch zu waschen. Zu verbreitet ist das Märchen, man würde damit die Funktion zerstören. Fakt ist: Bei falscher Wäsche ist das möglich, viel schwerer wiegt aber der völlige Verzicht darauf.

Besonders Softshells mit einer Membran (zum Beispiel Gore® Windstopper) können bei intensiver Beanspruchung regelrecht verstopfen, da Schweiß nicht nur aus Wasser besteht. Salze, Fette, auch Make-Up und Sonnencreme bilden Anhängsel, die auf dem Weg durch die Membran zu dick für deren Poren sind. Eine verstopfte Membran atmet nicht, außerdem können Fette und feine Salzkristalle die Membran nachhaltig beschädigen. Auch Softshelljacken ohne Membran leiden, wenn auch etwas weniger. Also: Ja man soll eine Softshell-Jacke waschen.

Wie oft muss ich mein Softshell waschen?

Muss man nun nach jeder Tour oder jedem Wasserkasten-ins-Dachgeschoss-Schleppen die Jacke waschen? Nein, aber regelmäßiges Waschen macht schon Sinn. Das Bauchgefühl liegt da oft nicht einmal daneben, die persönliche Nutzungsintensität spielt dabei eine große Rolle. „Speckige“ Ärmelbündchen oder Kragen, alternativ auch verzogene Gesichter der Mitmenschen sind allerdings Anzeichen, dass es nun höchste Zeit für eine Wäsche ist.

… und wie wäscht man Softshell dann?

30° im Programm "Handwäsche" oder "Wolle" - und Funktionswaschmittel dazu. | Foto: Bela Elbich
30° im Programm „Handwäsche“ oder „Wolle“ – und Funktionswaschmittel dazu. | Foto: Bela Elbich

Wie sieht so eine Pflege denn praktisch aus? Der erste Schritt sollte immer ein Blick in die Waschanleitung der Softshelljacke sein, Besonderheiten sind dort vermerkt.

Wichtig ist, nur geeignetes Waschmittel zu verwenden. Grundsätzlich eignet sich jedes sogenannte Funktionswaschmittel wie sie um Beispiel TOKO und Granger’s anbieten. Diese Mittel sind konzentriert und besonders schonend zu empfindlichen Materialien wie Membranen oder Verklebungen, da sie nur die wirklich benötigten waschaktiven Substanzen erhalten. Auf gar keinen Fall sollte Haushalts-Waschmittel in Pulverform verwendet werden, auch Weichspüler hat hier nichts verloren. Es gibt von TOKO spezielles Softshell-Waschmittel, welches die Eigenschaften elastischer Stoffe mit einbezieht, aber die allermeisten anderen Funktionswaschmittel erfüllen ihren Zweck genau so gut.

  • Grobe Verschmutzungen, zum Beispiel durch ein unfreiwilliges Schlammbad, können vorbehandelt werden. Dazu ein wenig vom Waschmittelkonzentrat mit einem weichen Schwamm einreiben und etwas einwirken lassen, erst dann in die Waschmaschine geben.
  • Diese sollte zu maximal zwei Dritteln beladen sein, um anständig spülen zu können.
  • Klett- und Reissverschlüsse sollten geschlossen sein.
  • Die Dosierung des Waschmittels ist auf der Flasche zu finden, meistens ist das Konzentrat auf eine Kappe pro Kleidungsstück ausgelegt.
  • Bei 30 Grad Celsius im Programm „Handwäsche“ oder „Wolle“ kann man nichts falsch machen, ein zweiter Spülgang empfiehlt sich bei größerer Beladung oder starker Verschmutzung.

Da die empfohlenen Waschprogramme wenig schleudern, kommt die Softshelljacke entsprechend nass aus der Maschine, somit sollte sie zum Trocknen irgendwo aufgehängt werden, wo sie gut abtropfen kann. Kleine Besonderheit: Es gibt Softshells mit einer auflaminierten Innenschicht aus Merinowolle. Diese ist am besten mit einem Wollwaschmittel bedient und sollte nicht aufgehängt, sondern z.B. auf dem Wäscheständer ausgelegt werden.

Was ist nach dem Waschen zu tun?

Trocken? Dann sollte die Jacke nach Möglichkeit (siehe Pflegeanleitung) noch für ein paar Minuten bei niedriger Temperatur in den Trockner, alternativ bei niedriger Stufe ohne Dampfbügeln. Durch die Wärme wird die dauerhaft eingearbeitete Imprägnierung reaktiviert, Regen und Schnee perlen bis zu einem gewissen Grad wieder ab.

Tipps zur Softshell-Imprägnierung – wie macht man’s richtig?

