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Standfest im Schnee

Tubbs Flex VRT 24 Schneeschuhe im Test

7 Minuten Lesezeit
Wenn im Schnee nichts mehr geht, geh' mit Schneeschuhen. Frei nach diesem Motto hat unser Tester Holger die Tubbs Flex VRT Schneeschuhe ausprobiert. In welchem Gelände sie am besten überzeugen, schildert er in seinem Testbericht.

„Tag um Tag zogen sie endlos über den ungebahnten, weichen Schnee. Es war harte, eintönige Arbeit, die nichts von der pulsierenden Freude enthielt, die beim Dahinjagen über das harte Eis entsteht. Mal ging der eine, mal der andere mit den Schneeschuhen voraus, es war nichts als verbissene, ungemilderte Mühsal. Ein Meter Pulverschnee musste niedergedrückt werden, und der weitmaschige Schneeschuh sank dabei unter dem Gewicht eines Mannes volle dreißig Zentimeter tief ein.“

Wer weiß, vielleicht schrieb Jack London 1910 in seinem Roman „Lockruf des Goldes“ über Tubbs-Schneeschuhe an den Füßen der Männer. Möglich ist es, denn Tubbs produziert seit 1906 „Snowshoes for all purposes“, wie es in ihrem Werbeslogan heißt.

Tubbs Flex VRT 24 Schneeschuhe im Test. | Foto: Holger Stark
Tubbs Flex VRT 24 Schneeschuhe im Test. | Foto: Holger Stark

Jetzt, über 100 Jahre später, habe ich das große Vergnügen, das neueste Modell aus der traditionsreichen Tubbs-Familie zu testen, den Men’s Flex VRT 24 Schneeschuh. Schon als Kind war ich fasziniert, zunächst von den Büchern Jack Londons, später von den Verfilmungen, in denen Männer die wildesten Abenteuer mit Schneeschuhen in den schneereichen Weiten Kanadas und Alaskas erlebten. Für mich stehen Schneeschuhe stellvertretend für Abenteuer und Freiheit. Ich kann im Winter in der wilden Natur unterwegs sein und mir meinen eigenen Weg suchen.

Nur hat das Hightech-Produkt an meinen Füßen so gar nichts mit den Schneeschuhen von einst zu tun. Erinnerten diese mit ihrem Holzrahmen und der Bespannung aus Rindsleder noch an Tennisschläger, die man sich unter die Füße bindet, kommt man heute nicht umhin, Schneeschuhe als ein technisches Sportgerät zu sehen.

Tubbs – Schneeschuhe für alle Gelegenheiten

Die Firma Tubbs wurde 1906 im kleinen Städtchen Norway im amerikanischen Bundesstaat Maine von Walter F. Tubbs gegründet. Unter anderem rüstete der Hersteller 1928 die erste erfolgreiche amerikanische Südpolexpedition mit 75 Paar Schneeschuhen aus. Beschränkte sich das Geschäft lange Zeit auf den amerikanischen Kontinent, expandierte die Firma 1999 auf den europäischen und japanischen Markt.

Wichtige Qualitätskriterien bei Schneeschuhen

Neben der Form, die bereits von Anbeginn der Schneeschuhe wichtig war, gibt es heutzutage technische Details, die über die Qualität und das Einsatzspektrum entscheiden. Dabei kommt es sehr darauf an, wo, wie und bei wem der Schuh zum Einsatz kommt.

So gibt es Schneeschuhe, die den einfachen Anforderungen einer Wanderung auf breiten Wegen genügen, aber auch technisch ausgereifte Modelle, die als Wegbereiter für hochalpine Touren dienen. Angenehm ist es natürlich, dass die Spitzenmodelle mit wenigen Abstrichen nach unten kompatibel sind, so dass ich mit einem für alpine Zwecke geeigneten Schneeschuh auch die Familie beim Winterspaziergang begleiten kann. In der anderen Richtung funktioniert das natürlich nicht. Einzige Einschränkung ist, dass die alpinen, technischen Schneeschuhe ob ihrer Größe im tiefen, pulvrigen Schnee benachteiligt sind. Um im schwierigen Gelände bestehen zu können, dürfen diese Schuhe nicht zu groß sein – dies geht natürlich auf Kosten des Auftriebs.