Auch eine "dauerhafte" Imprägnierung muss bei Softshells nach merhmaligem Waschen erneuert werden. | Foto: Bela Elbich
Auch eine „dauerhafte“ Imprägnierung muss bei Softshells nach merhmaligem Waschen erneuert werden. | Foto: Bela Elbich

Zur richtigen Pflege von Softshell-Bekleidung gehört neben dem Waschen natürlich auch die Imprägnierung. Je nach Hersteller verfügen Outdoor-Jacken (und -Hosen) über eine sogenannte DWR-Imprägnierung (DWR steht für Durable Water Repellent).

Allerdings ist die „dauerhafte Impägnierung“ bei Outdoor-Ausrüstung nicht so dauerhaft, wie der Name verspricht. Erst recht nicht, wenn man seine Softshell-Textilien mehrmals gewaschen hat.

Sollte die oben genannte Wärmebehandlung nach dem Waschen keinen Effekt bringen, muss die Impägnierung erneuert werden. Sprays wie das Toko Soft Shell Proof eignen sich dafür hervorragend. Doch auch Hersteller wie Nikwax und Grangers haben Pflegeprodukte und Sprays im Programm, die sich perfekt zur Nachimprägnierung von Softshells eignen.

Ein Praxistipp dank dicker Beule: nicht in der Dusche aufsprühen, denn Fliesen und Sanitäracryl werden spiegelglatt. Selbstverständlich muss der Raum auch gut belüftet sein. Am besten die trockene Jacke auf dem Boden ausbreiten, gleichmäßig einsprühen, mit einem leicht feuchten Lappen an schwerer zugänglichen und stark beanspruchten Stellen einreiben. Anschließend trocknen lassen und die frische Impägnierung ebenfalls durch Wärme aktivieren.

Zugegeben, das alles klingt nach viel Arbeit und viel Aufwand. In Wahrheit ist es gar nicht kompliziert, wenn man das Funktionsprinzip atmungsaktiver Bekleidung versteht. Auch der Ölwechsel beim Auto ist notwendig, wenn das gute Stück lange zuverlässig funktionieren soll.

Pflege-Tipps zur Imprägnierung kurz zusammengefasst:

  • Shoftshelljacken und andere Outdoor-Ausrüstung aus Softshell-Material verfügt häufig über eine DWR-Imprägnierung (DWR=Durable Water Repellent)
  • Je nach Pflegeintensität und Waschmittel lässt die DWR-Imprägnierung mit der Zeit jedoch nach
  • Daher sollte Softshell-Bekleidung bei Bedarf mit einem speziellen Spray oder einem anderem Pflegeprodukt nachimprägniert werden
  • Das gilt für Jacken, Hosen und andere Softshell-Bekleidung wie z.B. Handschuhe oder Mützen
  • Hersteller wie Grangers, Nikwax oder Toko haben Sprays, Waschmittel und weitere Pflegeprodukte zur richtigen Imprägnierung im Sortiment

Gewaschene und gepflegte Softshellbekleidung macht nach dem Waschen und Imprägnieren auch langfristig wieder Freude. Und, ach ja: Sie riecht auch wieder besser!

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Kommentare

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Jawe77

Hi ! Wie kann eine Softshell-Jacke die natürlich + verständlich nur aussen imprägniert wurde, Wasserdampf nach (ganz) aussen lassen,sprich atmen, wenn sie ja eigendlich gewissermaßen mit dem Imprägnierspray versiegelt ist ???
Aus diesem Grund sprüht man ja auch die Jacke nicht innen ein, aber die äussere Schicht ist ja somit wohl wasserdicht und die Membrane welche den Dampf nach aussen lassen funktionieren, weil diese quasi in der Mitte liegen, aber ab jetzt kann eigendlich der Dampf (Wasser) nicht weiter nach aussen dringen (atmen) da ich es ja mit dem Spray versiegelt habe !!
Also; Wie klappt das ??

Arnold Zimprich
Hallo Jawe 77, eine Softshelljacke ist NIE absolut wasserdicht. Wasserdicht sind nur Hardshelljacken mit entsprechenden Technologien wie Gore-Tex oder Dermizax – und vielleicht noch der klassische Regenmantel. Du kannst zwar eine Softshelljacke imprägnieren – dann sind aber nur die Fasern imprägniert und sorgen im Idealfall – wie bei einer DWR-Imrägnierung – für ein temporäres Abperlen von Regenwasser oder Tau. Sobald Du die Jacke ein paar Mal länger getragen und gewaschen hast, ist so eine Aufsprüh-Imprägnierung in der Regel hinfällig. Du wirst also eine Softshell-Jacke nie so dicht bekommen wie eine Hardshelljacke – das ist schon rein materialtechnisch nicht möglich. Die… Read more »
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