Tubbs Flex VRT 24: Eine sichere Befestigung der Schneeschuhe am Bergschuh ist enorm wichtig. | Foto: Holger Stark
Eine sichere Befestigung der Schneeschuhe am Bergschuh ist enorm wichtig. | Foto: Holger Stark

Somit sind für mich die Qualitätskriterien für einen Schneeschuh, nach der Wichtigkeit absteigend:

  • Eine zuverlässige und stabile Fixierung des Fußes, also eine Bindung, die den Schneeschuh sicher am Fuß hält, sich nicht lockert, aber jede Bewegung mitmacht.
  • Eine sehr gute Traktion und sehr guter Grip in allen Hanglagen und Gehrichtungen sowie bei allen Untergründen. So benötige ich ausreichend große und stabile Krallen, ähnlich wie bei Steigeisen, um steile, auch vereiste Hänge frontal ersteigen zu können. Ebenso muss ein Schneeschuh randstabil und mit stabilen Zacken über die gesamte Länge versehen sein, um tiefe Schneehänge oder vereiste Harsch- und Firnfelder queren zu können.
  • Die Bindung muss einfach und zuverlässig bedienbar sein. Dies nicht nur beim entspannten Anziehen vor der Tour, sondern auch unterwegs, wenn man mit kalten Händen oder Skihandschuhen den Schuh fester fixieren oder in Notsituationen komplett lösen muss.
  • Ausreichend groß muss er sein, um Mensch und Gepäck auch im tiefen Pulverschnee genügend Auftrieb zu geben. Hier kann man aber noch am besten mit Kraft und Willen mögliche Unzulänglichkeiten kompensieren.

Ran an den Fuß – das Boa-Verschlusssystem

Das Boa-System der Tubbs-Schneeschuhe macht Freude durch die leichte Bedienung. | Foto: Holger Stark
Das Boa-System der Tubbs-Schneeschuhe macht Freude durch die leichte Bedienung. | Foto: Holger Stark

In diesem Winter ist die Vorfreude auf den Schnee besonders groß. Ich kann es kaum abwarten, endlich die neuen Schneeschuhe an den Füßen zu tragen. Leider muss ich ausgerechnet jetzt solange auf den ersehnten Schnee warten.

Doch dann ist er endlich da und die Tubbs finden zum ersten Mal den Weg an meine Bergschuhe. Die Bindung hatte ich mir vorher schon intensiv angesehen, auch kenne ich das verwendete „Boa“-Verschlusssystem von einigen meiner Schuhe. Bei den Tubbs Flex VRT scheint das Boa-System die ideale Lösung zu sein. So einfach und sicher war das Anziehen, Fixieren und der sichere Halt bei Schneeschuhen noch nie.

Einfach den Fuß, mit Schuh, bis zum Anschlag in die Bindung stecken und das Boa-Drehrädchen nach rechts drehen. Dann den Fersenriemen anziehen, bis der Schuh nach hinten ausreichend fixiert ist und die signalfarbene Kunststoffabdeckung flach anliegt. Fertig! DynamicFit-Bindung heißt das bei Tubbs und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Der Schuh ist exakt zentriert und steht genau richtig über den starken Frontzacken. Sollte sich die Fixierung zu locker anfühlen, einfach am Rad drehen, bis der gewünschte Halt erreicht ist.

Zum Ausziehen der Flex VRT Schneeschuhe am Boa-Rädchen ziehen, dadurch löst sich der gespannte Draht. Die Klemme am Fersenriemen öffnen und den Riemen etwas lockern. So kommt der Fuß schnell wieder frei.

Beim Boa-System läuft ein rostfreier Edelstahldraht in mehreren Kreuzgängen über den Fuß. Die Enden des Drahtes werden in einem Drehrädchen mit Zahnradrasterung zusammengeführt. Dreht man das Rädchen nach rechts, spannt sich der Draht. Zieht man das Rad nach oben, wird die Fixierung komplett gelöst. Ich bin begeistert, wie perfekt und zuverlässig das System funktioniert. Ich habe es bei leichten Minusgraden im feuchten Schnee, sowie bei minus 20 Grad getestet. Es gab nie Probleme. Das Rad konnte auch bei vollkommener Vereisung gedreht und gelöst werden. Natürlich ist zum Lösen ein gewisser Kraftaufwand erforderlich. Jedoch ist das Rad so ergonomisch geformt, dass man es auch mit dicken Fäustlingen drehen oder lösen kann.

Rauf auf den Berg – perfekte Traktion für alpines Gelände

Die starken Frontzacken der Tubbs Flex VRT 24 Schneeschuhe bieten Traktion in schwierigem Gelände. | Foto: Holger Stark
Die starken Frontzacken der Tubbs Flex VRT 24 Schneeschuhe bieten Traktion in schwierigem Gelände. | Foto: Holger Stark

Die Eignung der Tubbs Flex VRT 24 im alpinen Gelände ist sehr gut. Starke Frontalzacken aus Karbonstahl erlauben es, auch vereiste Hänge in direkter Linie zu ersteigen.

Im Aufstieg ist eine ausklappbare Steighilfe sehr hilfreich. Leider lässt sich diese nicht mit dem Skistock in Position bringen, sondern bedarf der Unterstützung der Hände.

Für Hangquerungen sind über die gesamte Länge der Schneeschuhe stabile Traktionsschienen befestigt, die jederzeit ein sicheres Gefühl und vor allem eine sehr direkte Führung erlauben. Im Abstieg helfen querverlaufende Zacken im hinteren Bereich, den Schritt gezielt einzubremsen.

Einen weiteren Vorteil sehe ich in der flexiblen und torsionsfreudigen Bauweise der Tubbs Flex VRT. So hat man wenig Mühe, immer den gesamten Schneeschuh aufzusetzen, um eine möglichst große Standfläche zu bekommen. Die flexiblen Heck- und Bugbereiche erlauben das Gehen in schwierigem Blockgelände oder auf Wurzelpfaden.

Größenwahl

Tubbs Flex VRT 24 Schneeschuhe - ideal in schwierigem Gelände. | Foto: Holger Stark
Tubbs Flex VRT 24 Schneeschuhe – ideal in schwierigem Gelände. | Foto: Holger Stark

Beachten sollte man, dass es den Tubbs Flex VRT in zwei Größen gibt. VRT 24 (61 Zentimeter Länge) und VRT 28 (71 Zentimeter Länge). Primär richtet sich die Größe der Schneeschuhe nach dem Gewicht des Benutzers, natürlich zuzüglich Gepäck. Ich persönlich komme mit dem VRT 24 sehr gut zurecht. Ich empfehle auch, wegen des besseren Handlings, wenn es geht, die kürzere Variante zu bevorzugen.

Test-Fazit: Die Tubbs Flex VRT 24 spielen bei anspruchsvollen Touren ihre Stärken aus

Für mich ist der Flex VRT die erste Wahl im alpinen und anspruchsvollen Gelände. Hier spielt der Tubbs seine volle Stärke aus. Die flexible Bauweise und die effizienten Krallen und Zacken können punkten. Das etwas höhere Gewicht gegenüber einer Rahmenbauweise wirkt sich nicht negativ aus.

Für lange, ebene Wege im tiefen Schnee bietet der Flex VRT auf Grund seiner kompakten Bauweise nicht so viel Auftrieb wie weniger sportliche Modelle.

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